Fandom

PonyPasta Wiki

A new Room for the Queen

381Seiten in
diesem Wiki
Seite hinzufügen
Kommentare62 Teilen

Öhm... jo, nen Vorwort will mir partout nicht einfallen, also... ja, lest es einfach!

Deckung, KRIEEECH!!!

Panzerschild.png
Panzerschild.png

Die folgende Ponypasta enthält Abschnitte mit kriegerischen Auseinandersetzungen, massiver Gewalt und viel Blut; lies sie dir also nur durch, wenn du dir der Inhalte bewusst bist und nicht gleich in Ohnmacht fällst, wenn du dir das Knie aufschlägst!


Erstes Kapitel: Was ein Stutenzimmer!Bearbeiten

Es war ein wunderschöner Morgen in Down Under.

Mit Ende der Nacht schob sich die Sonne langsam ans Himmelszelt und erhellte mit ihren Strahlen ganz Equestria inklusive der unterirdischen Hauptstadt der Ziegen, in deren Palast Ziegenkönig Robert gerade an der Seite seiner Stute Luna erwachte: "Hallo Schatz, guten Morgen!"

"Oh Kerl...", kam die knappe Antwort und sie drehte brummelnd um, "lass mich pennen!"

"Nix pennen, wir haben heute viel zu tun, Audienzen und..."

"Leck mich, ich stehe nicht auf!"

Na egal, dann eben nur ich...

---

Drei Orangen und einen kleinen Berg Pfannkuchen inklusive Schokosoße intus machte der Ziegenkönig es sich zufrieden in seinem Thronsaal zufrieden und jagte seine Modellbahn kreuz und quer über den Boden, als seine Königin im Morgenmantel und mit Häschenschlappen endlich um halb zehn aus ihrem Gemach schlurfte und sich einen Kaffee aufsetzte.

"Tee wäre fertich!", rief er ihr zu.

"Bringt nix, ich brauch was Starkes."

"Okey Schatz!"

Erneutes Grummeln... was hatte sie denn bloß?

---

Nach einer halben Ewigkeit hatte Luna es durchs Bad geschafft und gammelte nun lustlos auf ihrem Thron herum... heiliger Hellje, hatte sie eine Dampfwalze überrollt oder was war los?!

Robert nahm sich ein Herz: "Schatz, was hast du denn?"

"Nix."

"Och komm schon, sach an - ich bin dein Hengst, ich verst..."

"Das Zimmer."

"Wie das Zimmer?"

"Na unser Zimmer, unser Schlafzimmer!"

"Wie darf ich das jetzt verstehen?"

"Oh Kerl, du bist schwer von Begriff - ich mag es nicht mehr, okay? Die Wände sind mist, die Einrichtung könnte man glatt dem Armenhaus schenken und..."

"Also Luna, das ist mies!"

"Ist doch wahr, das Bett bricht beim nächsten Sex zusammen und die Schränke quietschen mich voll - kurzum, es soll weg!"

"Und stattdessen?"

Jetzt reichte es Luna: "IST DAS MEIN PROBLEM?!?! ES IST DEIN SCHLOSS, LASS DIR GEFÄLLIGST WAS EINFALLEN!!!"

Und ehe was kannste war sie aufgesprungen und aus dem Saal galoppiert... kopfschüttelnd sah Robert ihr nach - Stuten!

---

Kaum war sie verschwunden, segelte Sonea mit einem Looping durch den großen Deckenleuchter und legte eine astreine Bruchladung zwischen all der Modellbahn hin, ohne auch nur ein winziges Teilchen zu beschädigen: "Uups, und guten Morgen Dad - na, mal wieder Mum nicht zufrieden bekommen die Nacht?"

"Nee, sie wollte nicht mal nen Gute-Nacht-Kuss, und jetzt weiß ich auch wieso..."

"Du bist fremd gewesen?", kicherte seine Tochter mit vorgehaltenem Huf

"Witzig, aber das hättest du erstens gehört und ich würde zweitens nicht aus dem Bett kommen, weil mein... ja - nee, sie sachte, dass ihr unser Schlafzimmer nicht mehr gefällt... das war auch schon alles."

"Was, und deswegen so ein Theater?!"

"Verstehe einer Stuten... dich ausgenommen!", lachte Robert gleich einen Tick fröhlicher, "na ja, ich verschwende denn mal meinen Vormittag, um das Problem aus der Welt zu schaffen - auf zum Einrichtungsheini!"

"Und wer macht dann die Audienzen?"

"Na, wenn du nicht da bist bleibt nur Jack, oder?"

"Ohhh Dad, du bist so ein Schinken!"

"Ich weiß, und deswegen nutze die Gunst der Stunde - mein Bruder wird nicht lange auf sich warten lassen..."

"Bin schon wech!", johlte Sonea und nahm Anlauf, "ach ja, wann soll ich wieder da sein?"

"Ist Mittag okey?"

"Mittag passt, wenn ich nicht eingeladen werde, alles klar?"

"AK, und viel Spaß dir!"

"Danke, dir auch!"

Und weg war auch sie... wahrscheinlich wird sie die Ponyville Mafia überfallen, dachte Robert belustigt, na ja, denn mal ab in die Stadt!

---

Der Ziegenhausausstatter lag in der Hauptstraße kurz vor dem Hauptbahnhof rechts in einem eher unscheinbaren Lagerhaus, in das sich der Ziegenkönig nun vorbei an Mobiliar und Holzkisten schob. Zwei Packziegen schleppten einen Schrank herum, drei weitere mühten sich mit einem kleinen Kran ab, mehrere Putzziegen schrubbten den Boden.

"Mein König, welche Ehre!", verneigte sich der Geschäftsinhaber, J. C. Rayls vor ihm, "kommt Ihr auf eine Visite der Arbeiten vorbei oder was verschafft uns diese Ehre Eures Besuches?"

"Nein, besser - ich suche ein Zimmer, ein neues Zimmer für meine Frau!"

Erstaunte Sprachlosigkeit, die Angestellten tuschelten.

"Hättet Ihr da etwas da?"

"Mein König, das... ich... ich bin überrascht, aber ich werde etwas passendes für Euch finden, kommt nur mit in mein Büro, dort habe ich einige Bücher voller traumhafter Räume für die Königin!"

---

Das Arbeitszimmer Rayls war überfüllt mit Akten und Papierstapeln, die Bücherregale quollen fast über, dazwischen herrschte ein Chaos aus Kaffeetassen, anderem Kleinkram und 3D-Modellen bereits gefertigter Zimmer. Wie in der Firma üblich wurde so etwas auf Kundenwunsch angefertigt, falls nötig noch Änderungen vorgenommen, und anschließend nach Maß produziert - ansonsten gab es klassische Einbauküchen und Standardmöbel, die man sich natürlich auch besorgen konnte...

"Hm, wo haben wir es denn? - Ach, hier... so...", der Ziegenbock zog ein Buch aus einem besonders hohen Stapel, der gefährlich schwankte, schlug es in der Mitte auf und präsentierte Robert eine Doppelseite voller Königsgemächer aus der Menschenwelt, "hier mein König, die schönsten der schönsten Zimmer der Könige der Menschenwelt - lasst Euch ruhig Zeit und fragt jederzeit, ich werde die Antwort wissen!"

"Danke, und mache ich...", vertiefte der sich in das Papier, "hmmm... nicht schlecht, aber haut mich alles nicht so um..."

"Einen Augenblick!", keuchte Rayl und verschwand in einem Quergang, "wo steckt es... ah, da!"

Der nächste Wälzer, aber auch hier nichts, was Robert zusagte... weitere Werke folgten, bis sein Blick an einer Risszeichnung hängen blieb: "Hey, was ist das hier für eins?"

"Das? Oh, ich... sofort...", zwei Mappen landeten vor ihm, aus denen der Ziegenbock zwei Farbfotos fischte, "das... ist das berühmte Bernsteinzimmer aus Sankt Petersburg, welches in Berlin gefertigt und 1716 dem russischen Zaren Peter den Großen verschenkt wurde, dort schließlich 1943 von den Nationalsozialisten abgebaut und versteckt wurde - bis heute weiß niemand wo genau!"

"Es ist verschollen?"

"Ja, ein ganzer Berg Kisten! Und der Wert ist unermesslich... es ist einfach einmalig!"

"Na wenn das nichts ist - das nehme ich!"

"Hervorragend, ich lasse sofort die Architekten ran und..."

"Ach was, das Original meine ich!"

"Aber mein König, dieses ist versch..."

"Mir schon klar, aber das findet sich schon - vielen Dank dir, und nun entschuldige mich, ich habe eine Stute glücklich zu machen!"

Und ehe Rayl noch etwas erwidern konnte war Robert auf und davon...

---

Eine Schlange wartete schon vor dem Haupteingang des Ziegenschlosses, welche Robert geschickt umging und sich ohne gesehen zu werden bis zu Soneas Zimmer durchschlug. Ohne zu klopfen drückte er die Klinke herunter und schob sich hinein... unwillkürlich breitete sich ein Grinsen über sein ganzes Gesicht aus... oh Sonea!

Die lag im Bett und knutschte mit einer Stute herum... ganz die Mama...

"Störe ich die Damen?", erkundigte er sich sarkastisch und die beiden kippten vor Schreck fast aus der Kiste: "DAAAD!!!"

"Ja, der bin ich?"

"DAD, HAST DU SCHONMAL WAS VON ANKLOPFEN GEHÖRT?!?!"

"Klar, aber wenn ich mit nichts rechne..."

"Solltest du aber, ich bin deine Tochter!"

"Auch wieder wahr!", hüstelte er und trat zu ihrer Freundin ans Bett, "na Kleine, jetzt schon bei Sonea unterwegs?"

"So kann man's ausdrücken!", kicherte Lea begeistert und ließ sich auf den Rücken fallen, "du weißt ja, seitdem Terra regiert habe ich viiiel Zeit!"

"Klar weiß ich das, aber solange du du bist und mal hin und wieder vorbeischaust...", er rückte auf ihren Bauch und umschlang ihre Hufe, beugte sich bis zu ihrem Mund und küsste sie leidenschaftlich, "... habe ich da auch nix gegen!"

"Naw, wie niedlich...", bemerkte Sonea mit erstklassigem Pokerface, "mein Dad, der großartige Ziegenkönig, hält wie immer nix von Ehe und küsst in seinem Schloss eine andere, wenn Mum nicht da ist!"

"Und meine Tochter, die kleine artige Prinzessin, von der das ganze Volk begeistert ist, zieht lieber des Nachts nach Ponyville und macht die Mafia platt, während ihr Traumprinz alleine zuhause sitzt!"

"DAAAD!!!"

"Ihr seid schon eine Familie!", lachte das unter Robert begrabene Einhorn und schleckte ihm über die Nase, "aber ich mag das, meine Sippe ist manchen tags einfach zu ernst und unentspannt... und mein Schöner, wo kommst du eigentlich gerade her?"

"Aus der Stadt, mit einem großen Plan im Gepäck!"

Soneas Neugier war geweckt: "Du hast ein Zimmer bekommen?"

"Sozusagen - aber abholen müssen wir es noch!"

"Und wo ist der Haken?"

"Es ist seit über sechzig Jahren verschwunden und keiner weiß, wo es versteckt ist..."

"Also das Bernsteinzimmer oder watt?!"

"Genau das!"

"Kerl, du hast Ideen... aber warum nicht, in bin d'bei!"

Auch Lea war mittlerweile hellhörig geworden: "Ihr wollt ein verschwundenes Zimmer suchen? Wo denn?"

"In der Menschenwelt, Dummerchen!", klärte ihre Freundin sie auf und zog ein Buch aus einem der Wandschränke, welches auf dem Schoß des Einhorns landete und sich selbst aufschlug, "hier, das hier ist es!"

"Uhhh!", hauchte es beeindruckt, "heilige Celestia, das ist wunderschön! Aber... aber warum wollt ihr das suchen?"

"Luna gefällt ihr altes nicht mehr...", gestand Robert, "und ja - ich wollte ihr halt was Neues besorgen!"

"Ah, verstehe... und... wann müsst ihr los?"

"Je eher desto besser - warum fragst du?"

"Na ja... ich..."

"Du willst mitkommen?"

"Also eigentlich..."

"Na gerne, zu dritt macht es sowieso mehr Spaß!", freute sich Sonea und zog Lea zu sich, "bitte, ohne dich ist's nicht halb so gut!"

"Aber ich war noch nie so wirklich in der Menschenwelt und noch nie auf so einer Suche..."

"Vertrau mir!", beruhigte Robert sie, "das macht jedes Mal einen Mordsspaß und ist voll abgefahren - letztes Mal in Leipzig war der Knaller, wir haben sogar eine Sonderfahrt auf einer Lok gemacht!"

"Ich... weiß ja nicht..."

"Na, ich schätze sowieso mal, dass das viel zu langweilig wird, was meinst du Sonea?"

"Absolut, wir werden wahrscheinlich nur durch Sankt Petersburg latschen... nur an Schnapsläden und Sexshops vorbei..."

"Sexshops?!"

"Na was dachtest du denn, glaubste die Menschen haben sowas nich?"

"Dad, die sollen doch richtig geil auf sowas sein...", flötete Sonea, "und was es da alles an Spielzeugs gibt..."

"DA MUSS ICH MIT!!!", quietschte Lea überwältigt und rang Robert zu Boden, "BITTE, NEHMT MICH MIT, BITTE!!!"

"Naw, wenn die kleine Lea schon sooo lieb fragt... Sonea, was sagst du?"

"Nix dagegen, meinetwegen gerne!"

"Dann bist du dabei!"

"Yippie!"

---

Zweites Kapitel: Sankt PetersburgBearbeiten

Der russische Juni empfing die drei Dimensionsreisenden mit einem warmen Westwind, der der Menschen-Lea das erste Gefühl des Unbekannten überbrachte... es dauerte einige Minuten, bis sie sich gänzlich an das Zweibeinlaufen gewöhnt hatte und mit Sonea begeistert hinter Robert her dackelte, der sie aus dem Park vor einen großen Teich führte: "Schaut, wir sind da!"

Der Katharinenpalast erhob sich majestätisch am anderen Ufer und wirkte noch heute so wie vor vierhundert Jahren - prachtvoll und glamourös, einfach überwältigend.

"Wow!", gestand Lea hin und weg, "das ist... fast noch schöner als Canterlot!"

"Dabei hast du noch nicht mal das Innere gesehen..."

Sonea sollte recht behalten...

---

Der Nachbau des Bernsteinzimmers sprengte all ihre Vorstellungen, sogar Roberts.

Der Museumsguide war gut drauf und ließ sich sogar zur kompletten Geschichte des Originals auf russisch herumreißen, welche Sonea gekonnt für ihre Freundin übersetzte... als er geendet hatte und sich in Richtung des nächsten Raums aufmachte, zog das junge Alihorn seinen Vater beiseite und fragte: "Dad, was hat er als Letztes gesagt?"

"Dass es viele Theorien gibt, wo das Zimmer sein könnte, und sich bis heute keine bewahrheitet hat... Abertausende hätten es schon gesucht, aber wären erfolglos geblieben..."

"Also das altbekannte."

"Nicht ganz - er sagte mir, dass wir uns mal in der örtlichen Kunstszene umhören sollen, vielleicht kann uns da jemand weiterhelfen!"

---

Mit der Metro bretterten die drei anschließend in die Innenstadt, stiegen am Hauptbahnhof aus und schlugen sich bis zur Wassiljewski-Insel durch, welche ihnen wärmstens bei der Suche empfohlen worden war... in den Kneipen würde man so einiges hören, hatte es gehießen... na warum nicht?

Vor einer recht großen mit Aufschrift Для Линко́р (Zum Schlachtschiff) stoppte Robert und drehte sich zu seinen Begleiterinnen um: "Ich würde sagen wir sind da!"

---

In den Räumen des Schlachtschiffs war es schummerig, die Tische meist übervoll besetzt, die Platten voller großer und kleiner Krüge oder überladen mit Wodkagläsern... hier und da schnappte Sonea ein paar Brocken auf, doch keinesfalls etwas bezüglich des Bernsteinzimmers. Dafür hingen alle Blicke der überwiegend männlichen Besucher auf ihr und Lea... mussten solche Kerle auch grundsätzlich immer glotzen, bis ihnen die Augen aus den Köpfen zu fallen drohten?!

Ihr Vater hatte dieses Problem jedenfalls nicht und ließ sich auf einem Barhocker nieder: "Ein großes Bier bitte!"

"Noch eins! - Und du, Lea?"

"Ein... einen Saft, bitte!"

"Einen Saft dazu?"

"Was für einen?", brummte der Wirt zurück.

"Lea, was für einen?"

"Ähm, wenn sie Kirsche haben..."

"Kirsche?"

"Haben wir nicht, wir haben überhaupt keinen Saft!"

"Dann nen Wodka, den schwächsten den's hier gibt!"

"Kommt gleich."

---

Zwei Männer erhoben sich von einem nahen Gelage und schoben sich neben Robert: "Hey Fremder, was führt dich denn hierher?"

"Ein ganz besonderes Zimmer!", zwinkerte der Ziegenkönig geheimnisvoll, "ich habe gehört hier in der Szene sind Dinge bekannt..."

"Das Bernsteinzimmer?", die Augen des einen leuchteten geheimnisvoll, "oh ja, die Gerüchte... aber nicht mehr und nicht weniger..."

"Reicht mir schon - wer von euch kann uns helfen?"

Der Wirt stellte die Getränke auf den Tresen, Lea griff sofort zu und nahm den ersten Schluck.

"Dir können wir helfen, deinen zwei Zuckerschnecken nicht."

"Auch recht!", fand Robert und wandte sich an Sonea, "hier...", er drückte ihr mehrere Scheine in die Hand, "amüsiert euch solange schön, in einer Stunde wieder hier, alles klar?"

"Das ist nen Wort, los komm Lea - wir stürmen den Hafen!"

"Au ja!", quietschte die und exte ihr Glas, "nächtliches Sankt Petersburg, wir kommen!"

---

Zehn Minuten später droschen die Männer am Stammtisch mit Robert Karten, Pokerchips wechselten laufend die Besitzer. Für den Ziegenkönig sah es erwartungsgemäß gut aus... genüsslich kippte er sein drittes Bier und sackte bestens gelaunt die nächste Runde ein. Seine Genossen nahmen das zähneknirschend zur Kenntnis, schwiegen sich aber aus.

Erst ihr Wortführer taxierte ihn genau und fragte schließlich: "Fremder, du hast mehr Glück als Verstand - wie machst du das?"

"Keine Ahnung, aber ich finde das nicht schlecht - Jungs, watt wisst ihr denn nun über datt Zimmer?"

"Nicht viel, bis auf den todsicheren Abtransport nach Kaliningrad im Jahr 1943 - aber das ist nichts Neues."

"Nach Königsberg?"

"Ja, dort soll es angeblich heute noch liegen... vergraben in den Kellern des alten Schlosses..."

"Aber ich denke, das wurde abgerissen!"

"Ja, aber die Gemäuer unter der Erde sind größtenteils noch intakt - teils eingestürzt, vermute ich persönlich es da unten irgendwo... aber um es zu finden müsste man schon die Schweine fragen, die es da eingemottet haben!"

"Hm... habt ihr zufällig einen Plan dieses Schlosses?"

"Da müssten Sie sich einen Tag gedulden, morgen kann ich einen mitbringen... wollen Sie das Zimmer suchen?"

"Ja, hatte ich vor - und dann schenke ich es meiner Frau!"

Das rege Gequatsche der Russen verstummte augenblicklich - WAS HATTE DER FREMDE DA GERADE GESAGT?!?!?!

Robert merkte selbst, dass er etwas Unpassendes von sich gegeben hatte: "Ähm, ich meinte natürlich, dass ich es an Russland übergeben werde, wenn..."

"Nein, Sie haben etwas anderes gesagt!", fuhr ihn der Anführer an und donnerte die Faust auf den Tisch, "SIE WOLLEN ES STEHLEN UND FÜR SICH ALLEINE HABEN, UND WIR HELFEN IHNEN DABEI AUCH NOCH!!!"

"Bin denn mal raus!", versuchte sich der Ziegenkönig noch schnell aus der Affäre zu ziehen, aber hinter ihm standen bereits drei Bären und drückten ihn auf den Stuhl: "Sie gehen heute nirgendwo mehr hin."

"Ach... nein?"

"Nein."

"Tja, dann muss ich leider..."

KA-RUMMS!!!

---

Mit einem gezielten Tritt katapultierte der Tisch nach oben und knockte mehrere Männer aus, mit einem Ruck nach unten war Robert frei und zwischen allen Füßen hindurch, tunnelte einen Besoffenen und war mit zwei Sätzen auf der Bar, von der er sich einen flugsen Überblick verschaffte - und selbst für Momente vor Staunen inne hielt: Ein Kleintransporter hatte den Eingang samt Diele zerlegt und steckte mit der Ladefläche voran mitten im Schlachtschiff - die Heckklappe polterte zu Boden und Sonea winkte ihrem Vater hektisch zu: "LOS, MACH SCHON!!!"

"HALTET IHN!!!", schallte es durch die Bar und der Wirt riss Robert mit sich hinter die Theke, wo der Ziegenkönig dem Barheini mit nur zwei Kopfnüssen platt machte und sich mit Wodkaflaschen bewaffnete, "UND DIE TUSSI AUCH!!!"

"DAS TUSSI HABE ICH ÜBERHÖRT!!!", lachte das Mädchen böse und riss eine MP5 von ihrem im Schatten liegenden Rücken, "FLOSSEN HOCH, ALLE MANN - WIRD'S BALD?!?!"

Schreiend verkrochen sich etliche unter den Tischen, einige flohen in heller Panik, drei hingegen fuhren in ihre Jacken und rissen sich Pistolen heraus - durch dieses Kreuzfeuer musste Robert durch, irgendwie! Flaschen hinter ihm zersplitterten in tausend Scherben, auch ihn wollten sie wohl eher tot als lebendig... und ausgerechnet mal keine Waffe dabei!

Ein Foto aus einem zerschossenen Rahmen segelte vor seine Füße... von Außenminister Wjatscheslaw Molotow, dem Mann mit dem speziellen Geschmack, was flambierten Wodka anging... hey, gar keine dumme Idee mal!

Der Wischlappen war ideal, ein Feuerzeug hatte der Wirt verloren, konzentrierter Alkohol war mehr als genug vorhanden... das Gebräu war binnen kürzester Zeit einsatzbereit und hatte die nötige Betriebstemperatur intus, die Runde ging aufs Haus, welches die Feuerwalze versengte. Die Statisten brannten für ihre Show und rissen sich dafür sogar die Kleider vom Leib, das alte Holz der Einrichtung stand binnen Sekunden vollkommen in Flammen - Robert nutzte seine letzte Chance und entkam den Inferno ohne Sturmfrisur, nutzte seinen Schwung und bolzte auf die Ladefläche, was Sonea sofort mit "LEA, GIB STOFF!!!" quittierte.

"Jo, volle Suppe - nein besser, volles Glas!", giggelte es von vorne und die junge Stute trat das Gaspedal durch.

---

Drei Straßen weiter konnte Sonea den Fahrersitz endlich erobern und bretzelte mit 120 über die Busspur, während Lea in Roberts Armen lag und albern vor sich hin kicherte... "Sonea, was hast du denn mir der hier angestellt?"

"Ich gar nix!", verteidigte seine Tochter sich murrend, "aber das Gläschen hat ihr vorhin nicht gut getan, und als ich einen Moment lang nicht aufgepasst habe, ist sie in nen Laden und hat ne ganze Flasche hochprozentigen... ja!"

"Aua!"

"Ja, eben... die Verkäuferin war echt sauer über die Schweinerei, aber ich konnt' ja bezahlen..."

"Und der Laster hier?"

"Wir mussten uns den'na ma kurz ausleihen... weißte, Lea musste natürlich unbedingt in einen Sexshop rein..."

"... hatten wir ihr auch versprochen..."

"... ja, aber der Typ da wollte sie glatt einstellen... rate mal wozu... und besoffen wie sie war hat sie natürlich nicht nein gesagt..."

"Heilige Arriva!"

"Tja, und um sie da wieder rauszukriegen musste ich dem Kerl mal zeigen, dass man meine Freundin nicht einfach so antatscht - dummerweise kamen, kaum dass er tilt war, seine Mitarbeiter oder Verwandten und... ja, der eine hatte ne MP5 dabei, die musste ich natürlich haben!"

"Is klar..."

"Und du, warum haben sie dich fast gelyncht? Wir sind wohl grade rechtzeitig gekommen..."

"Seid ihr, und da vorne biegst du bitte nach rechts ab - wir müssen nach Königsberg!"

"Kaliningrad meinst du?"

"Genau, denn da beginnt unsere Suche!"

---

Bis kurz vor Луга (Luga) schaffte es die Tankfüllung, sodass sie die Stadt kurz vor Mitternacht zu Fuß durchquerten. Auf einem Parkplatz vor einem Einkaufszentrum knackte Robert einen alten Lada und röbelte damit in die Innenstadt, wo er seine beiden Tussis vor einer Disco einsackte... Sonea hatte schon vor der Abfahrt gegrinst und entleerte nun die drei Einkaufstüten auf der Rückbank - Waffen und Magazine!

"Heilige Celestia!", staunte Lea, "Sonea, wo hast du die denn her?"

"Tja, ich war doch mal kurz mit dem Typen draußen... und der hatte solche netten Kanonen im Kofferraum, dass ich schlecht nein sagen konnte - außerdem wollte der mich sowieso vergewaltigen, und dieses Sabbermaul musste ich mir nicht länger ansehen!"

"Ganz mein Geschmack!", lachte Robert und zauberte eine Flasche Wodka aus dem Handschuhfach, "sodella, ich würde mal sagen Lea kriegt alles und wir beide schauen in die Luft, oder?"

"Au ja!"

"Sicher doch!"

"Wobei, der Fahrer muss wach bleiben...", er nahm einen großen Schluck und reichte den Rest seiner Tochter, "hier - und wehe Lea kommt dem zu nahe!"

"Ey, ich will auch!"

Es hagelte Hände, Knuddel, Kreischer, aber Terras Cousine kam nicht an den ersehnten Alkohol heran... erst als Sonea seufzend eingeschlafen war trank sie auf ex und war schneller im Reich der Träume als Robert die Grenze zu Lettland überquert hatte...

---

Die litauischen Zöllner waren schwerer zu überzeugen, was dem Ziegenkönig nach einigem Hin und Her (und weil er vorausschauend die Waffen in der Karosse des Autos versteckt hatte) dennoch gelang, sodass die drei am Morgen kurz vor neun Uhr in Kaunus, Lettland, auf einem Parkplatz anhielten und Sonea das Steuer übernahm.

Die Rückbank quer pennte ihr Vater, Lea tauschte nach vorne und es ging immer mal knutschend weiter, dem ehemaligen Ostpreußen entgegen.

---

Jack hatte die letzten paar Audienzen hinter sich, als Mellis Marlin eintrat und vor seinem Prinzen salutierte: "Mein Prinz, ich habe weder Euren Vater noch Eure Schwester auf die Schnelle aufspüren können, es deutet wohl alles darauf hin, dass sie sich in die Menschenwelt aufgemacht haben!"

"Das habe ich auch schon vermutet, danke. Wissen Sie etwas über ihren derzeitigen Aufenthaltsort?"

"Nein, bislang leider nicht, so sehr..."

"Dann machen Sie hinne, wofür bezahlt meine Familie Sie eigentlich?!"

"Mein Prinz, ich muss doch sehr bitten - wir tun, was wir können, und es ist leider oft so, dass Euer Vater verschwindet, ohne wenigstens einer Ziege Bescheid zu sagen, aber wir finden ihn schon wieder!"

"Tut das, und nun verschwinden Sie, und kommen erst zurück, wenn sie Terras Cousine aufgespürt haben! Der equestrianische König ist sehr verärgert über den Leichtsinn meines Vaters und..."

War das zu fassen?! - Weg war der Ghost Rider... ohne ihn ausreden zu lassen! Na der konnte sich warm anziehen!

---

Drecksgör, saublödes!, dachte Mellis sich verärgert, und das sollte der neue Ziegenkönig werden?! Lächerlich, und wenn doch würde er desertieren und mit Shadow zu den Combine gehen!

In der Zentrale erwarteten ihn schon Ferdi und Ameli, Hannes war nicht da, Lyra saß an einem der großen Bildschirme und klickte sich durch Überwachungsaufnahmen großer Städte der Menschenwelt: "Und, habt ihr schon was?"

"Nee, noch nicht...", brummte die Equestriastute und beobachtete den Central Park in New York, "bislang hatte ich die drei nicht auf dem Schirm."

"Und ihr?"

"Ameli und ich haben das große Portal untersucht, aber das hat Robert nicht benutzt - und du, wie war dein Gespräch mit Jack?"

"Grausam... und das soll unser neue König werden..."

"Ich wäre schwer für Sonea!", rief Hannes im Reinkommen und knallte sich in einen der Sessel, "aber leider ist sie nicht die Erstgeborene... egal, ich war in der Stadt und habe rausgekriegt, dass unser König bei Rayls war und sich ins Bernsteinzimmer verschossen hat!"

---

Drittes Kapitel: Königsberg (Preußen)Bearbeiten

Kaliningrad.

Von einem kleinen Hügel aus blickten die drei Fremden aus Equestria auf die alte deutsche Hafenstadt am Frischen Haff, heute Vorzeigeexklave Russlands.

"Daheim!", lächelte Robert verschlafen, "und danke für's Fahren, Sonea... ich... oh man, ich bin so müde..."

"Keine Panik Dad, wir ham doch Zeit!"

"Haben wir die?"

"Aber sicher Lea, jetzt werden wir zuhause sowieso schon vermisst, und wie ich Dad kenne hat er keiner Seele Bescheid g'sagt!"

"Habe ich auch nicht, soweit kommt's noch! - Egal, die machen sich eh zu viele Sorgen... lasst uns zum Haus der Sowjets fahren!"

"Haus der Sowjets?!"

"... die Ruine, an dem früher einst das Königsberger Schloss stand."

---

Sankt Petersburg, 7:00 morgens

Frischer Kaffee mit einem Schuss Wodka, was könnte schöner sein?, fragte sich die Kassendame gerade, diese Ruhe, die ersten Besuchen würden sowieso nicht vor neun kommen... die Schiebetür glitt geräuschlos auf und fünf Gestalten traten ein, ein Mann mit feuerroten Haaren direkt vor die Theke: "Доброе утро - ich hätte eine Frage... haben Sie diesen Mann gestern hier gesehen?"

Ein Foto lag auf dem Tisch, schwarze ungekämmte Haare und ein bescheuertes Grinsen - ja, natürlich! "Tut mir leid, aber ich darf Ihnen keine Auskünfte über unsere Besucher geben."

"Sie müssen!"

"Ich muss gar nichts, was... AH, HILFE!!!"

Eine Kalaschnikow deutete über die Holzplatte, der Anführer drehte sich seufzend um: "Lyra, steck deine Wumme weg - hier sind überall Kameras, und wir wollen nicht gleich die Polizei am Hals haben!"

Der Guide trat ein: "Natasha, was ist hier los?! Was schreist du die Besucher so an?!"

"DIE SIND BEWAFFNET!!!"

"Ach ja?", erwiderte Ferdi, "von wegen! Wir wollten nur wissen, ob der Dame gestern ein Mann aufgefallen ist..."

"Ein Mann? Was für ein Mann?"

Mellis reichte dem Russen das Foto, dessen Gesicht sich sofort erhellte: "Aber ja, der war gestern hier, mit seinen Töchtern, und hat ganz viel über das Bernsteinzimmer wissen wollen - ich habe ihn ins Künstlerviertel geschickt... ausgerechnet da hat es gestern eine Schießerei gegeben, in unserem schönen Sankt Petersburg!"

Ameli und Hannes warfen sich vielversprechende Blicke zu, der Ober-Ghost-Rider nickte: "Danke, Sie haben uns sehr geholfen - Приятного дня."

Und weg waren sie.

---

Einen Eingang kannte Robert, auch die ersten hundert Meter durch die unterirdische Finsternis waren nicht das Problem, erleuchtet von ihren drei Helmlampen kämpften sich die drei Abenteurer durch die muffigen Tunnel.

"Ich glaub hier gibt's überall Ratten!", quietschte Lea gequält, "ihhh, mich hat eine berührt!"

"Wenn's weiter nichts ist... Dad, wie weit ist es bis zu dem Teil, wo das Zimmer liegen soll?"

"Noch nen kleines Stück... ist größer hier als ich dachte, aber ich habe die Wegbeschreibung voll im Kopf - stellt euch mal vor was wäre, wenn mir jetzt nen Stein auf die Rübe fällt..."

DOTZ!

---

Der Obstlaster rumpelte, gerade seinen Auspuff verloren, über die Schnellstraße gen Innenstadt, Lyra fuhr, Mellis und die anderen schwiegen sich an, bis der Oberghostrider den Punkt ansprach, der alle beschäftigte: "Sacht mal, was würdet ihr machen, wenn Jack Ziegenkönig wird? Abhauen oder bleiben?"

"In seine Dienste treten, gar keine Frage, alles andere wäre Desertion! Und Deserteure müsste ich auf der Stelle erschießen, selbst wenn ihr es wärt!"

"Lyra, das liegt immer noch im Anmessen des Königs, und außerdem ist Jack ein Schwachkopf!", mischte sich Ameli ein, "ganz ehrlich, ich würde lieber mein Fell schwarz färben und Schatten werden als... das."

"ICH WERDE EUCH TÖTEN MÜSSEN!!!", schrie das Einhorn mit dunkelrotem Kopf und riss das Steuer herum, nur um Haaresbreite schlitterten sie an einem PKW vorbei und kamen auf der Standspur zum Stehen.

"LYRA, DAS STEHT HIER NICHT ZU DEBATTE - ALSO HALT DEN RAND UND BEHALT DAS GESPRÄCH HIER FÜR DICH, ICH BEFEHLE ES DIR!!!"

Schon war Ruhe, langsam fädelten sie sich wieder ein und näherten sich Kilometer für Kilometer der Wassiljewski-Insel... ein kleines Stück hinter ihnen folgten drei Polizeibusse...

---

"Ich wusste... dass das... passieren wird...", heulte Lea, der Sonea sanft durch die Haare streichelte und sie an sich drückte: "Ganz ruhig, wir finden hier schon raus... hoffentlich."

Sie waren seit über einer halben Stunde ohne Navigator, und ihr Vater wog sicher eine Tonne... Lea hatte ein wenig Platzangst und würde hier noch durchdrehen, wenn sie nicht bald rausfanden! Und so schwer konnte das doch gar nicht sein... etwa noch zwanzig Meter, dann rechts, und schon - Sackgasse!

"Das gibt's doch nicht, hier hätte die große Halle sein müssen, durch die wir..."

"Wir sind verloren!"

"Lea!", Sonea packte ihre Freundin an den Schultern und schüttelte sie kräftig durch, "verlier hier bloß nicht die Nerven und hilf mir lieber einen Weg nach draußen zu finden, wenn nicht IST DAS HIER UNSER GRAB!!!"

Von allen Wänden hallte das GRAB wider, und selbst der Prinzessin wurde es mulmig zumute... heilige Arriva, bitte hatte das niemand gehört... ohne Waffe kam sie sich doch etwas schutzlos vor...

Tack, Tack, Tack.

"L... lea, warst... du das?!"

"N-nein!"

"Fuck, da ist was!"

"H-hilfe!"

"Halt mal Dad!", sie übergab den bewusstlosen Robert und hob eine Eisenstange auf, "ich beschütze uns, versteck dich im Schatten der Mauer!"

Flugs war Lea auf Position und presste sich an die Wand... Sonea hielt den Atem an, das Geräusch wurde lauter... und kam näher! Hoch erhoben hatte sie ihre Waffe, als ein schwacher Lichtschein den Gang erleuchtete und sich näherte - bis vor ihr ein alter Mann stand und in astreinem Deutsch scherzhaft fragte: "Na Mädchen, habt ihr euch verlaufen?"

---

Die Polizei stoppte den Laster kurz hinter der Abfahrt, die Beamten kontrollierten die Papiere und baten die fünf Fremden auszusteigen und sie zu ihrer mobilen Einsatzzentrale zu begleiten, einzusteigen und es sich bequem zu machen - aber doch bitte ohne Gewalt. In Anbetracht der Kalaschnikows der zu freundlichen Russen verblieb selbst die von Lyra in ihrem Versteck, und das Team machte sich aus ihrem Fahrzeug - nur um mit wenigen Schritten, Schlägen und Sprüngen in Bruchteilen von Sekunden alles um sich herum auszuschalten und bewusstlos zu kloppen.

Mit neuen Uniformen, Jarygin PJas an den Gürteln, drei PP-2000 und zwei AK-74 nebst Lyras 47er rollten sie weiter gen Innenstadt - na das war ja mal wieder erste Sahne gelaufen!

---

Der alte Mann führte die beiden dankbaren Mädchen durch die muffigen Tunnel bis zu seiner Behausung, einem alten ausgebauten Kellergewölbe: "Aber erzählt niemandem, dass ich hier wohne - das würde den Russen gar nicht gefallen!"

"Und wieso sind Sie hier unten und nicht irgendwo...?"

"Tja, das werdet ihr gleich sehen...", grinste er und schloss auf - drinnen erwarteten sie alte alte Uniformen, Bilder des alten Königsbergs und ein Portrait von einem Männchen mit Schnäuzer... "Sie sind deutscher Soldat gewesen!"

"Richtig, und das ist nun... schon so lange her... tja, aber so spielt das Leben, und bei der Evakuierung von Königsberg damals dachte ich mir, dass in sowjetischen Kriegsgefangenenlager zu sterben schlimmer sei als hier unten umzukommen... aber da lag ich falsch, hier gab es massenhaft Vorräte, und auch wenn die Russen hier jeden Stein umgedreht haben, mich haben sie heute wie damals nicht zu Gesicht bekommen, haha!"

"Dann kennen Sie sich sicher sehr gut aus!"

"Nicht nur das... ich habe alles aus dem Schloss gerettet, was zu retten war, und dabei den einzigen Plan dieser unterirdischen Kammern und Gänge gefunden - hier drin...", er tippte sich an den Schädel, "hier drin ist seine letzte Kopie... na ja, ihr wollt doch sicher etwas trinken, oder? Und euer Vater braucht sicher etwas Kühles - das habe ich alles hier!"

Er verschwand und kehrte wenig später mit vier Gläsern, zwei Flaschen und einem Stein zurück... Sonea hatte ihren Dad auf das uralte Sofa, aus dem schon Pilze wuchsen, verfrachtet: "Sagen Sie, wissen Sie etwas über das Bernsteinzimmer?"

"Kinderchen, woher wusste ich nur, dass ihr mich genau das fragt?", lachte er und drückte den beiden die undefinierbare Flüssigkeit in die Hand, sank neben den bewusstlosen Ziegenkönig auf die Couch, schnippte zwei Pilze mit "Drecksunkraut!" von der Lehne und legte Robert den Stein auf die Stirn: "Das weckt jeden, alter Soldatentrick! Und nun Prost!"

"Prost!", giggelte Lea und kippte sich den Wodka ihren Hals herunter, ihre Freundin entleerte unbemerkt ihr Glas auf den Fußboden und musterte interessiert die gesammelten Schätze... ein Sturmgewehr 44 war auch darunter...

"Pass auf Kleine, alle Waffen hier sind scharf und geladen - wer weiß, falls nicht doch mal ein Russe vorbeischaut!"

"Schicke Kiste, gut gepflegt, in Topform, das muss ich Ihnen lassen!"

"Das will ich doch schwer hoffen! - Und ihr such wohl das Zimmer, nicht wahr?"

"Genau das, und wir kommen frisch aus Sankt Petersburg..."

"Sagt bloß, dass ihr an der Schießerei beteiligt wart, es würde passen!"

"Waren wir, wenn auch... ja, weil..."

"Mich freut das, wenn ein paar dieser... lassen wir das, eigentlich sollten alle Menschen Freunde sein, aber so ganz habe ich es Stalin nie verziehen, dass er uns Deutsche so... ja... ja... egal, das Zimmer werdet ihr nicht mehr hier finden..."

"Es ist nicht mehr hier im Schloss?!"

"Nein, schon seit '44 nicht mehr... ein hoher Offizier hat es damals mitgenommen, angeblich nach Berlin... aber ich weiß beim besten Willen nicht, was auf der Reise geschehen ist..."

"Wüssten Sie, wer uns weiterhelfen könnte?"

"Wohl kaum, hm, ja... vielleicht das Stadtarchiv, aber das wäre ein Wunder..."

"Wunder gibt es immer wieder, heute oder morgen können sie geschehen!", kicherte Lea und nahm den letzten Schluck Schnaps, "ahhh, das ist sooo lecker - ich will mehr!"

"Unverbesserlich...", bemerkte Sonea kopfschüttelnd und reichte ihr die Flasche des alten Deutschen, "hier, nimm hin und mach dich glücklich, aber den Kater schläfst du alleine aus!"

"Die trinkt ne ganze Menge, deine Freundin... tja, haben wir aber auch... ich war damals sechzehn... wie lange das her ist, und mir kommt es vor, als sei es gestern gewesen... hach ja..."

"Uhhh, Scheiben... kleister...", stöhnte da Robert zurück von den Toten und tastete nach seiner Stirn, "was... was habe ich denn auf... auf die Ömme jekriecht?"

"Nen fetten Stein, sei froh, dass dein Schädel sowas aushält!", tadelte ihn seine Tochter erleichtert und umarmte ihn, "wir sind alle froh, dass du wieder wach bist... ach ja, und das ist keine Beule, sondern ein improvisiertes Kühlakku!"

"Es... fühlt sich an, als hätte... ich... den Stein... noch auf dem Kopf..."

"So ganz unwahr ist das gar nicht!", kicherte der alte Deutsche und reichte dem Erstaunten die Hand, "herzlich Willkommen in meinem bescheidenen Heim, mein Bester! Möchten Sie nicht einen guten altdeutschen Schnaps, der bringt alle Lebensgeister zurück, egal ob an der Front oder hier?"

"Da sage ich nicht Nein!"

---

Das Schlachtschiff glich einem Schlachtfeld, mit dickem Verband um den Kopf werkelte der Wirt in seiner demolierten Kneipe und versuchte zu retten was zu retten war. Ohne lange zu fackeln trat Mellis neben ihn und fragte scheinheilig: "Sagen Sie mal, können Sie die Kerle beschreiben, die hier gestern so gewirtschaftet haben?"

Der Russe erschrak und wurde direkt aggressiv: "Sagt mal, habt ihr Bullen nichts besseres zu tun als mich ständig das gleiche zu fragen?!"

"Das Bullen habe ich überhört, wenn ich eine Antwort von Ihnen kriege - ach ja, und außerdem ist dieses nette Etablissement hier einsturzgefährdet, weshalb ich Sie eigentlich rausschmeißen und einen Bulldozer anrücken lassen müsste, der hier KLAR SCHIFF macht!"

Schweißperlen auf der Stirn, der Mann war sichtlich nervös: "Ja, also schön... da war ein Fremder, groß, schwarze wilde Haare, der hat die Jungs hier über das Bernsteinzimmer ausgequetscht und dann wohl etwas Falsches gesagt... dann ist hier ein Lieferwagen reingedonnert und ein Mädchen mit Maschinenpistole hat alles zerschossen und hier ein Blutbad angerichtet - dann ist noch etwas explodiert und..."

"Danke, das genügt."

---

Eine gute Runde später und mit einer total blauen Lea in den Armen führte der alte Deutsche seine Gäste heraus aus seinem unterirdischen Reich, blieb am Ausgang zum Tageslicht stehen und hielt Sonea für einen Moment zurück: "Kleine Sonea, passt gut auf euch auf - möge die alte 44er euch beschützen! Und wenn ihr das Zimmer tatsächlich findet, sagt mir bitte Bescheid, ich möchte es unbedingt noch einmal sehen..."

"Machen wir - und Sie wollen nicht mitkommen?"

"Nein nein, ich bin zu alt... aber... ihr seid nicht zufällig hier, das ist Schicksal... tja... nun, eine gute Reise!"

"Danke, und nochmal danke für das schöne Sturmgewehr!"

"Kein Problem - auf hoffentlich bald."

"Auf bald!"

Oben auf der Anhöhe drehte sich die Prinzessin noch einmal um, und es war ihr, als würde der alte Mann zu Staub zerfallen, den der Wind zurück in sein Heiligtum trug... aber das war bestimmt nur die blendenden Sonne... oder?

---

Das junge Einhorn war nicht wach zu bekommen, egal was seine Begleiter auch taten, sodass Robert kurzerhuf alleine zum Stadtarchiv aufbrach und seine Tochter bei ihrer besoffenen Freundin ließ... die kurvte ein bisschen durch die Stadt, sauer alleine im Auto sitzen zu müssen, und fand schließlich das richtige Etablissement gegen Alkoholmissbrauch, besorgte eine Kleinigkeit und machte sich auf zu einem schönen Plätzchen am Frischen Haff, wo sie auf ihren Dad wartete, ein kühles Bier trank und Russisch Brot futterte...

"MMMPF!!!"

"Ach, auch schon wach, du alte Schnapsdrossel?"

"Mmmm-MMMPF!!!"

"Versuch's erst gar nicht, ich habe dir was Stabiles gekauft, da kommst selbst du nicht raus - und den Schlüssel habe ich vorhin in der Pregel versenkt, also... viel Spaß!

"MMMPF!!!", war alles, was der Knebel durchließ, und Lea wälzte sich an Armen und Beinen gefesselt wild herum, aber keine Chance, Sonea war vom Fach... und kannte ihre Schwächen... Robert ließ sich Zeit, und es war später Abend, als er endlich auftauchte - aus dem Wasser, was die beiden mordsmäßig erschreckte: "DAAAD!!!"

"Hihi, wusste ich's doch, die beiden kriegen gleich nen Schreck - hey, was hast du denn mit Lea vor, willste die per Post verschicken oder warum liegt sie da so kompakt rum?"

"Das hilft gegen übermäßigen Alkoholkonsum!"

"Ahhh, verstehe... na denn, hast du was zu futtern besorgt?"

"Sicher, wollen wir grillen?"

"Aber ja!"

---

Lea war erleichtert - endlich war Robert da, der würde sie befreien und... von wegen! So ließ sie sich widerwillig von Sonea mit Fleisch- und Fischhäppchen vom Feuer füttern und wurde anschließend ins Auto verfrachtet, wo sie nach einigem Fluchen recht schnell einschlief. Robert und seine Tochter hingegen saßen noch lange da, genossen die letzten Sonnenstrahlen und beobachteten die Wasservögel und anderen Tiere in Feld und Flur: "Und, was hast du rausgefunden?"

"Ich habe ein paar Reichsbahnfrachdokumente gefunden und fotografiert, auch wenn das verboten war - und es laufen zwei auf 1944, die Menge an Kisten dürfte auch stimmen... alles weitere gucken wir morgen...", gähnte er müde.

"Und wohin sind diese Züge gefahren?"

"Beide... Warschau..."

Sein Kopf sackte an den Baumstamm hinter sich, ein leises Schnarchen setzte ein... glücklich kuschelte sich Sonea an ihren Vater und schlief wenig später mit einem Lächeln auf den Lippen ein.

---

Mit seinen Waffenbrüdern zusammen zu schlafen war immer wieder ein Erlebnis!, seufzte Mellis stumm in seiner Koje, deren Wände von Hannes Schnarchen nur so wackelten - die beiden Damen schien das auf ihrer Seite weniger zu stören, Amelis Arm hing über die Brüstung, unter Lyras Bettdecke lugte der Lauf der AK hervor... was ein bekloppter Haufen!

---

Der nächste Morgen kam, und mit ihm ein Unwetter - Lea frohlockte auf dem Rücksitz, ihre beiden Mitstreiter waren vollkommen durchweicht... in Bagrationowsk (deutsch Preußisch Eylau) deckten sie sich mit neuen Klamotten und Proviant ein, tankten voll und verschlangen köstliche Bliny wenige Meter vor der polnischen Grenze.

"Kriege ich auch einen, biiite?!", bettelte Lea, die die beiden an einen Baum geknotet hatten, "ich halte es kaum noch aus!"

"Versprich mir, dass du keinen Schluck Hochprozentigen mehr trinkst, dann überlege ich es mir...", grinste Sonea und stopfte sich voll, "ah, die sind sooo gut, die schaffen wir auch alleine, ne?"

"Jo!"

"BIIIIIITTE, ICH TUE ALLES, DAS RIECHT SOOO GUT!!!"

"Na denn..."

Und Lea stürzte sich auf die russische Köstlichkeit, keinen Gedanken mehr an einen noch-so-kleinen Wodka verschwendend.

---

Viertes Kapitel: Durch ein wildes Ostpreußen PolenBearbeiten

Über Biskupiec (deutsch Bischofsburg), Szczytno (deutsch Ortelsburg) und Przasnysz (deutsch Praschnitz) röbelten die drei durch Ostpolen und waren am nächsten Morgen in Warschau angekommen - ab zum Deutschen Archiv!

Mehrere fette Ordner später hatten sie einen neuen Anhaltspunkt, eine verdächtige Ladung Kunstgegenstände, unverzügliches Ziel Berlin zur Einlagerung im Flakbunker Friedrichshain, Fahrerlaubnis nur bei Nacht und ohne Scheinwerfer, Fahrt genemigt bis Łódź (Lodz), dort weitere Befehle... wenn das nichts war!

Also auf auf!

---

Mit drei Stunden Verspätung - sie hatte eine Kuh überfahren - rumpelte der Zug in den Bahnhof von Kaliningrad, wo sich die fünf Ghost Rider trennten und die Stadt durchforsteten, Ferdi ging alleine, Hannes mit Ameli und Mellis mit Lyra, die gar nicht aufhören wollte ihm ein Ohr über Gehorsam und Loyalität abzuquatschen, bis dem Rotschopf schließlich vor der Königsberger Kathedrale der Kragen platzte: "SO, JETZT REICHT'S HINNE!!! WEIßT DU WAS, DANN PASS AUF JACK AUF, WENN DIR DAS MEHR AM HERZEN LIEGT ALS ROBERT ZU FINDEN - NA LOS, VERSCHWINDE ZURÜCK NACH EQUESTRIA, WIR KÖNNEN HIER GUT AUF DICH VERZICHTEN, DU BIST RAUS!!!"

"Aber ich..."

"KEIN ABER, TSCHÜSS!!! GEH NACH HAUSE UND KÜMMER DICH UM LOLA UND DEINE ANDEREN PROBLEME!!!"

Mit hängendem Kopf schlich die Stute davon... mannoman, und mit sowas musste er sich rumschlagen... egal, nun musste er bloß noch den versteckten Eingang zu den alten Katakomben finden!

---

Gemächlich wälzte sich der alte Lada durch den dichten Feierabendverkehr aus dem Stadtzentrum hinaus, Sonea las Pruszków auf einem Ortsschild - na wenn das mal richtig war... die Hauptstraße verließen sie rechts hinter dem Bahnübergang, vor einem großen Komplex stoppte Robert und musterte das Schild:

MLP - Millennium Logistic Park Pruszków

"Ähm, Sonea?"

"Hm, Dad?"

"Ja also eigentlich sollte hier ein Einkaufszentrum sein, aber stattdessen das... MLP, also dubios!"

"Ich glaube, du hast dich einfach nur verfahren, lass mich mal ans Steuer, ich..."

Die Prinzessin fror in der Bewegung ein - eine Pistole war geradewegs auf sie gerichtet! "Wydostać się z samochodu, ale szybko!"

Mehrere Typen mit Baseballschlägern und Messern traten näher, Lea kauerte sich ängstlich in den Fußraum, Robert trat das Gaspedal durch und bretterte mit Schmackes über den Gangster mit Knarre und durch das Tor, Schüsse krachten, der rechte Hinterreifen platzte mit einem lauten KA-BUFF!!!, das Auto schlitterte über den Asphalt und kollidierte mit einem herumstehenden Container, die Insassen flogen kreuz und quer durcheinander. Sonea bekam die 44er zu fassen und ballerte eine ganze Salve durch die Heckscheibe, etliche der Angreifer gingen zu Boden, die anderen erwiderten das Feuer: "VERFLUCHT, WAS WOLLEN DIE VON UNS?!?!"

"WÜSSTE ICH AUCH GERNE!!!", rief Robert und kletterte durch die geborstene Frontscheibe nach draußen, lud die MP5 nach und gab seiner Tochter Feuerschutz, Lea floh in heller Panik hinter seinen Rücken und zitterte: "Robert, beschütze uns vor diesen Kerlen, ich habe Angst!"

"Keine Sorge, mache ich schon!", *DA-DA-DA-DA-DAM* nächste Leiche, "und du halt die Augen nach einem Fluchtfahrzeug offen, unsere Karre ist Schrott, gib uns ein Zeichen, wenn du was hast!"

Das Mädchen verschwand und der Ziegenkönig war mit vier Sätzen bei seiner Tochter, die verbissen die Stellung hielt - die meisten der Typen rannten schon wieder, aber ein paar hatten echt gute Gewehre! "DAD, HILF MIR, MIR GEHEN DIE PATRONEN AUS!!!"

Ein Blick nach Lea, die winkte - die Bahnstrecke, na klar! "Sonea, lauf zu Lea, ich halte hier die Stellung!"

"NICHT OHNE DICH!!!"

"NA SCHÖN, AUF GEHT'S!!!"

Und die beiden rannten... es waren hundert Meter, und es kam ihnen vor wie zehn Kilometer - Robert schoss mit einer Hand, Sonea versenkte jede zweite Kugel, um sie herum zerplatzten Steine, Holz, Beton, ihnen gegenüber lösten sich Seelen von ihren Körpern, der Feuersturm riss sie mit sich in die Hölle, Schreie, das Klingen der Patronen, dumpfe Halle der leblosen Körper... und alles wie in Zeitlupe.

Es war ein Traum, und doch knallharte Wirklichkeit.

---

Mit einer Alkoholfahne kehrte Mellis als Letzter zur Truppe zurück, die in der Bahnhofskneipe ihren Treffpunkt hatte: "Na Mellis, warst wohl schon einen kippen? Und wo ist Lyra abgeblieben?"

"Die habe ich nach Hause geschickt, es war einfach nicht mehr auszuhalten - und ich habe... so einen bekloppten alten Kerl getroffen, der doch tatsächlich Robert, Sonea und Lea vorgestern bei sich zu Gast hatte und sie ins Stadtarchiv geschickt hat - von wo aus sie nach Warschau aufgebrochen sind!"

"Heilige Arriva!"

"Eben, drum lasst uns keine Zeit verlieren!"

Die drei eben noch so gesprächigen Ghost Rider verloren keine Sekunde mehr, einzig Hannes wollte sich nicht so recht von seinem Essen losreißen - aber wie gut, dass ihr nächster Zug einen Speisewagen hatte!

---

Lea war gebannt von dem Schauspiel aus Schwarzpulver und glühendem Metall, Sonnenlicht funkelte zwischen den eleganten Waffen ihrer Freunde und denen ihrer Gegner, Hülsen trafen mit einem Kling! auf dem Boden auf... alles in einem eine schöne Melodie... ja, eine Sonate!

"SAG MAL LEA PENNST DU?!?!", riss sie ein Stoß in Form Soneas in die Wirklichkeit zurück, durch dessen Schwung sie beide über den Asphalt kugelten und erst im Grünstreifen vor den Ladegleisen stoppten, "HIER IST KRIEG!!!"

"Oh, ja stimmt - Hilfe!"

"Wie wär's mal mit deiner Waffe?!", fragte Robert sarkastisch und versenkte die nächsten Treffer voll ins Schwarze, "hier wird's langsam eng, ich könnt' nen bisschen Unterstützung gebrauchen!"

"Ich... ich kann das nicht, ich schaff das nicht!"

"WENN DU ES NICHT SCHAFFST, DANN SIND WIR VERLOREN!!! SCHIEß LEA, SCHIEß!!!"

Und Lea schoss.

Die MP7 ist klein, aber ein echter Kraftprotz, und wenn man sie und sich im Griff hat, rückt alles andere in den Hintergrund, man wird eins mit seiner Waffe.

Sie war eins mit ihrer Waffe.

---

Kugeln schmetterten, zerschmetterten, boten Schutz - die drei arbeiteten sich durch das Labyrinth von Güterwagen und Containern bis zur Hauptstrecke durch - "Dad, da kommt ein Zug!"

"Auf die Signalbrücke!", übertönte der Ziegenkönig Leas Sperrfeuer und deutete auf einen Mast mit Ausleger über den Gleisen, "und dann auf einen Flachwagen!"

Dicht an dicht nahmen sie die letzten Meter im Laufschritt, Sonea löste Robert ab und entließ Lea, wehrte die letzten paar Angreifer ab und sprang als letzte mit einem astreinen Rückwärtssalto auf den Zug auf.

"WIR HABEN ES GESCHAFFT!!!", jubelte Lea erleichtert und tanzte auf dem aufgeladenen Schotter herum, "oh ja-ha, wir haben's geschafft!"

"Nein, wohl eher DU hast es geschafft!", lobte sie Robert, "und ohne dich wären wir verloren gewesen!"

"Auf jeden, das war spitzenmäßig Lea!"

Vor lauter Anerkennung lief die junge Stute knallrot an... und weil ihre beiden Begleiter das süß fanden, gab es von jedem noch ein Küsschen für die tapfere Heldin, ehe sich alle drei auf die Anstrengung erst einmal etwas lang machten und bald darauf eingeschlafen waren.

---

Wütend knallte Lola ihre Schultasche in den Flur - so ein verfickter Scheißtag, und so eine verfickte Scheißschule, solche verfickte Scheißspasten und solche verfickten Scheißlehrer! Warum musste sie da überhaupt hingehen, sie hasste Schule und hatte Schule schon immer gehasst, warum zwang sie diese dumme Kuh bloß dazu?! Diese ganze Adoptivscheiße, diese verfluchte... warum durfte sie Stryker nur am Wochenende sehen, warum musste sie die ganze Woche bei dieser durchgeknallten und ryderbessenen Stute leben?! WAR DAS FAIR, NACH ALLEM WAS SIE IN IHREM LEBEN HATTE ERTRAGEN MÜSSEN?!?! NEIN!!!!!!

In ihrem Zimmer warf sie sich auf das Bett und weinte bitterlich... bitte... Eross, hol mich hier raus!

Die Haustür quietschte... sie war zuhause... auch das noch!

"Huhu Schätzchen, ich bin da-ha und habe dir was mitgebracht!"

Oh bitte nicht...

Da stand sie auch schon neben ihr und fragte: "Hey, was hast du denn, meine Kleine? Ist was passiert?"

"Gar nichts ist passiert, mir geht's bestens!"

"Aber du weinst doch!"

"ES IST NICHTS, OKEY?!?!"

"Lola, ich bin doch bei dir, mit mir kannst du über alles reden, ich..."

"OKEY, DANN REDE ICH, DANN ERKLÄR ICH'S DIR HALT!!!", schrie die junge Stute mit knallrotem Kopf, "DU BIST MEIN PROBLEM, JA DU, DICH MICH ADOPTIERT HAT, WEIL SIE UNBEDINGT MUSSTE!!! ICH WAR GLÜCKLICH BEI STRYKER, ICH WOLLTE BEI IHM LEBEN UND NICHT HIER!!! ICH WILL NICHT IN DIESE BESCHISSENE SCHULE GEHEN MÜSSEN, NUR WEIL DU DAS BESTIMMST, UND ICH WILL DICH NICHT ALS MUTTER!!! ICH HASSE DICH!!!!!!"

Und sie sprang auf und preschte davon - endlich war der Schatten aus dem Sack!

---

Die PKP bot alte rumplige Wagen, die Robert schwer an die wilden Siebzigerjahre erinnerten... oh man, damals in Irland... "Dad, was sacht dein eingebauter Kompass?"

"Lodz ist nächste Station, da müssen wir weitersehen... und sache mal, war ich vorhin so verpeilt oder war der Supermarkt falsch ausgeschildert?"

"Wenn ich das wüsste, aber ich bin mir nicht sicher... egal, dann..."

"Meine Damen und Herren, in Kürze erreichen wir Łódź auf Gleis..."

"Yay, wir sind gleich da!"

---

Sie brauchten den Rest des Tages, um endlich fündig zu werden - die Hauptstrecke nach Berlin über Posen war durch Bombentreffer unbenutzbar gewesen, sodass die wertvolle Fracht ihren Weg über Breslau nach Prag genommen haben musste, und dort gab es, so der freundliche Archivar, noch etliche erhaltene Frachtbücher aus jener Zeit, die ihnen sicher weiterhelfen würden!

"Nach Prag?!", staunte Lea, als Robert die Fahrkarten kaufte, "und wir fahren über Hirschberg (polnisch Jelenia Góra)?"

"Ja sicher fahren wir da lang, denn wenn wir schonmal Urlaub haben nutzen wir den auch, oder?"

"Aber sicher!"

Und so stiegen die drei in ihren Regionalzug, der sie ohne Eile die ganze Nacht hindurch dem Riesengebirge immer näher brachte.

---

Die Glocken der Dreifaltigkeitskirche schlugen dreimal, als ein Zug mit russischen Wagen Einfahrt in den nächtlichen Hauptbahnhof erhielt und am Bahnsteig 3 abbremste... müde kletterten vier Gestalten hinaus, von denen sich die einzige Frau einen Schluck aus einer fast leeren Flasche genehmigte und dann fragte: "Sag mal Mellis, können wir uns nicht wenigstens noch bis zum Sonnenaufgang ausruhen, ich bin knetenbreit..."

"Ich auch!", jammerte Ferdi und stützte sich an einem Pfosten ab, "biiite... bitte!"

"Also schön, aber ich mache mich auf den Weg - Treffpunkt um sechs hier, alles klar?"

Doch das hörten seine drei Mitstreiter schon längst nicht mehr, übereinander gefallen ratzten sie längst auf einer Bank vor sich hin... na denn nichts wie auf ins Nachtleben, was könnt' es Schön'res geben?! Richtig, selbst noch etwas zu schlafen!

Aber das war leider nicht drin!

---

Der Platz am Bahnhof war noch nie schlecht gewesen, und heute eine ganz große Entspannung - endlich weg von Lyra!

Lola schlief wie eine Königin, und doch plagten sie Alpträume... vielleicht hätte sie die Wahrheit doch etwas schonender formulieren können... ach was, die war selber schuld an der Misere, sie selbst konnte nicht das geringste dafür!

Oder doch?

---

Die Sonne erhob sich schon ein gutes Stück über die kleine Regionalbahn, die durch weite Wiesen und Felder ratterte, als sie auch Sonea in der Nase kitzelten und die Prinzessin aus ihren blumigen Träumen holten... verschlafen streckte sie sich auf dem weichen Kunstledersitz und wunderte sich über den leeren Platz ihres Vaters, aber da öffnete sich schon die Waggontür und er trat ein: "Na Schätzchen, schön geschlafen?"

"Besser ging's nicht, und du?"

"Och, auch!", grinste er und gähnte, "Lea ist auch schon auf und auf'm Klo, falls du die suchst..."

"Und, wo stecken wir grade?"

"Kurz vor unserem ersten Tagesziel, müsste eigentlich..."

"Meine Damen und Herren, nächster Halt ist Hirschberg! Sie haben Anschluss an den Rübezahl nach Grünthal und die..."

"... gleich kommen!"

"Was ein geiler Tag!"

"Du sagst es!"

---

Lyra machte sich bei Dienstbeginn auf in die Kaserne, doch es lastete ein schweres Gefühl auf ihren Schultern... ein schlechtes Gewissen etwa? - Ach was, das war nichts, sie war die Mutter und sie musste durchgreifen und Regeln aufstellen, bei einem Fohlen wie Lola erst recht!

Oder vielleicht doch nicht?

---

Der Rübezahl erwartete sie bereits... "Der legendäre ET 89 der Deutschen Reichsbahn - mannoman, ich hätte nie gedacht da mal mitfahren zu können!"

"Träume gehen eben schneller in Erfüllung als einem lieb ist!", lachte Sonea und zog ihren hingerissenen Vater in den Zug, "wobei ich schärfer auf Prag bin, aber wie du schon sagtest, wir haben ja alle Zeit der Welt!"

"Au ja!", stimmte Lea mit ein und biss genüsslich in eine Pirogge, "und solange ich mit euch beiden unterwegs bin mache ich jeden Mist mit!"

Darüber mussten sie alle lachen, und mit ihrer guten Laune setzte sich auf der alte Elektrotriebwagen in Bewegung und kletterte das schroffe Riesengebirge hinauf, gemächlich Kilometer für Kilometer, Stückchen für Stückchen dem Bernsteinzimmer näher und näher...

---

"Mein Mellis, wie habe ich dich vermisst!"

"Oh Shadow, du hast mir so gefehlt!"

"Heute Nacht fresse ich dich mit Fell und Hufen!"

"Heute Nacht frisst du mich mit Fell und Hufen!"

"Oh Mellis!"

"Oh Sh..."

"Sage mal Ameli, pennt der Schinken oder sieht das nur so aus?"

"Nee, ich glaub' das nich... und er sabbert, buähhh!"

Was machten denn diese Knallköppe in seinem Traum?! Wenn er die erwischte...! ... ähm, einen Augenblick mal... erschrocken schlug der Ghost Rider die Augen auf und sprang auf, die Hand an seiner Waffe - doch das ihm entgegen schallende Gelächter beruhigte ihn gleich wieder... na toll, das durfte doch jetzt nicht wahr sein!

"Oh bitte nicht, sagt mir, dass das nicht wahr ist!"

"Mellis, du hast gepennt, wie eine Stute!", kicherte Ferdi und erntete eine Ohrfeige von Ameli, "ich kann's nicht glauben, du hast...!"

"Mag ich haben, aber dann war ich ja müde genug, und auch die Pflicht verlangt manchmal ihren Tribut - und ihr, habt ihr neben dem ganzen Gelächter auch schon was rausgefunden?"

"Haben wir...", Hannes warf eine Zeitung neben Mellis auf die Parkbank, "haben wir schon vor drei Stunden, aber wir mussten dich ja erst finden..."

Schelmische Gesten, verkniffene Gesichter, Mellis fühlte sich verarscht - na ganz große Klasse!

Und dazu das: Schießerei in Warschau!

---

Das riesige Riesengebirge war umwerfend schön, Lea klebte am Fenster, Sonea döste etwas, Robert genoss draußen auf der Bühne den frischen Fahrtwind... der Rübezahl-Triebwagen hatte bereits den höchsten Punkt Jakobsthal hinter sich gelassen und rollte nun über tschechischen Boden... wie nahe sie ihrem Ziel wohl schon waren... hach ja...

---

Polizei überall, aber das kannten die vier Ghost Rider schon, und vier "geborgte" Uniformen später waren sie drin auf dem Schlachtfeld - ja, hier hatte Robert gewerkelt, und nicht nur der! Der geschrottete Lada brachte den dreien genug Informationen, und als dann noch ein Zeuge von drei Verrückten berichtete, die von einem Signal an der Oberleitung vorbei auf einen Zug aufgesprungen waren, war Mellis alles klar.

Mit Blaulicht und Sirene machten sie sich auf in Richtung Łódź.

---

Lyra war im Dienst, also konnte Lola ungestört nach Hause kommen, sich etwas Geld einstecken, sich was in den Schacht stopfen und gleich wieder abzischen - wenn da nicht ein ziemlich großer und langer Karton im Wohnzimmer an der Wand gelehnt hätte... Für meinen Lolaschatz, von deiner allerliebsten Mama Lyra!

Die konnte was schleimen, die Alte!, muffelte die junge Stute, aber, was es auch immer war, es sah höchst interessant aus... mit ihrem Kampfmesser schlitzte sie die Verpackung vorsichtig auf und hob ein riesiges Gewehr heraus, eine mobile Panzerbüchse, die Lahti L-39... sowas Antiquitiertes!

Enttäuscht versiegelte sie das Monstrum wieder, klaute sich ein paar Hufyen aus dem großen Glas hinter den Lexika und kratzte die Kurve.

---

Fünftes Kapitel: Brotbüchsensafari - Oder: Am Ziel - und darüber hinausBearbeiten

Per Brotbüchse ging es weiter auf den Gleisen der CD (České dráhy, Tschechischen Staatsbahn) ab Tanvald (deutsch... ratet selbst) nach Železný Brod (früher Eisenbrod), weiter über Turnov und Mladá Boleslav nach Prag, der Hauptstadt an der Moldau - Sonea und Lea machten einen Stadtbummel, Robert stürzte sich in Aktenberge und gesammelte Dokumente und wühlte sich durch gefühlte Jahrtausende aufgezeichneter Geschichte, bis ihm ein Zufall das rechte Stück in die Hände spielte... konnte das wirklich stimmen?

Na wenn er es schwarz auf weiß hatte... dann hoffentlich ja!

---

An die drei Durchreisenden - Vater und zwei Töchter - erinnerte sich der etwas reservierte Schalterbeamte in Anbetracht von Ferdis Dienstwaffe sofort, die hatten Fahrkarten nach Prag gekauft, aber nicht über den schnellsten Weg, nein, über das Riesengebirge hatten sie fahren wollen, der Mann mit der komischen Frisur hätte sich dabei wie ein kleines Kind aufgeführt und andauernd "Rübezahl, au geil, wir fahren Rü-hübezahl!" gesungen und andere Reisende verunsichert... jaja, deswegen waren sie ja auch da, erklärte Ameli sachlich, der sei nicht ganz dicht und müsse schnell gefasst werden!

Etwas zögernd stellte der Bahnmitarbeiter dann noch vier Freifahrscheine für den modernen Schnellzug aus, in den sich die vier Ghost Rider fix und alle schmissen und die Nacht über endlich mal in aller Ruhe pennen konnten!

---

Per D-Zug ging es am nächsten Morgen nach einer entspannenden Nacht in einem nicht üblen Prager Hotel weiter nach Chomutov (deutsch Komotau), wo die drei Abenteurer in einen Bummelzug umstiegen und sich bis České Hamry (früher Böhmisch Hammer) das Erzgebirge hinauftragen ließen, wo sie ihre Reise beendeten.

Etwas ungläubig blickte Sonea dem kleinen Triebwagen hinterher: "Und du bist dir ganz sicher, dass wir hier richtig sind, Dad?"

"Schon, denn...", er breitete eine Landkarte auf dem kleinen Tischchen neben der Haltepunkt-Wartehalle aus, "wir sind hier, und hier... dieses komische gestrichelte Gelände ist Sperrgebiet, warum auch immer... und ich weiß jetzt wieso!"

"Sag schon, ich will das wissen!", quietschte Lea begeistert, "ist... ist das etwa eine alte Bunkeranlage?!"

"Exakt, voll ins Schwarze getroffen - nur existiert dieses Ding für Zivilisten nicht, laut der Papiere, die ich mir kopiert habe, haben die Nazis dort unschöne Sachen getrieben und den Boden verseucht... behauptet zumindest das Tschechische Militär, aber das glaube ich nicht, und außerdem wurde unsere Fuhre Kunstgegenstände anno 1944 hier gestoppt und vorerst "eingebunkert", weil man Angst hatte, das Pöhlbachtalviadukt könnte im entscheidenden Moment in die Luft fliegen oder sowas in der Richtung - jedenfalls ist das Zimmer hier, gut versteckt, aber wir werden es finden!"

"Na denn, bei diesen Aussichten - auf geht's!"

"Au ja!"

---

Den Eingang zu finden war keine große Sache, unbemerkt durch die drei Sicherheitszäune zu kommen dagegen schon eher - in den alten Tunneln roch es muffig, Tropfsteine wuchsen von Decke und Boden, das Wasser stand an manchen Stellen mehrere Zentimeter hoch. Lea hielt sich dicht bei Sonea, Robert schritt voran und prüfte die alten Pläne, die er hatte mitgehen lassen, bis er plötzlich vor einer ebenen Betonwand stoppte: "Tja also eigentlich müsste hier eine Tür sein... komisch..."

Seine Tochter begutachtete die Mauer und bemerkte trocken: "Die ist auch noch da, nur hat da jemand nen paar Steinchen vorgemauert..."

"Ach sooo, ich Volldepp!"

"Tja... ja... aber... wie kriegen wir die wieder ab?"

"Das, liebe Lea, lass mal ganz meine Sorge sein - Dad, verzischt euch hinter die nächste Ecke, hier wird's gleich ganz mächtig knallen!"

---

"Miss Ryder, war das ein guter Schuss?"

"Miss Ryder, habe ich den Lauf bestanden?"

"Miss Ryder, wann machen wir endlich eine Pause, wir trainieren schon seit sechs Stunden ununterbrochen!"

"Miss Ryder, was...?"

"NEIN, JETZT REICHT'S!!!", explodierte das geplagte Einhorn schließlich vor einem besonders nervigen Kadetten, "IHR NERVT MICH SCHON DEN GANZEN TAG MIT EUREN DUMMEN FRAGEN!!! ICH VERSCHWINDE, GEHT EINEN ANDEREN OFFIZIER FRAGEN, UND WENN MICH EINER SUCHT, ICH KÜMMERE MICH UM MEINE FAMILIE!!!"

In Rage stampfte sie nach Hause und fand ihr Heim verwaist vor, das Geschenk unangetastet... jetzt war sie am Tiefpunkt des Tages angelangt.

Lola weg, Ryder tot, der König verschwunden... immerhin einer, dem du helfen kannst!, schöpfte sie neuen Mut und sprang elektrisiert auf, na klar, wenn Mellis mich nicht will, dann suche ich Robert eben alleine, haha!

---

KA-WUMM!!!

Gespannt traten Robert und Lea näher, Sonea stand zufrieden nickend vor dem Krater in der Wand: "Sachte ich doch, da ist was hinter!"

Durch das Loch traten sie in einen großen Raum voller Spinnenweben, unter denen alte Möbel zu erkennen waren, ein Schreibtisch mit Telefon und NS-Offiziersmütze, ungeöffnete Champagnerflaschen in einem Regal und ein Bild des Führers über allem... erfürchtig gedachten die drei den Toten des zweiten Weltkrieges. Nach dieser kleinen Andacht trat der Ziegenkönig vor einen Schrank, öffnete die Türen und fand nach kurzer Suche eine Skizze des gesamten Komplexes, die er mit seiner verglich und grinsend feststellte: "Lea, Sonea, schaut mal hier - dieses Depot gibt's bei mir nicht, da muss das Zimmer liegen!"

---

Über lange Treppen ging es hinab in verlassene Munitionslager, dem Eisenbahntunnel folgten sie bis zum Ende, Robert fand die beschriebene Drehscheibe und so auch eine weitere Wand, an der die Schienen mit einem Prellbock aprupt endeten: "Hier muss es sein!"

"Und wie kommen wir durch diese Mauer?", wollte Lea wissen.

"Keine Sorge, ich hab noch... oh mist, meine Granaten sind alle!"

"Ich hab auch nix mehr...", stellte ihr Dad klamm fest, "tja, denn haben wir ein kleines Problem..."

"Und die Lösung steht direkt hinter euch!"

---

Erschrocken fuhren die drei herum, Sonea und Robert rissen ihre Waffen hoch - "Hey, uns braucht ihr noch!"

"Mellis, Ferdi, Hannes, Ameli!", keuchte ihr König erleichtert, "wie kommt ihr denn hierher?!"

"Och, wir sind schon seit Sankt Petersburg hinter euch her - Kerl, du kannst nicht einfach abhauen - dazu noch mit Lea - ohne IRGENDJEMANDEN Bescheid zu sagen, du bist Ziegenkönig, mensch! Und deswegen obliegt uns als deiner Leibwache nunmal die Aufgabe, euch sicher nach Hause zu bringen!"

"Weiß ich doch, aber wir haben das Bernsteinzimmer gesucht und gefunden!"

"Ist trotzdem... ach egal!", lachte Mellis und drückte seinen Freund, "ich bin ja nur heilfroh, dass es euch gut geht - auf eurer Tour habt ihr's aber auch zweimal richtig gut krachen lassen!"

"Stimmt - auch wenn ich nur einmal ein bisschen was dafür konnte..."

"Du kannst immer für alles was!"

"Oh Mellis!"

"Oh Robert!"

Ferdi drückte Hannes seine Berrett in die Hand und umarmte Sonea: "Na Kleine, hast du die Strapazen der letzten Tage unbeschadet überstanden?"

"Du hast Probleme!", lachte die Prinzessin, "aber ja, habe ich - Lea war ja dabei... aber trotzdem hast du mir gefehlt!"

"Naw!"

Ein Kuss zog sie beide in seinen Bann, hob sie aus dem Gemäuer über alle Wolken und...

KA-BUMM!!!

---

Ameli klappte das Visiert ihrer Panzerfaust 44 zu und meinte: "So, offen!"

Hannes und Lea wagten als Erstes den Durchtritt in das düstere Gewölbe, die Helmlampe des Ghost Rider durchquerte einen schier endlosen leeren Raum... nur ein Zug mit sechs Waggons befand sich inmitten dieses Lagers.

Bei Todesstrafe Öffen verboten!, warnten verblasste Kreideanschriften, die Anschriften stammten aus Reichsbahnzeiten, angeschrieben waren Königsberg und Hirschberg: "Wir sind am Ziel!"

Die Schlösser waren so verrostet, dass sie mit einem festen Ruck offen waren, Robert zog die erste Tür auf und grinste beim Anblick der Kisten mit Aufschrift: Eigentum der Deutschen Wehrmacht

Per Bajonett hebelte Ameli einen Deckel auf und erstarrte beim Anblick des Inhalts... überwältigt hängte sie sich eine Bernsteinkette um, trat beiseite und ließ sich bewundern: "Ja, das Zimmer ist hier, es ist hier!"

---

"Wir brauchen ne Lok!", stellte Mellis fest, "ich mach mal die Untergrundeisenbahner aus Cranzahl klar, die sollen hier mit ordentlich Verstärkung auflaufen!"

"Alles klar, datt hört sich jut an!", stimmte ihm Robert zu, "und wir Leuts müssen in der Zeit die Waggons wieder flott kriegen, also ma Bremsen freikloppen vom Rost und der Mist eben, ich kümmere mich um den Schatz - Sonea, Lea, ihr kommt mit mir!"

---

Im ersten Wagen angekommen zog der Ziegenkönig einen kleinen schwarzen Würfel aus einer seiner Gürteltaschen, klappte ein kleines Display aus einer der Seiten und wandte sich an seine beiden Begleiterinnen: "Wir werden die Schätzchen hier mal ordnungsgemäß verstauen, und das geht am besten mit Dr. Schinkens Zauberwürfel hier!"

"Zauberwürfel?"

"Ja, datt kleine Kraftpaket hier!", auf dessen Bildschirm auf einem sexy Luna-Foto mehrere kleine Symbole tanzten, "also, ihr seht hier einen mobilen Mini-Container, der riesige Mengen an Objekten aufnehmen und einlagern kann, dabei verändert sich weder seine Größe noch sein Gewicht! Drinnen ist jetzt nicht viel, nur nen Happen zu essen, zwei Flaschen Bier und eine UMP für den Notfall... lange genug um die Wurst gelabert, da kommen jetzt die Kisten rein, weil sie da am definitiv sichersten sind, zumal dieses Hammerding Temperaturen bis 3000 Grad Celsius aushält und unzerstörbarer als der dickste Castor dieser Welt ist!"

Dessen war sich Sonea nicht ganz so sicher... ihr Dad schon, er klappte eine kleine Vorrichtung auf der anderen Seite des Würfels aus, peilte damit die erste Kiste an und Zack! - ein roter Blitz - und weg war sie!

Ein Icon Objekt 1 leuchtete nun im Inventar: "Wow, das ist ja der Hammer!"

"Och jo, schon nen geiles Teil!", grinste Robert und benannte das gute Stück in Bernzi I um und sackte die nächsten drei unbezahlbaren Stücke des Zimmers ein, "na denn, wenn ihr nicht mehr zugucken wollt, könnt ihr auch gerne den anderen helfen!"

"Jo, machen wir!"

---

Einige Minuten später

"Die Untergrundeisenbahner sind in zehn Minuten da!", meldete Hannes der chillenden Lea, "irgendjemand hat sie schon vor ner halben Stunde losgeschickt, was recht komisch ist, aber egal, im Prinzip umso besser - Ferdi und ich halten draußen die Stellung und weisen ihnen die Einfahrt... könntest du das bitte Robert sagen?"

"Ja, richte ich ihm aus!"

"Gut, danke!"

---

Sonea kümmerte sich mit Ameli um die Bremsen, wo nur noch Schneidbrenner und Hammer halfen: "Du sag ma Ameli, wie war eigentlich eure wilde Verfolgung uns hinterher?"

"Och gut, wir haben zweimal Polizisten die Uniformen und Waffen geklaut und sind recht schnell an alle Infos gekommen... dein Vater hat überall nicht zu leise rumerzählt, dass ihr einer heißen Spur folgt!"

"Jo, wie immer... der alte Schinken ist einfach unverbesserlich... na ja, auch nicht schlimm, solange sich das nicht in falsche Ohren rumgesprochen hat..."

Da-da-da-dam, da-da-da-dam, da-da-dam!

Lea verlor vor Schreck den Halt und setzte sich unsanft zwei Meter tiefer auf ihren Hintern, Sonea vergaß die Metallstrebe über sich und knallte sich die Ömme, Robert machte die letzte Ladung Kisten klar und war schon kampfbereit mit MP5 aus dem Waggon raus, Ameli packte ihn am Arm und zog ihn zwischen die sicheren Puffer: "Bleibt Ihr hier, ich kümmer mich um Mellis - und ja keine Dummheiten, Sonea, pass auf ihn auf!"

Der Ghost Rider hatte seine Minimi scharf und zerfetzte anrennende Kerle mit Kalaschnikows zu Hackfleisch: "Fuck, wo kommen die auf einmal her?!"

Seine Kollegin war wenige Momente später bei ihm und gab ihm Feuerschutz: "Keine Ahnung, aber wer mich schon so nett begrüßt muss schweres Interesse an dem Schatz hinter uns haben - und das werte ich als Kriegserklärung!"

"Feuer halten!", schrie Sonea herüber und zog Lea zu sich, "scheiße, das darf doch alles nicht wahr sein!"

"Ich versuch's ja, aber das sind viel zu viele!"

Dicht an dicht prasselten die Kugeln auf den Zug und die Betonwände des Bunkers ein, mehr als ein Dutzend Angreifer war bereits tot, Mellis ging die Munition aus, Ameli gab die nötige Deckung zum Nachladen, Robert ignorierte wie üblich alle für ihn getroffenen Sicherheitsvorkehrungen und landete nach einem spektakulären Lauf einmal quer durch das Lager neben seinen beiden Leibwächtern: "Puh, mannoman, das sind echt ne janze Menge!"

"Kerl, verpiesel dich zurück zu deiner Tochter und Lea, wir schaffen das hier schon alleine!"

"Abgelehnt - außerdem soll ich euch ausrichten, dass Ferdi gleich da ist!"

"Arriva sei Dank!"

---

Ein Dröhnen schallte durch die unterirdischen Gänge, der Boden vibrierte - mit locker vierzig Sachen bollerte eine Dampflok Baureihe 50.35 rückwärts auf sie zu, Hannes mit MG 42 und drei andere Untergrundeisenbahner mit schweren Waffen auf dem Tender: "HALTET DURCH, WIR SIND FAST DA!!!"

"Die zwei Minuten könnten aber ganz knapp werden!", scherzte Ameli und stopfte ein neues Magazin in ihr Sturmgewehr, "macht hinne!"

Eine RPG-Granate zischte haarscharf an ihnen vorbei und pulverisierte eine der Stützen, Erde und Betonbrocken stürzten von der Decke, Sonea bugsierte die vor Angst eingefrorene Lea in den Waggon über ihnen: "Das vorgestern war gar nix, DAS hier ist Krieg!"

Mit etwax zu viel Schmackes kuppelte Ferdi an, Mellis warf die Kupplung zu: "Eingehakt, fahr ab!"

Und mit Karacho ging es raus aus dem Nazi-Bunker, mit Kurs auf Bärenstein - Deutschland.

---

Überall bewaffnete Typen in Streckennähe, die Untergrundeisenbahner hatten ihre Freude, die Ghost Rider ihre Mühe, ihren König in einen der einigermaßen sicheren Waggons zu bewegen - erst als sich eine ihm wohlbekannte Stute näherte und Robert mehr oder weniger sanft zu seinen beiden Begleiterinnen bugsierte, atmeten alle einigermaßen auf, Mellis war trotzdem etwas sauer: "Lyra Ryder, hatte ich dich nicht nach Hause geschickt?!"

"Hattest du, aber Jack brauchte weniger Hilfe als ihr hier - und ich fand es sinnvoll, die Untergrundeisenbahner einzuschalten und zu euch zu beordern... war das etwa falsch?!"

"Überhaupt nicht, du warst unsere Rettung, tausend Dank dir!"

"Och, danke, aber nicht dafür mein König, ich tue bloß meinen Job."

Ja, ich auch, und das mehr als du!, maulte Mellis beleidigt, als die schwarzen Wolken über seinem Kopf von Sperrfeuer zerrissen worden: "SIE HABEN DIE BAHNHOFSEINFAHRT BLOCKIERT, ALLE ZIEGEN FEUER FREI!!!"

Holz splitterte, schützend rissen die Ghost Rider ihre drei Freunde zu Boden, wobei sich Robert das nicht gefallen ließ und lieber sein letztes Magazin verfeuerte: "NA SO MUSS DAS SEIN, SO HABE ICH MIR DAS ENDE DIESER REISE AUCH VORGESTELLT, MUHAHAHA!!!"

Der lernt wirklich nix dazu!, beschwor Ameli alle Götter, aber (wie üblich) war Hellje bekifft, Angel und Death am Streiten, Niben bei irgendwelchem Weltverbesserungsquatsch und Thire bei der Arbeit - das riesige Bahnhofsgebäude kam in Sicht, aus der Fassade ballerten unzählige Männer, eine RPG bekam der Ziegenkönig zu fassen, schüttelte die Ghost Riderin von sich und versenkte das Geschoss mitten in die bröckligen Steine – KA-WUMM!!!

Steine und Fleischfetzen regneten auf den Zug herab, Lyra packte Robert am Kragen und rang ihn zu Boden: "KÖNIG, IHR BLEIBT HIER UNTEN, DAS IST EIN BEFEHL!!!"

Widererwartend hielt ihr Dad tatsächlich still, Lea zitterte an ihrer Brust... das große Grenzviadukt kam in Sicht, gleich waren sie außer Gefahr!, keuchte Sonea erleichtert, danke, danke ihr Götter... jetzt kann nichts mehr schief gehen!

KA-BUMM!!!

"OH SCHEI-AHHHH!!!"

KREISCH, ENTGLEIS, SCHEPPER, RUMMS, KRACH!!!

Und das letzte, was sie fühlte, war der freie Fall.

---

Kriegsähnliche Zustände an der tschechisch-sächsischen Grenze: Schwere Gefechte bewaffneter Organisationen in Weipert/ Bärenstein.

In Weipert (CZ) hat es heute schwere Zusammenstöße zwischen zwei bewaffneten Organisationen gegeben. Wie Anwohner berichteten eröffneten etliche Vermummte das Feuer auf einen Zug, welcher den Bahnhof in Richtung Deutschland ohne Halt durchfahren wollte, die im Zug befindlichen Personen erwiderten den Angriff und beschädigten mit einem Sprengsatz unter anderem das denkmalgeschützte Bahnhofsgebäude schwer. Höhepunkt des Dramas war der Abschuss der letzten Waggons des Zuges auf der Pöhlbachtalbrücke, nur einige Meter vor der deutschen Grenze. Die Polizei rückte mit zwei SEKs und etlichen Bundeswehreinheiten an, auf tschechischer Seite war die Armáda České republiky (AČR) präsent und sicherte die Orte. Bislang wurden etwa vierzig Leichen geborgen, Tendenz steigend, in den abgestürzten Waggons befanden sich laut Angaben eines Sprechers weder Gegenstände noch Personen. Nach Flüchtigen wird mit allen Mitteln gefahndet, alle Bürger sind aufgefordert Hinweise unter der Nummer 110 sofort der Polizei zu melden und jeglichen Kontakt zu den Bewaffneten zu vermeiden.

---

Sechstes Kapitel: Eierscheckenmatsch und heißer HeizerschluckBearbeiten

Soneas Augenlider waren wie zugetackert, nur ein warmer Lichtschein drang zu ihren Sinnen durch... war das der Himmel?

"He... hellje?"

"Mein König, Eure Tochter erwacht!"

"Oh, gut, Hellje sei Dank! - Sonea, Sonea, hörst du mich?!"

"Mhmmm... Dad... Dad, was ist... was ist passiert?"

Etwas Feuchtes beetzte ihr Gesicht und regte ihre Nerven an, ihr Blick wurde klarer, die Umrisse ihres Vaters zeichneten sich klar ab: "Oh Sonea, wir hatten ein Schwein, die haben uns von der Brücke geschossen!"

"W... was?! Oh... oh Scheibenkleister... ist... wie geht es dir?"

"Gut, Lyra ist bei uns, Lea auch - bei der ist auch alles ok, nur ein paar Schrammen... wir hatten echt megamäßiges Glück und sind auf einen Baum gefallen, der uns einmal längs aufgegabelt und vor dem Aufschlag bewahrt hat, Funk ist futsch, die Polizei sucht uns mit Hubschraubern und wir haben euch beide bis hier rauf geschleppt, um wenigstens mal ne Mütze Schlaf abzubekommen..."

"Oh Dad... danke... danke für alles... ich... ich..."

"Ruh' dich aus, mein kleines Schätzchen, der Morgen kommt schneller als mir lieb ist, und morgen müssen wir weiter - das dürfte eine Herausforderung für sich werden!"

"Ja... ja... danke... danke Dad..."

Und sie war eingeschlafen.

---

Der Ziegenkönig erhob sich und setzte sich neben die Wache haltende Lyra auf den Baumstamm: "Du sag mal, was meinst du, haben wir zu viert eine Chance hier rauszukommen?"

"Schwer zu sagen, aber Ihr seid eine Klasse Krieger für Euch, wir haben noch eine MP7, meine Kalaschnikow, Eure RPG und UMP... könnte knapp werden, aber ich halte nichts für unmöglich."

"Und ich halte für unmöglich, dass wir jemals beim Du landen..."

"Robert, ich kann auch anders!", brummte sie sauer, "aber seit ich im Klinsch mit Lola liege... ich war so dumm sie adoptieren und ihr eine Mutter sein zu wollen, ich hätte sie in dem Heim bei der dummen Tussi lassen sollen und..."

"Ach was, du hast das richtige getan, und auch wenn Lola das nicht zu schätzen weiß, so hat sie echt Glück gehabt, dich zu treffen und dich zu haben!"

"Meinst?"

"Na aber hallo, so eine wie dich gibt's nur einmal, und es gibt eine Eigenschaft, die nur wenige Stuten haben - du gibst nicht auf, egal wie beschissen die Lage auch sein mag, und das solltest du auch bei Lola nicht, das wird schon, wenn nicht in einem Monat, dann in einem Jahr, und wenn nicht in einem Jahr, dann in zwei!"

"Da hast du vermutlich recht... na gut, ich werde mich mit ihr aussprechen, am besten in Anwesenheit von Stryker, und dann... ja, dann wird das!"

"Ganz genau... tja... Lyra..."

"Hm?"

"... du bist schon schön..."

"Ich weiß."

"... und... würdest du nicht... mit mir...?"

"Nö, vergiss es, du kennst meine Prinzipien, gell?"

"Ja, leider... nicht mal ein Küsschen?"

"NEIN!"

"Okey, ist ja gut... ich geh schlafen, ne?"

"Jo, mach das, ich pass auf euch auf."

"Du willst nicht...?"

"Nein."

"Jut... gutt Nacht denn!"

"Gutt Nacht."

Fünf Minuten später säuselte das Schnarchen des Ziegenkönigs mit dem Wind durch den dunklen Wald... Lyra erhob sich und lehnte sich an einen Baum, zog ihre AK-47 vom Rücken und reinigte den Lauf... Ryder... nein, kein anderer, nur du!

---

Lola lag derweil zuhause auf der Couch... wie gut, dass sie dem Soldaten für ein paar wilde Küsse das Geheimnis hatte entlocken können, dass die dumme Schlampe in die Menschenwelt abgezischt war, um Roberts Arsch zu retten - der konnte ihr auch gestohlen bleiben, Sonea dazu!

Sie vermisste Lea schrecklich, und dieser Vollpfosten von Ziegenkönig konnte ihr sowieso gestohlen bleiben - wer ihr die liebste Freundin vor der Nase wegnehmen wollte und dazu noch auf die hundert zuging war definitiv das Letzte!

Die Klinge erschallte, jemand wartete vor der Haustür... Eross vielleicht?

Neugierig guckte sie durch den Spion und entdeckte Sunset - nanu, was wollte die denn hier?

"Oh Lola, du bis da, was ein Glück im Unglück!"

"Guten Morgen Prinzessin, wie kann ich Euch helfen?"

"In der Menschenwelt ist ein schreckliches Unglück geschehen, Robert, Sonea und deine Mutter Lyra sind..."

"SIE IST NICHT MEINE MUTTER, ICH HASSE SIE!!! UND LASS MICH BLOß MIT ROBERT IN RUHE, DER UND SEIN INTERESSE AN LEA SETZEN DEM GANZEN ECHT DIE KRONE AUF!!!"

"Lola, was redest du da?!"

"IST DOCH WAHR!!!", keifte die junge Stute, "ICH WOLLTE KEINEN ERSATZ FÜR MEINE ELTERN, ICH WOLLTE STRYKER UND SONST KEINEN!!!"

"Mein Bruder hat so seine Macken..."

"GLAUBST DU DAS INTERESSIERT MICH?!?! IMMER NOCH BESSER ALS DU, DIE STÄNDIG MEINT EINEN AUF GEILEN ARSCH MACHEN ZU MÜSSEN UND NUR WEIL SIE GOLDEN IST WIE EINE PRINZESSIN AUFFÜHRT, DAZU SICH SO BEI ALLEN EINGESCHLEIMT HAT, DAS..."

"Lea ist auch verschwunden, gell?"

Lola blieb die Luft weg: "W-was?!"

"Mhm... deswegen wollte ich dich eigentlich fragen, ob du mir beim Suchen hilfst, aber so..."

"Sunset, kommst du?", rief eine männliche Stimme von draußen.

"Jaja, sofort... also, wie ich schon sagte, solltest du wenigstens ein bisschen erwachsener geworden sein, dann lerne dich mit deinem Schicksal abzufinden und vielleicht auch die positiven Seiten zu sehen... so eine Frau Lumpe kann einem schon einiges versauen... bis dann."

Und weg war sie... durch die Vorhänge des Küchenfensters sah Lola Sunset in einen gelben Sportwagen einsteigen und davon düsen, den Hengst an ihrer Seite... aber das hatte sie sich sicher nur eingebildet, oder?

So wie Lea... LEA!!!

---

Der nächste Morgen kam viel zu schnell, und Lyra trieb ihre Mitstreiter zur Eile an - sie mussten Jöhstadt erreichen, dort den ersten Zug der Preßnitztalbahn ab 10:06 Uhr, in Steinbach den Anschlussbus in Richtung Annaberg-Buchholz erwischen und zum Mittag sicher im Untergrundeisenbahnerhauptquartier in Dresden oder Leipzig ankommen!

Dementsprechend müde waren Sonea und Lea, ihr Freund und Vater hingegen ausgelassen und energiegeladen wie ein kleines Fohlen: "Oh gei-heil, wir fahren Preßnitztalbahn!"

Dicht an der tschechischen Grenze folgten sie einem kleinen Schleichweg ins Schwarzwassertal, passierten das Werk der PF Pumpen und Feuerlöschtechnik GmbH und gelangten über den alten Damm des Anschlussgleises bis kurz vor den Bahnhof, wo die Ghost Riderin alle zurückhielt und einwies: "Also passt auf - da vorne müssen wir hin, hinter dem Block da...", ihr Finger deutete auf ein großes Gebäude, "... ist der Bahnhof, da steht unser Zug, der in einer knappen halben Stunde abfährt. Die Polizei ist auch da, mindestens ein Überwacher, drei Streifen, ob von unseren Verfolgern welche dabei sind kann ich auf den ersten Blick nicht sagen."

Sonea machte sich durch ihr Fernglas ein Bild der Lage: "Ich sehe sie, zwischen Block und Lokschuppen, zwei auf dem Parkplatz, die anderen nicht zu erkennen, sonst keine auffälligen Personen!"

"Das klingt schonmal gar nicht schlecht - Robert, du nimmst die RPG und meine AK wie besprochen, verliere sie bloß nicht!"

"Keine Sorge, ich pass auf wie ein Schatten!"

"Sonea, du trägst den Rucksack, wie..."

"... besprochen, ja, das hatten wir heute schon viermal!"

"Besser dreimal zu viel als einmal zu wenig!", fand ihre Wächterin und erhob sich, "na dann los... und unauffällig bleiben, so wie wir es besprochen haben!"

"Oh ja, genau so!"

---

Erik Balling und Uli Tenes hatten die gestrigen "Ausschreitungen" verpasst und waren auch recht froh darüber... dagegen war das hier heute ein Klacks! Bei einem Kaffee und zwei Stücken Eierschecke ließ sich der Wachdienst ganz locker und leicht erledigen, und die ganzen Eisenbahnverrückten hier waren wahrscheinlich die Allerletzten, die sich von der gestrigen Schießerei aus der Ruhe bringen lassen würden!

(Anmerkung des Autors: Ich lasse das Hochsächsisch mal raus, das erspart einiges an Zeit und Nerven! xD)

"Der Kuchen ist mal wieder super lecker, ne?"

"Allerdings, der Kaffee aber auch... du, das gestern war aber auch nen Ding, sowas hatten wir ja noch nie hier!"

"Wahrscheinlich Drogenkrieg, so wie immer, nur dieses Mal eben krasser und direkt hier... na ja, solange es dabei bleibt und heute nix mehr passiert..."

"Jo, so sehe ich das auch - ey guck dir den mal an, der fotografiert ja echt jeden Schotterstein!"

"Seine Frau und die beiden Mädels sehen auch schon etwas gestresst drein... na ja, besser so als wenn die zu einem der Kartelle gehören würden!"

---

"Robert, lass das Geknipse, das ist viel zu auffällig!"

"Ach was, das macht hier jeder!", verteidigte sich der Ziegenkönig und blitzte munter das Bahnhofsgebäude, "und soll mir nur mal einer sagen, dass uns einer im Visier hat!"

"Die Blauhemden da drüben gucken schon komisch!", bemerkte Sonea spitz, "aber ja, du bist unauffällig mit deiner riesig langen Stativtasche auf dem Rücken!"

"Oh, okey!"

Autos, so weit das Auge reichte... menschenskind, hier war was los: "Und das war alles mal Bahngelände hier!"

"Wie interessant...", säuselte Lea, als Lyra plötzlich zuckte und zischte: "Geht ganz unauffällig weiter, und bloß nicht umdrehen!"

"Was zum...?!"

"WEITERGEHEN SAGTE ICH!!!", ein Lieferwagen mit tschechischer Aufschrift rollte über den ehemaligen Bahnübergang fünfzig Meter hinter ihnen, "das könnten sie sein!"

(Anmerkung des Autors: Ich kann kein tschechisch, also bitte, falls es jemand kann, übersetze er das folgende richtig xD)

"Hej, Lubomír, peep a to i tam, dívka s fialovým vlasy, které není včera?!"[1]

"Zatraceně, ano, druhá Uznávám, volejte druhý!"[2]

Das Gefährt stoppte und setzte zurück, die Fahrer riss das Lenkrad herum und trat das Gaspedal durch, aus dem rechten Fenster ragte der Lauf eines Gewehres: "JETZT!!!"

---

Die Tasche glitt von Roberts Rücken, drei Griffe, seine RPG lag auf der Schulter: "RÜBEN RUNTER!!!"

KA-WUMM!!!

Lyra packte ihre Kalaschnikow, Lea ihre MP7, Sonea die UMP - und ihnen flogen die Kugeln von hinten um die Ohren, fünf weitere Männer der Mafia, davon drei nahe des Zuges am kleinen Essenskiosk, schissen auf die Völkerfreundschaft und ballerten wild drauf los - Passanten stürzten schreiend in alle Richtungen, eine Massenpanik brach aus, die Polizisten hatten alle Hände voll zu tun um die Menschen in Sicherheit zu bringen... wie durch ein Wunder wurde niemand verletzt... war das etwa Magie?!

Mit drei Hechtsprüngen waren die drei Stuten hinter einem Auto in Deckung, Robert spurtete in die entgegengesetzte Richtung und war mit einem Klirr! in einem der Fenster des Neubaublocks verschwunden, die zwei Kerle mit Sturmgewehren keine fünfzehn Karren von ihnen entfernt erwischten ihn nicht mehr.

"... dreißig... vierzig!", zählte Lyra, "FEUER!!!"

Dummheit wird bestraft, vor allem wenn man schon zu zweit ist und gleichzeitig so verbissen um sich ballert, dass man auch gleichzeitig nachladen muss - durchlöchert gingen die Tschechen zu Boden, Sonea flitzte geduckt zu ihnen und machte sich eine der M16er klar, lud den Unterflurgranatwerfer durch und drückte ab... in hohem Bogen flog der Sprengkörper einmal quer über den Platz und landete in jener Bude, in der sich die anderen drei Angreifer verschanzt hatten, rollte unter eine merkwürdige Apparatur mit Sammeltank und Aufschrift "Heizerschluck" und...

KA-BUMM!!!

Kochender Schnaps schoss in einer Fontäne in den Himmel, die Flammen erfassten in noch während des Aufstiegs... irre, einfach irre!

"LOS, ZUM ZUG, BEEILT EUCH!!!", schrie Lyra und rannte los, Lea stopfte ihr letztes Magazin in den Schacht, Sonea beschäftigte zwei Blauhemden mit schnellen Salven: "LAUFT, ICH HOLE DAD!!!"

"KEINE OPTION, DU KOMMST MIT, DEIN VATER KANN ALLEINE AUF SICH AUFPASSEN!!!"

Der MDR-Hubschrauber drehte bei, der Kameramann hielt voll drauf, der Moderator ging live auf Sendung: "Ich bin hier gerade in Jöhstadt/Sachsen, wo sich der gestrige Konflikt noch einmal drastisch zuspitzt - mehrere schwerbewaffnete Personen schießen hier während des Bahnhofsfestes wild um sich, die Polizei ist machtlos und kann nur die Menschen hier evakuieren - oh Gott, schütze sie!"

Lea erklomm den Zug, Sonea trat zum Lokschuppen durch und versenkte die letzte Granate in einer Ansammlung Öltonnen weit weg von allen Zivilisten, dabei gefährlich ihre Waffe schwenkend: "ALLE MANN RAUS HIER, BRINGEN SIE SICH IN SICHERHEIT, HINTER DEM BLOCK ZUM BAHNHOFSGEBÄUDE, WIR HABEN EINE BOMBE!!!"

Die in pechschwarzen Schwaden detonierenden Tonnen unterstrichen diese Warnung freundlich, die Polizisten wagten nicht zu schießen, zu groß war die Gefahr Unschuldige zu treffen - Tenes wunderte sich nicht zu knapp, warum diese Terroristin wie ein halbes Kind aussah und trotzdem die Flüchtenden in Sicherheit bugsierte... was waren das für Leute?!

Ihre Blicke sprachen Bände, der Polizist nickte stumm, ein knapper Gruß, dann verschlag der Ruß des brennenden Altöls ihre Silhouette.

"BEWEGEN SIE SICH SCHON!!!", fluchte auch Lyra und schubste einen sich an sie klammernden Mann hinter ein Auto, bevor sie das Feuer auf neue anrückende Vans mit neuem Magazin eröffnete, "NA LOS, RUNTER ZUM BACH, SONST HABEN SIE BALD MEHR BLEI IM KÖRPER STECKEN ALS SIE ES JEMALS FÜR MÖGLICH GEHALTEN HÄTTEN!!!"

Eine halbe Armee rückte auf sie zu - und ihr König steckte genau dazwischen!

---

Die schwarze Wand verschlang alles und jeden, Lea tastete sich mit Mühe vorwärts, als sie plötzlich zwei starke Hände packten und auf den Boden rissen: "AHHH!!!"

Da war Sonea auch schon ran: "HAY-YA-HA!!!" *Bang - BONK!*

Ein kurzes Stück Feldbahnschiene hielt die Prinzessin in den Händen: "Sorry für die Verspätung, meine Munition war alle - DUCK DICH!!!"

WONK!, der Kopf des nächsten Angreifers splitterte wie ein dürrer Zweig, seine Kalaschnikow kam sehr gelegen, die ihm folgenden Männer zerriss es im Lauf: "LEA, LAUF ZUM LETZTEN WAGGON, LÖS DIE BREMSLEITUNGEN UND MACH DIE KUPPLUNG AUF, ICH HALTE UNS DIE KERLE VOM HALS!!!"

Das ließ die sich nicht zweimal sagen!

---

Lyra hielt verbissen die Stellung - mittlerweile waren die Tschechen überall, und ihre Magazine gingen gefährlich zur Neige! Von einem Toten stahl sie zwei neue, lud nach, erledigte drei neue, rollte sich unter das Auto, rutschte bis zum Ende der Kolonne und wagte die zwanzig Meter freies Feld, die sie vom Zug trennten - und stand sich Angesicht in Angesicht mit einem weiteren Mann gegenüber... der sein Sturmgewehr auf ihren Kopf gerichtet hatte.

Lola, bitte verzeih mir!, war ihr letzter Gedanke, bevor sie die Augen schloss.

---

Das Donnern des Schießpulvers vernahmen die sich im Wohnblock vorsichtig vorarbeitenden Söldner wie die Ruhe vor dem Sturm... ihre Zielperson konnte hier überall sein, zwei Wanddurchbrüche waren ihm bereits gelungen, und mit einer RPG war noch nie gut Kirschen essen!

"Jen pozor, personál je profesionální!"[3]

"Co myslíš, že to, co tady dělá?!"[4], schnauzte sein Begleiter, "Nemůže být daleko..."[5]

Seine AK-74 ragte durch den Türrahmen - und riss plötzlich nach vorne, rechts um die Ecke und ehe er wusste wie ihm geschah knallte ihm eine Faust wie ein Stahlträger mitten in die Fresse, die Wucht des Schlages brachte selbst den Trageriemen der Waffe zum Reißen, Robert jagte den Rest des Magazins durch die dünne Mauer und erledigte auch Nummer zwei: "Danke für euer Gespräch, auch wenn ich's nicht verstanden habe!"

"Vzhledem k tomu, že je - otevřený oheň!"[6]

Betonsplitter flogen herum, der Ziegenkönig verschwand ganz in der Küche, nahm den Fluchtweg durch das Schlafzimmer der nicht anwesenden Bewohner und schoss die Treppe zum Dachboden hinauf - drei dünne Bretterwände trennten ihn noch von der Stirnseite des Gebäudes, von unten brüllten seine Verfolger... na die sollten nur kommen!

---

Blut war in ihrem Gesicht, klebte an ihrer Jacke. Knochensplitter hatten sich in ihre Haut gebohrt, in der Brust klaffte ein großes Loch, und doch fühlte Lyra keine Schmerzen... vor ihren Augen flimmerte die Luft, ihrem Gegner fiel das Gewehr aus der Hand, mit lautem Dumpf! schlug er auf den Bahnsteig - wer war ihr rettender Engel gewesen?!

In der hellen Sonne erkannte sie das Blitzen eines Fernrohrs - eines Zielfernrohrs einer Dragunov, aufgeschraubt auf eine alte Lathi L-39.

"Scheiß Halbautomatik!", fluchte Lola oben von ihrem Posten und nietete die nächsten Kerle um, "aber ansonsten nicht übel - JETZT MACHT HINNE, ICH HAB NICHT UNBEGRENZT SCHUSS!!!"

Und ihrer Adoptivmutter fielen gleich zwei Steine vom Herzen - ihre treue Kalaschnikow flog herum und säbelte sich ihre Bahn frei... jetzt fehlte bloß noch Robert!

---

Lea fand den Hebel auf Anhieb, die Bremsleitungen, die Handbremse - und prallte mit einem Polizisten zusammen. Als buntes Knäuel kugelten die beiden über den Boden, die junge Stute war viel zu erschrocken um zu reagieren.

"KEINE BEWEGUNG, SONST SCHIEßE ICH!!!" - Was tun?!

In Panik schüttelte sie den SEK-Mann von sich, bekam dabei etwas Schweres zu fassen und schlug im Affekt zu - die MP5 traf den Mann am Kopf seitlich unterhalb des Helms, seine Augen verdrehten sich nach innen, noch in der Drehung ging er zu Boden.

"Woar!"

---

Das Labyrinth durch die frisch gewaschene Wäsche stellte die größte Herausforderung auf dem Dachboden des Wohnblocks da - Robert tat sich extra schwer nur ja keins der trocknenden Stücke auch nur ansatzweise schmutzig zu machen (in Down Under wurde man als Zicklein für sowas zum nächsten großen Waschdienst verdonnert).

"Získat ho konečně její selhání!"[7], brüllte es dicht hinter ihm und Kugeln durchsiebten die schönen Bettlaken - na großartig, da führte wohl nichts ringsrum! Vor lauter durch die Luft wirbelnder Federn hatte er kaum Peilung wo seine Gegner standen, verschoss ein Magazin und gab Fersengeld... zehn Meter weiter stoppte ihn die letzte Wand, zwei Kugeln hatten bereits das kleine Fenster durchschlagen, der Nachrichtenhubschrauber kreiste ganz nah: "Fuck!"

"Stojí zády ke zdi, zbavit, teď jsme ho dostali!"[8]

Das würde ungemütlich werden, doch der Ziegenkönig hatte längst einen Ausweg in Sicht - aus seinem Gürtel zog er ein Seil mit kleinem Enterhaken, schwang es über seinen Kopf und erwischte die linke Kufe des Helis: "Macht's gut ihr Pfosten!"

Und sein letztes Magazin verfeuernd sprang er aus dem Fenster: "YIIII-HAAA-AHHHHH!!!"

---

Sonea und der Polizist standen sich Auge in Auge, keiner wagte einen Schritt - und ihr Dad steckte noch da drin, mit jeder Sekunde länger steckte er immer größer in der Klemme...

"YIIII-HAAA-AHHHHH!!!"

Da segelte er auch schon über sie hinweg - die Unterflurkamera des gehijackten Hubschraubers folgte ihm auch nach dem Loslassen des Seils und der folgenden Landung nach erstklassigem Parabelflug mit Durchschlag ersten Waggon des Zuges... das durfte doch alles nicht wahr sein...

Und wie immer war es das gerade doch!

"Ich muss los, mein Dad wartet!", rief sie ihm lachend zu und rannte davon - dieses Mädchen würde Tenes nie vergessen, niemals!

---

Lyra schleppte den angeschlagenen Robert die letzten paar Meter, Lea bemühte sich mit allen Kräften den Waggon auf die abfallend Steigung zu schieben, Sonea schmiss zwei Angreifern ihre Schiene gegen die Brust und erledigte die nächsten mit der erbeuteten MP5: "Lyra, hilf Lea, da kommt die nächste Welle!"

Zwei neue Trucks bremsten in einer Staubwolke auf dem Parkplatz, Robert entkam dem Griff seiner Ghost Riderin und stemmte sich an die Kupplung: "Na - los - komm - schon!"

Lyra half, und endlich bewegte sich das Gefährt, Lea sprang auf, Sonea hinterher, ihre beiden Mitstreiter folgten wenig später: "Wir haben's geschafft, na geht doch! Nächster Halt Steinbach!"

Kugeln knallten auf Metall, die beiden Jungstuten flohen in Innere des Wagens, Robert machte seine RPG scharf: "Na dann passt mal auf, jetzt kommt der... upps!"

Eine kleine Lache Schmiere zog ihm den Fuß weg, die Rakete ging einen Tick zu weit nach rechts und durchbrach die Wand des Wohnblocks, schaffte noch ein paar Meter und detonierte in einem gewaltigen Feuerball aus Betonbrocken und Dachziegeln, Flugbomben plätteten einen Haufen Söldner, die anderen erreichten nun ihrerseits den Zug und machten sich drei Waggons klar - und unsere vier Freunde spürten das erste Gefälle der Preßnitztalbahn.

---

Lola ließ ihr Gewehr stehen und holte Schwung, gab Vollgas und sprang - auf dem Waggondach rollte sie sich elegant ab und schwang sich an einer der Griffstangen direkt in Lyras Arme: "Oh Lola, du hast mir das Leben gerettet!"

"Ach nicht dafür, wenn auch... ja, habe ich! LEA!"

"Lola, hallo!"

"Tach Lola!"

"Hallo Robert. Na, steckst du mal wieder in Schwierigkeiten?"

"Ach iwo, wir..."

Bäng! Biummp! - "Wir bekommen Gesellschaft!"

"Sonea, dreh die Bremse voll auf, VOLL AUF!"

"Jo, verstanden!"

Durch Schlössel ging es mit Schmackes und immer schneller in die Steigung des Schwarzwassertals, die nicht vorhandene Tachonadel überschritt 50km/h, 60, 70 - die Schienenstöße preschten dahin, die Achslager kreischten, mit viel zu viel Schmackes bolzte der Wagen in die Kurve des Haltepunkts Loreleyfelsen und hob sich funkenschlagend auf vier Räder, die Freunde konnten sich kaum an den Sitzen halten, Robert schmiss seine RPG auf die andere Seite und das Gefährt krachte wieder auf seine vier Achsen: "Sonea?!"

"JA DAD?!"

"Sonea, mach die Bremse zu - pass in den Kurven auf oder wir fliegen aus den Schienen!"

"Okey!"

Der ihnen folgende Waggon holte ein gutes Stück auf, die Tschechen an Bord eröffneten erneut das Feuer: "Lyra, wie stehen unsere Chancen?!"

"Schlecht, weil ich die Strecke nicht kenne und wir kaum anhalten können ohne über den Haufen gefahren zu werden! Wir müssen mindestens bis Steinbach kommen, koste es was es wolle!"

"Verstanden... hm... du, ich hab nen Plan!"

---

"Könntet ihr das Geknutsche bitte lassen?!"

"Sonea...", stichelte Lola mit größter Genugtuung, "du hattest Lea den letzten Monat genug, und außerdem ist sie nicht dein Hund und trägt kein Halsband von dir!"

"Ähm...", der Kopf des königlichen Mädchens war knallrot im Gesicht, "also... das..."

"SONEA!!!"

"NA IST DOCH WAHR!!!"

"IHR ZWEI, HÖRT AUF ZU STREITEN!!!", übertönte Robert die beiden Zicken, "Sonea, wie weit ist es noch bis Schmalzgrube?!"

"Ähm, knapp siebenhundert Meter!"

"Danke - denkst du an die scharfe Einfahrtskurve?"

"Mache ich - aber kommen die hinter uns nicht viel zu schnell?!"

"Ja, aber das nutzen wir zu unserem Vorteil!"

Der Ziegenkönig robbte unter dem Kugelhagel her neben seine Ghost Riderin: "Lyra, ich brauche gleich Deckung, und zwar ne janze Menge!"

"Großes Magazin?"

"Großes Magazin, auf mein Zeichen! - Lea, liegt bei euch was Großes und Schweres aus Metall rum?!"

Dankbar zog die sich aus der Affäre (Lolas Blicke hätten Robert töten können) und kramte in einem der Stränke des Packabteils herum: "Hier, geht das?"

"Ja, mehr als, tausend Dank!", gab es ein Küsschen und der Hemmschuh (eine Art Metallklotz mit Schräge, mit dem man Eisenbahnfahrzeuge in Schräglage sichern kann, so eine Art Keil) wechselte den Besitzer, Robert schob sich zurück auf seinen Platz neben Lyra: "Alles klar, in drei, zwei, eins, FEUER!!!"

Einundsiebzig Schuss steckten in der Trommel, die Stute ballerte sie alle auf ihre Verfolger, selbst die Blechwand ihres Wagens hielt nicht allen stand und vier von ihnen gingen zu Boden, Robert lehnte sich weit raus und tief nach unten, balanchierte den Hemmschuh nur Zentimeter über der rechten Schiene - da kam die Kurve, die Achslager schrien schrill, er drückte den Keil nach unten in die Spurrille des Bahnübergangs, zweimal sprang das Metallteil zurück nach oben, beim dritten blieb er endlich stecken.

"DECKUNG LYRA!!!", die beiden landeten Rücken an Rücken, "puh, geschafft!"

"Bin mal gespannt..."

---

Der sie verfolgende Neubauwagen war erstens noch viel zu schnell und hatte zweitens den klemmenden Hemmschuh im Weg, welcher das erste Drehgestell aus der Bahn hob. Funken flogen, die Kiste machte einen Satz nach geradeaus, die letzten zwei Achsen im Gleis rissen ebenfalls nach oben und mit sattem Karacho schmetterte das Vehikel in das Schwarzwasser, knallte in den Uferhang und zerschellte in seine Einzelteile.

"Woar!"

"Na das nenne ich mal ne Entgleisung!"

Lyra guckte ihren über das ganze Gesicht grinsende König bewundernd an und musste sich eingestehen, dass er ihrem Ryder gar nicht mal so unähnlich war... und Jack in nichts nahe stand!

---

"DAD, STRAßENSPERRE!!!"

"BREMSE VOLL AUF UND FEUER FREI, MACHT KLEINHOLZ AUS IHNEN!!!"

---

Von dem querstehenden Lieferwagen blieben nur noch Fetzen übrig, weiter ging es über Forellenhof tiefer ins unbewohnte Tal des Schwarzwassers hinein: "Und nun?"

"Kritisch werden dürfte es wohl nur noch in Steinbach, wenn überhaupt... ich glaube nämlich, dass wir sie abgehängt haben..."

Schüsse, Lyra fuhr herum und entdeckte einen weiteren Waggon hinter ihnen: "SO VIEL ZUM THEMA - DIE KAUF ICH MIR!!!"

---

"Jegor, hast du sie auf dem Schirm?"

"Ja, sie entkommen uns nicht mehr - was ist der Plan?"

"Ich empfange sie in Steinbach, das dürfte genügen."

"Wie du möchtest... brauchst du keinen Schutz?"

"Ich bin ein großes Mädchen, ich kann alleine auf mich aufpassen, aber danke - guck du, dass du nach Hause zu deinen Liebsten kommst!"

"Vielen Dank Boss, bis übermorgen!"

"Bis dann, und vielen Dank dir!"

---

"ROBERT, WIE WEIT IST ES NOCH BIS STEINBACH?!?!"

"Nicht mehr weit, über den Bahnübergang der K 7129 und..."

"DAAAD, RPG!!!"

Sie hatten auch den BÜ blockiert, ein Mann zog den Abzug - die Rakete hielt auf sie zu! "ALLE STUTEN RUNTER!!!"

ZOOOSCH!!!, bauzte das Geschoss keinen Meter über sie hinweg, durch die geöffnete Tür am Ende wieder hinaus, zwischen Robert und Lyra hindurch, in den ihnen folgenden Waggon... und dort gegen die geschlossene Hintertür - KA-WUMM!!!

"FESTHALTEN!!!" - KA-RACK-UMMS!!! - "WIR SIND DURCH, NÄCHSTER HALT IST ENDSTATION!!!"

Na bombige Aussichten!, konnte Lola nur mit ihren Nerven am Ende mit dem Kopf schütteln, vor allem wie aussteigen bei diesem Affenzahn?!

---

Sie nahm einen Schluck Kaffee und verscheuchte eine Fliege vom Armaturenbrett ihres gelben Lamborghini... die ließen sich ganz schön Zeit, dabei war die bares Geld und nur Sekunden trennten den Finger vom Abzug, die Kugel von der Waffe, Leben von Tod.

Sie hatte abgeschworen.

Und heute würde sie es zuende bringen.

Im zweiten Gang rollte sie los.

---

Sonea schmiss die Reste des zerfetzten Lieferwagens von ihrem Bremserplatz und umfasste den Griff: "DAD, ICH MUSS BREMSEN, SONST KOMMEN WIR BIS UNTEN NICHT ZUM STEHEN!!!"

"Ja, tu das, aber nicht zu viel, wir haben noch einen Verfolger hinter uns!"

Lyra ballerte aus allen Rohren, die Beläge der Backen sprühten Funken, sie wurden kaum merklich langsamer: "Dad, das bringt alles nix, wir kommen zu schnell!"

"Lea!"

"J-ja?"

"Siehst du direkt neben dir eine Klappe im Boden?!", die Jungstute suchte und fand, "aufmachen und einen dicken schwarzen Schlauch suchen!"

Lola sah ihn zuerst: "Und was ist damit?"

"Stecht ein Loch rein, schneidet ihn durch, aus ihm muss der Druck raus, das wird gleich mäßig holprig!"

"Keine Faxen, ich mach das!", knurrte Eross Wächterin und setzte ihr Kampfmesser an, "HAU-R..."

BÄNG!!! - ZISCH!!! - "AHHHHHH, HILFE!!!"

Lea stolperte erschrocken zurück, den Waggon erfüllte das Kreischen der Bremsen, Lola schrie, Robert riss ein Streckenschild mit Fuß aus dem Boden und hob es über seinen Kopf in Position: "MACHT EUCH BEREIT, NOCH HUNDERT METER BIS ZUR EINFAHRTSWEICHE!!!"

---

Alles war bereit, der Schalldämpfer auf der Makarov, der Motor wartete auf seinen Einsatz wie eine schlummernde Raubkatze, allzeit zum Sprung bereit, die langen Haaren zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden... nichts konnte mehr schief gehen...

IIIIIHHHHHKKKK!!! - Das mussten sie sein...

---

Mit Tempo Vierzig schepperte der Wagen über die Weiche, Robert ließ sein Schild sausen - BÄNG!!!, der Weichenhebel flog nach hinten und die Zunge rückte nach links - "SONEA, GIB ALLES!!!"

IIIIIIIIIIIIIIIIIÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄÄKKKKKKKKK!!!!!!

Sie standen.

"SIE KOMMEN VON LINKS, FEUER FREI!!!"

Ihr letztes Magazin, die Ghost Riderin versenkte jede zweite Kugel in menschliches Fleisch, unterstützt von Soneas UMP, ein Treffer hier, ein Treffer da, ihre Gegner waren (nicht mehr da) passé, ziellos schoss das durchlöcherte Gefährt noch bis zur Ausfahrtsweiche und eingleiste mit dem ersten Drehgestell, die darauffolgende Preßnitzbrücke tat ihr übriges, der Waggon knallte in die Böschung und sublimierte in seine Einzelteile. Hellje dankend diese irre Geisterfahrt überlebt zu haben kletterten die Freunde mit butterweichen Knien aus ihrem Fluchtfahrzeug und liefen bis vor die kleine Empfangshalle des Bahnhofs, bloß weg von dem beißenden Qualm, den die mittlerweile in Flammen stehende Bremsanlage aussonderte!

"Und was nun?!"

Robert grinste über sein ganzes Gesicht: "Was für ne Frage - nochmal!"

"Bei dir piept's wohl!"

"Lola, also wirklich!"

"Na ist doch wahr!"

"Lasst den Zickenkrieg!", fuhr Lea die beiden härter als sie wollte an und erschrak über sich selbst - uijuijui, da konnte sie Terra aber was husten!, "Robert, wie kommen wir hier weg?!"

"Na... ähm... also eigentlich..."

"Dad, was denn nun?!"

"... tja, wollte ich ja mit dem Bus fahren..."

"Oh verflucht, der Bus!", wurde es nun auch Lyra mit Entsetzen klar, "den können wir knicken!"

"Und was jetzt?!"

---

Siebtes Kapitel: Mit Karacho und mit Tacho, die Flucht über Asphalt mit Blei! Mit Karacho und mit Tacho, an Marienberg vorbei!Bearbeiten

WROMM!

Kalaschnikow, RPG und Dragunow deuteten auf den gelben Sportwagen, der unmittelbar neben ihnen hielt - und hinter dessen Lenkrad Sunset saß! "Schnell, steigt ein!"

"S-sunset?!"

"Datt glaube ich jetze nich..."

"Watt bidde?!"

"What the fuck?!"

"Hmmmpf, ausgerechnet die..."

"Euer Bus wird heute nicht mehr kommen, also rein in die Kiste jetze, sonst seht ihr alt aus, die Tschechen sind in weniger als fünf Minuten mit einer halben Armee hier, macht hinne!"

Robert spurte als Erster und nahm den Beifahrersitz, Lyra den Platz hinter dem goldenen Mädchen, Sonea rechts und Lola mit Lea etwas gequetscht in der Mitte: "Aua Sonea, nimm deinen Arm von meinem Knie!"

"Kein Gezicke da hinten, sonst dürft ihr laufen!", warnte die Fahrerin, "alles anschnallen und festhalten, die Straßen sind hier nicht ganz grade!"

"Na da bin ich mal gesp..."

WRRROOOOOAAAAR!!!, schoss der Lambo los, beschleunigte in weniger als zehn Sekunden auf 120 und war wie der Blitz raus aus dem Ort, Sunset entschied sich für die Eisenstraße den Berg hinauf in Richtung Schnellstraße B 174, legte den vierten Gang ein und ließ das Gas spielen - die sechs BMW hinter ihnen hatten Mühe mitzuhalten, aber sie blieben dran...

---

"Da leck doch einer die Ziege, ist das eine schnelle Möhre!"

"Nicht wahr?", grinste Sunset und glitt nur Millimeter an zwei Leitplanken vorbei, "der Lamborghini Estoque, 560 PS, V10-Hybridmotor, von null auf hundert in zwei'nhalb Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 380 Sachen die Stunde - da kommen deine Dampfloks nicht mit, gell?"

"Und woher hast du so nen mordsteuren Schlitten?!"

"Als, na sagen wir mal, Dienstwagen..."

Lea und Lola guckten sich bloß doof an, Sonea huschte ein Lächeln über die Lippen - bis drei Kugeln in das Heck der Nobelkarosse einschlugen: "Unsere Gesellschaft ist ran!"

"Haltet sie auf Distanz, ich komme hier nicht auf Touren, wir müssen zur Schnellstraße kommen, sonst haben sie uns!"

"Ich brauche Muition!", verlangte Lyra, "und wie sicher ist das Auto hier?!"

"Kugelsichere Karosse, die Scheiben sowieso, keine Sorge - Waffen und Munition...", die Mittelkonsole klappte auf und offenbarte zwei AK-47u und Magazine über Magazine, "greift zu und fetzt sie von der Straße!"

"Zu Befehl!", lachte Robert, stopfte eine neue Rakete und hielt seine RPG weit aus dem Fenster, "juhuuu!"

KA-WUMM!!!

---

Vom vollgetroffene Verfolger blieben nur noch Blechfetzen übrig, die anderen rückten teilnahmslos nach und nahmen den Lambo weiter unter Beschuss, Lyra ballerte satte dreißig Kugeln auf die Windschutzscheibe des nun führenden BMW, ehe die unter dem prasselnden Trommelfeuer nachgab und den Fahrer durchsiebte, an der nächsten scharfen Kurve halfen weder Sicherungspfosten noch Sperrschilder, der Wagen bretterte mit Schmackes geradeaus und zerschellte an den Bäumen dahinter: "Das waren schon zwei, weiter so, gleich haben wir sie!"

---

Terra schritt ungeduldig vor seinem Thron auf und ab, als Luna in den großen Saal trat, und kam ohne Luft zu holen sofort zur Sache: "Luna, ich mache mir schreckliche Sorgen um Lea, und dann noch das, also..."

"Ja denkste ich nich?!", fuhr sie ihn scharf an, "trotzdem kann ich's nich ändern, schick meinetwegen nen paar Wächter in die Menschenwelt, die da eingreifen, aber wie ich... wie ich Robert kenne kommt er da heil raus."

"Ich hoffe du hast recht..."

---

Die B174 kam in Sicht, Sunset kürzte kurzerhuf die Linkskurve samt Kreuzung über den Acker ab und zog ihr Auto auf 260 km/h hoch: "Leute, das wird jetzt echt brutal schnell, gebt mir alles was ihr könnt!"

"Zu Befehl Chefin!"

Durch den zum Glück nicht allzu dichten Mittagsverkehr brausten die Rennfahrer, andere Fahrzeuge wichen hupend aus, der Seitenstreifen füllte sich: "Sunset, halt dich in der Mitte, ich kann sonst nicht zielen!"

"Lola, versuche es ohne Fernrohr, das hilft!", riet Lyra, was nur durch ein unwilliges Grunzen und einen astreinen Kopfschuss des Beifahrers ihres ersten Verfolgers kommentiert wurde: "So, na geht doch!"

"Lola, du solltest wirklich..."

"Lyra, bitte, ein andermal!", ging Robert schnell dazwischen bevor die Fetzen fliegen konnten, "Sunset, hast du Haarspray dabei?"

"Ähm... schau mal ins Handschuhfach - aber wozu...?"

"Wart's ab!", der Ziegenkönig kramte und fand, wenn auch nur eine Dose Deo, aber das tat es auch: "Wir müssen nen Drive-By machen, kriegst du das hin?"

"Ich verstehe, und ja, kein Problem - jetzt sofort?!"

"Gleich - Lyra, du hälst auf sie drauf, der Rest macht sich klein, ich kümmere mich um das Ka-Bumm!"

"Alles klar, ich bin bereit!"

"Ich auch!"

"Und wir beide!"

"Dann los Sunset!"

Ein blitzschneller Pedalenwechsel, ein schnittiger Haken nach links, der Lambo und BMW waren auf gleicher Höhe: "FEUER!!!"

Die Ghost Riderin gab alles was ihre treue Kalaschnikow hergab und Robert warf das Deo durch das offene Beifahrerfenster - noch bevor es auf die Leiche des soeben durchlöcherten Typs aufschlug traf eine 9 x 19mm Parabellum aus einer Luger P08 den Gasdruckbehälter und zerriss ihn in einen glühenden Feuerball, die goldene Prinzessin brach nach rechts aus und überholte einen Ford, ihr Gegner krachte brennend in die Mittelleitplanke: "Year, Strike!"

"Oh kacke, der nächste ist schon ran!"

"Lyra, Rübe runter!"

Ein filmreifer Drift nach rechts, der Ford schlingerte umher und schaffte es auf den Seitenstreifen, der nächste BMW war ran, und Sonea und Lea gaben alles - volle Breitseite getroffen gab auch diese Karre umgehend den Geist auf, kam zu weit auf die erste Spur, touchierte einen Lada und überschlug sich mehrfach, geriet in Brand und war nur noch Schrott.

"Vier erledigt, zwei bleiben!"

---

Und die ließen sich partout nicht abschütteln!

Im Affenzahn ging es hinunter ins Zschpautal, die Straße verengte sich, Sunset musste mehrmals scharf bremsen um einem Crash zu entgehen, Lea war schlecht: "Ich will nach Hause!"

"Kommst du noch früh genug, keine Panik - Sunset, hast du Optionen?"

"Sieht düster aus, entweder ihr trefft sie oder dieses Rennen geht weiter bis die Tanks leer sind!"

"Tanks... Heureka, das ist es!"

"Was ist was?!"

"Der Tanklaster da vorne, mit dessen Hilfe machen wir ihnen mächtig Feuer unter'm Hintern!"

"Ich verstehe - aber wie?!"

"Lyra, hast du noch Munition?"

"Ja, noch dreiunddreißig Schuss!"

"Das reicht - wenn wir den LKW rechts überholen haust du den Bolzen zwischen Trailer und Zugmaschine raus, dann reißt der nach hinten weg und ich versenk ne Rakete rein!"

"Wenn das klappt!"

"Das klappt, vertraut mir!"

---

Der Lamborghini wich gen Seitenstreifen aus und beschleunigte, der Motor röhrte, Lyra zielte und gab alles - Volltreffer, die Verbindung riss und der Tankanhänger schlingerte führerlos über den Asphalt, Funken sprühten, dann eine klitzekleine Bodenwelle, er brach nach links aus und kam ins Straucheln, die BMW waren ran, Sunset riss das Lenkrad bis Anschlag, ihr Auto driftete zur Mittelleitplanke, Robert hob seine RPG und drückte ab - KA-MEGAWUMM!!!

---

Nicht mehr ganz so schnell ging es weiter - sie hatten es geschafft!

"Wir haben's geschafft, wir haben's geschafft!"

"Wir haben's tatsächlich... oh man, und alle vier Hufe noch dran!"

"Na da bin ich aber froh dass meinem Lola-Schätzchen nichts passiert ist..."

"Oh Niben sei verflucht!"

"Hihi, die kleine Lola muss eben auf die Mami hören!"

"Schnauze Sonea!"

"Kein Grund zum Zanken, und ist doch wahr!"

"Da musst DU dich grade melden!"

"Höre ich da jemanden, der gerne nach Equestria laufen möchte?"

"Bloß nicht!"

"Dann vertragt euch, wir sind gleich am Ziel - Chemnitz!"

---

Und wirklich, keine zehn Kilometer weiter erreichten sie das ehemalige Karl-Marx-Stadt, noch eine wirklich winzigkleine Verfolgungsjagd mit der Polizei, dann war's aber auch allemal genug für heute!

Eine alte Fabrik war ihr Ziel, mit weichen Knien stiegen die Freunde aus, Lola und Lea verschwanden erstmal zum Kotzen, Sonea erbat von einem der zahlreich anwesenden Russen einen starken Wodka und Lyra klebte an Robert, der wiederum an Sunsets Hintern Gefallen gefunden hatte - aber nochmal entkam ihr dieser Ziegenkönig nicht!

Na gut, heute nicht!

---

Schon bald schwebte ihr neues Transportmittel heran, und sowohl Robert als auch die anderen kamen beim Anblick des Mil-Mi 24, aufgemotzt bis zum Gehtnichtmehr, nicht aus dem Staunen raus: "Heilige Arriva Sunny, wo hast du denn den her?!"

"Och, von guten Genossen aus Sibirien!", lachte das goldene Mädchen und begrüßte den Piloten, welcher ihnen beim Einsteigen half, "wie das Leben halt so spielt... ja, ich muss halt manchmal auch ohne Straße mein Ziel erreichen!"

"Das ist nen Argument!", lachte ihr Verehrer und schleckte ihr über die Wange, dass Lola grad wieder ans Reihern dachte, "und wie steht's mit Bewaffnung?"

"Reichlich, erzähle ich dir wannanders... na ja, ich hoffe nicht, dass wir sie heute noch brauchen, aber wer weiß - Igor, es ist Zeit, wir können abheben!"

Der Rotor röhrte auf, und in einer Staubwolke entschwebte die fliegende Festung der Industriebrache und nahm Kurs auf Leipzig.

---

---

... wo sie mehr als nur eine Schlacht schlagen sollte...

---

---

"Meine Königin, Ihr könnt nicht..."

"ICH KANN, ICH BEFEHLE DAS!!!", fauchte Luna wütend und riss die Tür auf, "UND ERSPAREN SIE MIR DEN VORTRAG UND VERSCHWINDEN AN IHRE ARBEIT!!!"

"Jawohl, Königin.", brummte der Ziegen-Doc und verschwand... im Zimmer lag Ferdi in einem schneeweißen Krankenbett und keuchte: "M-meine Köngin?"

"Ferdi, wo stecken mein Hengst und meine Tochter?!"

"Im... Menschenwelt..."

"Das weiß ich auch - WO?!?!"

"Ich... ich..."

"Luna!", die Angesprochene fuhr herum und entdeckte Mellis, der einen Verband um den rechten Vorderhuf trug, "komm, ich bringe dich hin!"

"Das wird auch allerhöchste Eisenbahn, ich...", das Funkgerät des Ghost Riders bimmelte, er nahm ab: "Ja? Ja, Mellis hier, ja, mir gehts soweit... was? WAS?! Jaja, ich komme sofort - oh bitte nicht auch das noch!"

"Was ist los?!"

"Kleine Planänderung, wir müssen wohl zuerst nach Leipzig - Verzeihung, Halle an der Saale!"

---

---

Spät am Abend auf dem Fest vor der Kristallakademie

Lyra hatte eigentlich nicht vorgehabt länger als nötig zu bleiben, aber einer musste ja auf den ungesicherten Waldrand aufpassen, da konnte jederzeit noch ein versprengter Söldner angekrochen kommen und... ja, auch wenn Robert ihr befohlen hatte nach Hause zurückzukehren hielt sie das hier für immens wichtiger, also weißte!

Aus dem Schatten der Bäume beobachtete sie das bunte Treiben - und entdeckte plötzlich sich selbst, fröhlich, unbeschwert, mit wunderschöner Stimme singend, und Bon Bon an ihrer Seite...

Bon Bon.

Ihre allerbeste Freundin, die sie einfach so hatte links liegen lassen... und jetzt...

Nein, es ist noch nicht zu spät!, schoss es ihr durch den Kopf, Lola kommt schon alleine zurecht, sie ist ein großes Fohlen, und ich tue jetzt mal was für mich und mein Leben - und für sie!

Mit dieser Kriegserklärung brach sie auf - nach Ponyville.

---

---

Achtes Kapitel: Glitzernde AussichtenBearbeiten

Spät am Abend

Luna erwartete Robert schon ungeduldig, als er endlich als wie immer Letzter durch das Portal trottete: "Na Kerl, ich hoffe du hast eine ausreichende Erklärung für euren kleinen Ausflug und all die Aufruhr in der Menschenwelt?!"

"Na aber sich doch, Schätzchen...", grinste er guten Mutes, umschlang ihren Körper und zog sie zu sich, "ich habe dir was Wunderschönes mitgebracht!"

"Soso.", machte sie emotionslos und entzog sich seiner Umhufung - was war denn mit ihr los?

"Du wirst Augen machen!", strahlte er über sein ganzes Gesicht, "schau nur rein in unser Schlafzimmer, na los!"

Sie schob die Tür auf - und erstarrte, guckte sich einen Moment um, musterte den Prunk mit all seinen Bernsteinen von oben bis unten und brummte dann: "Hm, schön."

Ihrem Ehehengst blieb die Luft weg: "W-was, gefällt es dir etwa nicht?! A-aber ich dachte doch du..."

"Ja, hatte ich gesagt, meinte ich nicht so... ja. Und jetzt entschuldige mich, ich muss die Nacht weg."

"Du... du willst nicht... mit mir...?"

"Nein, sorry, geht heute nicht."

"Aber..."

"Es geht nicht, okey?"

"Okey, schade... tja... dir trotzdem eine gute Nacht, wa?"

Wortlos verließ sie den Saal und ließ ihn alleine zurück... Robert kämpfte mit den Tränen, als Sunset neben ihn trat: "Was bitte war das denn grad?!"

"Ich... ich weiß nicht...", schniefte er zutiefst enttäuscht, "ich... ich dachte, sie freut sich so... und... und jetzt..."

"Stuten eben, die können manchmal echt komisch sein - mich selbst eingeschlossen!"

Da musste er wieder lächeln: "Bist du auch komisch heute?"

"Wieso fragst du das, nachdem du mich den ganzen Tag durch die halbe Menschenwelt gescheucht hast?"

"Na weil... das Zimmer ist alleine so groß... und das Bett sooo schön weich..."

"Na da kann ich ja schlecht ablehnen, oder? - Zumal mein Großer bei Fluttershy ist und ich ja sooo schrecklich erschöpft bin von all den Strapazen..."

"Du bist ganz große Klasse!"

"Und du Königsklasse!"

"Naw, du alte Schlingeline!"

"Du alter Schleimer!"

"Also nur du und ich?"

"Das lässt sich machen, nur du und ich, heute Nacht!"

"Ein Hengst, ein Wort!"

"Dann... geleite mich zu diesem magischen Ort, du großer starker Hengst!"

"Mit dem größten Vergnügen, du goldener Schatz!"

---

Und da ich dieses Gesülze nicht länger ertragen kann fasse ich es in einem Satz zusammen: Sie haben die ganze Nacht die Wände wackeln lassen und am nächsten Morgen Huf in Huf entschieden das Bernsteinzimmer doch dem russischen Staat zu schenken - auf jeden Fall besser als seine Einrichtung durch unsachgemäßen Gebrauch unnötig dreckig zu machen und zu beschädigen!

---

ENDE

---

Epilog 1, 2 & 3

"Oh Lea, wie hab ich dich vermisst!"

"Und wie ich dich, liebster Cousin - jetzt knie vor mir nieder und küss mir die Hufe!"

"Oh Lea, deine Witze sind...", das Einhorn rastete das Magazin in seiner MP7 fest, "hey hey, vor dem Ding habe ich aber Respekt!"

"Und vor mir ab heute auch, also tu was ich dir befehle!"

Schnell kam Terra den Worten nach und schleckte, so viel er konnte: "So, und weil du ein lieber Hengst warst, machen wir das ab jetzt nur noch so!"

Oh Robert, bitte nicht!

---

"Lea gehört mir!"

"Nein mir!"

"Sie ist nicht dein Eigentum!"

"Sie trägt mein Halsband!"

"Von wegen, das habe ich in die Preßnitz geschmissen!"

"Oh du dreckige Schlampe!"

"Du dumme Fotze!"

Und die Hufe krachten - diese Fohlen, dachten sich Eross und Stryker, aber was sollt's, da half wohl weder Vernunft noch sonstwas... die Liebe zu verstehen ist eben eine Kunst für sich.

Na ja, vielleicht doch lieber ein andermal...

---

Es klingelte.

Nanu, wer besucht mich denn so spät am Abend noch?, fragte sich die Stute und trottete zur Haustür, na erstmal gucken, wer das... oh heilige Celestia, das... das glaube ich nicht!

Und doch, als sie sich gegenüber standen wusste Bon Bon, dass dies kein Traum war - das war Lyra, und das war keine Waffe, das waren ein Blumenstrauß, eine Tüte Bonbons und... eine Harfe!

"Hallo... darf ich reinkommen?"

Ohne ein unnützes Wort zu verlieren trat sie beiseite, und ihre beste Freundin trat ein - noch im Flur fielen sie übereinander her und küssten sich ausgiebig... es war für beide so unbeschreiblich schön, nach all der Trennung, all dem Schmerz - sie hatten viel verloren, aber sich hatten sie zurückgewonnen.

Und egal was sie Ryder geschworen hatte, schwor sich Miss Ghost Rider in dieser Nacht doppelt, desto mehr werde ich Bon Bon schwören, und nie wieder will ich sie hergeben, nie in unserem ganzen gemeinsamen glücklichen Leben!

Liebe, so sagt man, ist etwas Unbeschreibliches... und das stimmt auch.

Nichts kann sie trennen, nichts zerreißen.

Sie steht über allem dieser Welt.

Wenn sie wahr ist.

---

ENDE!

---

P.S.: Sunset Lambo war natürlich etwas geschrottet, aber mit genügend Kleingeld in der Tasche ist das keine große Sache!

P.P.S.: Die sächsische Polizei überlegt sich jetzt UMPs anzuschaffen, weil ihr ständig MP5s abhanden kommen!

P.P.P.S.: Die Museumsangestellten im Katharinenpalast in St. Petersburg guckten nicht schlecht, als sich eines Morgens ein großer Berg Kisten mit Aufschrift "Das Original - mit besten Grüßen aus Down Under!" auftürmte

P.P.P.P.S.: Fall dir - also dir Leser - grade auffallen sollte, dass du Krieg der Schulen nicht gelesen hast, und deswegen den Schluss nicht recht kapierst, dann hol das besser mal schnell nach! :P

---

Übersetzungen und Referenzen

  1. Hey Lubosch, ist das nicht die mit den lila Haaren von gestern?!
  2. Verdammte Scheiße, ja! Hol sofort Verstärkung!
  3. Pass bloß auf, der Kerl ist ein Profi!
  4. Was glaubst du was ich hier mache?!
  5. der kann nicht weit sein...
  6. Da ist er - Feuer eröffnen!
  7. Schnappt ihn euch endlich ihr Versager!
  8. Er steht mit dem Rücken zur Wand, los, jetzt haben wir ihn!

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei Fandom

Zufälliges Wiki