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Als die Waffen schwiegen

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Es war kalt an der Saar, am Weihnachtstag, nach zu vielen Kriegen. Erst gestern hatten wir einen Angriff der Deutschen mit aller Härte abgeschmettert, die kleine Stadt Dillingen glich einem Schlachtfeld aus zerstörten Häusern, bröckeligen Bunkern des Westwalls, Leichen so weit das Auge reichte... dazwischen Öde und Verderben.

Wir Amerikaner hatten es geschafft uns bis vor den Bahnhof vorzukämpfen; hier würde so schnell kein Zug mehr rollen, so wüst hatten die letzten Wochen das Gelände gezeichnet... und dahinter gleich die nächsten Bastionen der Krauts, da war einfach kein Durchkommen! Zu allem Überfluss stand es um uns auch nicht besonders gut - die Goat Brigade hatte zwei tapfere Ziegen verloren, von den regulären Truppen waren ein ziemlich ramponierter Sherman und zwei Hufe Hände Yanks geblieben, dazu zwei Franzosen und fünf Briten, die am meisten am Schicksal ihrer Weggefährten und dem ihrigen zu knabbern hatten.

Robert lümmelte wie üblich auf seinem Posten: "Na du alter Spion, kannst es wohl nicht mal an Weihnachten lassen die Krauts zu bespitzeln, wa?"

"Och hör uff du, ich würde gern so viel anderes tun - du sachst es ja, es ist Weihnachten, menschenskind, aber ich bin hier zum Rumhocken verdonnert!"

"Gar nicht wahr, das ist schon deine vierte Sonderwache diese Woche - mensch, komm doch wenigstens für fünf Minuten rein und iss nen Happen, die Jungs haben jeder eine Ration aufgespart für das Fest heute, das kannst du dir doch nicht entgehen lassen!"

"Mhmmm... och weißte, lass stecken, und iss für mich mit, du hast es nötiger... und sag den Jungs Bescheid, es ist das Mindeste, was wir ihnen heute schuldig sind."

Was konnte man da noch sagen?!, fragte ich mich kopfschüttelnd und watschelte durch den tiefen Schlamm im Schützengraben zurück zur "Kaserne", dann eben ohne ihn... schade, dabei hatten wir doch nur uns als Familie... wobei, immerhin muss er es ihnen nicht sagen.

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In der "Kaserne", einem provisorischen Ding aus Matsch, Ziegelsteinen und Baumstämmen, schön getarnt und eingebuddelt, war es warm und angenehm, ein schon reichlich abgewetzter Plattenspieler dudelte Festlieder, alle waren da, es gab genug zu futtern und zu trinken, die Stimmung war mehr als ausgelassen - ein wahres Wunder nach den letzten Tagen, aber hey, es war nunmal Weihnachten! "Hey, Jox, na, hast du dir schön den Arsch abgefroren da draußen?"

"Och hör uff du, und Robert ist natürlich nicht von seinem Posten zu bekommen!"

"Sei lieber froh dass du den Scheißjob nicht machen musst!"

"Genau, auch wenn's der Captain ist, aber mit ihm will ich grad echt nicht tauschen!"

"Nee, ich auch nicht - Jox, nimmste nen Stück Käse?"

"Ahhh, la belle fromage avec des herbes du Provence?"

"Oui, bien sûr.", nahm ich meine Ecke in Empfang und quetschte mich vorbei am Weihnachtsbaum, einem traurigen Ding, behängt mit den Marken unserer gefallenen Brüder - so sind sie ganz nahe bei uns, heute Abend. Jeff, inzwischen mein erster Sergant, bot mir seinen Flachmann an, ich lehnte dankend ab und angelte mir eine Scheibe Brot, er zog mich beiseite: "Du, sage mal, ihr habt doch bestimmt Nachrichten erhalten, wie es jetzt weitergehen soll, oder?"

Ich schluckte: "Mhm, und es sieht wenig gut aus für uns."

Die Gespräche verstummen, die Platte ist auch grade zu Ende - na toll, das haben natürlich auch gleich alle gehört: "Also gut Leute, dann die schlechte Nachricht zuerst - wir sind am Arsch, der Brückenkopf ist seit gestern endgültig Geschichte und die Neunzigste hat wohl Versorgungsschwierigkeiten... kurz gesagt, sie haben noch zwei Boote, und wenn die versuchen nochmal über die Saar zu kommen spielen die Krauts schnell Schiffeversenken und das war's dann. Ich weiß nicht, ob sie es probieren werden und wenn ja, wann... ich hoffe nur, dass sie es bald tun werden... entschuldigt, dass ich die Weihnachtsstimmung vermiest habe, aber mir ist nicht zum Feiern zumute."

Mit gesenktem Kopf verließ ich die Kaserne.

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Resigniert tapste ich durch die Dunkelheit zurück zu Roberts Posten und dabei führte ein Selbstgespräch, angekommen stimmte ich mit einem schweren Seufzer an: "Robert, ich habe..."

Sein Platz war leer.

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"Oh scheiße!"

Sein StG 44 lehnt an der Bank, verräterische Fußabdrücke lassen meinen schlimmsten Albtraum Wirklichkeit werden - der hat sich ernsthaft auf den Weg zu den Deutschen gemacht! Was tun?! Lange überlege ich nicht, meine Elli nehme ich aber dennoch mit - scheißegal ob Weihnachten ist oder nicht, der hat sie doch nicht mehr alle!

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Der zermeterte Güterbahnhof war das reinste Minenfeld, überall verbogene Schienen, verwesende Tote, unsichtbare Löcher und knarksendes Splitterholz - heiliger Edwart, wenn ich hier jemals lebend rauskomme knall ich Robert dafür eine, mir wurstegal ob er der König ist!

Das Bahnhofsgebäude bot einigermaßen Sichtschutz vor den Krauts, auf leisen Sohlen hirschte ich in die öde Ruine und machte mir verborgen unter abgestürzten Dachsparren mit meinem Nachtglas ein Bild der Lage - und da war er auch schon, im Schach gehalten von einem Kraut mit erhobenen Händen! Ich musste handeln, jetzt oder nie!

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"STEHENBLEIBEN DU VERFLUCHTER AMERIKANER!!!"

"Bitte, bleiben Sie ruhig, ich möchte Ihnen nicht wehtun - ich bin hier, um Frieden zu bringen, für Weihnachten, für uns alle!"

"DU LÜGST DOCH!!!"

"Und warum bin ich dann unbewaffnet? - Es geht mir nicht um noch mehr Tote hier, es geht mir um den heutigen Tag, und an diesem Tag sollte gefeiert werden, nicht erschossen."

Das ließ den Deutschen dann doch seine Meinung ändern: "Hm, ja, also... kommen Sie mit, aber bitte, bitte halten Sie ihr Versprechen!"

"Keine Sorge, ich habe es Ihnen versprochen."

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Das hatte er nicht... natürlich hatte er es, und wie! Da konnte selbst ich nichts mehr dran ändern, aber hey, falls er einen Plan B brauchte, ich war ja da und würde auch hier warten!

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Der deutsche Major war recht überrascht: "Wen haben Sie denn da aufgegriffen, Müller, einen Spion etwa?!"

"Der Amerikaner behauptet, er sei gekommen, um Frieden zu bringen - für Weihnachten, heute!"

"Das ist doch gelogen, seit fast einem Monat tobt dieser Kampf schon, und fast täglich sterben unsere Kameraden - auf das Angebot kann ich gut verzichten!"

"Sind Sie kein religiöser Mensch?"

Das akzentfreie Deutsch Roberts verblüffte den Mann ebenso wie die Frage: "Ähm... ja, aber... ich... ich kann doch nicht... wieso... Sie können gut Deutsch!"

"Danke, deswegen bin auch ich gekommen - wissen Sie Herr Major, ich bin den Kampf leid, und meine Jungs sind es auch, aber wir stehen hier patt, ebenso wie Sie. Neue Angriffe werden nur noch mehr bringen, Mord und Totschlag... wir haben viele Brüder verloren, so wie Sie und ihre Leute - doch heute ist Weihnachten, und ich wünsche mir nichts mehr, als dass dieser Krieg endlich ein für alle Mal vorbei ist und wir alle unbeschadet zu unseren Familien zurückkehren können, in Frieden und Freundschaft, ohne Hass auf das, was geschehen ist."

Nicht nur der Major war gerührt, zwei halbe Jungs fingen doch glatt an zu heulen, aber auch der ein oder andere noch so taffe Kraut wischte sich heimlich eine Träne weg - er hatte sie echt berührt! "Sie haben ja so recht, es ist doch alles sinnlos hier... na ja...", es fing an zu schneien, "sagen Sie Captain, wollen Sie nicht auf einen Schnaps mit hineinkommen in unseren bescheidenen Bunker?"

"Da sage ich nicht Nein!"

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Und er folgte den Krauts in den Bunker.

Ja, ernsthaft!

Das gab's doch gar nicht, und wie es das gab, leck doch einer nen Schatten!

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Das war ein Bild, als da ein amerikanischer Captain mit dem Major nen Flachen kippte, aber nach der Schlacht fragte da auch keiner mehr! Es gab hier fast alles, was die Kaserne auch zu bieten hatte, außer die musikalische Darbietung, die war hier live und unverfälscht: "Oh du fröhliche-he, oh du seelige-he, gnadenbringende Weihnachtszeit. Christ ist erschie-hien, un-huns zu versö-hönen - freu-heue-heue dich oh Christenheil!"

"Das Heil habe ich doch glatt überhört!", lachte Robert und prostete einen Landser zu: "Ach was, das hat auch ne andere Bedeutung als die, die mittlerweile die ganze Welt kennt - am Arsch sage ich euch, am Arsch!"

"Echt so, heute allemal!"

"Ja, heute ist Weihnachten, heute interessiert mich der ganze Scheißkrieg genauso viel wie die braunen Scheißhaufen in Berlin!"

"Auf jeden, Prost!"

"Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter!"

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Jetzt sangen die auch noch, irre!

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Das hörten natürlich auch die Jungs in der Kaserne, und wie es der Zufall so wollte ging Phil mal nachsehen, was wir beide denn so trieben... und nach einem kurzen, aber heftigen Disput machte sich die Goat-Brigade doch tatsächlich auf den Weg ins Niemandsland, ihre Offiziere zu suchen - aber nur weil heute Weihnachten war!

Und es dauerte nicht lange, da entdeckte sie der deutsche Wachposten - er stellte sich auf, knipste seinen Suchscheinwerfer an und winkte ihnen zu: "Come on boys, get over here, we invite you to party with us!"

Da musste ich mich verhört haben!?!

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Kein Witz, eine halbe Stunde später feierten wir Weihnachten wie nie zuvor - es sollte das schönste Fest an diesem Tag bleiben, was uns für immer in Erinnerung bleiben sollte und geblieben ist. Wir und die Deutschen zusammen, ohne Gewalt, mit Pseudo-Stollen (Brot und Rosinen), französischem Käse und anderen Leckereien, die alle miteinander teilten, Gesang, Beisammensein und Frieden.

Die ganze Nacht lang klangen Lieder in vier Sprachen über die kleine Stadt an der Saar und weit darüber hinaus... noch lange würden wir von diesem Weihnachtsfest sprechen, oh ja!

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Als der Morgen bereits graute hieß es schweren Herzens Abschied nehmen, wir mussten zurück in unsere Gräben, zurück zu Leid und Tod... jede Hoffnung schien erloschen, das wussten wir alle, und doch dankten wir einander dafür - Krauts wie Amerikaner - dass wir dieses Fest hatten so erleben dürfen, so... unbeschreiblich frei.

"Ich wünsche Ihnen alles Gute, Captain Robert!", salutierte der Major, "wenn es noch etwas gibt, was ich für Sie tun kann, dann lassen Sie es mich wissen, okey?"

"Sagen wir mal so... es gäbe eine letzte Möglichkeit, den Wunsch nach Frieden hier in Dillingen wahr zu machen - zwei Boote erwarten uns, dann ist der Brückenkopf Geschichte."

"Das... das hieße ja...!"

"... ja, kein Leid und Tod mehr, jedenfalls für eine ganze Weile nicht mehr, schätze ich."

Der Kraut strahlte, und mit ihm die anderen: "Also gut, weil Weihnachten ist... uns ist wohl die Munition abhanden gekommen heute... und die zwei kleinen Boote, na ja, passiert, ist halt Pech!"

"Danke, danke für alles!"

"Nicht dafür, ich habe zu danken!"

"Nicht dafür - auf ein Wiedersehen Hans, ich hoffe in Frieden, als freie Männer."

"Auf diesen Tag, möge er bald sein!"

Mit Tränen in den Augen vor Glück verließen wir sie, unsere Freunde, den Güterbahnhof, packten unsere Sachen zusammen, winkten ein letztes Mal, marschierten ans Ufer, feuerten eine Leuchtrakete ab.

Ein Boot kam, kein Donnern der Artillerie, stille Nacht, heilige Nacht. Das zweite kam: "Los, schnell schnell, Beeilung, bevor die Krauts es sich anders überlegen!", jaja, alles schläft, doch einer wacht, der den Yanks die Einladung überbracht. Nun sind sie im Bunker da, feiern die Weihnacht, sind alle da, Yanks und Krau-hauts, sind da-ha, Ya-hank und Krau-hauts sind da. Stille Nacht, heilige Nacht, gemeinsam ist's a-han der Zeit, Frieden zu stiften und heil'ges Geleit. Teilen und singen, zusammen und frei. Feiern tun sie gemeinsam, ja, gemeinsam, Halleluja!

Dillingen an der Saar.

Weihnachten 1944.

Keiner von uns würde es jemals wieder vergessen.

Niemals wieder.

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ENDE

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Ich wünsche euch, liebe Leser, allen Schinkens des PonyPasta-Wikis und allen Menschen dieser Welt ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest (auch wenn ich nicht gläubig bin, aber hey, solange Hellje als Gott zählt ist das auch nicht weiter schlimm :P ) - egal, wie gesagt, ich wünsche euch allen Frieden, ein schönes Fest mit euren Liebsten und all die anderen Dinge, die man sich nicht für Geld kaufen kann... Gesundheit, Freundschaft, Einigkeit, Recht und Freiheit.

HS_%28ganz_klein%29.pngHELDPinnwand/Message Wall/Mur 09:56, 24. Dez. 2016 (UTC)

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