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DGdZ: Kapitel 2 - Das Grauen aus der Tiefe

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Deckung, KRIEEECH!!!

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Die folgende Ponypasta enthält Abschnitte mit kriegerischen Auseinandersetzungen, massiver Gewalt und viel Blut; lies sie dir also nur durch, wenn du dir der Inhalte bewusst bist und nicht gleich in Ohnmacht fällst, wenn du dir das Knie aufschlägst!

DGdZ: Kapitel 2 - Das Grauen aus der Tiefe ist mehrteilig! Der vorherige Teil der Reihe ist DGdZ: Kapitel 1 - Arbeiter und Bauern, erhebt euch!, und der nächste Teil der Reihe ist DGdZ: Kapitel 3 - Der Rote Oktober.

Zur Übersichtsseite der Geschichte der Ziegen

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Kennt ihr die Einhorn-Ebenen (englisch Unicorn Range)? - Das sind saftige grüne Wiesen und Felder, die im Norden von der Eisenbahnstrecke nach Vanhoover und im Süden von den Ausläufern der Dampfenden Berge (Smokey Montains) beziehungsweise den Gleisen in Richtung Applewood eingefasst werden... neben diesen blühenden Landschaften erstreckt sich auf ein dichter Wald am Südhang des Gebirges.

Und wandert man nun genau in die Mitte der Karte, wird man vor sich den Ziegenberg finden, und wenn man sich in diesen gräbt, stößt man bald auf eine große Höhle... nein, ich spreche nicht von Down Under, ich meine die Bergwerke außerhalb der Ziegenhauptstadt.

Auf einer Fläche fast doppelt so groß wie die Stadt selbst stehen unzählige gewaltige Fördertürme und riesige Grubengebäude, in denen die fleißigen Bergleute täglich die gewonnenen Schätze aus der Erde fördern und zu reinen Juwelen machen... sicher, Kohle ist kein Edelstein, aber wenn sie sauber und trocken ist kann man mit ihr tausende Lichter zum Leuchten bringen... oder Eisenerz, auf den ersten Blick mag es dreckig und stumpf erscheinen, aber es bedarf nur eines guten Schmiedes und ein blankes Schwert entsteht daraus, mit einer Klinge, die selbst junge Bäume durchtrennen kann!

Und trotz der schweren Arbeit und des Schmutzes in den Mienen strahlen hier fast alle Gesichter... heute ganz besonders.

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Die Vorarbeiterin Zendaya Marlin war aufgeregt wie schon lange nicht mehr - heute stand die Visite des Königs an!

Alles musste stimmen, die Begrüßungsrede sitzen (hoffentlich verplapperte sich der Auszubildende, der sie heute hielt, nicht!), das Essen nicht zu kalt oder zu warm sein und so weiter und so weiter... nervös schielte sie immer wieder auf die große Bahnhofsuhr, die die Ankunft des Königszuges unaufhaltsam näher rückte... heiliger Edwart, bitte mach diesen Besuch perfekt!

Ein Pfeifen ertönte, und sofort stand der ganze am Bahnsteig und dahinter versammelte Bergarbeiterhaufen stramm in Reihe und Horn - der König kam!

Mit leisem Schnaufen schob sich der Zug in den Bahnhof und Zendayas Sorgen blieben unbesorgt - ihr König war natürlich stilecht per Plangüterzug angereist... nur die Lok verriet, dass ein Teil seiner Familie an Bord sein musste, Hammer und Sichel an der Rauchkammertür aus Gold fand sich sonst an keinem gewöhnlichen Fahrzeug.

Und wie immer hing auch kein Personenwagen hinter der Lok, aus deren Führerstand nun die Königin kletterte und direkt auf Zendaya zustreuerte: "Guten Morgen Zendaya, schön dich zu sehen!"

"Meine Königin, welch Ehre - Mellis!"

Ihr Cousin war neben Luna getreten und grinste über den Knicks - na ja, auch wenn Robert das nicht verlangte, aber einen König sollte man so begrüßen, fand sie, und seine Gemahlin erst recht!

"Zendaya, was macht die Erde, was macht die Förderung? - Und deine Mutter, wie geht's der?"

"Später, mein liebster Mellis...", er umhufte sie trotzdem, "ja, Königin, willkommen hier unten - ich hoffe doch Ihr hattet eine gute Reise?"

"Och doch, danke - ach ja, mein Kerl kann leider nich... der ist... krank und liecht im Bett."

"Oh, das ist schade... na ja, halb so schlimm, Ihr seid ja da!"

"... und habe noch jemanden mitgebracht!"

Zum Erstauen aller steig wie auf Kommando die unerwartete Besucherin aus - und Zendaya verbeugte sich erstaunt gleich nocheinmal: "Prinzessin Celestia, welch unerwartete Freude Euch hier begrüßen zu dürfen!"

"Hm, danke... wobei das "Prinzessin" ja nun überflüssig geworden ist...", seufzte sie, "aber ja, so ist das - und Ihr seid hier die Vorarbeiterin?"

"Sozusagen, ich wurde von der Versammlung für ein Jahr gewählt und vertrete nun die Intressen der Arbeiter vor ihrem König... und den Papierkram erledige ich noch, unterschreibe Dokumente und prüfe ob die Anlagen in Schuss sind und bleiben."

"Nun, das hört sich spannend an... und was habt Ihr für uns geplant?"

"Einen Rundgang durch ein Bergwerk, eine Parade der Arbeiter und ein kleines Essen, was euch hoffentlich recht ist."

"Hört sich doch gut an Schwesterchen!", freute sich die momentan etwas arbeitslose Prinzessin und setzte sich in Bewegung, "und wenn ich schonmal genügend Zeit habe, sollte ich sie auch nutzen, oder?"

"Das mach mal!", grinste Luna zu Zendaya hinüber, die ebenfalls beim Gedanken an den folgenden "Rundgang" stumm kichern musste, "und sieh dir mal schön an, wie rückständig dein Equestria doch war und welch Glück du hast, dass du es los bist..."

"Haha, witzig...", brummte es zurück, "trotzdem wäre mir lieber wenn..."

"KOMPANIE MARSCH!!!", schallte es und ein ganzer Block Ziegen marschierte im Gleichschritt die große Straße vom Eingang der Gruben zum Bahnhof hinunter... die Sonnenprinzessin staunte nicht schlecht, wohingegen ihre Schwester und die anderen Begleiter vollkommen locker dem Schauspiel bewohnten.

"Boar...", entfuhr es Celestia dann doch, "das ist ja Wahnsinn!"

"Nicht wahr?", nickte Luna amüsiert, "aber eigentlich noch gar nix, denn..."

"ACHTUNG, ABTEILUNG, HALT!!!"

Die Bergleute stoppten und verteilten sich nach links und rechts, salutierten ihrem König und hoben Hämmer, Schlägel, Schaufeln und Spitzhacken in Spalier - durch diese Gasse schritten nun die Besucher... und Celestia war hin und weg.

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Das große Empfangsgebäude empfing sie in all seiner Pracht, und auch wenn es schon fast 400 Jahre alt war strahlten die blankpolierten Säulen nach wie vor, von ganz alleine in allen Farben, in denen die integrierten Edelsteine verstärkt durch das Sonnenlicht leuchteten.

Celestias Mund stand mittlerweile so weit offen, dass es jeder sehen konnte... umso größer wurde das Grinsen der umstehenden Arbeiter, die ersten begannen zu tuscheln und zu kichern - Luna konnte sich nur mit Mühe zurückhalten und ernst bleiben, Zendaya und Mellis rangen noch mit dem Glucksen.

Durch die Badekaue (Halle, in der sich Bergleute umziehen) gelangten sie zur Einfahrt in den Schacht, an der noch ein paar Worte zur Sicherheit (insbesondere für Celestia) fielen, bevor es Helme und Kopflampen für die Besucherinnen gab und es in den Förderkorb ging.

"Hach, ich kann's ja gar nicht mehr erwarten, wann gehts denn endlich los?!"

"Früh genug meine Liebe...", merkte die Ziegenkönigin locker an, "ach und ja - halt dich fest, wir gehen gleich ziemlich fix runter?"

"Wie fiiiiiiiiiiiiiIIIIIIIIIIIIIIIIIAAAHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!"

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Sonea hielt eine Tasse Tee für ihren Vater in den Hufen, als sie an seiner Zimmertür klopfte. Ein schwaches "Herein..." ließ sie einen Seufzer zum Himmel schicken und die Tür öffnen... Robert lag in seinem Bett und war noch weißer als sonst um die Nase.

"Hey Dad... wie gehts dir?"

"Frach lieber nicht... ich kann mich nicht bewegen, sonst fühlt es sich so an als hätte ich einen Signalflügel in die... ja, und nicht mal das Eis hilft..."

"Oh Dad... warum lässt du dich auch erwischen?"

"Du hast gut reden, deinen "kleinen Ausflug" hat ja zum Glück keiner mitgekriegt... und darüber hinaus, beschuldigt mich deine Mutter jetzt auch noch bei dir das Fenster offen stehen gelassen zu haben, sodass du dir die Lungenenzündung zugezogen hättest... ach ja, Stuten."

"Danke dir... dafür, dass du mich nicht verpfeifst...", sie umhufte ihn vorsichtig und er zuckte leicht zusammen, fasste sich aber schnell wieder und schüttelte den Kopf: "Ach macht nix, du hast mich schließlich aus freien Stücken gehen lassen, und Dummheiten machen alle mal... außerdem ist niemand verletzt worden... na ja, fast niemand."

"Du, Dad... ich hab dich an Tagen wie diesem ganz dolle lieb, weißt du das?"

"Ich dich doch auch, mein Schätzchen...", lächelte er schwach, "und irgendwie habe ich auch deine Mutter lieb, auch wenn sie zu oft ihre schlagfertigen Argumente auspackt..."

"Dann mach das doch auch mal, zeig ihr mal so richtig wer der Kerl im Haus ist - aber lass sie ganz, ja?"

"Das bringt doch auch nix... na ja, wobei... geh du mal wieder dein Ding machen, ich möchte schlafen."

"Ja Dad...", hauchte sie, gab ihm noch ein Küsschen und verließ das Zimmer, "dann... gute Besserung dir!"

"Danke... die werde ich brauchen..."

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So ungefähr 1200 Meter tiefer

Celestias Hufe hielten sie nicht mehr, sie musste sich an den Stahlgittern festhalten um nicht aus dem Förderkorb zu kippen... ihre Gesichtsfarbe glich bis auf den leichten Grünton der von Robert, die Konsistenz ihres Magens war ähnlich der seines geschundenen Fleisches... angelöst.

Nicht einmal mehr Luna hatte sich vor Lachen noch halten können... dabei konnte sie doch nichts für ihr Unwohlsein, nur weil sie eben keine schnellen Abfahrten mochte!

Und jetzt hatte man sie auch noch hier unten ganz alleine im Krankenzimmer gelassen, also das ging wirklich zu weit! - Sie war doch keine Memme und würde denen schon beweisen wozu sie fähig war... abgesetzte Monarchin, das war auch so lustig! ... von wegen, aber die sollten staunen!

Zu allem entschlossen schnappte sie sich eine herumliegende Spitzhacke, zwei Schaufeln und einen Bergmannsgürtel mit Ersatzlampe, Essensration für drei Tage und Erste-Hilfe-Kästchen, schmiss alles in eine herumstehende Kiepe (eine Art Rucksack zum Rumtragen von z.B. Kohle aus massivem Holz) und machte sich auf den Weg zu einer der Abbaustellen.

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Zwei Sohlen tiefer erwartete sie eine frisch aufgefahrene Abbaustelle, in der sich neben einem Schrämlader schon etliche andere Maschinen sammelten.

So einen Schrott brauche ich nicht!, bestimmte die Prinzessin und machte kurzerhand klar Schiff - der ganze Mist flog raus in einen Querstollen, inklusive der Hydraulikstempel und dem Gerüst-Gesocks... und nun war sie, Prinz... ach ja nee... Celestia, an der Reihe, und diesen Warmduschern würde sie jetzt zeigen was in ihr steckte!

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Zehn Minuten später war sie am Ende ihrer Kräfte.

Nicht, dass sie nicht wollte, aber ihre Hufe schmerzten schrecklich, und hier schien alles aus Beton zu bestehen! ... es war zwecklos, sie kam so nicht weiter, und in dem bisschen Fels, was sie abgeklopft hatte, war außer Kohle nichts gewesen...

Eine gar nicht mal so dumme Idee kam ihr - Sprengen! ... also besorgte sie sich aus einem der Lager, das zwar ein ganzes Stück weg in einem völlig anderen Stollenkomplex war, aber gut... zwei Kisten voll Dynamit, legte eine ordentliche Zündschnur und gab dieser Feuer.

Mit einem Zischen verschwand das funkende Ende im Dunkel, schwieg für eine lange Zeit - Celestia fragte sich schon warum nichts passierte, als es ohrenbetäubend krachte, und zwar so dermaßen, dass noch überirdisch die Einhorn-Ebenen zitterten.

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Hinter Mellis brach der Stollen mit lautem Krachen in sich zusammen, von der Decke stürzten riesige Brocken nieder.

"KÖPFE RUNTER!!!", schrie Luna und riss im allerletzten Moment einen Magieschild über sich und ihre fünf Begleiter hoch, der Schlimmes verhinderte... doch Risse im Gestein taten sich auf, und Zendaya war eines klar - lange würden die Stützpfosten hier nicht mehr halten!

"WIR MÜSSEN RAUS HIER, SOFORT, GLEICH BRICHT HIER ALLES ZUSAMMEN!!! - WIR MÜSSEN DEN FÜLLORT D-7 ERREICHEN, DA SIND WIR SICHER!!!"

Mellis rappelte sich als Erster auf und zog die beiden neben sich liegenden Ziegen auf: "DANN LOS, RENNT SO SCHNELL IHR KÖNNT!!! - KÖNIGIN, IHR ZUERST!!!"

Das ließ die sich nicht zweimal sagen und schoss los, dicht gefolgt von dem Trüppchen Bergarbeiterziegen, die trotz noch intakter Decke Muffensausen ohnegleichen hatte... bloß raus aus diesem schwarzen Grab!

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"Bergwerk evakuieren, ich wiederhole Bergwerk evakuieren, dies ist keine Übung! - Explosion auf Sohle 11. Ich wiederhole..."

Geordnet räumten sich die unterirdischen Anlagen, die Arbeiter im Freien konnten durchatmen und sich durchzählen lassen... bislang fehlte keiner von ihnen, alle schienen dem Tode entkommen zu sein und...

"CELESTIA!!!!!!"

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Hustend grub diese sich derweil aus einem Haufen Ladegut einer Lore aus und schob den über sich gestülpten Grubenwagen beiseite... hui, das hatte aber gerummst, heiliger Hellje!

Um sie herum herrschte das blanke Chaos, alles war voller Trümmer und Staub, das Licht der Helmlampe reichte kaum weiter als zehn Meter... verdammt, was war das für Sprengstoff gewesen?!

Die Abbaustelle war nicht mehr als solche zu erkennen... und oh mist!, hinter ihr war alles zusammengebrochen, der Schacht und die Querstollen auch!

Jetzt wusste die ehemalige Prinzessin, dass sie ein ganz großes Problem hatte...

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Luna war ohnmächtig geworden und musste ärztlich versorgt werden, Zendaya weinte, Mellis stand den Tränen nahe.

Die Explosion musste Celestia erwischt haben, und nach unten hin gab es keinen Kontakt, geschweige denn Lebenszeichen... und eine vermisste Stute auf einem Trümmerfeld von mehreren Kilometer Durchmesser zu suchen, wenn auch in unmittelbarer Hauptschachtnähe, war ein Ding der Unmöglichkeit!

Dennoch waren die Rettungstrupps schon unterwegs und suchten nach ihr... auch wenn die Überlebenschancen bei Null lagen.

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Statt dem angefahrenen Streb erwartete die überraschte Celestia eine gewaltige Detonationshöhle... und... ein schwacher Lichtschein am anderen Ende.

Immer wieder krachten Brocken von der Decke herab, und die Prinzessin ahnte, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch dieser letzte Fluchtweg völlig in sich zusammenbrechen würde... also Augen zu und durch!

Wie ein Schatten glitt sie scheinbar schwerelos durch den Raum, wich Trümmern und Felsen aus, verfehlte haarscharf einige herab stürzende Steinblöcke und entging dem giftigen Kohlenmonoxid nur knapp... hinter ihr schien sich das Tor zur Hölle zu schließen, und nach Kollision mit der Tunneldecke und Bruchladung auf dem Boden gaben die Hohlräume hinter ihr nach und brachen krachend in sich zusammen.

Die Staubwolke riss Celestia mit sich und schleuderte das Alihorn unzählige Male gegen die Wände, bis es schließlich in einen unterirdischen See stürzte und sich dort schwer ans Ufer retten konnte... alles schmerzte ihr, angefangen vom Horn bis zu den Hufen... mindestens eine Viertelstunde blieb sie im seichten Wasser liegen und kühlte ihre blutenden Wunden, ehe sie aufzustehen versuchte... es gelang nicht.

Hier sterbe ich also..., dachte sie am Ende ihrer Kräfte, Hellje... beschütze... meine... Familie...

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"Und?"

"Nichts."

"Bohrt weiter!"

"Die Männer tun was sie können..."

"Ich weiß."

Zendaya sah ihren Cousin voller Tränen in den Augen an, und er drückte sie fest an sich: "Es wird alles gut... es wird alles gut."

"Nein... nein..."

"Doch doch... ich habe damals Ähnliches gedacht, aber glaub mir... ich habe es begriffen."

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Etwas Feuchtes strich über Celestias Wangen, vor deren Augen ein Schleier aus Staub und Dunkelheit lag... was war das?

Anfühlen tat es sich wie Helljes Zunge... hihi, das wäre schön, wenn er hier unten wäre... halt, oder war sie schon tot und in seinem ewigen Reich gelandet?!

Adrenalin durchflutete ihren Körper und ließ sie aufspringen, nur um sofort wieder die Kraft zu verlieren und rückwärts ins Wasser zu kippen und wie ein Stein unterzugehen... und ein zweites Mal war das Etwas bei ihr und half ihr zurück an die Oberfläche... was...

Ihr Blick war nun klar, und vor sich erkannte sie... einen Hund?!

Es bestand kein Zweifel... auch wenn dieses Exemplar eher klein war und kein schimmerndes Fell wie sonst üblich hatte... komisch, was machte ein Diamand hier unten? War er ein Opfer der Sprengung geworden und jetzt so wie sie verschüttet?

"Wer... wer seid Ihr, mein Retter?", fragte sie schwach, doch eine Antwort blieb aus... stattdessen verschwand der Hund in der Dunkelheit und kam nach wenigen Augenblicken mit zwei weiteren zurück.

Die ehemalige Prinzessin spürte nur noch, wie sie sanft angehoben wurde, bevor sich die Schwärze der Bewusstlosigkeit vollendens um sie schloss.

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Mellis und Zendaya waren längst aufgebrochen und durch einen anderen Schacht hinabgefahren, wo sie nun vor einem Eisengitter standen und mit einem Vorarbeiter des Bergwerks sprachen.

"Ich verstehe schon, aber Zendaya... Sie wissen ja wie riskant es ist da rein zu gehen, dazu noch zu zweit! ... ich meine, wenn Sie ein bisschen warten können, dann lasse ich eine Betriebspause einlegen und..."

"Dazu ist leider keine Zeit, wir müssen möglichst nahe an die Unglücksstelle ran, koste es was es wolle - es geht um die Schwester der Königin!"

"Gerade davon würde ich abraten... wer weiß was da hinten passiert ist..."

"Sir, wir haben ein Problem!", meldete sich eine Ziege über das interne Funknetz, "hier sind drei Arbeiter und haben ein großes Objekt dabei - vermutlich eine Bombe!"

"Was ist das für ein Objekt?"

"Wir trauen uns nicht näher, aber es sieht gefährlich aus - mit einer Art Zünder oben dran!"

"Setzt nen Infrarot ein, zur Not geht auf Nummer sicher!"

"Verstanden!"

Eine halbe Ewigkeit verging voller gespannter Stille, bis es in der Leitung knackte und Entwarung gegeben wurde: "Alles sicher hier, wir haben... wir haben die vermisste Prinzessin."

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Überirdisch brach ohrenbetäubender Jubel aus und der nervlich am Ende seiende Ziegenkönigin fielen die mehreren Tonnen Druck von Brust und Kopf ab... und trotz Abraten aller anwesenden Ärzte machte sie sich sofort auf den Weg nach unten zu ihrer Schwester.

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"CELESTIA!!!", rief sie überglücklich im Krankenzimmer auf Sohle S-1 angekommen und umhufte die voller Verbände gekleisterte Celestia vorsichtig, "oh man... ich dachte schon ich sehe dich nie wieder..."

Tränen tropften in die Mähne des Sonnen-Alihorns, das schwach lächelte: "Luna... kleines Schwesterchen, du kennst... mich doch, ich... ich muss auf dich... aufpassen... immer..."

"Naw, und dafür liebe ich dich...", schniefte die Ziegenkönigin überglücklich, "du... was... was ist eigentlich passiert?"

"Ich... ich weiß es nicht...", schwindelte ihre große Schwester, "es hat... geknallt, und dann war... alles kaputt... nur... eine Höhle war noch frei... da... da bin ich durchgelaufen... und... in einen See gefallen... da... da hat mich... ein Hund gerettet... ein Hund..."

Luna wandte sich unvermittelt an Mellis: "Stimmt das?"

"Mhmmm...", war die tonlose Antwort, "ich... ich kann mir auch nicht erklären wie..."

"Es muss die Sprengung gewesen sein, dabei könnten sich neue Hohlräume aufgetan haben...", überlegte Zendaya laut, "da müssen die Biester durchgekommen sein!"

"Ich schicke sofort drei Kompanien hier runten, die sollen das Problem aus der Welt schaffen...", murmelte der Vorarbeiter und wollte verschwinden, als Celestias Stimme ihn zurückhielt: "Wie... wie bitte?"

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"Celestia, du musst dich ausruhen, deine Wunden sind tief und..."

"Ich... ich bin zwar verletzt, aber... nicht blöd... was... was geht hier vor sich?!"

"Celestia..."

"Nein, nichts Celestia!", fauchte diese jetzt sauer, "ich merke doch, dass hier... etwas nicht stimmt, und mein Retter ist... nicht hier! Ich wünsche ihn... zu sehen, unverzüglich!"

"Celestia, das ist nicht..."

"Nicht möglich oder was?! - Luna, du hast mich selten belogen, aber... aber das hier ist zu dreist!"

"Ich hole ihn rein...", brummte Mellis und verließ das Zimmer, wohingegen Zendaya das Blut in den Adern gefror... heiliger Edwart, sie waren aufgeflogen!

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Wenig später kehrte ihr Cousin mit dem Hund zurück, bei dessen Anblick Celestia übel wurde... es war wahrhaftig kein Diamandhund, sondern ein kleineres und gedrungeneres Exemplar, welches vor Schmutz und Dreck kaum noch zu erkennen war... einzig seine Augen funkelten hell wie zwei Rubine aus einem struppigen Gesicht, dessen Fell hier und da ganz fehlte...

"Ihr habt mich rufen lassen, werte Prinzessin Celestia?"

"Schnauze!", entfuhr es dem Vorarbeiter, der gefährlich am Abzug seiner Beretta-MP herum fummelte, "halt bloß deine verdammte Klappe, sonst knallt´s nachher!"

"Sagen Sie mal, was soll das hier eigentlich?!", explodierte Celestia jetzt völlig und sprang trotz Schmerzen aus dem Bett, "wollen mich hier eigentlich alle verarschen oder was?! Vor mir steht ein Bewohner Equestrias, dem es offensichtlich schlecht geht und der Schutz bedarf, aber ihr führt euch hier auf als müsse man ihn dafür lynchen!"

"Er bedarf keinen Schutz, er braucht ein paar auf´s Maul!", zischte der Vorarbeiter giftig, "und das weiß er besser als..."

"JETZT REICHTS!!!"

Ein Magieball riss die Ziege von den Hufen und schleuderte sie gegen die Wand, wo sie zu Boden rutschte und sich nicht mehr bewegte... Zendaya und Mellis wurden ein gutes Stück kleiner, die anwesenden Ärzte verkrochen sich schutzsuchend unter einem der Tische - einzig Luna stand unverändert da und seufzte: "Ich habe es gewusst, aber ja... nichts bleibt für immer verborgen..."

"Luna, was hast du dazu zu sagen?!"

"Eine ganze Menge... und ich werde dir alles erzählen, nur vielleicht legst du dich dazu besser hin..."

"ICH BRAUCHE KEIN VERDAMMTES BETT, ICH WILL DIE WAHRHEIT UND SONST NICHTS!!!"

"Dann... komm am besten mit... Worte sind nur Worte, wenn du dazu siehst werden sie vielleicht klarer..."

"DAS HOFFE ICH DOCH, UND MEIN RETTER KOMMT MIT!!!"

"Königin, das ist gef...", schaltete sich Zendaya warnend ein, doch Celestias Blick ließ sie sofort bereuhen den Mund aufgemacht zu haben: "Kümmert euch um angemessene Sicherheit für meine Schwester, ich selbst brauche etwas Dergleichen nicht! Und jetzt los, ich warte!"

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Vor dem Gitten blieben sie stehen, und eine Ziege flitzte in die Schaltzentrale nebenan und entriegelte das Tor... Celestia entging nicht, dass dies nicht die einzige Einrichtung zur Absperrung dieses Stollens war - nur wieso?

Was wurde hier gespielt?! - Und warum wusste ihre Schwester davon?!

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Hinter einem endlos langen Gang aus Stahlbeton und voller deaktivierter Fallen erwartete sie die Antwort in Form eines ganzen Berges.

Es war eine unterirdische Stadt, ungefähr so groß wie Capra... nein, das war Capra, eins zu eins nachgebaut und vollendet!

Doch seine Bewohner waren keine Ziegen... seine Bewohner waren Hunde.

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"Was... was ist das hier?!"

"Dies ist unsere Hauptstadt, Donver... die Stadt des Hundevolkes... oder das, was davon noch übrig ist..."

Mellis hätte dem Arbeiter am liebsten sofort sein ganzes Magazin in den Hintern geschossen, aber das hätte eh nichts mehr gebracht... Celestia wusste längst mehr als jemand aus ihren Kopf hätte löschen können.

"LUNA, ICH FASSE ES NICHT!!!", brüllte sie so laut, dass es von allen Wänden der Höhle wiederhallte, "HIER UNTEN LEBT EIN VOLK VON HUNDEN, WAS ICH NICHT KENNE?!?!"

"Ratet mal wieso...", lachte der Hund trocken, "es hat schon seine Gründe..."

"LUNA?!?!?!"

"ALSO SCHÖN, JA, DIE ZIEGEN HALTEN SIE ALS SKLAVEN UND HETZEN SIE TÄGLICH IN DIE SÄUREMINEN, ABER DAFÜR KANN ICH NICHTS!!!", schrie diese jetzt zurück, "UND AUßERDEM GÄBE ES DIE ZIEGEN JETZT NICHT MEHR, WENN DIESE SCHWEINE DAMALS DEN KRIEG GEWONNEN HÄTTEN!!!"

Jetzt war Celestia baff: "Wie bitte?!"

Ihre Schwester atmete tief durch: "Bereit für die Vergangenheit?"

"J... ja?"

"Na denn..."

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"Alles begann lange nach dem Tod des großen Zenin... man sagt so ungefähr zu der Zeit, als du auf die Idee kamst die Regebogenproduktion vollständig den Pegasi zu überreichen... whatever, das Ziegenvolk waren zu dieser Zeit schon beträchtlich angewachsen und wagte sich an erste Expansionen - es zählte dato rund 50.000 Hornträger aller Altersklassen.

Down Under hatte sich vergrößert und war damals schon sehr modern - es gab sowohl schon ein intelligentes Abwasser- als auch ein Beleuchtungssystem, sodass man nahezu unabhängig von den Launen des überirdischen Wetters war, das Umland gedieh und die Arbeiter tieben ihre Stollen immer tiefer in den Boden.

Eines Tages jedoch gelang ihnen ein Durchbruch in ein mysteriöses Höhlensystem, welches sie in eine Stadt führte, die nicht durch Ziegenhuf geschaffen worden war - es war..."

"... Donver?"

"Nein, es war Domasgus, die alte Hauptstadt meines Volkes...", seufzte der Hund und trippelte einige Schritte weiter, "na kommt schon, Ihr wollt doch alles sehen, oder Prinzessin?"

"Was ich sehen und hören will entscheide immer noch ich selbst, also führe mich in die Stadt!"

"Euer Wunsch ist mir Befehl, Eure Hoheit... und nun lasst Eure Schwester sprechen, sie tut das gar nicht mal schlecht."

"Auf dein Lob kann ich verzichten, Arbeiter!", knurrte Luna wütend über diese Unverfrorenheit, "aber schön..."

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"Domasgus hieß die Stadt, die die Bergleute fanden - und mit ihr das Volk der Höhlenhunde..."

"... das ist die korrekte Bezeichnung für mich und..."

"SCHNAUZE!!!", keifte Mellis dazwischen, "DU REDEST NUR WENN DU GEFRAGT BIST!!!"

"Mellis, beherrsch dich, Luna, weiter im Text!"

"Ja-ha... wie auch immer, die Ziegen waren freundlich und boten den Hunden sogleich ihre Gaben dar, aber ihr Anführer war ein böser und hinterhältiger Zeitgenosse, der nur auf seinen eigenen Vorteil aus war. Er schickte seine Boten mit den Ziegen nach Down Under und lud den Ziegenkönig, Zenin XVI., freundlich und in allen Ehren in seine Stadt ein. Dieser kam dem Angebot mit Freuden nach und wollte sogar eine Allianz gegen Equestria schließen... doch es kam anders."

Mittlerweile hatte das Grüppchen die Stadt erreicht und schob sich durch die Straßen... Celestia war schlecht bei all dem Elend, was sie sah... verfallene Häuser, dreckige Wände, Müll in den Höfen, überall Armut und Elend... warum das alles?!

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"Luna, was ist passiert?"

"Der Ziegenkönig kam also damals mit einem großen Zug von seinen Untertanen in Domasgus an und wurde voller Freude begrüßt, in den Palast der Hunde eingeladen und zur Tafel gebeten, wo er mit Dogos V. speisen sollte..."

"Und jetzt kommen die bösen Hunde, muhaha!"

Mellis hatte die Faxen dicke und knallte dem großmäuligen Hund seine M-16 in den Rücken, der mit einem Schrei zu Boden stürzte und sich heulend im Dreck wand.

"MELLIS, WAS SOLL DER MIST?!?!", schrie ihn das weiße Alihorn an und half dem Arbeiter auf, "alles in Ordnung bei dir?"

"Ja... ja es geht... danke Euch..."

"MIESES ARSCHLOCH, DIR HETZE ICH DIE BEHÖRDE AN DEN HALS!!!", keifte Mellis und konnte von Zendaya nur schwer beruhigt werden, worauf Celestia sich gleich wieder einschalten musste: "Mellis, hier tut keiner was, und du erst recht nicht! Ich mag zwar keine Prinzessin mehr sein, aber Misshandlung von Gefangenen ist kein Kavalliersdelikt und wird für gewöhnlich mit schweren Strafen belegt, also halte dich zurück, verstanden?! - Das hier ist schlimm genug!"

"Wenn - Ihr - wünscht!", rang der Ghost Rider sich ab und marschierte weiter, "na dann kommt, bevor hier einer Wurzeln schlägt!"

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Den gammeligen Marktplatz, auf dem sich bis kurz vor ihrer Ankunft noch mehrere Welpen gebalgt hatten, erreichten sie wenig später... auch hier roch es nicht gerade angenehm und erweckte den Eindruck, als sei gerade eine Bombe eingeschlagen oder eine Truppe wütender Schatten durchgezogen.

"Heiliger Hellje!", entfuhr es Celestia beim Anblick der Richtstätte, an der noch die letzten Delinquenten baumelten... schon einiger Körperteile beraubt.

Luna schwieg, Zendaya hatte noch kein Wort verloren, der Hund hechelte vor sich hin: "Das waren die Letzten, die versucht haben hier auszubrechen... mögen ihre Seelen in Frieden ruhen."

"Das hoffe ich auch, und für meine Schwester hoffe ich dass sie eine gute Erklärung für das hier hat... ANSONSTEN SORGE ICH HÖCHSTPERSÖNLICH DAFÜR DASS IHREM HENGST DER KÖNIGSTITEL ENTZOGEN WIRD UND IHR EUCH IN DER ZELLE DES EQUESTRIANISCHEN KÖNIGS WIEDERFINDET!!!"

"Habe ich... auch wenn das nichts rechtfertigt, aber... ja."

---

"Kaum hatten sich Zenin XVI. und seine Treuesten also im Speisesaal des Hundeschlosses versammelt, wurde auch schon der Hauptgang serviert... es war ein großer Topf voller Gemüse, zu dem Dogos seinen neuen Freund bat und hineinschauen ließ, ehe er im einen Schubs gab und hinein warf!"

"Was?!"

"Ja, es ist kaum zu fassen... jedenfalls wurden dann die meisten der frisch eingetroffenen und müden Ziegen erbarmungslos niedergemetzelt und aufgefressen!"

Jetzt schwieg der Hund, und Celestia wusste, dass an dem Vorwurf etwas dran sein musste...

"Ich fasse es nicht!"

"Das ist auch nicht zu fassen, das war die größte Schweinerei die möglich war!", empörte sich Zendaya und ballte die Hufe, "und die Überlebenden kamen zurück und... es muss schrecklich gewesen sein."

"... und dabei war das noch nicht einmal das Schlimmste..."

---

"Man rüstete sich also zur großen Schlacht, denn die Hunde hatten dem verbliebenen Ziegenvolk unverzüglich den Krieg erklärt... an seiner Spitze stand nun Zenin XVII., der Sohn des getöteten Königs, und er schwor jedem Hund, der seine Pfoten über die Stadtgrenze zu setzen wagte eigenhufig das Fell über die Ohren zu ziehen... na ja, jedenfalls machte sich die Ziegenarmee auf und erwartete den Angriff auf dem Feld, wo heute die Grubengebäude und Fördertürme stehen - zu dieser Zeit noch Whisperes Fields genannt und ebenso wie Down Under vom Tageslicht durchflutet.

Damals gab es schon Gewehre, die allerdings etwas anders gehufhabt wurden - nach jedem Schuss musste eine neue Patrone eingelegt und nachgeladen werden, ehe abgedrückt werden konnte, dazu eine Art Minen, die eher an Kanonenkugeln mit Lunte erinnert, und natürlich das gute alte Ziegenschwert.

So wartete die ganze Truppe in Horn und Glied auf den Angriff, und er kam schneller als ihnen lieb war..."

"Ja, aber waren die Ziegen dann nicht im absoluten Vorteil mit ihren Feuerwaffen und...?"

"Eben nein, weil sie den Hunden ums zirka Zehnfache unterlegen waren!"

"WAS?!?!"

"... ist glatt übertrieben, es waren..."

"DICH HAT KEINER GEFRAGT!!!"

"ES WAREN WIE VIELE?!?!"

"Die Ziegen waren 35.000, die Hunde eine knappe halbe Million."

Jetzt herrschte völlige Stille, Celestia war zutiefst geschockt.

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"Eine... eine halbe Million?!"

"Mhmmm...", nickte ihre Schwester betrübt und strich mit dem rechten Huf Hammer und Sichel in den Staub, "mögen die Seelen der Gefallenen von damals sicher in Helljes ewiges Reich eingekehrt sein."

"Mögen sie sicher in Helljes ewiges Reich eingekehrt sein...", stimmten Mellis und Zendaya mit ein, "mögen sie sicher in Helljes ewiges Reich eingekehrt sein."

"Das... das ist unvorstellbar!"

"Ist es, und auch heute ist ihr Opfer noch längst nicht ausgesühnt... deswegen... ja, sieh dich um."

"Aber wenn die Ziegen diese Schlacht verloren haben, wie konnten sie die nächste schlagen?!"

"Indem es zwei sehr helle Wissenschaftler unter ihnen gab..."

---

Man schrieb das Jahr 495, und das Ziegenvolk stand kurz vor seinem Ende.

Einen Tag zuvor war seine Armee zerfetzt wurden, von einem Feind, der zehnmal stärker als sie selbst war... die Schlacht überlebte kaum eine Ziege.

Mit seinen Männern war auch der Ziegenprinz gefallen... der schwache Rest seines Volkes hatte nun nicht einmal mehr einen Anführer, der es hätte retten können.

Und doch gelang ihm dieses Meisterstück...

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Schloss des großen Zenin, den 22.01.495

Down Under lag verwaist, seine sonst so belebten Straßen waren verlassen und leer.

Die Überlebenden des Massakers, die sich vor den Klauen der Hunde hatten retten können, wurden im Thronsaal geborgen und versorgt, doch Prof. Dr. Katzenhack wusste nur zu gut, wie trügerisch die momentane Stille war... jederzeit konnten die Hunde erneut angreifen, und Down Under würde mit Leichtigkeit fallen - ohne eine schlagkräftige Armee war das Ziegenvolk geliefert!

Sein junger Partner Dr. Knallrübe kam gerade die Treppe aus dem zweiten Krankenlager herunter und setzte sich zu ihm: "Tja, ich würde mal sagen, dass wir erstklassig am Arsch sind - oder kann ich das anders besser ausdrücken?"

"Nee... du hast leider recht... aber mir will nicht aus dem Kopf, dass ich für die Sicherheit und Entwicklung neuer Kriegstechniken für mein Volk verantwortlich bin, aber mir will partout nichts Gescheites einfallen!"

"Wenn wir doch wenigstens etwas Zeit hätten... aber Prinzessin Zerka hat soeben eine Depesche erhalten - Angriff Morgen früh um Punkt Zehn Uhr."

"WAS?!?!", schrie der alte Professor und sprang auf, "UND ICH SITZE HIER NOCH RUM?!?! - KOMM MIT, WIR NEHMEN ZUR NOT DAS GANZE LABOR AUSEINANDER, IRGENDWAS MUSS SICH DOCH FINDEN!!!"

Ehe Knallrübe Protest einlegen konnte, riss ihn sein Mentor auch schon mit sich, hinaus aus dem Ziegenschloss.

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Ihr Labor lag auf dem Hügel, durch den heute die Eisenbahnstrecke nach Deep Down und Applewood verläuft - hier konnte Prof. Dr. Katzenhack sich für gewöhnlich austoben, wenn er an einer Idee brütete und dabei auch schon mal mit Chemikalien rumspielte... heute war es ähnlich, das Chaos in der Hütte war noch schlimmer als üblich und erinnerte Dr. Knallrübe daran, dass er eigentlich mit Aufräumen dran war... egal, es gab gerade ein Volk zu retten!

Nur wie?

"Hier muss es doch irgendwo sein...", brummelte sein Mentor vor sich hin und kramte in einem besonders großen Stapel aus allem möglichen Müll rum, "verdammt, das gibts doch nicht!"

"Was suchst du denn?"

"Erinnerst du dich noch an diese Kugel aus Metallstäben, die sich so wahnsinnig schnell drehen konnte?"

"Ja?"

"Die hilf mir suchen!"

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Eine Stunde später waren die beiden genauso schlau wie vorher - gefunden hatten sie nix außer Kram, das sie bei ihren letzten Experimenten benötigt hätten...

"Ach Scheiße, ich kann nicht mehr!", brach der Ältere von ihnen schließlich kraftlos zusammen und schluchzte, "so langsam... glaube ich... ich auch... dass wir... niemandem mehr helfen können..."

"Oh Professor...", lächelte sein junger Kollege aufmunternd und drückte seinen Mentor, "keine Sorge, datt Ding taucht noch rechtzeitig auf, da bin ich mir ganz sicher!"

Vor der Tür stürmte es mittlerweile heftig, dazu hatte Regen eingesetzt.

"Mistwetter, das macht alles nur noch schlimmer!"

"Das Wetter kann auch nichts für unsere missliche Lage, aber da kommen wir drüber hinweg, ich - HEY, ICH HAB SIE!!!"

Freudestrahlend zog der Doktor den Apperat zwischen mehreren zugemüllten Apperaturen hoch und hielt ihn sich stolz über den Kopf: "Wer sagt´s denn, ich..."

In diesem Moment schlug ein Blitz mit voller Wucht in die Hütte ein, traf die Kugel und versetzte ihr so eine Spannung, dass sich all ihre inneren Bahnen gleichzeitig explosionsartig zu drehen begannen und so stark glühten, dass man sich auch noch Tage später die Hufe daran verbrennen konnte.

Ein Kugelblitz löste sich aus der Mitte und zerstörte die Hütte von Innen völlig, ehe sie vollendens in Flammen aufging und abfackelte.

Und als die Ziegenfeuerwehr endlich den Brand unter Kontrolle hatte, fanden sie keine Leichen...

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Prof. Dr. Katzenhack fühlte etwas Weiches unter sich... sein Bett?

Benommen richtete er sich auf und wunderte sich wo sein Haus geblieben war - um ihn herum bestand der Boden aus endlosen Löchern verschiedener Tiefen, nicht ein einziger Grashalm war zu sehen, hier und da brannten kleine Feuerchen.

Heiliger Zenin, war das Down Under und der Krieg längst verloren?! - Hatte er etwa verschlafen?!?!

Unmöglich, das musste doch zu hören gewesen s... BUMM!!!

Der Feuerball war gigantisch und der Professor so vom Schauspiel des reagierenden Schwarzpulvers hingerissen, dass er den Schatten hinter sich nicht bemerkte - bis er ihn mit sich zu Boden riss: "DECKUNG PROFESSOR, HIER IST KRIIIECH!!!"

"Knallrübe, was geht hier vor sich?! - Greifen die Hunde an?!"

"NEIN, HIER..." KA-WUMM!!! "HIER IST..." ZISCH!!! "HIER - IST..." BAMM!!! "... EIN KRIEG, ABER ICH WEIß NICHT WELCHER!!!"

"WO SIND WIR HIER GELANDET UND WARUM?!?!"

"ES MUSS DER BLITZ GEWESEN SEIN, UND HIER SCHEINT ES KEINE ZIEGEN ZU GEBEN, HUNDE EBENSO WENIG!!!"

"ABER... ABER WAS DANN?!?!"

"SELTSAME ZWEIBEINER MIT MERKWÜRDIGEN ANZÜGEN, MEHR HABE ICH NICHT ERKENNEN KÖNNEN - SIE SCHIEßEN AUF UNS!!!"

Erst jetzt fiel dem Professor noch etwas anderes an sich und seinem jungen Kollegen auf...

"WIR SIND AUCH DIESE ZWEIBEINER, BEI ZENINS SCHUTZWALL!!!"

"DAS IST ES JA, ICH HABE KEINE ERKLÄRUNG DAFÜR, ABER WIR SIND GELIEFERT, WENN WIR HIER WEITER RUMLIEGEN!!!"

"ABER WOHIN KÖNNEN WIR FLÜCHTEN, WENN SIE AUF UNS SCHIEßEN?!?!"

"BLEIBEN SIE LIEGEN, ICH SUCHE UNS EINEN AUSWEG!!!"

Für Protest war keine Zeit, also schob sich der Doktor vorsichtig aus dem Sprengkrater und riskierte einen Blick ins Niemandsland, bevor er schnell zu seinem mentor zurückgerutscht kam und keuchte: "Ich... ich sehe jemanden, der uns winkt - bei ihm scheint es sicher zu sein!"

"Und wenn das eine Falle ist?"

"Haben wir hier denn eine Chance?"

"Nein - nun gut, wir müssen es wagen!"

"Das sehe ich genauso, Professor - KOMMEN SIE MIT, SCHNELL!!!"

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Durch den Kugelhagel und den Granatenregen schossen die zwei auf die Stellung mit dem ihnen Signale gebenden Soldaten zu, entgingen mehrfach nur knapp den Geschossen des Feindes hinter sich und stürzten schließlich entkräftet beide in den sicheren Schützengraben... etwas Derartiges hatten sie noch nie gesehen, einen Graben, in dem Zweibeiner standen und schossen!

Überhaupt... dieser Graben war eine gute Idee, aber trotzdem starben hier etliche - durch vom Himmel fallende Bomben!

Wo waren sie hier bloß gelandet?!

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"Alles in Ordung bei euch zwei Verrückten?", lachte da eine Stimme und die beiden erkannten den Soldaten vor sich, der ihnen gewunken hatte, "ihr seid schon zwei - mitten im Niemandsland rumrennen und noch leben... mannoman, ihr müsst ein Heer von Schutzengeln bei euch gehabt haben!"

Per Handschlag half er Katzenhack und Knallrübe auf die Füße, die weder ihre Menschengestalt noch ihr Glück fassen konnten - hier herrschte offensichtlich auch Krieg, und sie waren direkt zwischen den Fronten gelandet, dazu noch in Uniformen!

"Ja... ja danke... für Ihre Hilfe...", schnaufte der Jüngere schnell, "das war... wahrlich riskant."

"Aber hallo, das war bekloppt! - Aus welchem Battailion seid ihr Teufelskerle eigentlich?"

Bataillion?! ... öhm... Scheibenkleister?!

"Ja, also wir sind... aus..."

"DIE POILUS GREIFEN AN, DIE POILUS GREIFEN AN!!!"

"OH SCHEIßE, DIE FRANZOSEN KOMMEN!!! ALLE MANN AN IHRE POSITIONEN, DENEN BLASEN WIR DIE KÖPFE WEG!!!"

Beiden Ziegenwissenschaftler war klar, dass das die Feinde sein mussten, die auch schon auf sie geschossen hatten - heiliger Zenin, wie kamen sie hier bloß wieder raus?!

Um nicht aufzufallen flitzten sie dem ihnen bekannten Soldaten bis zu einer kleinen überdachten Stellung hinterher, in der sie sich jeder ein Gewehr schnappten und an den Rand des Sandsackverhaus warfen.

"IHR SEID MUTIG HIER MIT REINZUKOMMEN, ABER AUCH NICHT DUMM, UNSER NEUES MASCHINENGEWEHR WIRD UNS DIE POILUS VOM HALS HALTEN!!!"

Zwei weitere Kämpfer hechteten hinter die als "Maschinengewehr" bezeichnete Waffe und machten sich daran zu schaffen... Prof. Dr. Katzenhack erkannte Patronen, die in einer Art Gürtel lagerten, dazu einen großen und unförmigen Lauf... und diese Waffe sollte etwas nützen, wie wollte man die denn nachladen?!

"IHR ZWEI DA, ZUR SEITE, SONST ZERFETZT ES EUCH NOCH - BURKE, SIND SIE BEREIT?!?! SIEVER SIE AUCH?!?!"

"JAWOHL!!!", brüllten die beiden Soldaten, deren Nerven bis zum Zerreißen gespannt waren... die Franzosen kamen immer näher!

"FEUER!!!"

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MG 08-15.jpg


Etwas wie diese Waffe hatten die beiden Ziegen noch nie zuvor gesehen, und sie wussten schon vom ersten Schuss an, dass dieses Gewehr es war, was die Ziegen zum Sieg brauchten - dieses Maschinengewehr!

Seine Wirkungsweise war unglaublich - es säbelte die Angreifer reihenweise nieder, einen nach dem anderen - und nachladen musste man es gar nicht!

Ganz leicht ließ es sich von zwei Mann bedienen, nach links schwenken, zurück nach rechts, wieder nach links... und dabei richtete es einen gigantischen Schaden an.

Das war es, was sie gesucht hatten!

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Der Angriff verlief im Sande, was die beiden noch einmal beeindruckte - dazu die Zahl der Leichen der "Franzmänner", die jetzt das Niemandsland zeichneten... wie viele das waren!

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"Entschuldigung...", wandte sich daher der alte Professor nach dem Gemetzel an ihren Retter, "ich habe nur eine Frage - dieses Maschinengewehr, was kann das am Stück schießen?"

"Nun, ich würde behaupten so viel wie da ist - klar, es kann überhitzen, aber das 08/15 ist wassergekühlt, da passiert so schnell nichts!"

"Woar... also... kann es eine ganze Armee stoppen?"

"Denke ich schon - vielleicht nicht alleine, aber mit zwanzig von den Süßen wirst du das schon hinbekommen... warum fragst du eigentlich?"

Katzenhack sah seinen jungen Kollegen an und dieser nickte - es war wohl Zeit für die Wahrheit...

"Hören Sie zu, was ich Ihnen sage werden Sie mir nicht glauben, aber ich selbst kann nicht behaupten, dass ich bei dieser Sache durchblicke... wir beide sind aus einer anderen Welt, und unser Volk ist im Sterben begriffen, wegen eines Krieges, den wir nicht begonnen haben... wir brauchen eines dieser Wunder-Maschinengewehre, es ist vielleicht unsere einzige Chance auf Rettung!"

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Der Deutsche sah die beiden eine Weile schweigend an, bevor er in lautes Gelächter ausbrach: "Oh man Leute, ihr habt doch was abbekommen da draußen - geht man lieber zurück zu euer Kompanie, die vermissen euch sicher schon..."

"Wir haben keine Kompanie, wir sind in Wahrheit Ziegen und kommen aus einer anderen Welt!"

"Jaja, und ich bin Kaiser Wilhelm der Zweite und... HEILIGE MUTTER GOTTES!!!"

Er machte erschrocken einen Satz zurück und stolperte unbeholfen über das Maschinengewehr, und ebenso erschrak der Professor - sein junger Partner wurde blasser und begann sich aufzulösen...

"WAS GEHT HIER VOR?!?!"

"Alles in Ordnung, ich sehe... ich sehe Down Under... und ich sehe euch, ich stehe zwischen den Welten!", rief der halbe Doktor und war plötzlich wieder Ziege, "nur... ihr werdet blasser... ihr... ihr müsst... euch... beeilen..."

Und weg war er.

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Der Professor sah den angsterfüllten Blick des Soldaten und bat: "Bitte, Sie haben es gesehen - wir brauchen Ihr Gewehr, sonst sterben auch wir, und mit ihnen unser Volk!"

"Ich... ich sehe Gespenster..."

"ICH BIN KEIN GESPENST, ICH BIN WISSENSCHAFTLER UND HABE KEINE ZEIT MEHR FÜR PARANOIDE SPÄßE, UNS LÄUFT DIE ZEIT DAVON!!! BITTE, IM NAMEN DES GROßEN ZENIN!!!"

"Wer... wer seid Ihr?! Ist... ist das der Tod?"

"ICH LEBE UND SIE AUCH, UND DAS HIER IST..."

KA-WUMM!!!

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Erde lag in seinem Mund, und nur mühsam schaffte es der deutsche Soldat sich aufzurappeln... die Stellung war getroffen worden, von den Sandsäcken nichts mehr übrig... und die Franzosen griffen erneut an!

Vier seiner Kameraden kamen durch den Artillerietrichter in die Reste des Erdbunkers gestürzt und schrien in Todesangst: "HAUPTMANN GRÜN, WIR HABEN KEINE DECKUNGEN MEHR, DIE MUNITION IST FAST ALLE, DIE FRANZOSEN SIND NAHE - WAS SOLLEN WIR TUN?!?!"

"Kommt zu mir...", meinte er fast tonlos und kniete sich neben den bewusstlosen Prof. Dr. Katzenhack, der aus einer großen Wunde in der Stirn blutete, "jeder packt alle Munition für die 08/15 wie er tragen kann und berührt diesen Soldaten, und jeder bete zu Gott, dass er uns aus diesem Krieg bringen werde."

Die Vier verstanden und taten wortlos wie ihnen geheißen... drei Kisten und eine halbvolle fanden sich noch, ihr Offizier packte mit seiner freien Hand den Lauf des MG, seine Soldaten ihn.

Und während sie beteten wurden ihre Umrisse unscharf...

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Mit einem lauten Rumms! landeten sie alle wohlbehalten auf einer grünen Wiese, fernab des Geschützdonners... und umringt von Ziegen!

Noch krasser aber waren die gegenseitigen fassungslosen Blicke - sie waren auch Ziegen!!!

Es bedurfte mehr als nur ein Wort ihres Hauptmanns, der selbst nicht so ganz fassen konnte was geschehen war, ehe sie begriffen, dass sie dem mörderischen ersten Weltkrieg entkommen waren - und gleich dem nächsten gegenüber standen!

Aber das war erst der Anfang...

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Ziegenprinzessin Zerka konnte ihr Glück ebenso wenig wie die Deutschen fassen - sie hatte eine Superwaffe gegen die Hunde, und dazu noch die passenden Experten dazu!

Denen musste man natürlich höflich gegenüber treten, und so verbeugte sie sich leicht und sprach: "Ihr seid also die Fremden, die uns im Kampf gegen die Hunde helfen werden?"

Darauf hatte nicht einmal Hauptmann Grün eine passende Antwort.

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Eine Nacht gab es an diesem Tage nicht, ebenso wenig wie eine würdevolle Bestattung für den alten Professor, der durch eine französische Kugel getötet worden war... einzig sein Partner, die Prinzessin und Hauptmann Grün wohnten der kleinen Zeremonie am Ziegenfluss bei.

"Er war der beste Mentor, den es im ganzen Ziegenreich gab."

"Er war der beste Wissenschaftler, der meinem Vater und mir zur Seite stehen konnte."

"Er war mein Retter aus dem Krieg - für sein Opfer und sein Volk werde ich morgen die Schlacht schlagen."

Der Sarg mit dem Leichnam wurde zu Wasser gelassen und feierlich angezündet, mit der Strömung trieb er hinfort... für mehr war keine Zeit, es gab noch so viel zu tun... Gürtel wurden geflochten, neue Maschinengewehre nach dem Vorbild gefertigt und Befestigungsanlagen gebaut... und die Zeit bis zum Morgen wurde knapp.

Dieser Morgen würde über das Schicksal des Ziegenvolkes entscheiden.

Und obwohl weder Grün noch einer seiner Männer Erfahrungen im Kampf mit den Hunden hatten, geschweige denn echte Ziegen waren, hatten sie ihre neuen Hufe überall mit drinnen, egal ob beim Barrikadenbau oder der MG-Schmiede, sie halfen und wussten Rat.

Und sie wussten, dass dies nun auch ihr Krieg war.

Ihr Krieg, den sie gewinnen mussten.

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Die Sonne erhob sich bald in alter Frische über den Ziegenpalast, in dessen Inneren in dieser Nacht nur die Verletzten geschlafen hatten, und kündigte den Beginn des neuen Tages an... und mit ihm die drohende Schlacht.

Schon seit Mitternacht waren die verbliebenen Verteidiger Down Unders an den Verteidigungsanlagen in Stellung gegangen und warteten nervös auf den Sturm - wie viele würden es sein, und vor allem: Würden sie selbst das heil überstehen?

08/15er waren mittlerweile genug vorhanden, die gesamte Verteidigungslinie belief sich zwar auch nur auf ungefähr zweihundert Meter, war dafür aber umso leichter zu durchbrechen, wenn man ihr zu nahe kam - aus dem Grund hatte Hauptmann Grün sie auch dreireihig aufstellen lassen... heilige Mutter Gottes, hoffentlich reichte das!

Dreizehn der schweren MGs hatten die Arbeiter und Schmiede in der kurzen Zeit zu fabrizieren geschafft, die nun in Stellung an diversen Punkten gegangen waren - mit ihnen der Rest Freiwilliger und verbliebener Ziegenarmisten, zu denen nicht nur Doktor (Knall-)Rübe zählte.

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"Heinrich, alles bereit?"

"Das fragst du mich schon zum dritten Mal, werter Karl...", frohlockte der ehemals deutsche Hauptmann, nun General der ZA, "aber ja, alles in fester Ordnung, die Hunde sollen mal kommen, denen ziehen wir das Fell über die Ohren!"

"Hoffen wir´s... aber ich bin zuversichtlich, zumal du ja noch ein paar andere Waffen mitgebracht hast, die hoffentlich etwas mehr als unsere Gewehre ausrichten können - was sind diese Metallsterne eigentlich nütze?"

"Das warte ab - wurden sie denn schon in Position gestreut?"

"Ja doch... aber wäre Werfen nicht besser?"

"Wart´s ab, du wirst Baukl..."

"SIE KOMMEN!!!", zeriss ein angstvoller Schrei die Stille, "ALLE ZIEGEN AUF IHRE POSTEN UND NICHT OHNE KOMMANDO FEUERN!!!"

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Wir sahen eine Streitmacht auf uns zugestürmt kommen, wie sie noch keine Ziege vor sich zu Gesicht bekommen hatte - blutrünstig und bis an die Zähne bewaffnet, ja teils mit unseren Gewehren!

Sie trugen Knüppel und Streitäxte, Schwerter und Dolche, und allein der Anblick ihrer triefenden Lefzen war furchteinflößend genug... nichts hätte sie aufhalten können - nichts außer Heinrichs 08/15 und seiner genialen Taktik.

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"Nicht feuern, auf das Kommando warten!", appelierte er an seine Soldaten, "Positionen halten!"

"WIR MÜSSEN SCHIEßEN!!!", brüllte es entschlossen aus den Reihen, "SONST VERARBEITEN SIE UNS ZU HACKFLEISCH!!!"

"DAS MACHEN WIR HEUTE SCHON, BLEIBT RUHIG BÖCKE UND ZIEGEN!!!"

"SIE SIND ZU NAHE!!!"

"WIR KÖNNEN NICHT MEHR WARTEN!!!"

"WIR WERDEN ALLE STERBEN!!!"

"POSITIONEN HALTEN!!!"

Erste Schüsse aus den Reihen der Hunde fielen, die zwar nichts trafen, dafür die Ziegen umso nervöser machten - General Grün ahnte schon, dass seine bunt zusammengewürfelte Truppe ins Angesicht des nahenden Feindes nicht mehr lange konzentriert bleiben würde, also entschloss er sich zum Konter:

"FEUER FREI!!!!!!"

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Etliche Angreifer gingen sofort nieder, andere brachen jaulend verwundet zusammen... doch die dichten Reihen der Hunde lichteten sich nicht einmal ansatzweise.

"NACHLADEN!!!" - die erste Reihe Ziegen warf sich hinter die zweite, die ihrerseits den Befehl "FEUER!!!" ausführte.

Dreimal ging dies hintereinander gut, ehe der Feind zu nahe herangerückt war - "ZÜRUCK, RÜCKZUG AUF GANZER LINIE!!!"

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Dies vernahm selbstverständlich auch einer der Generäle des mitkämpfenden Hundekönigs und erstattete seinem Anführer Bericht, der darauf schallend lachend antwortete: "ES IST GENAU DAS GLEICHE SPIEL WIE BEIM LETZTEN MAL - DOCH DIESEM MAL WIRD ES DIE ZIEGEN AM ENDE NICHT MEHR GEBEN!!!"

Und schon siegessicher zog er mit seinen Mannen in die Schlacht...

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Zur gleichen Zeit waren die Ziegenreihen in die sicheren Schützengräben abgetaucht und hatten sich neu formiert - General Grün und Dr. Rübe nickten sich zu, das Zeichen war gegeben.

"MASCHINENGEWEHRE, FEUER!!!"

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Die erste Reihe der Hunde traf es so frontal wie ungeschützt, ebenso die zweite, dritte, vierte... es war ein Massaker, wie es das vor zwei Tagen nicht gewesen war.

An diesem Tag, dem 23.01.495, fielen geschätzt 200.000 Hunde in einem Angriff.

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Dr. Rübe schoss, wie er noch nie geschossen hatte.

Seine Wut über den Verlust seines alten Königs, dessen Sohnes und all die Freunde und Bekannten in der ersten Schlacht ging in eine nicht endende Raserei über, die erst gestillt war, als die Hunde in panischer Angst vor der Wunderwaffe 08/15 flohen.

Doch diese war nicht alles, was General Grün und seine Ziegen und Böcke zu bieten hatten...

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Die Granatwerfer standen in den Schützengräben zwei und vier, waren mit genügend Soldaten besetzt und voll einsatzfähig.

Kaum dass die Hunde nahe genug heran gestürmt waren, gab einer von Grüns Kameraden den Abschuss frei.

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Die Angreifer sahen ihrerseits nur einen Schwarm kleiner Dinger von oben auf sich herabgeregnen, der bei Kontakt in todbringenden Feuerbällen detonierten.

Und je näher sie den Ziegen-Stellungen kamen, desto schwieriger wurde das Vorankommen...

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Es befanden sich mehrere dichte Felder mit Krähenfüßen vor einem dichten Gewirr aus Stacheldrahtverhauen, die letztendlich kein Hund zu überwinden vermochte... die Wellen ebbten jämmerlich im Trommelfeuer ab, und wenn das nicht reichte warfen die Ziegen noch ein paar Handgranten in das Gewirr und... BUMM!!!

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Der Hundekönig lag in einem Explosionskrater und spürte, dass seine Untertanen längst verloren hatten... vor ihm lag einer dieser teuflischen Dornenwälder, in den sie nur so hinein hetzten und einer nach dem anderen getötet wurden.

Ein junger Soldat presste sich unweit von im in den Staub, aus seiner Brust rannen die Innereien... rechts neben ihm schlug eine MG-Salve zwei Dutzend Läufer nieder, etliche verbluteten unter grässlichen Schreien...

Mit Tränen in den Augen bließ er zum Rückzug, sprang geduckt auf und preschte davon.

So hatte er sich diese Schlach nie ausgemalt.

Dies war die Hölle der Hunde.

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"SIE ZIEHEN SICH ZURÜCK, SIE ZIEHEN SICH ZURÜCK!!!", brüllte General Grün euphorisch, "NA LOS, ALLE MANN WEITERFEUERN, JETZT ZEIGEN WIR DIESEN SCHWEINEN WIE GUT WIR TREFFEN KÖNNEN!!!"

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Das MG-Feuer ebbte nicht im Geringsten ab und die meisten Flüchtenden wurden Opfer der rachsüchtigen Ziegen.

Auch wenn längst über die Hälfte der 08/15er überhitzt und nicht mehr schussbereit war, die Sieger griffen zu ihren Karabinern und stellten den verhassten Feinden nach.

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Dr. Rübes MG gab als letzte ihren Geist auf, der Kühlwassertank explodierte und schrottete den Lauf der Waffe, aber das Prototyp-Distanzgewehr seines Mentors hatte er noch... mühelos gelangte er auf die Sandsackbarriere, legte sich die Schulterstütze an, zielte durch das Fernrohr und gab einen einzigen Schuss ab.

Dieser Schuss streckte den Dogos V. nieder.

Und während dieser inmitten seiner Treuesten verblutete, wünschte er sich, niemals einen Krieg angefangen zu haben...

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Die verbliebenen Verteidiger Down Unders stellten den Überlebenden natürlich nach und kamen auf ihrem Rachefeldzug schließlich nach Domasgus, welches sie anzündeten und alle abschlachteten, die diesem Inferno zu entfliehen versuchten.

Und die letzten Hunde sperrte man in Donver ein, wo sie von nun an Sklaven der Ziegen waren und für diese gefährliche Stoffe aus den Bergen förderten... und Tag ein Tag aus mit ihrem Leidgeheul die Höhlen zum Klingen brachten.

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"So war das damals...", endete Luna ihre Geschichte und sah ihre Schwester ernst an, "ist dir nun klar, warum die Hunde gezwungen werden hier zu leben und für die Ziegen zu arbeiten?"

"Es geht so... klar, das unendliche Leid über den Verlust kann ich verstehen, aber auf der anderen Seite hatten die Hunde das nicht minder, und außerdem leben wir im Jahr 1018 und nicht mehr in einer Zeit, wo das verbale Wort manchmal mehr galt... und diese Hunde können doch schon lange nichts mehr für den Krieg."

"Du hast nicht ganz unrecht...", nickte die Ziegenkönigin, "aber ja, das ist leider nicht meine Entscheidung. Nur Robert kann den Bann über diese Stadt aufheben..."

Die kleine Gruppe hatte mittlerweile die Säureminen erreicht, und Celestia wurde wieder kalt - den Eingang säumten mehrere riesengroße rostige Tanks mit verschiedenfarbigen Substanzen in Inneren, es roch nach Chemie und Gift.

Daran vorbei kamen sie zu einem großen Stollen und betraten ihn... im Inneren roch es strenger als draußen, und an den Abbaustellen mühten sich eingefallene Gestalten mit großen Augen ab... ihre Pfoten waren felllos, ihre Körper geschwunden.

Der ehemalige Herrscherin Equestrias fehlten schlichtweg die Worte - diese grauenvollen Zustände mussten unverzüglich geändert werden!

Aber wie?

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Nach einigen Monaten hatte sich das Leben in Down Under halbwegs normalisiert... Prof. Dr. Rübe stand mit seinem neuen besten Freund, momentanem Aushilfspartner und inzwischen Ehebock von Ziegenkönigin Zerka I. vor seinem neuen Labor und beobachtete lächelnd die am Fluss spielenden Zicklein.

"Tja, wir haben es geschafft... das Ziegenvolk wird noch ein paar Jährchen brauchen, bis es wieder ganz auf der Höhe ist, aber das wird es ganz sicher schnell bewältigen."

"Das denke ich doch auch... meine Fr... ähm, Ziege meint, dass die Wirtschaft schneller als erwartet anläuft - dank der neuen günstigen Arbeitskräfte... na ja, darüber kann man sagen was man will."

"Eben, doch ich sehe darin nichts Falsches - die Hunde wollten uns ausrotten, wir haben uns gewehrt und gesiegt - sie als Besiegte müssen sich uns unterordnen."

"Ich frage mich nur wer unseren Krieg auf der Erde denn gewonnen hat oder gewinnen wird... irgendwie hoffe ich ja doch Deutschland..."

"Nachvollziehbar, aber das prüfen wir lieber ein anderes Mal, meinste nich?"

"Hast recht... schau, die Sonne!"

Der alte deutsche Hauptmann deutete auf den glutroten Feuerball, der sich flimmernd in den Höhlendecken verlor... es war, als ginge die Sonne über den Schützengräben unter... und so melancholisch vor sich hin philosophierend setzte er sich neben seinen jungen gelehrten Freund, überdachte sein bisheriges Leben noch einmal und kam zum Schluss, dass er es sich nie besser hatte erträumen können.7

Nie besser.

Seine Kameraden wurden als Helden gefeiert, zwei hatten bereits die Ziege für's Leben gefunden... und der Krieg war vorbei.

Endgültig.

Und dennoch waren sie geblieben, die sagenhaften MG 08/15.

An sie würden sich selbst die Ziegen im Jahr 1015 noch erinnern.

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Zurück in Down Under machte sich Ziegenkönigin Luna als erstes zu ihrem Schlafgemach, wo ihr Hengst nach wie vor so gut wie regungslos vor sich hin döste.

"Hallo Schatz, ich bin zuhause!", flötete sie fröhlich und küsste ihn wach, "es war ein toller Tag, du hast echt was verpasst!"

"Ungerne habe ich mir das entgehen lassen, aber du hattest die stärkeren Argumente...", lächelte Robert schwach, "ja... und was hast du so gesehen?"

"Na, Celestia hat auf eine Faust Edelsteine gesucht, dabei einen nicht unerheblichen Teil des Kohlebergwerks in die Luft gejagt und... ist zu den Hunden vorgestoßen."

"Heilige Arriva..."

"Macht aber nix, ich habe ihr alles erzählt, und sie ist der Meinung, dass diese ganze Geschichte doch eigentlich längst vergeben und vergessen ist, oder?"

"Joar... mir selbst ist das doch wurscht, aber wenn ich ihnen die Freiheit schenke, dann sind die Ziegen in Equestria geächtet und..."

"Ach iwo, und das wirst du - jetzt sofort!", sie zauberte ein fix und fertiges Dokument her, auf dem nur noch seine Unterschrift fehlte, "und mach dir keine Sorgen, diese Erklärung beinhaltet auch einen guten Deal - die Hunde dürfen von nun an in den Ziegenwerken arbeiten, sind damit normalbezahlte Arbeiter und dürfen sich nach allen Regeln frei bewegen und siedeln wo sie möchten - einzige Bedingung ist Frieden und die Wahrheit."

"Ja aber..."

"Kein Aber, und falls doch...", Luna zog böse grinsend die Peitsche unter dem Bett hervor, "dann werde ich dich dazu prügeln müssen!"

"BITTE NICHT!!!", winselte ihr Hengst, "nein, nur das nicht!"

"Gut, dann hier einmal bitte!"

Robert unterschrieb ohne weitere Widerworte.

---

Zwei Monate später

In Equestria lebte nun ein neues Volk, die Hunde.

Gut angenommen von allen anderen bürgerten sie sich schnell in die Gesellschaft ein und wurden mit Freuden akzeptiert.

Alle Regierungen und viele Equestrianer lobten Ziegenkönig Robert für seine großartige Entscheidung... wenn die wüssten...

Aber habt ihr etwas anderes erwartet?

Wohl kaum.

---

ENDE

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