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Die Alte Ära: Kapitel 10 - Das Zentrum der Magie

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Die Alte Ära: Kapitel 10 - Das Zentrum der Magie ist mehrteilig! Der vorherige Teil der Reihe ist Die Alte Ära: Kapitel 9 - Die Ebenen der ewigen Stille, und der nächste Teil der Reihe ist Die Alte Ära: Kapitel 11 - Die vergessene Welt.

Über seinen Kopf strich ein sanfter Wind.

Noch hatte er die Augen geschlossen, und er würde sie nicht öffnen.

So fühlt sich also Sterben an, dachte er und ihm wurde schwer ums Herz, dass er seiner Applejack nicht noch einen letzten Kuss geben konnte...

Es war ein seltsames Gefühl der völligen Schwerelosigkeit, wie Fliegen ohne Anstrengung, wie Fallschirmspringen vielleicht... nach oben.

Eine stumme Träne rann über seine Wange und ließ keinerlei Gefühl zurück - es war soweit...

Er hatte oft über den Tod nachgedacht, meistens vor großen Schlachten oder Spezialeinsätzen - und jetzt, wo es dann doch so plötzlich kam, wünschte er sich, dass das Leben ihn nicht verlassen sollte... so vieles hatte er noch vor, und so vielen wollte er noch sagen, wie sehr er sie geliebt hatte...

Die Dunkelheit schloss sich vollendens um ihn...

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Ein Gefühl der Wärme und Geborgenheit umgab ihn nun.

Wieder schien er zu schweben, irgendwo ganz weit weg von allem...

Bin ich tot?, fragte er sich, habe ich diese Welt verlassen?

Plötzlich vernahm er eine Stimme und zuckte zusammen.

Wenn du tot bist, wer beendet dann die Suche nach mir?

R... Robert?!, konnte er es nicht fassen, Bruder, bist du auch tot?

Nein..., hörte er, ich weile noch auf dieser Welt, genauso wie du...

Aber... bin... bin ich nicht...?

Nein, du bist nicht tot..., beruhigte ihn die Stimme seines Bruders, und noch besser, du bist kurz vor deinem Ziel...

Aber wieso kann ich dich dann hören, aber nicht sehen?

Zum Sehen muss man seine Augen öffnen... und bereit für die Wahrheit sein... nur so kann man sein Ziel erreichen...

Dann... tue ich das!, nickte der Ziegenbock und rief in Richtung der Stimme, keine Sorge, ich bin gleich da!

Eile mit Weile..., war das letzte, was er noch schwach verstand, zuerst wirst du noch etwas finden... und lass dir Zeit damit, ich bin bereits in Sicherheit...

Er wunderte sich, warum Robert das behauptete, dachte diesen Gedanken aber nicht weiter und nahm all seine Kraft zusammen, um die Blockade zwischen seinem Inneren und der Außenwelt zu durchbrechen.

Und je mehr Licht vor seinen Augen er sah, desto näher kam er seinem Ziel...

---

Mit einem Ruck öffnete der Ziegenbock seine Augen und atmete erleichtert aus.

Er lebte noch!, erhellte der überglückliche Gedanke seinen Kopf, er lebte noch, er lebte noch, er...

Die anderen!, fiel es ihm entsetzt ein, heilige Arriva, die anderen!

All seine Energie mobilisierend stemmte er sich auf - und kippte sofort wieder um, erst beim zweiter Versuch schaffte er es, sich zur Hälfte aufzurichten und sich hinzusetzen und an etwas anzulehnen, bevor er erneut umzukippen drohte.

Verschwommen tastete er nach seinem Dönerspieß, bekam ihn nicht zu fassen und rieb sich vorsichtig die Augen aus, sodass sein Blick langsam immer klarer wurde und er schließlich keine zwei Meter vor sich Aurora erkannte, die tief und fest schlief.

Ein Stein fiel dem General der Ziegenarmee vom Herzen, um lieber auf Nummer sicher zu gehen schob er sich langsam vorwärts, streckte seine Arme weit nach vorne aus und bekam sie nach qualvollen Sekunden der größten Kraftanstrengung zu fassen, zog sie an sich heran und wiegte sie liebevoll auf seinem Schoß.

"Aurora...", weinte er vor Freude und Erleichterung, "oh Aurora..."

Endlich schlug auch sie die Augen auf und blinzelte in seine Richtung.

"Dad?", hauchte sie schwach, "was... was ist passiert?"

"Alles ist gut...", lächelte er, "du bist in Sicherheit, das ist die Hauptsache..."

"Aber... aber wo sind wir hier?"

Erst jetzt fiel dem Ziegenbock auf, dass er im Schatten eines Baums lag... eines Obstbaums...

Und ihm kamen wieder Zweifel, ob er nicht doch tot war...

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"Ich... ich denke, dass wir tot sind...", schnaufte er und strich ihr durch die Mähne, "und dass das entweder das Paradies oder unser ehemaliges Zuhause ist..."

"Wir sind doch nicht tot, Dad!", unterbrach sie ihn und knuffte ihm in den Bauch, "siehst du, du kannst mich fühlen und ich dich!"

"Das mag sein, aber das beweist nicht, dass wir noch leben... du hast mich willkürlich berührt... es müsste schon etwas geschehen, womit keiner von uns beiden rechnet, dann..."

RUMMS!!!, krachte dem Ziegenbock ein halber Betonklotz auf den Kof und begrub ihn unter sich, mit aller Kraft stemmte sich der General der Ziegenarmee gegen das Objekt, kam frei und... erkannte Atlanas, der sich den Kopf hielt und jammerte:

"Man, was... was war das?!"

"Atlanas?", fragte der Ziegenbock überrascht, "bist... bist du das wirklich?"

"Was spricht dagegen?", brummte der blaue Pegasus zurück und sank kraftlos gegen den Baumstamm, "oh man... ich fühl mich wie gerädert... was... was haben wir gemacht... als letztes?"

"Wir sind gefallen...", erinnerte sich Aurora, "weil die Kristallschicht, auf der wir standen, zerbrochen ist... da ist Sonata draufgef..."

"SONATA!!!", schrie Atlanas laut auf und schnellte in die Höhe, was ihm aber nicht wirklich gelang und er zurück gegen den Baumstamm kippte, wo er kraftlos ein "Fuck, wo.... wo ist sie?!" hinterher japste.

Der Ziegenbock ließ ein paar Sekunden der absoluten Stille verstreichen und spitzte die Ohren, bevor ein vor seinem Kopf herunter segelndes Blatt ihm die letzte noch fehlende Gewissheit gab.

"Atlanas... schau mal nach oben..."

Sein Freund hob den Kopf - und sein Gesicht begann wieder an Farbe zu gewinnen... keine drei Meter über ihnen hingen mitten in der Baumkrone Sunset und Sonata, beide bewusstlos, aber ohne sichtbare Verletzungen.

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Sunset spürte die Feuchtigkeit auf ihren Wangen und ihrem ausgetrocknetem Mund als erstes, bevor das flimmernde Licht vor ihren Augen langsam an Konturenschärfe gewann und schließlich ihren Atlanas offenbarte, der sich gerade wieder nach vorne lehnte und sie küsste.

Sie schob ihren Huf langsam von unten durch seine Mähne und kraulte seinen Hals, worauf er sich nur umso fester an sich drückte und den Kuss hielt.

Eine lange und doch viel zu kurze Ewigkeit schwebten sie über allen Wolken, bis es plötzlich laut über ihnen Köpfen knackte und ehe sie hatten reagieren können Sonata mitten auf Atlanas Kopf krachte - Aurora stand leider knapp zwei Meter daneben und streckte ihre Hufe vergeblich in die Höhe.

Auf das klatschende Geräusch des Aufpralls verzog sie das Gesicht zu einer wahren Unschuldsmiene, bevor sie sich dem Haufen aus Armen, Hörnern und Flügeln vorsichtig näherte und Sonata auf die Hufe zog, sie zuerst kräftig schüttelte und dann links und rechts eine knallte, dass das Sirenenpony auch endlich aus seiner Ohnmacht riss.

"Alles klar bei dir?", grinste das Fohlen schelmisch und duckte sich unter Sonatas Schlägen, "eyyy, ganz locker..."

"LOCKER?!?!", fauchte ihr Gegenüber und biss die Zähne zusammen, "MIR EINE KNALLEN UND DANN SAGEN, DASS ICH LOCKER BLEIBEN SOLL?!?! - NA WARTE...!!!"

Aurora war schneller auf dem Baum, als Sonata zuschlagen konnte, die Wut trieb sie rasend hinterher, ohne auf irgendwelche Äste in ihrem Weg zu achten hatte sie das Pegasusfohlen fast erwischt, als...

KRACKS!!!, hielt der Ast sie und den Ziegenbock nicht aus und war genauso schnell wieder auf dem Boden angekommen, wie sie hinaufgekommen war - nur landen tat sie dieses Mal unsanfter mitten im Gras zwischen den Wurzeln, im Gegenteil, er landete weich - auf Atlanas, was den Pegasus endgültig zurück ins Reich der Träume schickte...

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"Der ist vollkommen wech...", murrte Sonata und legte Atlanas zurück in die stabile Seitenlage, "klasse gemacht Aurora!"

"Wieso ich?!", beschwerte sich das Fohlen aus der sicheren Luft, "ich habe dich nur wecken wollen..."

"Leute, es reicht!", blaffte der Ziegenbock die beiden an, "Sonata, fahr bitte einen Gang runter, Aurora, du könntest das nächste Mal, wenn du jemanden wecken willst, vielleicht etwas zarter sein... gut? - Danke!"

Einen letzter giftiger Blick von der Sirene prallte an Aurora so eiskalt wie selten ab, zumal ihre Aufmerksamkeit auch längst der fremden Umgebung galt, in der sie gelandet waren.

Gelandet waren..., grübelte sie vor sich hin, waren sie hier wirklich gelandet oder... es konnte genauso gut eine andere Dimension sein - oder irgendwo in Equestria, wer wusste, was diese pechschwarze Magie mit ihnen gemacht hatte...

"Aurora?", riss sie Sunsets helle Stimme aus den Gedanken, "siehst du von da oben irgendwas?"

Das Fohlen guckte sich ein zweites Mal um und rief herunter:

"Nicht wirklich... um uns rum sind nur Felder und ein paar Bäume... wobei... der Horizont ist entweder sehr nebelverhangen oder..."

"Oder was?"

"... oder nahe..."

Sie landete zwischen ihrem Vater und Sunset und knabberte sich auf der Unterlippe herum, die verunsicherten Blicke der beiden nur zu gut nachvollziehen könnend.

Irgendetwas stimmte hier nicht... ganz gewaltig nicht...

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Sonata war die letzte, die sich überzeugen ließ, dass aufzubrechen der einzige Weg war, vielleicht doch noch nach Hause zu kommen und gleichzeitig nicht alleine an diesem unbekannten Ort zurückbleiben zu müssen.

Widerwillig schnappte sie sich Atlanas Schwert, dessen Träger bereits auf dem Rücken des Ziegenbocks lag und nach wie vor tief bewusstlos war, während Aurora und Sunset sich den Rest der Ausrüstungen schnappten und sich umhängten.

"Kann´s losgehen?", fragte der General der Ziegenarmee und die drei Stuten nickten, "gut, dann Aufbruch!"

Sicheren Schrittes marschierte er voran - doch auch er wurde das Gefühl nicht los, dass mit dem Horizont etwas gewaltig nicht stimmte...

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Einen stammen Hufmarsch später stoppte er plötzlich und signalisierte seinen Begleiterinnen, dass sie sofort in Deckung gehen sollten.

Sunset und Aurora verschwanden links in einem Kornfeld, Sonata hinter einem großen Stein.

Er selbst legte Atlanas nieder und schlich sich über eine Wegekreuzung auf einen abgestellten Feldbahnzug zu, dessen Lok drei kleine Waggons mit Zuckerrüben und einen Personenwagen mit sich führte.

Hinter dem kleinen Zug entsicherte er sein Sturmgewehr und schob sich vorsichtig um die Lok - nichts.

Einen Moment lang zögerte er, ehe er in den Führerstand kletterte und sich von dort aus nach allen Richtungen umsah - niemand.

Ihm wurde heiß, die Stille steigerte sich ins Unerträgliche, er zog sich langsam zurück und... bemerkte ein Gebäude, das keine hundert Meter entfernt von ihnen durch etliche große Bäume verdeckt wurde.

Auf den ersten Blick hätte es Sweet Apple Acres sein können, aber das Haupthaus war anders angestrichen und hatte kein Windrad links neben sich stehen, dafür auf dem Dach eine komische Konstruktion, die auf den zweiten Blick schon eher wie eine Antenne aussah.

In der Größe?!, wunderte er sich und sah noch einmal genauer hin, tatsächlich... eine verdammt große Antenne mit zwei großen Radarschüsseln daneben...

Mit einem Hufzeichen bedeutete er Aurora, zu ihm zu kommen und seine Tochter flitzte im Schutze der Ähren von hinten an den Zug heran, schob sich unter einem Wagen hindurch und drückte sich neben ihn an das kalte Metall.

"Dad... was ist?"

"Da hinten ist ein Hof... mit einer fetten Militärfunkanlage auf dem Dach...", instruierte er sie knapp, "und das gefällt mir überhaupt nicht..."

Das Fohlen zog ein Fernglas aus einem der Rucksäcke und spähte hindurch.

"Boar, du hast recht... krasses Teil, und dazu auf dem neusten Stand... wer auch immer da wohnt weiß ne ganze Menge..."

"Und deswegen sollten wir da auch vorsichtig anklopfen... nur wir zwei..."

Aurora grinste, und er erwiderte die Geste.

Anklopfen hieß im Ernstfall mit Sturmfeuer...

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Nahezu geräuschlos pirschten sich die beiden im Schutz des dichten Apfelhains links und rechts des Zugangsweges an das Haus heran.

Aurora kitzelte es in den Hufspitzen, der Ziegenbock war die Ruhe selbst - zumindest von außen wirkte es so, im Inneren rebellierten sein Magen und sein Verstand Sturm gegen das Vorhaben... doch es war längst zu spät, soeben hatte er mit den letzten Bäumen einen Komposthaufen erreicht und duckte sich dahinter, während seine Tochter sich hinter einen Baumstamm drückte und ihm ein ungutes Hufzeichen gab.

Vorsichtig schielte er aus seinem Versteck hervor - und sah die Person, die sie ihm gedeutet hatte.

Es war ein Ziegenbock mit Strohhut, er mochte zwischen zwanzig und dreißig sein, hatte eine Tasche voller Körner umhängen und streute diese vor sich in ein frisch aufgehacktes Feld, das passende Werkzeug dazu lehnte an der Hauswand.

Nichts deutet auf eine sonstige Bewaffnung hin, teilte der Ziegenbock seiner Tochter mit und die warf ein Was sollen wir jetzt machen? zurück.

Ich schleiche mich ran..., gab er ihr zu verstehen, und du deckst mich - wenn´s kritisch wird, Feuer frei!

Ist gut Dad..., nickte sie und setzte zwei weitere Zeichen hinzu, pass auf dich auf, ich hab dich lieb!

Ein letztes Lächeln erreichte das Fohlen und gab ihm die letzte Gewissheit, dass es alles tun würde um seinen Vater zu beschützen, bevor dieser sich aus seiner Deckung schob und sich von hinten langsam an den arbeitenden Ziegenbock heran schlich.

Dieser hatte noch nicht die leiseste Ahnung, was gleich passieren würde, und Aurora nestelte nervös an ihrem Zielfernrohr herum, als sich plötzlich die Haustür öffnete und jemand ans Tageslicht trat.

Noch bevor er ein Wort herausbringen konnte, lag der Ziegenbock bereits auf dem Gärtner und Aurora stand mit erhobenen Sturmgewehr und der Drohung "EINE FALSCHE BEWEGUNG ODER ES KNALLT!!!" vor dem Gebüsch und richtete ihre Waffe auf den Neuankömmling, dessen Augen vor Erstaunen und Entsetzen gleichermaßen geweitet waren.

"Was... was zum...?", begann er zaghaft, bevor Aurora ihn aufbrausend mit "HUFE HOCH!!!" anfuhr.

Langsam hob der (wie sie unschwer erkennen konnte) steinalte Ziegenbock seine Hufe und startete einen neuen Versuch, die Lage zu entschärfen:

"Bitte... nimm die Waffe runter, kleines Fohlen, ich tue dir nichts..."

"SCHNAUZE, ZIVILIST!!!", fauchte sie zurück, "ODER VIELLEICHT DOCH EHER SPION?!?!"

"Spion?!", brach es aus dem Alten heraus, "also, jetzt..."

"Momentchen mal...", unterbrach ihn der Ziegenbock ungehalten und drückte seiner Geisel das Gesicht noch fester in den Acker, "von irgendwoher kenne ich Sie... ja, aber das kann nicht sein..."

"Ich schätze, dass Ihre Vermutung stimmt, werter..."

"... Ziegenbock, einfach nur Ziegenbock... aber... ich muss mich irren... nein, das können nicht Sie sein, oder?!"

"Wenn Sie, Herr Ziegenbock, jetzt die Worte Prof..."

Weiter kam der alte Ziegenbock nicht, weil über die große Terrasse noch jemand um die Hausecke bog und erst stehen blieb, als Aurora ihr Gewehr gefährlich klacken ließ.

"Dad, was...?"

Sie bemerkte die Regungslosigkeit ihres Vaters aus den Augenwinkeln und drehte ihren Kopf langsam zu ihm, und was sie sah, machte ihr Angst.

Der Ziegenbock starrte das neu hinzu gekomme weiße Pony an, als hätte er den lebendigen Geist Cyros vor sich.

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Endlose Momente lang verharrten alle Beteiligten zu Eisblöcken erstarrt, bis das Pony an der Hauswand die Stille brach und sich verwundert die Augen rieb:

"Allen, habe ich Halluzinationen?"

"Nein... es sei denn, ich habe sie auch...", meinte der alte Ziegenbock tonlos, "aber ich wollte es nicht drauf ankommen lassen - das Fohlen ist bewaffnet..."

"Das sehe ich auch, und auf John sitzt ein mich anstarrender Ziegenbock...", bemerkte sie kopfschüttelnd, "sag, wir bilden uns das nur ein..."

"DER IST ECHT!!!", kreischte da der Gärtner los, "UND VERDAMMT SCHWER, DER ERDRÜCKT MICH HIER NOCH!!!"

Als habe der Ziegenbock die Aufforderung in den Worten verstanden, erhob er sich langsam vom Rücken seiner Geisel und näherte sich dem fremden Pony in Zeitlupe, Aurora hielt ihre Waffe fest auf die Stute gerichtet, doch die schien das gar nicht zu beeindrucken, im Gegenteil, sie ignorierte die Gefahr eiskalt und richtete all ihre Aufmerksamkeit auf das seltsame Verhalten des Ziegenbocks, dass mehr als nur komisch war.

Zwei Meter vor ihr blieb der General der Ziegenarmee schließlich stehen und musterte sie noch einmal von oben bis unten, dabei immer wieder "Nein... das... das kann nicht auch noch... nein... nein, das... das..." murmelnd.

Es lag an der Stute, die alles entscheidende Frage zu stellen:

"Entschuldigung, aber kennen wir uns zufällig?"

"Ich... ich weiß nicht recht...", stammelte Auroras Vater nun kurz davor die Fassung zu verlieren, "aber... Ihr... ihr erinnert mich da an ein Bild... ein Bild, das ich täglich vor Augen habe..."

Das Einhorn schluckte schwer.

"Sie... sind ein Ziegensoldat, richtig?"

"Mehr als das... ich bin zweiter Befehlshaber der Ziegenarmee und hier, um meinen Bruder und König Robert zu suchen..."

Jetzt starrte sie ihn entgeistert an und begann stark zu zittern, sank zu Boden und keuchte schwer.

"Das... das... mein... mein..."

"Ihr... seid ihr etwas das Einhorn, was auf so vielen Gemälden im Ziegenpalast verewigt ist?!"

"Ja...", hauchte sie schließlich und brach in bittere Tränen aus, "ja, ich bin Königin Arriva, ich... ich..."

RUMMS!!!, lag der Ziegenbock der Länge nach auf ihr drauf und macht all seinen tiefsten innersten Gefühlen Dampf - mehr als das, ihn ihm explodierte ein Gefühl des Glücks, wie es ihn noch nie überkommen hatte.

Keiner der anderen Anwesenden kapierte, was sich da vor ihren Hufen gerade wirklich abspielte, und keiner wusste auch so richtig, warum... erst als sich Aurora an eine Gute-Nacht-Geschichte ihres Vaters über seine früheste Vergangenheit erinnerte, traf sie fast der Schlag.

Das dort... war seine und Roberts leibliche Mutter... Ziegenkönigin Arriva.

Und auch ihr Mund öffnete sich vor purem Erstaunen...

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"Was... was passiert da?", fragte der inzwischen wieder auf allen vier Hufen stehende Gärtner, "warum...?"

"Ich weiß es nicht...", konnte auch der alte Ziegenbock es nicht deuten, "das ist wissenschaftlich nicht erklärbar, es sei denn..."

Aurora senkte ihr Gewehr und flüsterte fast tonlos:

"Ich glaube, dass sich da gerade eine Familie wiedergefunden hat, die dachte, dass es den jeweils anderen nicht mehr gibt..."

Die beiden Ziegenböcke brauchten nicht lange, um hinter den Sinn dieser Worte zu kommen und glotzten zuerst sich, dann das Fohlen und schließlich den vor tiefster Freude heulenden Ziegenbock auf dem Boden an, während auch Arriva langsam realisierte, wer da wirklich auf ihr lag und...

"Bist... bist du... mein... mein...?"

Jetzt flossen auch ihr die Tränen in Sturzbächen das Gesicht herunter - auch sie konnte nicht begreifen, dass das wirklich ihr verlorener Sohn war, der da auf ihr lag, der, den sie kurz nach seiner Geburt für immer verloren geglaubt hatte - er war es, er war es wirklich!

Ewig währende Minuten des puren Glückes lagen die beiden aufeinander, kuschelten fest, drückten sich, küssten sich, weinten, wärmten sich, hatten sich... nur sich.

Und die beiden anderen Ziegenböcke standen mit Aurora daneben und sahen dem Schauspiel immer noch ein wenig ungläubig, aber mehr als nur strahlend zu.

---

Wie viel Zeit verstrichen war, vermocht Aurora nicht zu sagen, als ihr Vater sich langsam wieder erhob und seine Mutter sanft zurück auf alle vier Hufe zog, schniefend fielen sich die beiden gleich auf ein Neues um den Hals und drückten sich ganz fest.

"Du, sach mal...", lächelte der alte Ziegenbock nun wieder in ihre Richtung, "kleines Fohlen, wie heißt du, und ist der... Ziegenbock da wirklich dein Vater?"

"Ich bin Aurora...", gab sie ihm zu verstehen, "und ja, mehr als jeder andere... er ist nicht mein Erzeuger, aber der war ein Arschloch ohnegleichen... nein, ohne ihn wäre ich jetzt nicht hier... und da gleich die erste Gegenfrage: Wo befinden wir uns hier? - Ach ja, und wer seid ihr beide?"

"Tja... wir befinden uns hier... am geografischen Mittelpunkt dieser Welt - der Quelle der ewigen Magie, sprich dem Erdkern, wir stehen gerade darauf... und ich bin Prof. Dr. Allen Fisch, und dies ist mein junger Kollege und Assistent Dr. sec. John Schinken..."

"Mittelpunkt der Erde... guter Witz Leute, die Namen noch dazu...", hüstelte Aurora und hob blitzartig ihre Waffe, "also schön, entweder die Wahrheit oder blaue Bohnen, sucht´s euch aus!"

"Hey hey hey, das war kein Spaß!", wehrte der jüngere der beiden ab, "wir heißen wirklich so!"

"Das könnt ihr meiner Großmutter erzählen!"

"... und die kann das nur bestätigen!", beendete der Ziegenbock ihren Satz, "Aurora, die beiden heißen wirklich so... nur... ich kann immer noch nicht fassen, dass sie... leben... ebenso wenig wie..."

Er drückte seine Mutter fest an sich und diese schluchzte sofort wieder los, sanft wiegte er sie hin und her, drückte ihren Kopf an seine Schulter und flüsterte immer wieder "Du brauchst nicht mehr zu weinen... alles ist gut... alles ist gut..."

"Das ist es wahrhaftig...", meinte der alte Professor sich am Kopf kratzend, "besser als das... kleine Aurora, ich werde dir und deinem Vater die ganze Geschichte erzählen, wenn du möchtest... doch vorher wäre da noch etwas, das vielleicht noch wichtiger ist..."

Er machte einen Schritt ins Haus - und Aurora gab zwei Warnschüsse in den Türrahmen ab.

"STEHEN GEBLIEBEN!!!", fauchte sie, "AUCH WENN IHR HIER SO EIN WIRRES ZEUG LABERT UND DAMIT MEINEN VATER MANIPULIERT, HEIßT DAS NOCH LANGE NICHT, DASS ICH EUCH VERTRAUE!!!"

"Bitte, kleine Aurora... ich will euch nichts tun, ich will doch nur..."

"NIX ABER, ICH HABE MICH KLAR GENUG AUSGEDRÜCKT - STEHEN BLIEBEN ODER ES KNALLT!!!"

"Aurora...", versuchte er nun auch ihr Vater, "bitte..."

"NEIN, DAS EINZIGE, WAS MICH ÜBERZEUGT, IST JEMAND, DEM ICH BLIND VERTRAUE UND DER NICHT DURCH STARKE GEFÜHLE BEEINFLUSST IST!!!"

Plötzlich trat ein Schatten auf die Veranda und schob sich ganz langsam ins Licht der... ja, was strahlte da eigentlich vom diesem... Himmel?, fragte sich Aurora noch, als ihr zum zweiten Mal an diesem Tag vor Erstaunen die Luft weg blieb.

Auch der Ziegenbock riss vor Überraschung und Freude gleichermaßen seine Augen auf - vor ihm stand in voller Lebensgröße Robert und war ebenso verblüfft wie sein Zwillingsbruder, bevor ihm sofort die passenden Worte einfielen:

"Also jemanden... wie mich?"

Jetzt hatte auch Aurora keine Zweifel mehr, dass der Professor die Wahrheit gesagt hatte - das vor ihr war definitiv Robert...

Und er lebte...

---

(Ende des zehnten Teils)

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