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Die Alte Ära: Kapitel 12 - Die Wahrheit

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Deckung, KRIEEECH!!!

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Die folgende Ponypasta enthält Abschnitte mit kriegerischen Auseinandersetzungen, massiver Gewalt und viel Blut; lies sie dir also nur durch, wenn du dir der Inhalte bewusst bist und nicht gleich in Ohnmacht fällst, wenn du dir das Knie aufschlägst!

Die Alte Ära: Kapitel 12 - Die Wahrheit ist mehrteilig! Der vorherige Teil der Reihe ist Die Alte Ära: Kapitel 11 - Die vergessene Welt, und der nächste Teil der Reihe ist Die Alte Ära: Kapitel 13 - Götterfunke.

Es war mittlerweile Abend auf Concentrer Acres, der kleinen Farm auf dem Erdkern im Innersten Equestrias.

In der großen Wohnküche des Haupthauses (die den Ziegenbock nach wie vor ziemlich stark an Sweet Apple Acres erinnerte) hatten sich neben ihm, seiner Tochter Aurora und den anderen Mitgliedern der beiden Suchtrupps auch die inzwischen mehr als nur glücklichen Bewohner versammelt und warteten gespannt auf die Erzählungen der jeweils anderen Seite.

Auf der alten Couch hatten er und Robert es sich links und rechts von ihrer Mutter bequem gemacht und kuschelten unentwegt mit ihr, auf Prof. Dr. Fischs Sessel lümmelte sich Aurora quer und zupfte sich ungeduldig an der Mähne herum, Sonata lag mit einem dicken Verband um den Bauch auf dem Boden und die beiden Wissenschaftler saßen im Schneidersitz vor dem Feuer und beratschlagen sich, bis endlich auch Atlanas wieder hinzu stieß und man beginnen konnte.

"Und?", fragte Robert seinen besten Freund, der sich neben Sonata niedergelassen hatte, "wie geht´s ihr?"

"Sie sagt besser... sich großartig ohne Schmerzen bewegen klappt aber leider nach wie vor nicht... sie will versuchen zu schlafen, hat sie jetzt gesagt..."

"Hmmm...", murmelte Arriva mitfühlend, "dann hoffen wir mal, dass die Kräuter und Dämpfe sie wieder gesund machen..."

"Das hoffe ich auch...", nickte Prof. Dr. Fisch, "aber jetzt lasst uns beginnen, ich denke, die Geschichten werden ihre Zeit brauchen..."

Er drehte sich etwas nach links und warf einen Blick nach dem Kaminfeuer hinter sich, räusperte sich und setzte wie versprochen als erstes an:

"Also, was ihr nun hören werdet, ist die meines Partners, Arrivas und meine Sicht auf das Jahr 930... also vor knapp zwanzig Jahren..."

"Zwanzig?!", horchte der Ziegenbock auf, "nein... nicht zwanzig, fünfundachzig Jahre ist das mittlerweile her und..."

Fisch und Schinken glotzten erst sich und dann die anderen entgeistert an, bis sich der ältere von ihnen auf die Stirn schlug und feststellte:

"Na aber sicher doch, wir sind hier auf dem Kern viel kleiner und drehen uns dementsprechend langsamer - das erklärt so einiges... mensch, dann müsste oben ja mittlerweile das Jahr..."

"... 1017 sein, ja das stimmt!", beendete der Ziegenbock seinen Satz und musterte die beiden Professoren nickend, "das würde auch erklären, warum ihr beiden euch nicht sonderlich verändert habt..."

"Aber dann... seid ihr beiden ja schon fünfundachzig!", entfuhr es Arriva, "oh heiliger Edwart, meine Söhne sind fünfundachzig Jahre alt..."

"... und sehen immer noch blendend aus!", lachte Robert und zog seine Mutter ein Stück an sich, "Nee, mal im Ernst, das ist überhaupt nicht schlimm, und außerdem... egal, das erzähle ich später, zuerst... Professor, wenn ich bitten darf..."

"Du darfst... auch wenn mich der Stand bei euch oben brennend interessiert... aber wie heißt es doch so schön... Alter vor Schönheit, also werde ich beginnen..."

Aurora und Sonata mussten kichern, Arriva hüstelte und die beiden Hengste im Raum grinsten wie der Ziegenbock und Dr. Schinken, doch Fisch fuhr ungerührt fort:

"Es begann damals im Jahre 930... am 11. September mit dem Eintreffen Arrivas in Down Under... damals dachte noch nicht einmal ich im Traum daran, dass sie die neue Ziegenkönigin werden sollte - viel eher hatte ich meine Nase in einem wissenschaftlichen Projekt, dessen Vollendung kurz bevor stand... erst als ich durch die Zeitung einige Tage später erfuhr, dass mein König eine Pony heiraten würde, und dachte wie alle anderen auch "NIE IM LEBEN!!!" - doch ätsch, die Heirat stand kurz vor der Tür und auch ich versuchte noch gemeinsam mit dem Rat der Generäle, meinen König umzustimmen - er blieb stur und heiratete schließlich am 23. September dieses hübsche Pony hier...", er zeigte lächelnd auf Arriva, deren Wangen einen leichten Rotton annahmen, "na ja, wie auch immer, ich lernte sie persönlich erst am 25.09. kennen, also zwei Tage später, als ich das mit ihrer Stimme untersuchte..."

"Stimmt ja...", fiel es dem Ziegenbock auf, "wieso...?"

"Tjaaa...", übernahm seine Mutter das Wort und streichelte ihm und Robert sanft über den Nacken, "wisst ihr... er hat das damals sofort hinbekommen, meinte aber, dass es besser sei, das niemanden wissen zu lassen, nicht einmal..."

Sie stoppte, schluckte kurz und fuhr mit fast tonloser Stimme fort:

"Schon damals wollten viele mich weg haben..."

"... und genau das war das Problem...", nickte Schinken, "denn wir beide waren neben Edwart die einzigen, die die neue Königin mehr als nur in ihr Herz geschlossen hatten - die angebliche Spionage-Geschichte war doch eh nur ein dummes Gerücht, und auch sonst sprach nichts gegen Arriva... aber das sahen die meisten anderen anders..."

"Eben...", brummte Fisch, "vor allem der Rat der Generäle war voll gegen sie - nicht wahr?"

"Ja... leider...", schniefte Arriva und eine Träne rollte ihre Wange hinunter, "dabei wollte ich nur das Beste für..."

Robert und der Ziegenbock drückten sie umso fester an sich und streichelten ihr über die Mähne, während sie still weinte und vor sich hin schluchzte.

"Ja... es war mies, und alles wurde mit dem Tod eures Vaters nur noch schlimmer... sicher, es gab dich, Robert... aber deine Mutter... ihr wisst es ja, ihr habt das Tagebuch gelesen..."

Robert schwieg und schmiegte sich enger an die alte Ziegenkönigin, sein Bruder nickte knapp "Mmmmhhh...".

"Dieses Tagebuch... ist nicht ganz korrekt, wie ihr spätestens heute festgestellt habt..."

"Der 7. November... stimmt´s?"

"Genau der... und da beginnt der Teil der Geschichte, den nur wir kennen... den wahren 7. November..."

Der Professor holte tief Luft und seufzte schwer:

"Der Abend begann ruhig. Wie ihr wisst, waren John und ich zu diesem Zeitpunkt schon aus Down Under geflohen - warum dürfte klar sein... man stellte uns nach, weil wir Arriva sympathisierten - zumindest mir, denn mein Kollege hier war schon drei Monate vorher verschwunden, eigentlich aufgrund einer Expedition, aber er kam gerade zurück, als die Lage kurz vor der totalen Eskalation stand, weshalb ich ihm riet, aus dem Verborgenen zu operieren. Wir beide befanden uns also ein Stück unter Down Under in einer Höhle und versuchten uns mit UNO-Spielen abzulenken, als wir gerufen wurden..."

"Wie gerufen?", fragte Atlanas interessiert.

"Von mir...", seufzte Arriva, "wisst ihr, die beiden Teufelskerle haben mir eine Art Notruf in meine Krone eingebaut - und versprochen, sofort anzurücken um mich und Robert wenn nötig aus der Lage rauszusprengen...", sie lachte kurz auf und wurde schlagartig wieder ernst, "tja, und genau an diesem Abend war das auch mehr als nötig..."

Kurze Pause, völlige Stille, dann fuhr sie fort:

"Ich hatte gerade Robert in seine Wiege gelegt, die Wache war schon längst weg, wozu denn auch ein Pony bewachen?!, als ich ein Kratzen an der Tür des Thronsaals hörte. Schlagartig war ich wieder hellwach und voller Adrenalin, packte eines der Schwerter von der Wand und stellte mich vor Robert, bereit mein Leben für ihn zu opfern - schon flog die Tür zerstört durch mehrere Einschüsse aus den Angeln und hinein kamen neben etlichen schwerbewaffneten vermummten Soldaten... Prinzessin Cadance und..."

"CADANCE?!?!", konnten es weder Atlanas noch Sonata fassen, "WIE BITTE?!?!"

"Ihr müsst wissen, dass diese Schlampe... diese miese Schlampe... nicht die liebe Cadance war, die sie allen vorgespielt hat... aber das ist nochmal eine ganz andere Geschichte - daher gebe ich euch jetzt die Kurzfassung: Sie und ich sind leider... Cousinen, und ich einen Tick älter - um sie scharten sich die Ponys massenweise, warum ist ja keine Frage... ein neues Alihorn, das war schon was. Und Cadance war ja nicht blöd und begann genau diese Ponys schamlos auszunutzen... jedenfalls hatte sie schon immer was gegen mich, wahrscheinlich, weil mich meine Freundinnen normal mochten und keine halben Vergötterer waren... und so tat sie in Canterlot alles, um meinem Ruf zu schädigen. Ich merkte zwar, dass ich eine ziemliche Pechsträne hatte, aber nicht, dass jemand sie ausgelöst hatte... tja, und trotzdem mochten die Ponys mich auch. Das konnte sie nicht ab - und tat etwas, das dazu geführt hat, dass wir heute alle hier sitzen und..."

"Doch nicht etwa...?!"

"Genau das - sie führte mich in diese Höhle, angeblich um mir etwas zu zeigen, und stieß mich dann in den Abgrund... und so landete ich zufällig in einem Wachhäuschen der Ziegen und so weiter..."

Sie rückte sich wieder zurecht und zog den Ziegenbock an sich heran.

"Und so kam es, dass ich dank Cadance Ziegenkönigin wurde... auch wenn das Ziegenvolk mir nicht wohlgesinnt war..."

"Dann habe ich mal eine Frage...", warf Atlanas ein, "wie kann es dann sein, dass Cadance... na ja, noch relativ jung... ist?"

"Ganz einfach!", schnaubte die alte Ziegenkönigin mit zusammengebissenen Zähnen, "dieses Miststück wusste, wie man jeden um den Huf gewickelt bekam, und daher hat sie das auch bei Celestia gemacht - und sich so Zugang zum verbotenen Teil der Bibliothek verschafft, in der sämtliche Werke vor schwarzer Magie nur so triefen! ... und eins schwöre ich euch allen, wenn ich diese miese Schlampe zu fassen kriege, werde ich sie persönlich daran erinnern, wie es ist, ohne Flügel geboren worden zu sein!"

Robert traten erste Schweißperlen auf die Stirn, die jedoch niemand bemerkte, während seine Mutter seinem Zwillingsbruder einen Kuss gab, ihm sanft über den Kopf streichelte und dabei weiter berichtete:

"Wie auch immer, zurück zu damals: Sie waren mindestens dreißig, und sie waren verdammt schnell - erst als sie keine zehn Meter mehr von mir entfernt waren und ich ihre Mienen ausreichend interpretiert hatte, wusste ich, dass sie nicht zu meiner Rettung gekommen waren... was ich ursprünglich angenommen hatte, denn ich hatte endlich kapiert, dass Cadance mir nie etwas Gutes gewollt hatte und dass sie für all mein Pech verantwortlich sein musste... ihre Augen sprachen Welten, und dazu machte sie mir diabolisch kichernd klar, dass ich die Wahl hätte: Entweder, ich sollte ihr das Schmuckstück, dass mir mein Mann zum Hochzeitstag geschenkt hatte, überreichen, und sie würden wieder verschwinden, oder sie würden es sich holen - und die Ziegenkrone dazu. In diesem Moment verstand ich auch die Worte meines geliebten Edwarts zur Gänze... Dieser Splitter ist ein Funken im Dunkel, er bringt das Licht dahin, wo sonst nur die Schatten zu leben vermögen, er erhält den Weg seines Trägers... deinen Weg... es war das Bruchstück eines göttlichen Amuletts, wie ich erfuhr  - und ich realisierte, dass ich es um jeden Preis dieser Welt schützen musste... genauso wie dich, Robert...

Ich schaffte die Flucht aus dem Palast, was ich den alten Büchern aus der Bibliothek verdanke, die ich in der Zeit, in der ich nicht schlafen konnte, gelesen habe, bis mir die Augen von alleine zu fielen... sie hatten mir alte Geheimgänge und Angriffsmöglichkeiten für Magie offenbart, denen selbst ein Alihorn nichts entgegen zu setzen hatte... bis ich in einem Zweikampf gegen einen Söldner... diese Magie verlor..."

"Es war einer dieser verfluchten Ringe...", setzte Schinken hinzu, "ihr wisst ja... ohne Magie eines anderen oder eine glatte Kante sind die nicht wieder abzubekommen!"

Robert und der Ziegenbock nickten mitfühlend, sie hatten im Krieg mehrfach erlebt, was so ein Ring auf dem Horn eines magietragenden Wesens anrichten konnte... wenn es Glück hatte, überstand es den Kampf, wenn nicht...

Arrivas Stimme wurde immer leiser, und ihre Söhne merkten, dass ihr Zorn der Trauer gewichen war, und waren dennoch überrascht, dass sie ohne zu zögern fortfuhr:

"Ohne Magie war es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie mich einholen würden, also musste ich rennen, bis meine Beschützer endlich da sein würden... ich wusste in diesen Momenten der absoluten Panik vor dem Feind ja nicht einmal, ob die beiden mich finden würden, wenn ich auf der Flucht war... dass es sowas wie ein Ortungssystem gab, konnte ich natürlich schlecht wissen... wie auch immer, irgendwann muss ich dann falsch abgebogen sein und stand plötzlich vor diesem Schacht... jenem Schacht, der auch nach hier unten führt..."

Sie stieß die Luft tief aus ihren Lungen und senkte ihren Blick, zog Robert noch etwas fester an sich und fuhr fort:

"Da stand ich also, mit dem Rücken zu der bodenlosen Tiefe, mit dem Bauch zum Feind, der kurze Zeit später den Kampfplatz erreichte. Kaum dass mehrere Söldner ihre Waffen auf mich gerichtet hatten, trat Cadance schallend lachend vor und frohlockte: Nun, dein Weg ist zu Ende, Arriva... gib auf, und wir verschonen dein Leben und das deines Sohnes..."

Sie machte eine kurze Pause und warf einen Blick in die teils entsetzten, teils ungläubigen Geschichter der Freunde, seufzte ein weiteres Mal tief und wischte sich mit dem linken Huf über die Stirn.

"Was hätte ich tun sollen?! - Ich wusste weder, wo Allen und John waren... so stand ich da, hatte dich Robert, auf dem Boden abgelegt und hielt das Stück Amulett fest in meinem Huf... bis mir durch die "Zukunftsvorstellung", wie Cadance es süffisant genannt hatte klar wurde, dass ich so oder so keine Chance mehr hatte, aus dieser Sache ohne Verluste rauszukommen - also tat ich das einzige, was ich noch tun konnte, um vielleicht doch noch ansatzweise den Herrschaftswahnsinn dieser falschen Schlange zu stoppen - ich warf das kleine Schmuckstück in den Schacht. Ein Schrei von Cadance - dann stürzten sie sich auf mich... es waren acht, denke ich - sie fesselten mich und schlugen mich grün und blau, während Cadance drei weitere in den Schacht kommandierte, mein Schmuckstück zu suchen.

Einige von ihnen waren kurz davor mich in Stücke zu reißen,, doch Cadance hielt sie zurück... noch zurück, denn dieses Miststück hatte unterdessen... Robert in ihre Arme genommen und streichelte ihn sanft über seine weiche unschuldige Mähne..."

Unvermittelt brach sie wieder in Tränen aus und dieses Mal stand Fisch auf, war bei ihr und drückte sie gemeinsam mit dem Ziegenbock fest an sich, Robert saß regungslos daneben und bekam kein Wort über seine Lippen.

"Ich glaube...", fasste sich der alte Professor wieder, "wenn ich jetzt das Wort übernehme... Arriva, es ist alles gut, ich bin da, die anderen auch... du hast damals das Richtige getan, mehr als das, du hast bewiesen, dass du die beste Regentin warst, die das Ziegenvolk je hat haben können..."

Er wandte sich Robert zu und fragte:

"Alles in Ordnung bei dir?"

"Ich... ich weiß nicht...", flüsterte der Ziegenkönig fast tonlos, "das... das ist alles so surreal... ich... mir ist kalt..."

"Robert...", der alte Professor glitt neben ihn auf die Sofalehne, "ich weiß, dass das hier verdammt harter Tobak ist, aber ich weiß genauso, dass Liebe etwas Einmaliges ist und woran selbst die besten Wissenschaftler scheitern - deine Mutter hat sich für dich opfern wollen, sei ihr dankbar dafür..."

Beruhigen tat das Robert nicht, er versuchte trotzdem still zu bleiben und keine Gefühle mehr zu zeigen, als Allen Fisch sich räusperte und das Wort übernahm.

"Inzwischen hatten John und ich schon diesen Abzweig, an dem Arriva falsch abgebogen war, erreicht, dort die Wache niedergekämpft und rückten in den engen Stollen vor - als wir dann schließlich unser Ziel erreicht hatten... lag eure Mutter blutüberströmt am Boden, und dich, Robert... hielt Cadance über den Abgrund..."

---

Die Stille in der Wohnstube war gespenstisch.

Roberts Gesicht war noch weißer als sonst üblich und zu Eis erstarrt, seine Miene verriet nicht den geringsten Gefühlszustand.

Aurora und Sonata saßen beide fassungslos da und wussten nicht, was sie tun sollten, dem Ziegenbock standen alle Nackenhaare zu Berge, seine Mutter schniefte vor Scham und unbändiger Wut, Schinken stocherte fast geräuschlos im Feuer herum und Fisch fuhr sich durch sein faltiges Gesicht.

Nach schier endlosen Minuten fasste sich sein jüngerer Kollege ein Herz und sprach:

"Ich bekam furchtbare Angst um Eurer Leben, mein König... dazu passend die Worte von Cadance... Nun, Arriva, ich hätte von Anfang an wissen müssen, dass du niemals aufgeben würdest... du bist zu stolz, zu ehrgeizig dazu... und nun bis du an dem Punkt angelangt, wo dir das zum Verhängnis werden wird, dem Punkt, an dem ich die Macht über dieses Volk von unterbelichteten Ziegen übernehmen... weiter kam sie nicht, weil Allen die Beherrschung verlor und das Feuer eröffnete..."

"Von Nerven verloren kann überhaupt nicht die Rede sein!", meckerte der alte Professor und setzte sich gerade hin, "ich habe lediglich... etwas überreagiert und angegriffen - außerdem war der Moment passend, weil die Sirenen alle standen und abgelenkt waren!"

"Jaja...", grinste Schinken schadenfroh, "das behauptest du immer... na ja, jedenfalls hatten wir zum damaligen Zeitpunkt schon tragbare Maschinengewehre - wie ich sehe, wurden sie weiterentwickelt...", er warf einen hastigen Blick in Auroras Richtung, die ihr Sturmgewehr auf ihrem Bauch liegen hatte und am Magazin herumspielte, "... ja, schön sehen die jetzigen aus... egal, wir griffen von zwei Seiten an und hatten den Überraschungsmoment perfekt auf unserer Seite - von den Söldnern gingen mindestens sieben sofort zu Boden, Cadance war so überrascht, dass sie ihre Arme mit Robert senkte - keinen Augenblick später war Allen bei ihr und schlug ihr so dermaßen mit dem Gewehr in die Seite, dass sie einknickte und dich Robrt fast schon sicher sein Hufe "übergab"... mittlerweile ballerte ich auf alles in meinem Umkreis ein, was gar nicht mal so einfach war, ohne Arriva oder Allen zu treffen... doch auch die Wachen waren nicht komplett blöd und griffen jetzt ihrerseits an - im Faustkampf war ich noch nie gut gewesen, und ich hätte mein Leben an ihrem Hauptmann gelassen, wenn eure Mutter sich nicht mit aller ihr noch verbliebener Kraft gegen ihre Hinterbeine geworfen und sie so zu Boden gebracht hätte... ein Kampfmesser erledigte den Rest, Allen schoss derweil die letzten Söldner nieder, während ich mich, Arriva und Robert aus der Gefahrenzone brachte..."

"Ich hatte selten Spaß an Gewalt...", unterbrach ihn Prof. Dr. Fisch, "aber das war etwas, wo ich alle Hemmungen verlor... ich weiß nicht genau, wie viele wir getötet haben, aber alleine auf dem Rückweg kamen uns noch ein ganzer Haufen entgegen... es war der Horror..."

"Eine Frage...", kam es von Aurora, "was... was habt ihr mit Cadance gemacht?"

"Ich... habe sie vergessen, im wahrsten Sinne des Wortes...", seufzte der alte Ziegenbock schwer, "ich musste uns beschützen, ich..."

"Hey, du brauchst dir doch keine Vorwürfe zu machen!", ging der Ziegenbock entschieden dazwischen, "mal im Ernst, du bist kurz davor, die Fassung zu verlieren, nur weil du drei Leben gerettet hast?! - Wenn ich in den Krieg ziehe, kann ich mich auch nicht um alle meine Soldaten kümmern... so gerne ich das auch täte... sie sind für mich wie eine Familie... eine Familie, die sich nun nach all den Jahren der Ungewissheit endlich wiedergefunden hat..."

Lächelnd schob er sich noch etwas näher an seine Mutter heran und strich ihr sanft eine Strähne aus dem Gesicht, zog sie langsam zu sich und küsste sie auf die Stirn.

"Ich bin so dankbar, dass ich sie gefunden habe..."

Arriva stiegen wieder die Tränen in die Augen, fest schmiegte sie sich an ihren verlorenen Sohn und schluchzte leise und glücklich vor sich hin.

Schinken schien zufrieden und nickte zustimmend.

"Tja... wir sind also auf und davon aus der Gefahrenzone... bis wir Arriva erstmal an einem sicheren Platz hatten, kündigte sich schon langsam der Morgen an und stellte uns vor ein neues Problem: Wenn Robert bei Tagesanbruch nicht im Palast sein würde, wäre die Hölle los... noch viel schlimmer, der Generalsrat konnte im Anschluss ihren Kandidaten, diesen Grafen, ihr wisst schon - den hätte man ganz ohne Probleme auf den Thron setzen und damit Platz für eine einwandfreie Diktatur haben können - wir mussten das verhindern, und es gab leider nur eine Möglichkeit dazu..."

Robert verstand auch ohne den Blick des Wissenschaftlers.

"Ihr habt mich in den Palast zurückgebracht?"

Seine Stimme war eisig, sein Blick leer und stumpf.

Arriva brach in bittere Tränen aus, der Ziegenbock drückte sie umso fester an sich und Prof. Dr. Fisch sah Robert lange schweigend an, bevor er zögernd eingestand:

"Es war... eine verdammt schwere Entscheidung, aber es war die einzig gute... und während John dich zum Palast zurück trug, ließ ich deine Mutter für einen kurzen Moment allein, nahm nur ein altes Gewehr und eine Patrone mit... und erledigte den Grafen."

Aurora und Sonata warfen sich erstaunte Blicke zu und blickten dann dem alten Ziegenprofessor voller Bewunderung entgegen, diesen störte das wenig, und er erzählte weiter:

"Anfangs konnten wir Arriva nur tragen, später konnten wir sie stützen, irgendwann konnte sie auch wieder gehen... wir kamen immer tiefer, an Deep Down vorbei, an den Bergwerken vorbei... durch einen kleinen Gang, die uns schließlich zu einer zappendusteren Höhle führte, die alles Licht unserer Lampen aufzusaugen schien..."

"Da waren wir vorhin auch!", erinnerte sich Aurora, "und nur dank Sunset konnten wir..."

Atlanas spitzte ungewollt die Ohren, weil er etwas gehört hatte, etwas, das definitiv nicht aus diesem Raum kam... es kam von seiner kranken Freundin...

Und es hörte sich alles andere als gut an...

---

Den Pegasus hielten keine zehn Pferde mehr auf dem Teppich, in Sekundenbruchteilen sprang er auf und raste ins Nebenzimmer, dicht gefolgt von Sonata, Aurora, den beiden Wissenschaftlern und schließlich auch Arriva und dem Ziegenbock.

Als die beiden über die Türschwelle traten, wusste der Ziegenbock bereits, dass irgendetwas nicht stimmen konnte - Atlanas hielt Sunsets Huf fest und hatte die Augen vor Entsetzen unnatürlich weit aufgerissen und starrte wie in Trance auf die blutgetränkte Matraze um den Unterleib seiner Freundin, an dem sich Fisch und Schinken gleichzeitig hektisch herumfuchtelnd zu schaffen machten.

"Heilige Luna...", hörte er seine Tochter scheinbar meilenweit entfernt von sich ausrufen, "das... das kann nicht sein... um Celestias Willen, nein..."

Sonata packte das Fohlen und drückte es ganz fest an sich, hier fühlte Aurora erst das starke Zittern der Sirene, die mit offenem Mund auf das Bett guckte und flüsterte:

"Es... es kann nur das sein, was du denkst... was ich denke... das... das..."

Ein schriller Schrei von Sunset ließ alle ruckartig in sich zusammenfahren, Atlanas nuschelte ununterbrochen "Heilige Arriva... Sunset... es ist alles gut, alles ist gut...", die beiden selbsterklärten Hilfskrankenpfleger hatten schon jetzt Bauch und Hufe voller Blut, brüllten sich in immer kürzeren Abständen Dinge wie "MEINE GÜTE, DAS KLEMMT IRGENDWIE!!!" und "ES DAUERT NICHT MEHR LANGE, VERDAMMT, ANSTRENGEN, ALLES GEBEN, NICHT JETZT IN OHNMACHT FALLEN, ATLANAS, HALT SIE UM JEDEN PREIS WACH!!!", bis es nach qüalenden und blutigen Sekunden ein Geräusch gab, dass Sonata an den Rand der Übelkeit brachte und ihre Beine den Dienst quittieren ließ, sodass sie samt Aurora nach hinten kippte und so zum Glück nicht noch den letzten Schwall Inneres erleben musste, den Schinken mitten ins Gesicht bekam, während Fisch etwas kleines Klebriges vorsichtig hoch hob und ganz sachte an seinem noch trockenen Fell abwischte, bevor er freudestrahlend ausrief:

"ES IST EINE JUNGE STUTE, UND SIE IST GESUND UND MUNTER, HEILIGE ARRIVA NOCHEINMAL!!!"

Und der Ziegenbock stand bewegungsunfähig mit seiner Mutter da und staunte sich die Augen aus dem Kopf, als der alte Professor das winzige Fohlen seinem frischgebackenen Vater in die Arme legte...

---

Arriva wusste nicht, was sie sagen sollte... dieser Moment war unbeschreiblich... die glücklichen Gesichter, das ganze Blut, das quäkende Fohlen in Sunsets Armen, ihr einer Sohn neben ihr, ihr anderer...

Robert!, bemerkte sie plötzlich erschrocken, wo war er?!

Suchend ließ sie ihren Blick durch den Raum schweifen - kein Robert... vorsichtig drehte sie sich um und entzog sich den Armen des Ziegenbocks, der davon nichts mitbekam, und huschte durch das Wohnzimmer hinaus auf die Terrasse.

Hier fand sie ihren älteren Sohn, matt auf der kleinen Treppe sitzend und traurig in den Sonnenuntergang blickend.

"Hey... Robert, alles in Ordung bei dir, mein Liebling?"

Er antwortete nicht.

"Kann ich dir helfen? Bedrückt dich etwas?"

Schweigen.

"Oh Robert...", sie setzte sich neben ihn und zog ihn an sich heran, "ich weiß, was dich alles bedrückt... aber ich kann dir helfen..."

"Danke, das ist nett von dir...", seufzte er schwer, "aber mir ist nicht zu helfen... ich habe versagt..."

"Versagt?"

"Ja... ich habe dich nicht beschützen können..."

"Robert... ich weiß, dass du als Ziegenkönig eine wahnsinnig große Verantwortung für alle, die du liebst, einschließlich des Ziegenvolkes und des Heeres... und ich weiß, dass du jemand bist, der für alle immer nur das Beste möchte... aber ich bin deine Mutter, und ich möchte für dich das Beste... und als du noch nicht konntest, musste ich dich beschützen..."

"Das sind weise Worte... sie können mich trotzdem nicht glücklich machen..."

"Warum nicht? Was bedrückt dich? - Sei ehrlich... ich bin deine Mutter, ich werde dich nicht verurteilen, egal was du getan hast... weil ich dich über alles liebe..."

"Hmmm... nein, das kann ich nicht..."

"Doch, du kannst... sei ganz du selbst, ich bin dir Ohr..."

"Es... es..."

"Ja?"

"Es... war schwer für mich, ohne dich oder Vater zu leben... ich hatte zwar meinen Bruder, aber ich wusste nicht, dass er es wirklich war... ich lernte zwar jede Ziege kennen, weil jeder mich einmal in seinen Hufen halten und für eine Zeit unter seinem Dach leben lassen wollte, aber ich spürte nie diese Zuneigung, wie sie andere Zicklein bekamen... ich war nicht ihr Kind, ich war ein Waise..."

Arriva verstand seine Worte und nickte stumm, während er den Kopf senkte und seine Stimme zu flüstern begann:

"Ich habe viele Dinge getan, die ich nicht hätte tun dürfen... mein Bruder war jedes Mal dabei, und wir haben sooft unser Leben... aufs Spiel gesetzt... wir waren in einem Krieg der Menschen, fast ein Jahr lang... und dann kam er..."

"Er?", fragte sie leise nach.

"Er war ein totgeglaubter Gott... der Gott der Finsternis... Cyro war sein Name... er besaß keinen Körper mehr, und als wir eines Tages in den tiefsten Höhlen dieser Welt herumkrochen und ich ihn traf... er war so mächtig... er ließ sich in meinem Körper nieder und übernahm die Kontrolle über ihn, wenn ich in blinde Wut verfiel... jedes Mal, in dem ich gegen das Böse kämpfte und es besiegte, sog er dessen Macht auf und wurde immer stärker... für seine Zwecke war ich nun eine Kampfmaschine, die nur gestoppt werden konnte, wenn jemand ihr seine wahren Gefühle offenbarte..."

"Heiliger Edwart!"

"Ja, und das schlimmste war, dass ich so mehrfach meine Freunde verletzt habe... und einmal habe ich so die Kontrolle verloren, dass ich... ich zwei Ponys auf eine Weise getötet habe, die an Grausamkeit kaum noch zu überbieten war... ich war ein Monster..."

"Haben diese Ponys dir etwas angetan?"

"Indirekt... es war trotzdem grauenhaft, und ich schäme mich so dafür..."

Robert begann zu weinen, seine Mutter drückte ihn fest an sich und sprach ihm beruhigend zu:

"Wenn das so ist, haben sie vielleicht ihre gerechte Strafe erhalten, wenn nicht, dann zerbrich dir nicht weiter den Kopf darüber... es passieren nun einmal schlimme Dinge, aber du musst lernen, sie zu vergessen... das musste ich auch, und es dauert lange und ist schwer, aber ich habe es geschafft..."

"Vielleicht... hast du ja Recht...", schniefte Robert, "ja, du hast Recht... aber Cyro lässt mich nicht los, auch wenn..."

"Wenn?"

"... er schon tot ist... ja, ich habe geschafft, ihn zu vernichten, aber seine ungeheure Macht schlummert noch immer in mir... und lässt mich nach wie vor zum absoluten Killer werden..."

"Hmmm... das ist schlecht, aber ich würde das aus einer anderen Blickrichtung betrachten... hast du denn nicht in all den Jahren dein Volk gut regiert, es durch all die guten und schlechten Zeiten geführt und... ich vermute es nur, aber... hast du es mit den Ponys zusammengebracht?"

"Ja... das habe ich... und ich habe..."

In diesem Moment gab es einen Lichtblitz aus dem Nichts, und als Arrivas Augen ihr wieder klare Sicht spendeten, war der Platz, an dem Robert gesessen hatte, leer...

---

(Ende des zwöften Kapitels)

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