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Die Alte Ära: Kapitel 8 - Ins Innerste Equestrias ist mehrteilig! Der vorherige Teil der Reihe ist Die Alte Ära: Kapitel 7 - Durch den Krieg, und der nächste Teil der Reihe ist Die Alte Ära: Kapitel 9 - Die Ebenen der ewigen Stille.

Auf Sohle 37 des alten und längst stillgelegten Ziegenbergwerks unter Deep Down ruhte ein großer noch immer voller gammeliger Fahrzeuge stehenden Rangierbahnhof vor sich hin.

Hier herrschten neben ewiger Dunkelheit Rost, Schimmel und... Wärme, denn die unterirdischen Magmaströme waren nicht mehr weit entfernt.

Bergwerk.jpg

Nichts hatte in den letzten Jahren diesen Zustand der gespenstischen Stille unterbrochen - bis jetzt, denn gerade eben war eine Lore aus einem der Querschläge zwischen dieser und der 36. Sohle des Bergwerkes gedonnert und blieb mit kreischenden Bremsen kurz vor dem ehemaligen Schacht stehen, dessen Förderkorb mittlerweile durchgerostet und knappe zehn Meter in die Tiefe gestürzt war und dort im Schachtsumpf, dessen Pumpe schon vor Urzeiten ihren Betrieb aufgegeben hatte, vor sich hin rottete.

"Boar geil war das klasse!", quietschte Aurora begeistert und schwang sich aus dem Grubenwagen, "bitte Dad, lass uns das nochmal machen!"

"Nichts lieber als das...", grinste der Ziegenbock und zog die Bremse bis zum Anschlag fest, "ich bin jederzeit dabei... am lustigsten ist´s aber trotzdem, wenn Robert dabei ist - vielleicht kommt er mit, wenn wir ihn gefunden haben... und, wie fandest du´s, Sunset?"

"Mir... mir ist sooo schlecht...", stöhnte das goldene Einhorn und hielt den Kopf über den Lorenrand, "ich muss gleich kotzen..."

"Dann hat´s dir gefallen!", kombinierte der Ziegenbock ironisch, "und jetzt hab dich nicht so und beweg deinen Hintern aus der Lore - wir haben da noch jemanden zu finden!"

"Wenn das so einfach wäre...", jammerte sie, "mir ist so schlecht..."

"Warte mal eben...", kicherte der Ziegenbock, schlich sich auf die andere Seite des Förderwagens und löste die Kippvorrichtung aus.

Mit einem lauten Schrei entlud sich der Inhalt samt Sunset und Helm in den Jahrzehnte alten Grubenstaub auf den Boden.

Mühsam stemmte sich das Einhorn wieder nach oben und schnaubte wütend:

"Danke für deine direkte Art, echt mal! - Das geht auch anders, sonst überlege ich mir beim nächsten Mal, ob ich nicht lieber doch zuhause bleibe anstatt mir fast den Kopf an einem zu tief hängenden Balken ab zu fahren!"

"Och komm schon...", lächelte der Ziegenbock verschmitzt, "ich hatte euch vorgewarnt..."

"Na danke vielmals!", beschwerte sie sich, "aber dass ich weiß nicht wie oft geschrien habe, dass du das verdammte Ding mal bremsen solltest, ist dir wohl gekonnt am Arsch vorbeigegangen, oder?!"

"Ach das...", kam die süffisante Antwort, "tjaaa... das habe ich wohl aus Versehen überhört..."

"Du..."

"Hey, jetzt reichts mir mit eurer Streiterei!", ging Aurora entschieden dazwischen, "denn während ihr zwei euch hier angiftet, habe ich mir mal den Schacht angeschaut... und da ist kein Robert - dafür aber ein komischer Durchbruch..."

"Wie Durchbruch?", erkundigte sich ihr Vater verblüfft.

"So´nen Riss, mehr Spalt im Felsen... knapp über dem Wasserspiegel im Schacht unten - ich tippe, dass der Förderkorb den aufgerissen hat, als der abgeschmiert ist..."

Schnellen Schrittes verschaffte sich der Ziegenbock selbst ein Blick der Lage - und spätestens als er über das Dach der abgestürzten Kabine geklettert und einen Blick in den Riss in der Felswand geworfen hatte, war er sich fast sicher, dass dies kein durch Ziegenhuf entstandener Gang war... obwohl er die perfekte Durchgangsgröße hatte.

"Leute, diesen Stollen habe ich bis jetzt noch nie zuvor gesehen geschweige denn betreten...", rief er nach oben, "aber ich... ich denke, dass er uns zu Robert führen wird..."

"Stopp kurz!", fiel ihm Sunset ins Wort, "du denkst, dass er uns zu Robert führt, bist ihn aber selbst noch nie vorher gegangen?! - Was macht dich so sicher?!"

"Ich spüre es einfach...", schüttelte der Ziegenbock seinen Kopf, "dieser Stollen ist richtig..."

"Ohne mich!", stellte das goldene Einhorn sich quer, "vergiss es, ich mache ja vieles mit, aber ich quetschte mich nicht in einsturzgefährdeten Stollen herein und kriege zum Dank noch Steine auf die Rübe!"

"Dafür hast du einen Helm!", konnte sich Aurora es nicht verkneifen, "und mal ehrlich, wie hoch stehen die Chancen, dass du aus diesem Bergwerk ohne meinen Vater wieder heraus findest?"

Sunset lagen die passenden Worte auf der Zunge, doch sie verkniff sich den bissigen Kommentar und seufzte:

"Also schön, ihr habt mich, ich komme ja weiter mit... aber glaubt ja nicht, dass Atlanas euch nicht bei lebendigem Leibe flambiert, wenn ich vom einem Felsen erschlagen werde!"

"Dieses Risiko gehe ich gerne ein!", lachte der Ziegenbock und half Aurora zu sich hinunter, "also denn, auf ins Abenteuer!"

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Atlanas hatte jegliches Zeitgefühl verloren, während er immer tiefer in das schwarze Loch schwebte.

Sonata über ihm hatte ein paar Mal versucht, ihn zu einem Gespräch zu bewegen, er hatte nie wirklich reagiert... zu viele andere Dinge schwirrten ihm im Kopf herum und ließen ihm keine Ruhe.

Was sollte er Fluttershy sagen, wenn er nach Hause zurückkäme? - Was würde sie sagen? - Was würden die anderen sagen? - Und was war mit seinem kleinen Sohn, konnte er ihm das antun?

Er wusste es nicht...

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Der Gang war eng und Sunset bereute es jetzt schon, dass sie sich doch hatte überreden lassen mitzukommen... nach dem dritten Mal, als sie mit dem Helm gegen die niedige Decke geknallt war, hatte sie zu zählen aufgehört.

Vor ihr liefen Aurora und der Ziegenbock, denen die Kletterpartie nichts auszumachen schien und die ständig das Tempo erhöhten, sodass sie ihnen kaum noch folgen konnte - oder sich ablegte, weil sie zu schnell wurde und nicht mehr jedes Detail des Bodens wahrnahm.

Mürrisch schob sie sich durch einen besonders engen Abschnitt, als sich vor ihren Augen im schwachen Schein von drei Grubenlampen die Ausmaße einer großen Höhle abzeichneten und sie ehrfurchtsvoll neben ihren beiden Begleitern stehen blieb.

"Wow...", hauchte der Ziegenbock genauso ergriffen, "ich wusste gar nicht, dass es hier unten auch noch solche schönen Höhlen gibt - seht euch nur die Wände an!"

Die beiden Stuten sahen genauer hin - und entdeckten Edelsteine, die fast die komplette Höhle auskleideten.

"Wahnsinn!", staunte Aurora mit offenem Mund, "das... das ist... unglaublich schön..."

"Und keine Ziegen zuvor hat es jemals betreten...", war sich ihn Vater im Klaren und zog seine Tochter an sich heran, "wir sind die Ersten... kommt, lasst uns hier drinnen weitergehen..."

Er machte drei Schritte vorwärts, blieb unerwartet stehen und nahm seinen Helm vom Kopf, guckte verwirrt seine Lampe an, klopfte zweimal dagegen und leuchtete wieder nach vorne, aber nichts - vor sich schien sämtliches Licht von dem Schwarz der Finsternis verschluckt zu werden.

"Was ist mit der Lampe los?!", empörte er sich, "warum ist die an, macht aber kein Licht?!"

"Lass mich mal Dad...", bat Aurora und reichte ihm ihren Helm, "hier, probier mal meine..."

Er hielt die Lampe vor sich - und wieder blieb alles vor ihm schwarz.

"Warum... geht das nicht?!", fragte er sich kopfschüttelnd, "da stimmt doch irgendwas nicht..."

"Ziegenbock, würdest du mich bitte mal probieren lassen?", bot Sunset an, "vielleicht haben eure beiden Lampen was abbekommen..."

"Das bezweifle ich zwar, aber gut... probier du´s..."

Er trat einen Schritt zurück, drückte Aurora wieder ihren Helm auf den Kopf und begann an seiner Lampe herumzufummeln, als auf einmal ein Lichtschein vor seinen Augen explodierte und ihn blendete, ja, blendete.

Es war so heftig, dass er kurzzeitig überhaupt nichts außer tanzenden Sternen vor seinen Augen sehen konnte, bis sich seine Augen halbwegs an das nun in der Höhle herrschende Licht gewöhnt hatten und er sich auf dem Boden sitzend wieder fand.

Neben ihm stand Aurora und hielt sich den Huf vor Augen, wich jedoch keinen Millimeter von ihrer Position ab und presse hervor:

"Dad... gib mir die Sonnenbrille, schnell!"

Ohne lange darüber nachzudenken reichte er ihr die Brille und sie schon sie sich dankbar ausatmend vor die Augen.

"Danke... du solltest dir am besten auch eine aufsetzen..."

Er tat wie ihm geheißen und drehte sich anschließend in Richtung des Lichts um.

Und was er da sah ließ ihn vor Erstaunen erstarren:

Sunset befand sich inmitten eines großen Höhlenraums, dessen Wände über und über mit funkelnden Edelsteinen bedeckt waren und das Licht, dass Auroras Lampe auf das goldene Einhorn warf in allen Farben und tausendfach heller als der Leuchtturm von Fillydelphia in der ganzen Höhle verbreiteten.

Die Stute wusste überhaupt nicht, wie ihr geschah und verharrte regungslos.

Sie selbst nahm die Schönheit des Moments erst wahr, als sie die Strahlen zu wärmen begannen...

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Atlanas wurde so langsam unwohl zumute, weil der Schacht, in den er und Sonata da gerade schwebten bodenlos zu sein schien - und sollte dem so sein, würden sie Robert auch nicht unbedingt am Stück finden, falls sie wirklich noch einen Boden erreichen sollten...

Sonata schien diese Gedanken noch immer nicht zu teilen, fröhlich ein Lied nach dem anderen singend glitt sie über ihm in die schwarze Nacht des Berges hinein.

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Unterdessen hatte Aurora herausgefunden, wie man dank Sunsets goldenes Fell doch weiter durch die alles Licht verschluckende Höhle kommen konnte - sie und der Ziegenbock mussten ihre beiden und Sunsets Helmlampe auf das Einhorn richten und langsam im Gleichschritt vorwärts gehen, damit die Strahlen Sunset auch weiterhin trafen und durch sie und die Wände in alle Richtungen zurückgeworfen werden konnten.

Nach einigen hundert Metern passierte es schließlich - das Pegasusfohlen stolperte, hielt sich dabei instinktiv an ihrem Vater fest und brachte ihn aus dem Gleichgewicht - aber Sunset schimmerte, obwohl keine Grubenlampen mehr das nötige Licht lieferten, weiter, ja, es schien fast so, als würde sie die Lichtquelle sein...

Staunend half der Ziegenbock Aurora und und beide bewunderten das Farbenspiel vor ihren durch Sonnenbrillen geschützte Augen - an ihrer Freundin ein paar Schritte vor ihren Hufen glitzerte alles, von der Mähne bis zum Scheif, dazu die Edelsteine an den Wänden...

"Das ist Wahnsinn, oder?", freute sie sich und warf ihre Mähne nach hinten, "und das Licht wärmt sooo schön... hach..."

"Das ist mehr als schön...", konnte der Ziegenbock nur antworten, "das ist der Wahnsinn, vor allem weil du es bist, die jetzt leuchtet..."

"Das meinte ich doch!", quietschte sie zufrieden und ehe der General der Ziegenarmee es hatte irgendwie verhindern können hatte sie ihre Arme um ihn geschlossen und erdrückte ihn fast vor Freude.

"Oh, das ist so klasse hier, danke, dass du mich mitgenommen hast, danke!"

"Das... finde ich... auch...", quetschte der Ziegenbock hervor und schaffte es endlich wieder Luft zu holen, "puhhh, man hast du einen Griff..."

Das goldene Einhorn hörte ihm schon längst nicht mehr zu und hüpfte weiter durch die Höhle, tausende Regenbögen zwischen sich und den Wänden zaubernd.

Schnell folgten Aurora und der Ziegenbock ihr, auch wenn das nicht mehr unbedingt notwendig war, da die Kristalle erst nach einiger Zeit wieder erloschen.

Und während sie weiterzogen, fragte sie der General der Ziegenarmee auf ein Neues, was das hier für ein seltsamer Ort war...

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Atlanas Panik verstärkte sich mit jedem Meter, den sie weiter in die Tiefe schwebten, mehr und mehr.

Wie sollten sie hier jemals wieder herauskommen, gut, er hätte Sonata auf dem Rücken tragen können, aber die Distanz - und immer gerade nach oben zu fliegen war auch nicht grade ein Stil, den er gut konnte...

Was würde Fluttershy tun, wenn er nicht zurückkäme? - Und was würde aus Schneemond werden?!

Und was aus Sunset?, flüsterte ihm eine leise Stimme zu, du hast mir etwas versprochen...

"N... Niben?", fragte er zaghaft in die dichte Dunkelheit, "bist... bist du hier?"

Nein... ich liege noch im Krankenhaus... aber mein Geist ist überall... doch lange wird er euch nicht mehr begleiten können...

"Wieso?"

Ihr kommt bald in eine Tiefe, die so voller uralter Magie ist, dass kein Gott dieser Welt außer meines Vaters in sie eintauchen kann... eine Magie, die so stark ist, dass jedes Einhorn, das sie nutzen kann ungeahnte Kräfte entwickeln wird...

Sunset!, schoss es Atlanas durch den Kopf.

"Sunset ist schon da unten?!"

Sie ist es..., wisperte die Stimme, und sie hat diese Kräfte bereits in sich gespürt...

"Was nun?!"

Ihr müsst euch beeilen... sonst kann sie unberechenbar werden...

Genauso plötzlich, wie Atlanas Niben vernommen hatte verschwand dieses Gefühl wieder, und als er einen hastigen Blick nach oben warf, erspähte er eine fast durchsichtige Gestalt mitten im Schacht schweben und ihm mit dem linken Huf zuwinken.

Niben konnte nicht tiefer - sie hatten die Schicht der alten Magie erreicht...

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Sunset war die erste, die die riesige Höhle erreichte und ihre Ausmaße auf den ersten Blick kaum fassen konnte.

"Irre...", entfuhr es Aurora neben ihr, die ebenfalls gestoppt hatte, "habt... habt ihr jemals in eurem Leben sowas Schönes gesehen?"

"Wohl kaum...", hauchte der Ziegenbock ergriffen, "das ist unbeschreiblich..."

Und während die drei Freunde da standen, bahnte sich der goldene Schimmer des Einhorns in ihrer Mitte bis in den letzten Winkel der Höhle aus und verwandelte die sonst in tiefster Schwärze liegenden Räume und Gänge in eine schillernde Perle tief unter der Erde.

Überwältigt von der schier endlosen Pracht dieses Paradieses spürte der Ziegenbock nicht, wie er wie von Geisterhand seine Hufe hob und langsam vorwärts trabte, Aurora und Sunset hingegen schon, doch es war ihnen, als wären sie am Boden festgewachsen und komplett unbeweglich.

Inmitten der großen Haupthalle stoppte ihr Freund und Vater schließlich und kam wieder voll zu Sinnen, kaum hatte er sich halbwegs wieder gefasst, vernahm er Stimmen - fremde Stimmen.

Verwundert drehte er sich zu Sunset und Aurora um, doch die beiden hatten ihre Münder geschlossen und guckten ihn genauso verwirrt an wie er sie.

Ziegenbock..., hörte er es wieder, hab keine Angst vor uns...

"Wer seid ihr?!"

Wir sind deine inneren Stimmen... unterdrücke uns nicht, lass uns frei... wir wollen dir etwas erzählen...

"Wieso höre ich euch dann?"

Weil die Magie hier unten uns erlaubt, unsere Stimmen zu erheben..., wisperten sie, es ist diese Höhle, die uns erlaubt zu dir zu sprechen...

Er entgegnete nichts, ließ sich auf dem warmen Stein nieder und schloss die Augen.

Gut... Ziegenbock... du sollst wissen, dass dein Leben ein gutes und prächtiges war... so wie es dir zugestanden hätte... du hast deinen Bruder immer beschützt, du warst immer für ihn da - mehr als jeder andere. Erinnere dich an die Normandie, erinnere dich an Paris, an Remagen, an Canterlot... es war der Beginn einer neuen Ära für Equestria. Ihr beide habt unbewusst mehr beeinflusst als irgendjemand sonst auf dieser Welt... fast niemand. Denn dieser Ort ist nicht durch Zufall entstanden, hier ruht ewige Magie... ewige, jahrtausendalte Magie. Kein Gott dieser Welt kann ihr Herr werden, aber ein einfaches Einhorn kann es... und es kann dir damit deinen größten Wunsch erfüllen... lass nun deine Tochter und Sunset hierher kommen, auch ihnen möchten wir etwas erzählen...

Genauso plötzlich, wie die Stimmen gekommen waren, verschwanden sie wieder und er erwachte aus seiner Trance, richtete sich langsam auf und murmelte:

"Sunset... Aurora... kommt zu mir..."

Mit wenigen schnellen Hufschritten waren die beiden bei ihm und knieten sich besorgt neben ihn.

"Dad, alles in Ordnung bei...?"

Der Satz blieb unvollendet, weil sie nun auch ihre und Sunsets Augen schlossen und der Ziegenbock wieder im Strudel der ewigen Magie versank...

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Atlanas wusste, dass sein Ende nah sein musste.

Seine und Sonatas Lampe hatten den Dienst quittiert und ließen die beiden ohne jegliches Licht weiter den Schacht hinunter segeln - mit Sicherheit würde er gleich gegen die Wand krachen und abstürzen und...

Sonata musste das gleiche denken, denn sie war noch über ihm und schrie unentwegt panisch nach ihm... er konnte vor Angst um sein und ihr Leben nicht antworten.

In diesem Moment flogen Bilder und Geräuschfetzen durch seinen Kopf, er erkannte den Schatten vor sich, der ihm seinen rechten huf abgeschlagen hatte, dann Nightmare Moon, wie sie über Roberts Leiche stand, Niben, wie er Ponyville verwüstete und Sunset Shimmer, wie sie ihm eine Pistole an die Schläfe hielt...

Sunset!

Er würde sie nicht finden können, wahrscheinlich steckte sie selbst hier unten irgendwo fest, vermutlich auch der Ziegenbock und Aurora...

Falls er sie jemals wieder sehen würde, wäre das erste, was er tun würde, sich bei seinem Freund für die Bemerkung im Wald in aller Form zu entschuldigen... wenn...

Ein Schauer lief ihm über den Rücken, doch dabei blieb es nicht - ihm wurde eiskalt und wilde Krämpfe durchjagten ihn, bevor er das Bewusstsein verlor und hilflos in das endlose Schwarz eintauchte...

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Als Aurora müde ihre Augen aufschlug und ihren Kopf etwas hob, bemerkte sie ihren Vater neben sich, der auch wieder erwacht war und sie lächelnd anguckte.

"Na mein kleines Nordlicht, hat sich´s ausgeträumt?"

"Geht so...", gähnte sie verschlafen und streckte sich, dass ihre Wirbelsäule knackte, "oh man, was waren das für Träume?!"

"Ich weiß es nicht...", meinte ihr Vater und strich ihr liebevoll über die linke Schulter, "aber ich bin mir sicher, dass sie durch die ewige Magie hier unten ausgelöst wurden... das dies der Weg in unser Innerstes war, von dem Zecora gesprochen hat..."

"Du meinst, dass diese Dinge, die ich gesehen habe... gut waren?"

"Ja, das denke ich...", lächelte er, "und ich bin mir sehr sicher, dass sie mir Robert nicht umsonst gezeigt haben - er ist hier in der Nähe, und wir werden ihn finden!"

"Das mit dieser ewigen Magie... wie denkst du kommt die hierher?"

"Das kann ich nicht sagen...", fuhr der Ziegenbock fort, "meine Theorie ist, dass dieser Bereich der Erde der Grund ist, weshalb es Magie überhaupt gibt - diese Magie fließt durch das Gestein nach oben und gibt den Einhörnern die Kraft, die sie täglich nutzen..."

"Hm...", machte Aurora und schüttelte sich, "was meinst du - könnte es hier nicht etwas geben, das diese Magie "produziert"?"

"Schon möglich...", antwortete ihr Vater, "vielleicht gibt es Steine, die sich in Magie umwandeln... ich, ich weiß es einfach nicht, und ich will mir jetzt auch nicht den Kopf darüber zerbrechen... komm, lass uns weitergehen..."

"Ohne Sunset dürfte das wohl nix werden...", grinste des Pegasusfohlen und deutete auf die schimmernde Stute neben sich, "und die sieht nicht so aus, als sei sie schon wach..."

"Dann sollten wir warten..."

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Nach einer halben Ewigkeit war der Ziegenbock kurz davor Sunset einfach wachzurütteln, aber er sah davon ab und lenkte sich mit einem Blick nach seiner Tochter ab, die die große Höhle als Flugübungsplatz nutzte und wild zwischen den großen Kristallen und Säulen umher schoss.

"Huiii...", johlte sie und nahm eine Abkürzung durch einen kleinen Tunnel, "man, ist das geil hier zu fliegen!"

"Freut mich...", lächelte ihr Vater gequält und versuchte wieder einzuschlafen, als er ein ersticktes Schnarchen und eine Regung neben sich spürte und Sunset anguckte, die endlich langsam ihre Augen öffnete und seinen Blick erwiderte.

"Hey... ihr seid schon wach?"

"Jop, schon ziemlich lange...", knurrte er gereizter als er wollte, "aber wir haben dich schlafen lassen..."

"Oh, vielen Dank...", hauchte sie und streckte ihre eingeschlafenen Beine von sich, "dieser... Traum... war wunderschön..."

"Das freut mich aber..."

"Ja, da konnte ich fliegen!", begann sie begeistert, "und ich... ich..."

"Du was?!"

"Na ja...", zögerte sie, "ich... ich war schwanger... und bin es gerade auch..."

Der Ziegenbock war mit einem Schlag hellwach und riss die Augen auf.

"Was?! - Ernsthaft jetzt?!"

"Ja, das konnte ich spüren... mein Fohlen war mir so nahe..."

Der General der Ziegenarmee war geschockt - eine schwangere Stute auf einer halsbrecherischen Mission tief unter der Erde! Heilige Arriva! - Und vom wem das Fohlen in ihr war wusste er nur zu gut...

"Das... ist toll!", überspielte er seine Ängste und schüttelte ihr den Huf, "wirklich klasse, aber wir müssen jetzt weiter, ok? - Damit du hier auch so schnell wie möglich raus bist!"

Er zog sie ruckartig auf und mit sich, bis sie einmal kräftig an seinem Arm zog und ihn anfuhr:

"Ey, nur weil ich schwanger bin heißt das noch lange nicht, dass du jetzt Panik schieben musst - es ist noch überhaupt keine Sache für mich, und außerdem hatten Atlanas und ich letzte Nacht..."

"Diese letzte Nacht ist schon knapp eine Woche her!"

"Na und?", konterte sie, "trotzdem sollst du den Kopf jetzt nicht verlieren, ich kann gut auf mich selber aufpassen!"

"Aber ich bin ein Bock und mache mir Sorgen um alle Stuten in meiner Herde, besonders wenn..."

"Schon gut!", grummelte sie, "also, wenn das so ist, dann bring mich erst nach Hause und such dann weiter, ok? - Ansonsten komme ich mit, ob dir das dein verdammter Instinkt sagt oder nicht!"

"Meine Fresse!", beschwerte sich nun Aurora, die gerade eben aus einem der Tunnel gekommen war, "ihr zwei geht mir mal echt wieder auf den Keks - dabei ist die Lösung des Problems so einfach..."

"Wie, die Lösung?", fragten die beiden erstaunt im Chor.

"Tja... ich glaube, dass wir am Ziel sind... hier vorne ist ein Schacht..."

---

Atlanas Kopf pulsierte dumpf im gleichmäßigen Takt des Pulses, als der Pegasus aus seiner Ohnmacht erwachte.

Mühevoll öffnete er seine Augen - und erspähte einen schwachen Lichtschein weit unter sich.

Schon wollte er freudig aufschreien, doch ihm würde klar, dass das da unten vermutlich Magma war... flüssige Magma... tödliche, 1000 Grad heiße Magma!

Vollkommen von seinem Fluchtinstinkt geleitet riss er hektisch an den Seilen seines Fallschirms herum - als er plötzlich wieder eine Stimme vernahm...

Lass dich treiben, Atlanas... gib dich deinem Innersten hin...

"Niben?", fragte er verunsichert.

Wir sind nicht Niben..., flüsterten die Stimmen, wir sind deine inneren Stimmen... lass dich von uns leiten...

"Warum sollte ich das tun?! - ICH STERBE SONST!!!"

Weil wir dich nicht belügen würden... ebenso wenig wie du deine Fluttershy...

Das saß, und zwar so fest, dass er nicht entgegnen konnte und einfach nur hauchte:

"Ja, ich vertraue euch..."

Dann lass dich treiben...

Er tat es.

Immer weiter auf das Licht zu...

---

Aurora trat allen voran in den Schachtgrund und blickte nach oben.

"Das müsste er sein...", nickte ihr Vater bedächtig, "aber Robert ist nicht hier..."

"Hm...", kam es von Sunset, "ich weiß ja auch nicht..."

"Das kann doch nicht wahr sein!", jammerte der Ziegenbock unvermittelt los, "verdammt, wo kann er denn sonst sein?!"

Ohne Kontrolle über seinen Körper kippte er auf der Stelle um und begann hemmungslos zu weinen.

Aurora war als erste bei ihm und drückte seinen Kopf ganz fest an sich.

"Dad... es ist nicht deine Schuld, dass er nicht hier ist... es tut mir so leid..."

Er schniefte laut auf und heulte:

"Das gibt mir meinen Brunder auch nicht zurück... ich habe versagt, ich war nicht für ihn da, ich habe ihn nicht vor Overlord beschützen können, ich..."

Er stoppte mitten im Satz und sperrte seine Ohren auf, denn er hatte soeben etwas ganz schwach vernommen.

"Ziegenbock, was... ?"

"Pssscht!", machte er, "hört mal... ich hör da doch was..."

Die beiden blickten sie verwundert an, taten aber wie ihnen geheißen, lauschten und sahen nach oben.

"Da... da ist was...", bemerkte Aurora erstaunt, "mensch, das ist doch..."

"ATLANAS!!!", schrie Sunset höchst erstaunt und voller Freude, "ATLANAS, HIER SIND WIR!!!"

Der Pegasus hörte die Rufe seiner Freundin sofort und guckte nach unten - vor Freude fiel ihm ein Stein vom Herzen.

"SUNSET!!!", schrie er glücklich, "ENDLICH HABEN WIR DICH GEFUNDEN!!!"

---

Keine zehn Sekunden später landete und wurde von den drei am Boden befindlichen Freunden mit größter Begeisterung empfangen.

Am lautesten dabei war Sunset, die gar nicht aufhören wollten ihren Hengst zu küssen.

Aurora und der Ziegenbock traten zurück und ließen den beiden Ponys ihre feurige Liebe ganz für sich allein.

Gerade als der mehr als zufriedene Vater seiner Tochter ein "Hach, diese Liebe immer..." zu raunte, knackte es auf einmal bedrohlich unter seinen Hufen und ließ ihn und alle anderen zu Eisklötzen gefrieren,

"W... was war das?", zitterte Aurora am ganzen Körper, "Dad... warst du das?!"

"N... nein...", stotterte er und der Schweiß begann im auf die Stirn zu treten, "aber ich ahne was das war - und das gefällt mir ganz und gar nicht..."

"Was zum Henker ist hier los?!", wollte nun auch Atlanas wissen und machte einen Schritt zu Wand hin.

"NICHT GEHEN, BLEIBT ALLE STEHEN WO IHR SEID!!!", kreischte der Ziegenbock entsetzt, "WIR STEHEN AUF EINER DÜNNEN KRISTALLSCHICHT, DIE JEDEN MOMENT ZERBRECHEN KANN!!!"

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Keiner rührte auch nur einen Huf, als die Worte des Ziegenbocks den Schacht hinauf hallten und ein gespenstisches Echo zurückwarfen.

"Heilige Luna...", entfuhr es Sunset, "und... und was ist da unten?!"

"Das weiß ich nicht, und ich will es auch nicht erfahren...", keuchte der Ziegengeneral und wandte sich an Atlanas, "Atlanas, falls das hier bricht, musst du Sunset tragen, ok?"

"Ja... ja ist gut!", nickte er schnell und war schon im Begriff das Einhorn auf seinen Rücken zu ziehen, als der Ziegenbock ihn jäh unterbrach:

"BIST DU DES WAHNSINNS?!?! - WENN DU DEIN GEWICHT AUCH NUR UM EINEN ZENTIMETER FALSCH VERLAGERST, BRICHT HIER ALLES IN SICH ZUSAMMEN!!! - Nimm sie in deine Arme, aber vorsichtig... diese Schicht scheint hauchdünn zu sein!"

Sein Freund bewegte seine Arme wie in Zeitlupe zu ihr hin und umschloss seine Freundin, der die Tränen der Dankbarkeit das Gesicht hinab flossen.

"Alles wird gut...", versuchte Atlanas sie zu beruhigen, "alles wird gut, meine Kleine..."

"Also Leute...", rief der Ziegenbock nun, "ich zähle jetzt bis drei, dann heben wir alle gleichzeitig ab, alles klar?!"

"Verstanden Dad!", kam es von Aurora, "ich bin bereit..."

"Ok...", stimmte auch Atlanas zu, "wir können... schnell weg hier..."

"Gut, dann... eins... zwei... dr..."

Ehe er die Worte komplett hatte aussprechen können, bemerkte er, dass Aurora ihren Blick starr nach oben gerichtet hatte, ihr Pupillen waren winzig geworden und ihre Ohren hingen flach herunter.

Er richtete seinen Blick in die Richtung des ihrigen und riss vor Schreck Mund und Augen auf.

Bevor er in irgendeiner Form reagieren konnte, knallte die bewusstlose Sonata mitsamt den Resten ihres Fallschirms in der Mitte des Schachtes auf den Kristall und versetzte der bröckeligen Schicht den letzten Rest - mit einem lauten Krachen zerriss der Boden unter ihren Hufen mehrfach der Länge nach und riss sie alle in den schwarzen bodenlosen Abgrund.

Und während der Ziegenbock fiel, dachte er ein letztes Mal an all das, was er in dieser Welt so schrecklich vermissen würde, an seine Applejack ganz besonders.

Dann verschluckte auch ihn die Ohnmacht des Falles...

---

(Ende des achten Kapitels)

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