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Die Untergrundeisenbahnerinnen

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Deckung, KRIEEECH!!!

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Die folgende Ponypasta enthält Abschnitte mit kriegerischen Auseinandersetzungen, massiver Gewalt und viel Blut; lies sie dir also nur durch, wenn du dir der Inhalte bewusst bist und nicht gleich in Ohnmacht fällst, wenn du dir das Knie aufschlägst!


Es war ein wunderschöner Tag in Eq... nö, in Mitteldeutschland! Die Sonne brutzelte für einen Oktobertag noch ganz schön auf die Erde runter, auf Bäume, ein paar kleine Häuschen, und natürlich einen Audi Roadster TT, der mit offenem Verdeck und Karacho ordentlich die bunten Blätter von der Straße fegte. Aus den Boxen dröhnte Pendulum mit Fasten your Seatbelts!, die Tachonadel schrammte immer schön an den erlaubten Hundert pro Stunde, die Beifahrerin hing weit mit dem Kopf über den Fahrbahnbegrenzungspfosten und hatte ihre Pilotenbrille tief über die Augen gezogen: "Awww year, ist das abgefahren und sooo schön warm heute!"

"Echt ma!", grinste Sugarcoat vom Steuer und schnitt spielerisch eine Kurve einen Ticken schärfer als üblich, "und ich freu mich nochma baden zu gehen im See - Lemon hat hoffentlich das Wasser nicht zu sehr abkühlen lassen!"

"Nach der Hitze dieses Jahr wohl kaum! Und nach dem Wettkampf in Leipzig schreckt mich nichts mehr ab, das war so... boar, sowas von voll krass und abgefuckt, ey!"

"Is echt so - hey, nimm lieber deine Rübe rein, wir sind gleich in Amsdorf, nicht dass ich dich noch irgendwo an ner Häuserecke abrasiere!"

Kichernd rauschten die Hühner weiter.

---

Röblingen am See, am See

Vor einem großen alten Bauernhaus hielten sie an und stiegen aus: "So, da wären wir... na, mein Kopf ist ja doch noch dran...", ein Fußball zischte nur Millimeter an Sugarcoats Kopf vorbei und knallte Indigo auf die Zwölf, die erschrocken auf dem Kies der Einfahrt landete - da kamen auch schon die Zest-Zwillinge um die Hausecke aus dem Hof geschossen und versuchten jeder der erste bei ihrem Spielzeug zu sein: "ICH HAB DEN BALL!!!" - "NEIN ICH!!!" - "NEIN ICH!!!" - "NEIN... oh, ähm, DU HAST!!!"

"Grrr!", knurrte die Gefoulte sauer und die beiden gingen auf Sicherheitsabstand, "wenn ich das Ding nochmal gegen die Birne kriege, dann schieße ich euch, jeden einzeln, im hohen Bogen in den See rein!" Zur Demonstration bolzte sie das Ei dann noch einmal weit in die große Obstwiese hinein, ihre Freundin klingelte schonmal, Mama Zest machte auf: "Oh, hallo ihr zwei, schön euch zu sehen - Lemon ist hinten!"

"Danke danke - ach ja, und schönen Gruß von meiner Mutter, sie freut sich schon auf den Brunch am Samstag!"

"Jo, von meiner auch, na ja, ja!"

"Dann ist's ja gut, ich wollte sie sowieso noch einmal anrufen... na ja, dann viel Spaß euch Dreien!"

"Danke, und bis denne!", lachten sie und machten sich bester Laune auf den Weg zu Lemons Bude.

---

Die Bude war mal ein Bagger gewesen - ein ziemlich großer Schaufelradbagger um genau zu sein, und er überragte den ganzen See, aus dem zwar nie gefördert worden war, aber er war halt da - na ja, hergeschafft worden aus dem angrenzenden Geiseltal... warum? ... das wusste keiner so genau, er war halt da, gut war! Und im Mittelteil wohnte Lemon seit nun fast zwei Jahren, hatte einen Mordsblick über die ganze Gegend und obendrein der weltbesten Sprungturm ins kühle Nass - denn was die Bandanlage zum Verladen über Land hing ragte das gewaltige Rad über das Wasser! "Indigo, Sugar!"

"Lemon!" - und schon lagen die drei besten Freundinnen sich in den Armen: "Oh Mädels, ich hab euch echt vermisst!"

"Herbstferien sind auch was Schlimmes, wa?"

"Och hör uff du! - Ist halt keine Schule, aber grade da... seit dem Sommer, ich könnte jeden Tag von früh bis spät da sein!"

"Geht mir aber ähnlich, es ist echt... der Wahnsinn!", feixte die Sportlerin und warf einen Blick auf den gedeckten Tisch, "sach bloß du willst uns wieder mit deinen köstlichen Keksen vollstopfen?!"

"Na logo, hab ich extra nur für euch gebacken - aber erst ne Runde Schwimmen, wa?"

"Au ja!"

---

Schnell die Badeklamotten an und raus auf die Schaufel: "Auf drei... eins, zwei, drei!"

Platsch! - Platsch! - Platsch!

Lange plantschten sie im See, spritzten sich nass, tauchten, schwammen, spielten Wasserball... irgendwann trieb der Kohldampf auf Kekse sie aber doch wieder rein, und so saßen sie beisammen über den wogenden Wellen und futterten sich voll: "Boar, lecker!"

"Hab ja auch ich gebacken, mit extra viel Liebe!"

"Naw, du bist meine Heldin!"

"Awww, wie süß, danke Sugar!"

"Was wollen wir eigentlich den Rest des Tages noch machen?", warf Indigo in die Runde, "habt ihr ne gute Idee?"

"Hm, bis jetze noch nich, ich..."

Dring! - "Oh, Telefon, ich bin gleich wieder da!"

---

Lemon nahm ab: "Ja, Lemon Zest an der Leitung, wie kam'ma Ihnen helfen?"

"Tach Lemon, hier ist Sonea."

"Die Sonea?!"

"Yupp, die aus Down Under - du sache ma... haste heute zufällig watt vor?"

"Ähm, ich habe Besuch da - Indigo und Sugarcoat..."

"Hm, na ja, datt ginge auch - wir ham nämlich nen kleines Problem..."

"Schieß los!"

"Ein Agent trifft sich heute in Eisleben mit einer oder mehrerer unbekannter Personen, dabei soll vermutlich ein Koffer übergeben werden, den Inhalt kennen wir nicht, gehen aber davon aus, dass es um modernste Waffensysteme von unermesslichem Wert geht - nicht nur in Anbetracht der momentanen Lage auf eurer Erde, sondern auch, weil diese Waffen in der Lage zu sein scheinen einen Krieg blitzartig zugunsten einer Seite zu entscheiden... wir müssen sie unbedingt sicherstellen, haben aber keine Untergrundeisenbahner in der Nähe geschweige denn vor Ort..."

"Du meinst, ich soll...?"

"Das wäre wirklich eine ganz ganz große Hilfe, wenn du das könntest!"

"Hm, meine Freundinnen - ach was, weißte was, die wissen doch sowieso schon Bescheid über euch, die nehm ich einfach mit und dann hat sich das, außerdem hat Sugar ihren Audi vor Ort, das vereinfacht die Fahrerei erheblich, und zu dritt fallen wir noch weniger auf!"

"Perfekt, vielen Dank dir!"

"Keine Ursache, und nur den Koffer?"

"Nur den Koffer, ich hoffe, dass ihr das ohne große Schwierigkeiten hinbekommt, aber das weiß ich doch - und viel Erfolg, Equestria setzt auf euch!"

"Jop, denn bis denne."

"Bis denne, tschau tschau!"

---

Mit verkniffenem Lächeln setzte sich das Mädchen mit den grünen Haaren zurück zu ihren Freundinnen, die natürlich sofort bemerkten, dass sie etwas beschäftigte: "Was ist denn passiert, wer war das und was hat er gesagt?"

"Sonea war's... die Prinzessin-Sonea, die mit der halben Bajonettfrisur!"

"Ach die - da leck mich doch, was will die denn von dir?"

"Na ja... wisst ihr, als ich damals in Equestria war hat Jack mit mir auch einmal einen Ausflug in die Kaserne von Down Under gemacht, und da fragte man mich, ob ich nicht Lust hätte auch mal hin und wieder... Kleinkram zu erledigen... hier."

"Als Geheimagentin oder was?!"

"Mhm...", nickte Lemon nachdenklich, "und jetzt kam Sonea halt an und hat mich gefragt, ob ich nicht einen Koffer... *erzähl* ... ja!"

"Na sicher machen wir das!", lachte Indigo abenteuerlustig und sprang auf, ihre Faust krachte auf den Tisch, dass Sugarcoat zusammenzuckte, "nen Koffer zu klauen, also jetz aber, das machen wir doch mit links!"

"Na, ich weiß ja nich...", überlegte die Dritte im Bunde laut, "das scheinen mir keine kleinen Taschendiebe zu sein, das sind die ganz großen Schurken!"

"Och komm schon, sooo stark unterscheiden die sich auch nicht!"

"Wenn du das sagst..."

"Sugar, ich zwinge dich nicht, aber ich werde es tun - das schulde ich unseren Freunden, sie haben uns damals echt vor dem Untergang bewahrt... nicht auszudenken was alles hätte passieren können!"

"Sehe ich auch so - Lemon, wann fährt der nächste Zug nach Eisleben?"

"Quatsch, ich fahr euch.", lenkte Miss Unsicher dann doch ein, "aber ich bleibe im Auto sitzen, und keine wilden Verfolgungsjagden bitte, mein Audi soll noch etwas länger leben als der letzte!"

Da mussten sie doch alle lachen!

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Eine halbe Stunde später

Sie kamen gut durch und bis direkt an ihr Ziel, dem Marktplatz. Lemon whatsappte mit Sonea, die ihnen die genauen Daten durchgab: "Also, die Zielperson sitzt draußen in einem Lokal, der Koffer befindet sich vermutlich bei ihr, genau zu erkennen ist es aber nicht."

"Jut, wir sind da und fast dran - melden uns sobald wir ihn haben, bis gleich!", antwortete die Röblingerin und stupste Sugarcoat an: "Park ma hier, Indigo, wir machen uns auf die Socken!"

"Passt mir auf euch auf, mir ist echt nicht wohl dabei..."

"Du alter Angsthase, da passiert schon nix!", stichelte Indigo und hüpfte demonstrativ über die Tür, was ihr einen bösen Blick von ihrer Freundin einbrachte, der ihr dann aber auch grad relativ yolo war - das würde gleich was geben, ohhh year!

Und schon waren die beiden Mädchen zwischen den anderen Menschen verschwunden.

---

Das Eiscafé Madeira bot keine freien Tische mehr, zu viele Schleckermäuler wollten sich die letzte süße Verführung des Jahres selbstverständlich nicht entgehen lassen und belagerten alles im Unkreis von locker fünfzig Metern, Lemon und Idigo ergatterten mit Mühe und Not ein Stückchen freier Hauswand auf der gegenüberliegenden Straßenseite, vor wo aus sie einen erstklassigen Blick auf das Gewusel hatten: "Da isser!"

War auch nicht schwer zu erkennen, ihr Mann, mit Mantel, Hut und verspiegelter Sonnenbrille saß er da ganz alleine an einem Vierertisch, den er vehement gegen alle anderen Kunden verteidigte, schwitzte und süffelte lustlos an seinem Latte Macchiato herum: "Jo, der ist auf jeden Fall eins nicht - unauffällig."

Die Kellnerin kam und fragte freundlich nach weiteren Wünschen, er lehnte ab und beglich wortlos seine Rechnung, gab Trinkgeld und versank wieder in sein Desinteresse für die Umgebung: "Was hat der vor?"

"Gute Frage... hey, schau mal da, die vier großen Typen, die scheinen nicht des Bummelns wegen hier zu sein!"

Und tatsächlich, die Männer traten neben den Tisch, der Agent erhob sich und trat in ihre Mitte, so ging die Eskorte weiter: "Verdammt, er hat den Koffer und Bulldoggen um sich herum!"

"Was machen wir jetzt?!"

"Sie abpassen und uns den Koffer holen?"

"Gute Idee!"

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Betont unauffällig nahmen sie die Verfolgung auf, die geradewegs zurück zum Parkplatz von Sugarcoat ging - das gab's doch gar nicht, der schwarze SUV parkte genau hinter ihr! "Ey Mädchen, mach ma Platz, du hast uns zugeparkt!"

Die war natürlich nicht minder überrascht und bekam vor lauter Schreck ihren Audi nicht gestartet, dem Agenten dauerte das wohl zu lange, einen missbilligenden Blick auf seine Rolex werfend stellte er den Koffer an einer Straßenlaterne ab und trat neben sie: "Aber bitte doch keine Eile - WENN'S GEHT EIN BISSCHEN PLÖTZLICH, ICH MUSS HEUTE NOCH NACH ZEITZ UND WILL HIER KEINE WURZELN SCHLAGEN!!!"

"Das ist unsere Chance!", zischte Indigo und flitzte los, "Treffpunkt ist die Kreuzung am Stadtpark, lotz Sugar da hin, ich kümmere mich um die Dokumente!"

Was gab es da noch zu sagen! ... na ja, musste sich Lemon eingestehen, als sie eine ganze Horde Typen hinter ihrer Freundin her rasen und die andere mit locker Tempo Siebzig durch die Fußgängerzone brettern sah, das konnte ja kaum krasser kommen, oder?!

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Eine halbe Stunde später

Der Platz war ideal, mitten in einem dichten Busch - schon zweimal hatte ein verdächtig schwarzer SUV die Gabelung der Bahnhofsstraße passiert, ein Roadster TT sich bislang aber noch nicht blicken lassen. Ihr Handy summte in ihrer Hosentasche, eine WhatsApp-Nachricht von Indigo: Komm zum Russenfriedhof gleich um die Ecke

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Friedensstraße, gleich umme Ecke

Die letzten paar Meter über freies Feld gab Lemon alles, an der Ecke warteten ihre Freundinnen schon: "Los, mach hinne, die sind überall!"

Über die Tür hüpfte sie auf den Rücksitz, Sugarcoat ließ die Reifen qualmen und legte einen astreinen Kavalierstart hin, mit Karacho zog sie ihr Auto die Querfurter Straße hinauf, über Neckendorf auf die B 180, wo sie den Fuß vom Gas nahm und erleichtert ausstieß: "Wir sind raus, wir haben's geschafft!"

"Indigo, das war erste Sahne!", lobte Lemon nicht minder glücklich, "menschenskind, wie du... einfach irre!"

"Ach, immer wieder gerne, ich weiß doch nicht wohin mit meiner ganzen Energie!", lachte die und stopfte sich ein paar Gummibärchen in den Mund, "willste auch welche - hab ich vorhin noch eingekauft, die sind alle an dem Geschäft vorbei gerannt, mindestens zweimal!"

"Genial, mich haben sie auch nicht ges..."

"LEMON, VON HINTEN!!!"

RUMMS!!!, rammte die drei ein Lieferwagen, der Audi brach nach links weg und kam auf die Gegenfahrbahn, nur um Haaresbreite entging Sugarcoat durch eine haarscharfe Lenkung dem Gegenverkehr, welcher selbst im Graben landete: "GIB GAS SUGAR, GIB GAS!!!"

Und die gab alles, beschleunigte auf satte 140 Sachen und jagte über den Asphalt, wagte mehrere waghalsige Überholmanöver und ging nicht einmal vor Querfurt vom Gas: "AMPEL!!!"

"DU MUSST LINKS, LINKS!!!"

"AUF DIE UMGEHUNG, BIST DU IRRE, DA ERWISCHEN SIE UNS DIREKT!!! WIR MÜSSEN DURCH DEN ORT, DA HABEN WIR EINE REELLE CHANCE!!!"

"BIST DU -", schon waren sie drüber, "NA GUT, ABER PASS AUF UNS AUF, ICH VERSUCHE MAL EINEN VON DENEN ZU ERWISCHEN!!!", Lemon zog sich ihre Mauser C96 aus der versteckten Gürteltasche und hielt Indigo die zweite hin: "LOS, NIMM SCHON, WIR KÖNNEN JEDEN ZIELSICHEREN SCHÜTZEN GEBRAUCHEN!!!"

Doch die blockte ab: "VERGISS ES, ICH HABE MIR IN LEIPZIG GESCHWOREN NIE WIEDER EINE WAFFE IN DIE HÄNDE ZU NEHMEN, UND DABEI BLEIBT'S AUCH!!!"

"INDIGO, ES GEHT HIER UM UNSER LEBEN!!!"

"ICH... ich... ICH KANN DAS EINFACH NICHT, ICH KANN ES NICHT!!!"

"NA SCHÖN, ICH KANN - SUGAR, VERSUCH DIE KISTE RUHIG ZU HALTEN, ICH KANN KAUM ZIELEN!!!"

"LEICHTER GESAGT ALS GETAN!!!", durch die besonders scharfe Kurve Merseburger Straße/ An der Geistpromenade schlitterten sie über den heißen Teer, Gummifetzen von den Reifen zierten den schwarzen Stein mit vier noch schwärzeren Schleifspuren, die Fahrerin schaltete hoch in Gang Sechs, Kupplung los, Gas voll durch - ab die Post, raus aus dem Kaff!

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Jetzt wurde es erst so richtig pervers: Die Straße war weitestgehend frei - die Polizei hatte via Verkehrsfunk bereits die meisten Autofahrer erreicht und umfassend gewarnt, dass eine mordsmäßige Verfolgungsjagd in und um Querfurt in Gange war und sich wahrscheinlich auf der B 180 fortsetzen würde -, ausgebaut und breiter - die Motoren röhrten, die SUVs holten auf, Lemon feuerte aus allen Rohren, Indigo rang fiebrig auf dem Beifahrersitz mir sich selbst, Sugar waren vor lauter Tempo die Tränen ausgegangen, die Tachonadel nagte an den Zweihundert: "LEMON, KOMMEN SIE NÄHER?!?!"

"NUR WENIG, ICH HAB SIE AUF DISTANZ - KÖPFE RUNTER, SIE HABEN SIND BEWAFFNET!!!"

Kugeln sirrten über den Audi hinweg, der jetzt kleine Sprünge machte, die Fahrerin konnte vor Zittern und schlechter Sicht kaum mehr das Lenkrad gerade halten - "SCHARFE KURVE VORAUS, GLEINA - VORSICHT, KINDER AUF DER STRAßE, BREEEEEEMS!!!"

"NEIN!!!"

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Sugarcoat riss das Lenkrad bis zum Anschlag nach links, der Audi geriet durch Geschwindigkeit und Fliehkraft quer zur Fahrbahn, nur Millimeter schrammte er an einem Fahrrad vorbei, der Gestank beißenden Gummis brannte den Freundinnen in Mund und Nase, mit einem Satz bollerten sie über den Bürgersteig, ein Stück Jägerzaun musste dran glauben, dann hatte die Fahrerin ihren Wagen wieder einigermaßen unter Kontrolle und zurück auf der Fahrbahn, noch schnell über den anderen Fußweg einen Trekker rechts - also wirklich! - überholt und rum umme Kurve, hoch die Drehzahl und schnell weg hier!

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Mit den kletternden Kilometern pro Stunde tauten die Mädchen aus ihrer Schockstarre auf, Indigo war so blass wie noch nie um ihre Nase: "Alter, das... das war... wie haben wir das gemacht?!"

"Keinen umgenietet oder was?", versuchte es sich auch Sugarcoat irgendwie begreiflich zu machen, "keinen Schimmer, beim besten Willen nicht! Lemon, wir... Lemon?!"

Die saß hinten zur Salzsäule erstarrt, ihre Haare waren zerzaust, die Kopfhörer hingen auf halb Neune: "Ich... das kann... nicht möglich... Magie..."

"Lemon, hast du nen Geist gesehen oder was faselst du da?!"

"INDIGO, SIE KOMMEN NÄHER, TU WAS!!!"

"WAS SOLL ICH TUN, VERDAMMT?!?!"

"SCHIEß, SCHIEß DOCH ENDLICH!!!"

"ICH KANN NICHT, ICH KANN ES EINFACH NICHT!!! GIB MIR DAS LENKRAD, ICH..."

KA-RUMMS!!!

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Der BMW grub sich in ihr Heck, ein Seil mit einem Enterhaken bohrte sich in den Kofferraum, noch bevor Lemon recht aus ihrer Trance erwacht war schlitterte das wilde Gespann nach links, ein SUV rammte sie mitten in die Seite, wild um sich kreiselnd fetzte es den kleinen Audi noch einmal quer über die ganze Fahrbahn, ehe er den Lärmschutzhügel hinauf orgelte und auf der anderen Seite den Abflug weit hinein in einen Kornacker machte.

Und was ist die Moral von der Geschicht? - Schnallt euch ma besser an ihr Pfeifen!

---

Nach mehreren Überschlägen (die drei waren angeschnallt, Hellje sei Dank!) blieb das Wrack regungslos und qualmend liegen blieb.

"Lass es vorbei sein, lass es vorbei sein...", wisperte Sugarcoat mit geschlossenen Augen, "bitte... lass es..."

"Sugar, SUGAR!!!", plärrte ihr Indigo ins Ohr, "SUGAR WACH AUF, DU MUSST AUFWACHEN, DU MUSST!!!"

"BIN ICH JA SCHON!!!", quietschte sie erschrocken zurück und fand sich umgeben von Ähren wieder, "oh... wo sind wir denn gelandet?"

"Mitten im Acker, aber leider nicht alleine!"

"SIE KOMMEN!!!", kreischte Lemon und lud ihre Pistole nach, "verdammt, ich hab nur noch drei Schüsse!"

"LAUF LEMON, LAUF!!!"

"ABER DER KOFFER!!!"

"VERGISS ENDLICH DIESEN BLÖDEN KOFFER - DIE BRINGEN UNS UM, KAPIERST DU DAS NICHT?!?!"

Das schien nun auch der mutigen Röblingerin einzuleuchten, und mit Tränen in den Augen nahm auch sie die Beine in die Hand, den Berg hinab, ohne Rücksicht auf das Getreide, ohne Blick nach hinten - bis zum Waldrand waren es noch locker fünfhundert Meter, wenn nicht mehr... Schüsse krachten, sie gaben alles, und sie erreichten die sicheren Bäume, und auch da rannten sie noch, bis sie so weit gelaufen waren, dass sie nicht mehr konnten.

Selbst die Supersportlerin japste jetzt: "Boar... seid... seid ihr in Ordnung?"

"J-ja... oh fuck... das war... zu schnell... zu viel..."

"Ja... wir haben... versagt."

"Mach dir... mach dir nichts draus... das... das war einfach... zu groß für uns... mach... egal... kommt... lasst uns... wo sind wir..."

"Unstruttal... nahe Freyburg... fast..."

"Dann kommt, da finden sie uns sicher nicht! Na los... Lemon...", Indigo legte ihr eine Hand auf die Schulter, "komm schon, das macht nichts, wir haben unser Bestes gegeben, aber es war eben nicht gut genug... Schwamm drüber und..."

"Nein, das kann ich nicht - ich habe versagt, sorry, du vielleicht nicht, aber ich schon."

"Nur wegen dieses blöden Koffers..."

"AUCH EUCH GEGENÜBER!!!", schluchzte die Rockerin laut auf und brach in den Armen ihrer Freundin zusammen, "ich... ich wollte... euch nicht in Gefahr bringen..."

"Och komm, das war... okey, ja, nen bisschen abgefuckt, aber hey, wir leben noch!"

"... und mein Audi is Schrott..."

"Das macht sicher wieder Equestria, so wie beim letzten Mal, mach dir da ma keine Sorgen!"

"Na wenn du meinst..."

"... aber sicher! Und jetzt reißen wir uns alle ma zusammen und machen uns auf den Heimweg - ich schmeiß auch die Fahrkarten, ist das nich nen Angebot?!"

"Na... okey, ich bin dabei!"

"Und du, Lemon?"

"*schnief* Bleibt mir was Anderes übrig?"

"Ich schätze nicht!"

"Na schön, gut... dann... lasst uns gehen..."

"Als beste Freundinnen für immer?!"

"Als beste Freundinnen für immer!"

Einträchtig machten die drei sich auf den Weg zum Bahnhof.

---

Zur gleichen Zeit auf der B 180

"Habt ihr den Koffer?"

"Ja, gesichert und in Ordnung, Sie können beruhigt sein, Boss!"

"Und die Mädchen?"

"Die sind entkommen, aber ihr Auto ist futsch!"

"Gut gut, die kommen hoffentlich nicht weit?"

"Nein nein, ich habe die Hunde losgelassen, hahaha!"

"Gut - wir treffen uns wie vereinbart in Zeitz um 18 Uhr, verstanden?!"

"Laut und deutlich, danke Boss!"

"Gut, bis später."

---

Bahnhof von Freyburg

"Wie bitte, die Strecke ist gesperrt?!"

"Es tut mir leid...", brummte der Stationsvorsteher etwas ärgerlich über die Störung, zumal ja nicht umsonst dick und fett Dienstraum - kein Fahrkartenverkauf und keine Auskunft an der Tür seines Kabuffs stand, aber jaaa, wenn der Dynamischen Schriftanzeiger mal wieder außer Betrieb war und der Zug halt wirklich nicht kam, dann konnte man ja ma ne Ausnahme machen..., "aber die RB nach Röblingen fällt ersatzlos aus, ein Schienenersatzverkehr wurde vorerst nicht eingerichtet..."

"Ja, aber wir wollen doch nach Hause, und zwar noch heute, bitte!"

"Fahren Sie einfach über Naumburg und Halle, das dauert zwar etwas länger, aber sie kommen an... hier...", er kritzelte etwas auf die Fahrkarte, "damit wissen die Kollegen Bescheid - noch Fragen, Ihr Zug kommt in sieben Minuten?"

"Nein, vielen Dank, und einen schönen Tag Ihnen noch!"

Ohne ein weiteres Wort zu verlieren verschwand der Fahrdienstleiter zurück in sein Heiligtum, Indigo gesellte sich zu Sugar und Lemon, die es sich auf der kleinen Wartebank bequem gemacht hatten: "So, wir können über Naumburg fahren, ist zwar voll der Umweg, aber egal, geht, das ist die Hauptsache!"

"Und wann sind wir dann zuhause?"

"Oh mist, das habe ich gar nicht gefragt - egal, dann muss ich den armen DB-Fritzen eben nochma stören...", und weg war die Hallenserin, ihre Mitgenossin schmuste angetan mit den warmen Sonnenstrahlen in ihrem Gesicht, bis ihr das Gepiepse von Lemons Handy zu sehr auf den Keks ging: "Sache ma, kannst du dein Smartphone nicht auch etwas leiser stellen, bitte?!"

"Sorry, geht nich, iss'n Peilsender, der macht nunma Krach - und ob du's glaubst oder nich, aber ich weiß jetzt, wo unser Koffer hin soll!"

"Du machst Witze!"

"Quatsch nich, haste vorhin etwa nich andauernd Zeitz gehört?!"

"Wenn du so fragst... nein, halt warte, doch! Mindestens einmal, nein, öfter, die Typen, die hinter mir geparkt haben, die...!"

"Eben drum, und deswegen fangen wir sie dort ab!"

"Bist du verrückt, nochmal so eine lebensgefährliche Hetzjagd?! - Da mache ich im Leben nicht mit, niemals!"

"Aber Sonea sagt doch...!"

"Sonea, Sonea, diese ganzen Equestrianer sollen mir doch gestohlen bleiben! Mag sein, dass die so etwas im Schlaf hinkriegen, aber wir sind normale Menschen, wir schaffen das nicht! Sieh es endlich ein, wir sind keine Spioninnen, wir sind Teenager, stinknormale langweile Teenagermädchen, die shoppen gehen und zusammen über dumme Witze und süße Jungs kichern, aber keine... was auch immer!"

Das saß, und Lemon schwieg betreten. Der Zug rollte ein, Indigo kam angehüpft und half den beiden tatkräftig mit ihrem üblichen Energieüberschuss beim Einsteigen... doch als sie sich auf einen Vierer setzen wollten schob sich ihre Freundin daran vorbei und nahm alleine ganz hinten auf dem Sitz mit Heckscheibenaussicht Platz... kleinlaut guckten die beiden Verbliebenen sich an, während der Triebwagen BR 672 das grüne Ausfahrsignal passierte und gen Naumburg röbelte.

---

Die Gleise zogen unter ihr dahin, sie sah und hörte nichts, ihr Blick lag weit in der Ferne... nur vereinzelt nahm sie Gesprächsfetzen wahr... "Indigo, das mache ich nicht, das kann ich nicht, das ist viel zu gefährlich!" - "Na und?! Gefahr war schon immer mein Ding!" - "Und das vorhin, da bist du auch einfach abgehauen - ich habe Angst vor der Waffe, buhuhu! - lächerlich, das ist lächerlich!" - "HEY, SCHREIB DU MIR NICHT VOR WAS ICH ZU TUN HABE!!! ICH HABE SCHON EINMAL FAST JEMANDEN UMGEBRACHT, UND ICH WILL ES NIE WIEDER TUN, OKEY?!?!" - "MANCHMAL MUSS MAN EINFACH DAS TUN, WAS EINEM GRADE NICHT PASST - GUCK DIR LEMON AN, SIE HÄTTE SONEA AUCH ABSAGEN KÖNNEN, ABER SIE HAT IHR BESTES VERSUCHT UND GEGEBEN, UND DU HAST SIE HÄNGEN LASSEN!!!" - "UND DU HAST DAS AUTO ZU SCHROTT GEFAHREN UND DIE GANZE ZEIT PANIK GESCHOBEN, DU ALTER ANGSTHASE!!!"

"HEY, WENN'S GEHT NOCH LAUTER!!!", brüllte jetzt der Lokführer, "IHR SPINNT JA WOHL!!!"

"HALT DU MAL DEINE FRESSE!!!", konterte Indigo und sprang auf, "DAS GEHT DICH NEN SCHEIßDRECK AN!!!"

"ICH SCHMEIß EUCH AM NÄCHSTEN BAHNHOF RAUS, DAS KÖNNT IHR WISSEN!!!"

"NA DANN KOMM DOCH HER, WENN DU DICH TRAUST, NA LOS!!!", stachelte die Sportlerin, "WENN DU SCHON SO NE GROßE KLAPPE HAST DU ARSCHLOCH!!!"

Jetzt reichte es dem Triebfahrzeugführer aber auch hinne, mit einer Vollbremsung stoppte er den Wagen und riss seine Tür auf, groß und mit Glatze baute er sich vor Indigo auf, eine Dose Pfefferspray erhoben: "RAUS HIER, ABER SOFORT!!! ICH ZÄHLE BIS DREI - EINS... z-zwei..."

"Drei - PENG!", machte Lemon mit vorgehaltener Mauser, wobei das ausreichte, um dem hyperroten schweratmenden Mann endgültig den Rest zu geben - wie ein Stein krachte er nach vorne und schlug sich doppelt an einer Haltestange bewusstlos: "Ähm... what the fucking Fuck?!"

"Sorry, aber ich dachte echt der macht Ernst...", bemerkte die Röblingerin zerknirscht, "so erschrecken wollte ich ihn eigentlich gar nicht, nur dass er dir nichts tut..."

"Oh Lemon, tausend Dank dir!", jauzte die Gerettete dankbar und war sich ihrer ungläubigen Freundin fest um den Hals, "danke, danke danke danke dir!"

"Na ja... doch nicht der Rede wert... dafür sind Freundinnen doch da..."

Sugar kam hinzu, und die drei lagen sich noch eine ganze Weile in den Armen... na ja, bis: "Hey Gerald, sach ma, bist du eingepennt?!"

"Nee nee, hier is Gerrald!", meldete Indigo mit einer verstellten Stimme fünf Oktaven tiefer, "ja sorry, hier stimmte watt nich an den Bremsen!"

"Komisch, bei mir wird kein Defekt angezeigt - na jut, dann fahr ma weiter bis Naumburg, sonst beschweren sich nur die Fahrgäste!"

"Wird jemacht!", schaufend legte sie auf, "puh, war das knapp - ähm, kann einer von euch nen Zug fahren?!"

"Sicher doch!"

Und zum Erstaunen ihrer Mitstreiterinnen lümmelte sich Lemon kurzerhand auf den Fahrersitz und gab Stoff, gerade so schnell wie erlaubt war, klickte die Sifa weg und betätigte den Warnpfiff wegen Bahnübergang... und schon waren sie in Großjena!

---

"Wie... woher kannst du das?!"

"In Equestria gelernt!", grinste die Fahrerin und bolzte die Ausfahrt des Bahnhofs hinab, während ihre Freundinnen den bewusstlosen Tf in die Toilette schleiften und die Tür ordnungsgemäß verbarrikadierten: "Soll da noch so ein WC unbenutzbar-Schild dran?"

"Kann nich schaden, macht ma!"

---

Das gab den beiden wenige wertvolle Sekunden für ein Gespräch unter vier Augen: "Du, Lemon hat recht, wir sind Freundinnen, wir helfen einander, komme was wolle!"

"Ja aber..."

"Nix aber, und komm schon, wenn dieser Koffer wirklich nach Zeitz gehen soll, warum gucken wir uns das nicht einfach ma an und entscheiden dann, ob wir unser Glück noch einmal herausfordern oder...?"

"Ausgeschlossen, ohne mich! Da mach ich nicht mit, wir haben uns noch nicht mal vor einer Stunde fast tödlich überschlagen und jetzt...?!"

"Das letzte Mal haben wir das auch durchgestanden, zusammen!"

"Da kam uns auch ein Hubschrauber zu Hilfe!"

"Ja, und dieses Mal hilft uns unser Einfallsreichtum - na komm schon, tu's für Lemon!"

"Ich... ich... ach mensch, meinetwegen, aber du erklärst meinen Eltern das alles!"

"Keine Sorge, das kriege ich hin!", grinste Indigo und klatschte noch schnell den Aufkleber über das WC-Schild, "sooo, denn ma auf nach vorne, wa?"

---

"Na, habt ihr ihn ordentlich weggepackt?", lachte ihre Freundin schelmisch, "und wir sind gleich in Naumburg, da ist eh Endstation."

"Du, Lemon..."

"... hm, ja Sugar?"

"Wir... wir wollten... mit dir... weitermachen, ja verdammt, Indigo hör auf mich andauernd zu boxen!"

"Nein, das müsst ihr nicht, ihr wollt doch gar nicht - passt schon, danke."

"Aber Lemon..."

"Nee nee, das sollen andere machen, wir..."

Biep biep!, eine neue WhatsApp-Nachricht... von Sonea: Habt ihr den Koffer schon?

Seufzend wählte sie die Nummer, auf ein merkwürdiges Tutzeichen nahm eine weibliche Stimme ab: "Ja?"

"Hier Lemon... sorry, aber wir haben den Koffer verloren."

"Wie das?!"

"Sie haben uns verfolgt, alles ging so schnell, wir hatten über 200 km/h drauf, sie haben uns von der Straße gerammt, wir uns überschlagen, sind knapp mit dem Leben davongekommen... es tut mir leid."

"Nein, mir tut es leid... verdammt, das hätte nicht passieren dürfen!"

"Ja, sorry... kann ich sonst noch etwas für dich tun?"

"Nein, nein... hey warte mal, einen Augenblick - JA MELLIS?! Ja... ja... ja, okey, ja, ich geb's durch! - Das war ein Kollege von mir, er sagt, dass der Koffer am Bahnhof von Weißenfels schon seit fast einer Viertelstunde regungslos verharrt!"

"Wie das?"

"Überwachungskamera, euer Mann wartet auf die Regionalbahn nach Zeitz - schafft ihr es vielleicht dort hin?!"

"Zeitz... wie kommt man da schnell ohne Auto hin?"

"Wo steckt ihr grade?"

"Kurz vor Naumburg im Zug, wir kommen aus dem Unstruttal."

"Dann habe ich was für euch - fahrt bis zum Hauptbahnhof, da steht eine Dampflok rum, die gerade für irgendeinen Filmdreh da hingekarrt wurde - schnappt euch die und nehmt die Nebenstrecke nach Teuchern, da trefft ihr auf die Strecke aus Weißenfels, wenn ihr es schafft könnt ihr euch den Koffer da abknöpfen!"

"Hört sich einfach an... aber wie sollen wir die Dampflok einfach so nehmen?!"

"Das lass ma meine Sorge sein, ich hab da meine Leute - fahrt einfach an, ich stelle euch die Weichen!"

"Das ist ja fantastisch, dann sind wir dabei!"

"Oh tausend Dank euch - Ende und over!"

"Jo, over!"

---

Sugarcoat sah ihre Freudin erwartungsvoll an: "Sag bloß, wir sind wieder dabei?!"

"Das sind wir, und mehr als das, wir haben freie Fahrt bis Zeitz!"

"Na wenn das mal nix ist!", stimmte Indigo begeistert zu und hüpfte vor Freude einmal quer durch den Triebwagen, "Mädels, schaffen wir das?!"

"Ja sicher schaffen wir das!"

"Na ja... wir schaffen es, ja doch!"

"Beste Freundinnen für immer!"

"BFF!"

"Aber hundertpro!", und schon lagen sich die drei wiedervereint und glücklich in den Armen.

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Radbod "Das muss sie sein!", bekräftigte Indigo und war schon im Führerhaus verschwunden, "wow, das ist ja echt nen uraltes Teil - Lemon, weißt du wie man sowas fährt?!"

"Aber sicher, man mach doch nicht umsonst Urlaub in Equestria!", lachte die und prüfte erstmal Kesseldruck und Wasserstand, "sieht gut aus, ist außerdem angeheizt - Sugar, haben wir grün?"

"Ja, haben wir... oh je, wenn das mal gut geht!"

"Keine Panik du Schisser, wenn Lemon das kann kann sie das!"

"Na ja, ich weiß ja doch nicht..."

Tu-hut!, Fahrtrichtungshebel nach vorne, Dampfregler voll auf, Handbremse gelöst - und ab ging die Post, hinaus aus dem Naumburger Hauptbahnhof und über eine große Brücke, durch den Ostbahnhof und mit Volldampf die Steigung gen Wethau und Scheiplitz.

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15:22 Uhr, Abfahrt der RB 34921 aus Weißenfels nach Zeitz. Den Zug nahmen drei weitere Fahrgäste und den Lokführer, vier ungefährliche Zivilisten, falls es hart auf hart kommen sollte kein besonders hoher Verlust, bemerkte der Agent trocken. Mit ihm waren zwölf hünenhafte Gorillas gekommen, nur zur Sicherheit, nur zur Sicherheit.

Ein sicheres Gefühl gab ihm das trotzdem nicht.

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"Juchuuu, ist das abgefahren!", jauzte die bekloppte Sportlerin und hielt ihren Kopf weit in den Fahrtwind, "alter Vatter, das geht gut ab!"

"Indigo, pass auf die Äste auf!"

"Sugar, die weiß schon was sie tut...", behauptete Lemon bester Laune und überflog die neuste Nachricht aus Equestria: Schaut mal links neben dem Kohlekasten, da ist ne Holzkiste, da findet ihr hilfreiches Kram drin!

Gespannt öffnete sie den Verschlag, Sugarcoat linste mit rein: "Ach du großer Gott, da ist ein Maschinengewehr drin!"

"Halb so wild, damit habe ich fast schon gerechnet... und was haben wir denn noch... ah, der Bombenstimmungsmacher, oh ja, da hat Sonea echt nicht zu wenig versprchen!"

Jetzt war auch Indigo Feuer und Flamme: "Ist das nicht ne Haftbombe?!"

"Sicher, die sollen wir an den Triebwagen packen und dann BUMM!!!, haha!"

"Ja aber... da sind doch bestimmt noch unschuldige Fahrgäste drin, die kannst du doch nicht einfach in die Luft sprengen!"

"Mist, verdammt ja, soweit habe ich gar nicht gedacht... verflucht nocheins, was stimmt eigentlich nicht mit mir, ich werde hier zum gewissenlosen Monster!"

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Langendorf, Abfahrt 15:25

Alles ruhig, keine Vorkommnisse.

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Kraftlos sank Lemon mit Tränen in den Augen an der rechten Tür herab, Indigo fing sie auf und drückte sie fest an sich: "Mach dir keine Vorwürfe, dieser Koffer macht uns alle fertich, aber ma ganz ehrlich, dich trifft keine Schuld - du hast uns verteidigt, weil ich zu feige war... weißt du was, ich mach das mit dem Sprengsatz, und wenn dieses Kind vorhin wirklich rechtzeitig stehen geblieben ist weil du... es mit Magie dazu gebracht hast, dann klappt das gleich auch nochmal, vertrau mir!"

"Ich... ich weiß nicht..."

"Komm schon, auch Sugar hilft dir!"

"Na also..."

"Schnauze, du tust das! Kümmer dich meinetwegen um die Lok, aber zieh jetzt nicht deinen Lämmerschwanz ein, du bist erwachsen und kannst ruhig mal Verantwortung für uns übernehmen, auch wenn dein geliebtes Auto nunmal Schrott ist und dir das alles nicht passt, aber tu's einfach!"

"Ja, ich tu's, ich tu's für euch, weil wir Freundinnen sind!"

"Freundinnen für immer?!"

"Für immer und ewig!"

Und mit Volldampf rauschten sie durch den kleinen Bahnhof von Stößen... noch acht Kilometer bis zum Ziel!"

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Prittitz, 15:32

Zugkreuzung, der Agent folgte ihr gelangweilt... noch dreiundzwanzig Minuten, dann waren sie am Ziel.

Na endlich.

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Durch Krauschwitz bei Teuchern donnerte die Radbod um exakt 15:35 Uhr, mittlerweile hatte sich auch Sugarcoat dazu überwinden können, ihre langen Zöpfe im Wind fliegen zu lassen... und auch wenn es Lemon nicht laut sagte, war sie doch ziemlich zufrieden in diesem Moment.

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"Nächste Halt ist - Teuchern. Ausstieg in Fahrtrichtung links!"

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"Ladys und Ladys, gleich sind wir in Teuchern!", verkündete Lemon frohlockend, "bitte nehmen Sie schonmal ihre Positionen ein, gleich geht die Post ab!"

"Jo, zu Befehl!", lachte Indigo und schnappte sich die Kohleschaufel, "also nochma unseren Plan im Schnelldurchlauf: Ich springe ab, brate dem Kerl die Schippe über, schnappe mir den Koffer und springe wieder auf, wa?"

"Und ich gebe dann Volldampf!", bestätige Sugarcoat hellauf begeistert, "oh ja, genau so machen wir es!"

"Yupp, total ungefährlich und ohne Explosion - wenn das ma nix wird dann weiß ich auch nicht mehr weiter!"

"Eben - Koffer, wir kommen!"

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Bahnhof Teuchern, 15:37

Zwei Fahrgäste stiegen aus, der Lokführer schloss die Türen, wartete auf Grün. Nach kurzer Standzeit wählte er das nahe Stellwerk an: "Ja Tach - du sache ma, warum lässt du uns nicht rausfahren?"

"Ob du's glaubst oder nich, aber da kommt nen Zuch von Naumburg, und der hat das Einfahrtsignal überfahren! - Was auch immer da los ist, abzubremsen scheint er nicht, den halte ich auf der Eins an... hoffentlich... solange lasse ich euch ma besser stehen!"

"Oh je, das hört sich gar nicht gut an - alles klar, danke, dann weiß ich Bescheid!"

Das hörte auch einer der Aufpasser und erstattete dem Agenten Bericht: "Das hört sich gar nicht gut an - falls es diese Gören sind eröffnet das Feuer vom Bahnsteig!"

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"ANHALTEN, ANHALTEN!!!", schrie der Weichenwärter vom Stellwerk Tw an der Bahnhofseinfahrt und schwenkte die Rote Fahne, Lemon winkte zurück: "Sorry, geht grad nich, aber trotzdem danke!"

"Ich seh den Zug, da sind sie - oh fuck, das sind mindestens zehn, und sie haben..."

PENG, PENG, PENG!!!

"KÖPFE RUNTER, DIE SCHIEßEN AUF UNS!!!"

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"Sofort raus hier!", gab einer der Kerle dem verbliebenen Fahrgast und dem Lokführer mit vorgehaltener Waffe unmissverständlich zu verstehen, "wir übernehmen ab hier!"

"BESCHÜTZT DEN KOFFER!!!", galt die Devise, "KNALLT SIE AB!!!"

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"LEMON, DIE SIND ALLE BEWAFFNET!!!"

"ICH WEIß, ABER WIR MÜSSEN DEN KOFFER ERWISCHEN!!!"

"BIST DU IRRE, DAS SCHAFFE ICH NICHT, DIE BRINGEN MICH UM!!!"

"ICH WEIß, WIR BRAUCHEN NEN PLAN B!!!"

Die Röblingerin entriegelte die linke Seitentür der Dampflok und erhaschte einen kurzen Überblick über ihre missliche Lage: "DIE FAHRGÄSTE RENNEN GRADE WEG, DER LOKFÜHRER AUCH - DAS IST UNSERE CHANCE, WIR JAGEN DAS DING HOCH!!! INDIGO, SCHNAPP DIR DEN SPRENGSATZ UND WERF IHN UNTER DEN TRIEBWAGEN; WIR SIND GLEICH AUF EINER HÖHE!!!"

"MACH DIE TÜR ZU, DIE TREFFEN UNS NOCH!!!"

"NICHT WENN ICH DAS VORHER ERLEDIGE - ICH GEB DIR FEUERSCHUTZ!!!"

"DAS IST WAHNSINN!!!"

"NEIN, DAS IST EQUESTRIA!!!"

Und Lemon schnappte sich die PPsh-41, lud durch und drückte ab.

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Unzählige Kugeln durchschlugen die Frontscheibe des Burgenlandbahntriebwagens, durchsiebten zwei Kerle auf dem Bahnsteig und verschafften ihnen den nötigen Raum: "INDIGO, JETZT!!!"

Die tastete blindlings nach der Bombe, bekam sie zu fassen und schleuderte sie über ihren Kopf aus dem Führerstand nach draußen. Aber die Höllenmaschine ging zu hoch, touchierte beim Abgang bloß minimal ein geöffnetes Oberlicht eines großen Fensters, blieb kurz daran haften und fiel dann ins Schotterbett. Unter schwerem Beschuss zischte die Radbod davon, raus aus dem Bahnhof und über den folgenden Bahnübergang, die drei Mädchen erhoben sich gespannt.

Lemon hielt den Kopf weit zum Fenster raus: "DREI, ZWEI, EINS...!!!"

KA-BUMM!!!

---

In Gleis 1 riss es Schienen und Schwellen raus, das Bahnsteigdach stürzte um, dem Triebwagen borsten alle Scheiben, das Leichtfahrzeug wurde erheblich eingedrückt und verbeult, der Aufbau brach auf der Detonationsseite in sich zusammen, aber er stand noch auf allen vier Rädern, und mit ihm rappelten sich die Bewacher des Koffers wieder vom Bahnsteig ab.

"Verdammt, der Zug ist nicht hochgegangen!"

"Oh nein... nein... nein...", jammerte Lemon und brach endgültig zusammen, fix und alle gaben ihre Knie nach, rücklings landete sie in der Kohle, hörte und fühlte nichts mehr... nichts mehr.

Sie hatte versagt.

---

"Lemon...", versuchte Sugarcoat es schwach, Indigo stieß ihr einen Ellenbogen so fest in die Seite, dass sofort Ruhe war, und guckte sie grimmig an: "Das hätte nicht passieren dürfen - ich bin so ein feiges Huhn, nicht besser als du!"

"Ja, das sind wir... wie können wir das bloß jemals wieder gut machen?"

"Indem wir jetzt das richtige tun!"

Ihre Freundin nickte betrübt, aber mit festem Blick, packte die Handbremse und schmiss sie auf die Achsen. Durch das Bremsenquietschen erwachte Lemon aus ihrer Trance: "Was... was macht ihr denn jetzt?"

"Wir fahren nochmal zurück, oder?! - Wir müssen doch den Koffer holen!"

"Das... müsst..."

"Wir tun es einfach, nicht für uns, nicht für dich, für uns alle, für eine besser Welt, für Equestria! Ich habe lange genug gezögert und mich verstecken wollen, aber das ist nun vorbei - wir stehen das gemeinsam durch, als Freundinnen!"

"Als Freundinnen - eine für alle und alle für eine!"

"ALLE FÜR EINE UND EINE FÜR ALLE!!!"

Zugleich kam die Radbod zum Stillstand.

---

Rückwärts gings, erst langsam und dann immer schneller - "Noch vierhundert Meter!", meldete Sugar, "die Weichen stehen für uns!"

"Das kann kein Zufall sein - Lemon...", Indigos Hände umschlossen die MP, die ihre Freundin wieder in die ihrigen genommen hatte, "ich mach das, von oben!"

"Indigo, du..."

"Passt schon, ich sagte doch schon, dass ich mich nicht länger vor der Vergangenheit verstecken werde - es zählt das Jetzt und Hier!"

Und mit einem Satz war sie draußen, am Kessel, über ihnen auf dem Führerhausdach: "Noch zweihundert Meter, wir sind gleich da!"

---

"IN DECKUNG, SIE KOMMEN ZURÜCK!!!"

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DADADADADAM - DADADADAM!!!, orgelte die PPsh, auf einen Streich legte die Superschützin drei Männer um, ein vierter folgte durch einen gezielten Kopfschuss: "NOCH FÜNFZIG METER!!!"

"ICH KOPPEL UNS AN!!!", rief die Dritte im Bunde und lugte vorsichtig um die Ecke, "komm schon, Magie, lass mich nicht im Stich!"

(Anmerkung des Autors an dieser Stelle: Mir ist schon klar, dass die VTs der Burgenlandbahn ne Automatikkupplung haben, aber datt geht hier halt nicht anders - na ja, sagen wir mal, die haben zwei neue Triebwagen von irgend'ner anderen Privatbahn bekommen, wo halt Schraubkupplungen dran sind!)

Zwanzig Meter, fünfzehn, zehn, fünf - dran, Puffer an Puffer, Kupplung an den Haken, Leerlauf rein, Bremse los, Abfahrt! "EINGEHAKT, SUGAR, FAHR AB!!!"

Und mit Volldampf ging es ein zweites Mal hinaus aus dem Bahnhof von Teuchern, Indigo erledigte noch einen Typen, dann waren sie außer Reichweite und schnell genug: "ADIOS AMIGOS, SEID SO NETT UND SCHICKT MIR VON UNTERWEGS NE ANSICHTSKARTE, HAHA!!!"

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Gemütlich schnaufend ratterte die Radbod über die Schienen, Zeitz entgegen. Vom Dach klang immernoch der übermütige Jubel ihrer Freundin: "YI-HAAA, WO-HU-HU!!!"

"Und wie wollen wir den Koffer jetzt zerstören?"

"Wieso sollen wir ihn vernichten, bringen wir ihn doch einfach zu Sonea, die wird damit sicher was anfangen können!"

"Mensch na klar, genial - sache ma, deine Ideen werden echt immer besser!"

"Och danke, ich tu was ich kann!"

"SO MÄDELS, JETZT GEHÖRT UNS EIN ZUG, WIR FAHREN NUR NOCH ERSTE KLASSE!!! JUUUUCHU!!!"

Überglücklich rollten die drei Freundinnen und ihre Lok dem Abendrot entgegen.

---

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Deuben, Luckenau, Theißen, Zeitz... das Spiegelei zeigte "Achtung!", Lemon ging in die Eisen: "Huh, was bremst du denn?"

"Das Signal zeigt gelb, das heißt das nächste wird wohl rot sein - nach der Missachtung sämtlicher gültigen Vorschriften vorhin sollten wir jetzt besser etwas gemäßigter fahren, meinst du nicht auch?"

"Jo, is vielleicht besser!", lachte Indigo vom Dach, "na ja, eigentlich ist's auch egal, meint ihr nicht auch wir sollten uns zu Fuß vom Acker machen - wer weiß, ob man uns schon erwartet?"

Plonk!, landeten zwei etwa apfelgroße Objekte im Führerstand, platzten auf und versprühten ein grünliches Zeug: "GAAAS, DAS IST EIN HINTERHALT, RAUS HIER!!!"

Mit Anlauf war die Röblingerin draußen und rollte sich den Bahndamm hinab, Sugarcoat dicht hinter sich. Unten angekommen wurde ihr schwindlig, sie würgte, keuchte, mobilisierte ihre vom Adrenalin aufgeputschten Kräfte und lud sich ihre bereits bewusstlose Freundin auf die Schultern, schaffte zehn, zwanzig, fünfzig, hundert Meter, brach zusammen, stemmte sich ein zweites Mal in die Höhe, komm schon, du schaffst es!, alles drehte sich vor ihren Augen, sie taumelte und stürzte.

Umgeben von duftenden Kornähren verlor Lemon Zest die Besinnung.

---

Um sie herum war es dunkel, Indigos Kopf war schwer wie ein Sack Zement: "H... huh... ha-hallo, wo... wo bin ich?"

"Indigo, bist du das?!"

"Lemon! Lemon, ich seh dich nicht, es ist so dunkel!"

"Ich dich auch nicht, und außerdem bin ich gefesselt - verdammt, das rote Signal war eine Falle, sie haben uns betäubt und entführt!"

"Scheibenkleister - wo ist Sugar?!"

"Ich weiß es nicht, entweder noch bewusstlos oder weg!"

"Wenn ihr jemand etwas antut dann bringe ich ihn um, ich bringe sie alle um!"

"Indigo...", Lemons Stimme zitterte weinerlich, "es ist aus, sie haben uns verschleppt, wir kommen hier nicht raus... es ist vorbei."

"Dass gerade du so pessimistisch bist wundert mich aber - ich würde eher sagen wir warten ab, was hier gespielt wird, und wenn sich ne Chance bietet brechen wir durch!"

"Indigo, du verstehst das nicht... ich habe euch in Gefahr gebracht, ich habe als Freundin versagt..."

"Quatsch! - Wir sind schließlich freiwillig mitgekommen; außerdem... ma janz ehrlich, das hätte jedem passieren können, und hey, jetzt sind wir immerhin da, wo wahrscheinlich auch der Big Boss ist - stell dir mal vor wir schnappen uns den, dann ist diese Sonea bestimmt ganz aus dem Häuschen!"

"Ich... na ja... hach, komm schon, JA! - Du hast recht, aufgeben kommt nicht in die Tüte, wir sind so nah dran, WIR!"

"Das wollte ich hören - schon nen Plan, wie wir hier rauskommen?"

"Ähm... noch nicht, aber..."

Eine Tür flog auf, die beiden zuckten erschrocken zusammen, mindestens zwei stämmige Kerle standen im faden Schimmer düsteren Flurlichts: "Keine Mätzchen, sonst war's das!"

---

Durch einen langen Gang wurden die beiden Freundinnen in eine alte Maschinenhalle geführt, ihre Sklavinnentreiber gingen nicht gerade behutsam mit ihnen um: "Ey, sachte du Arsch!"

"Maul halten, sonst knall's!", fauchte es zurück und ohne Vorwarnung blieben die Wächter stehen, ihre Gefangenen wurden schmerzhaft an ihren auf die Rücken gefesselten Händen zurückgerissen und fluchten innerlich; von rechts trudelten nun einige andere Männer ein, alle bewaffnet mit Maschinenpistolen oder Sturmgewehren. In ihrer Mitte schritt ein älterer Herr, dessen Auftreten schon verraten hatte, wer hier den Ton angab: "Ah, da sind sie ja, die gefangenen Fische - ich hoffe doch sehr, ihr zwei seid nicht zu schlecht behandelt worden, oder?"

"Ging."

"Hätte besser sein können..."

"Hach, Mädchen in der Pubertät, immer was zu meckern - egal, ich glaube, ihr habt da was, was mir gehört?"

"Das haben ihre Leute uns doch schon längst abgenommen!"

"Stimmt ja, wie dumm von mir!", weitere Gestalten traten aus der Dunkelheit, allen voran eine, deren Gesicht zur Hälfte mit Verbänden zugekleistert war - den Freundinnen wurde kalt: "Na, ihr dachtet wohl, dass wir uns so schnell nicht wiedersehen, was?!"

Der Agent bebte sichtlich vor Zorn und ballte die Fäuste hasserfüllt, unterließ alles weitere aber und wandte sich seinem Auftraggeber zu: "Haben Sie das Geld?"

"Sicher, und mein Koffer?"

"Und das Mädchen, das ist die Vereinbarung."

"SIE VERKAUFEN UNSERE FREUNDIN NICHT WIE EIN STÜCK VIEH!!!", explodierte Indigo und trat den Typ hinter sich, der ließ sie überrascht los, und trotz aller anderen Kerle und gefesselter Hände stürzte sich die Sportlerin auf den Agenten, dessen Leibwächter Mühe hatten, die Hallenserin zu bändigen. Aus der Unterlippe ihres Gegenübers tropfte Blut, als dessen Leute Indigo auf seine Augenhöhe zogen: "Du dummes Gör, du wagst es mich anzugreifen?!"

"DU MIESES SCHWEIN TUST SUGAR NICHTS AN, SONST BRINGE ICH DICH EIGENHÄNDIG UM!!!"

"Und ich sorge dafür, dass man von euren Leichen kein Krümelchen mehr findet!", seine Faust krachte ihr mitten ins Gesicht, doch ihr ungebrochener Blick wich kein bisschen daraus: "Das kannst du miese Sau, mich schlagen, du großer Held, du Arschloch! Freu dich solange du noch kannst, wenn wir uns das nächste Mal Auge in Auge gegenüber stehen brech ihr dir das Genick, das kannst du wissen!"

"Wie reizend, aber dazu wird es nicht mehr kommen - BRINGT DIE DRITTE HER, UND DANN BRINGT SIE ALLE DREI UM!!!"

---

Sugar sah übel aus, war grün und blau im Gesicht, getrocknetes Blut klebte in ihrem stumpfen Haar, ihr Atem war flach, die Augen geschlossen: "SUGAR, OH SUGAR!!!"

Weinend sank Indigo über ihrer gezeichneten Freundin zusammen, Tränen verschleierten den Staub im Gesicht des regungslosen Mädchens, Lemon schluckte und beugte sich neben sie: "Indigo, sei tapfer... und bereit, ich habe eine Hand frei, gleich ist es soweit!"

"Jetzt heulen sie doch, war ja klar - macht hinne, wir haben nicht den ganzen Abend Zeit! Noch irgendwelche letzten Worte?"

"Ich nehm einen letzten Schnaps!", verlangte Lemon und deutete auf einen Typen mit Kalaschnikow zwei Meter von ihr entfernt, "das darf doch genehm sein, oder?"

"Wenn dann endlich Ruhe ist... also schön!", brummte der Agent gleichgültig, "aber wehe du machst Mätzchen, dann ist es aus!"

"Schon klar."

Der Mann näherte sich ihr, trat neben sie und setzte ihr den Flachmann an die Lippen, zeitgleich umschlossen ihre Finger den Griff seiner Skorpion - Lemon machte einen Ausfallschritt über ihre Freundinnen, holte weit aus und feuerte das ganze Magazin von rechts her ab, jeder Schuss saß - ehe überhaupt einer der Anwesenden kapiert hatte was Sache war waren auch Indigos Hände frei und im Besitz der AK-47: "JETZT GIBT'S SAURES FÜR SUGAR, IHR DRECKSCHWEINE - FRESST DAS!!!"

---

Der Agent entkam dem Inferno als Einziger, mit Steckschuss in der Schulter: "ERLEDIGT SIE!!!"

Ihren Genossinnen Feuerschutz gebend robbte Indigo hinter eine alte Maschine in sichere Deckung, Lemon rüttelte an Sugar: "Los, wach schon auf, du darfst uns jetzt nicht einschlafen!"

Und tatsächlich, ihre Freundin schlug schwach die Augen auf: "Uhhh, was... was ist los?"

"Indigo spielt Heldin - Sugar, bist du okey? Was haben sie dir angetan, tut dir etwas weh oder...?!"

"Ich... ich weiß nicht... ich... ich habe... geschlafen... aber... nein, nichts..."

"Das ist schonmal gut - schaffst du es ohne mich oder soll ich dich stützen, wir bringen dich hier so schnell wie möglich raus!"

"Ich... es geht... nein, doch nicht... oh, ist mir schlecht... Lemon... schnappt euch die Kerle, ich bleibe hier, das schaffe ich schon!"

"WIR LASSEN DICH HIER NICHT ZURÜCK!!!", brüllte Indigo über das Donnern ihrer Waffe hinweg und wechselte das Magazin, "LEMON, WILLST DU DIR DEN BOSS SCHNAPPEN?!?!"

"ICH KÖNNT'S VERSUCHEN - BLEIBST DU HIER BEI SUGAR?!?!"

"SICHER, DAS PASST SCHON - ICH GEB DIR DRECKUNG BIS VORNE!!!"

"DANKE, BIS GLEICH - DEN SCHNAPP ICH MIR!!!"

---

Links und rechts zischten Indigos wilde Feuerstöße an ihr vorbei, von einem Toten sackte Lemon eine MP5 ein, warf ihrer Freundin noch zwei Magazine für ihr Sturmgewehr zu und ging hinter einem Schaltschrank in Deckung. Ein Mann schräg gegenüber stand günstig, eine Kugel, ein Headshot - dafür hatten sie jetzt seine Kumpanan im Visier und gaben ihr keinen Millimeter Freiraum aus ihrer Ecke zu kommen, Indigo war zu weit weg, als dass es ihr noch genützt hätte... eine Leiche mit Granatengürtel fiel ihr ins Auge, aber sie lag mitten im Todesstreifen!

Komm schon, das schaffst du, selbst Babys können das in Equestria!, ermutigte sie ihr Gewissen, konzentrier dich, bleib ruhig und schnapp sie dir, so wie Jack es dir gezeigt hat!

Und wirklich, kaum dass sie das um sich ausgeblendet hatte erhoben sich zwei der kleinen Sprengkörper, die Stifte zogen sich obendrein von alleine ab... zwei fast perfekte Parabeln beschrieben sie, drei, zwei, eins... - KA-WUMM!!!

Eine wohlige Wärme durchflutete sie... das musste sie wohl sein, die Magie.

---

"SUGAR, ICH BRAUCHE EIN NEUES MAGAZIN, ICH HABE GLEICH KEINE MUNITION MEHR!!!"

"Ich... ich sehe es nicht, meine Brille ist weg!"

"DAS SCHAFFST DU AUCH OHNE, NA LOS - BEEIL DICH!!!"

Hektisch tastete die Blinde umher, bekam nichts zu fassen - Komm schon Sugar, seh es, sehe es!

Tränen traten ihr in die Augen, sie schloss die Lider, öffnete sie wieder - und sah, alles klar und deutlich! Und das ohne Alles, wow, das war ja irre! Dazu durchdrang sie eine merkwürdige Wärme... doch zum Genießen war keine Zeit, mit Adleraugen machte sie die gebogene Stange, griff zu und drückte sie ihrer Freundin in die freie Hand: "Hier, ich hole noch das andere, es liegt hinten in der Ecke!"

Und obwohl Indigo sich wirklich anstrengte machte sie selbst es nicht aus - was hatte Sugar denn auf einmal für einen Durchblick?!

---

Umgeben von einem ganzen Granatenschwarm stürzte Lemon vorwärts, die Welt um sie herum wurde durchsichtig, sie sah jeden Angreifer durch jede Wand, durch jede Maschine, und noch besser, sie erwischte auch jeden von ganz alleine, sei es durch eine Explosion oder durch einen einzelnen Schuss, der dabei allen Gesetzen der Physik zuwider Kurven drehte, als sei es das normalste der Welt!

Auf einem alten Bahngleis inmitten der Halle angekommen, locker leicht hinter sich zwei Gegner erledigend, bemerkte sie den Boss und den Agenten um ihr Leben rennen, dem geöffneten Tor entgegen... über ihnen schwebte eine rostige Laufkatze... die Schrauben drehten sich schon von ganz alleine auf, es knirschte und knarkste im Gebälk, ein letzter verbliebener Gorilla sank mit einem Loch in der Stirn zu Boden, Metall ächzte unter vielen Tonnen Stahl... Krrriiiiiieeekkk-krrraaa-KA-RUUUMMMMMMS!!!

---

"Irre Lemon, einfach irre!", jubelte es von... oben?! Ein ungläubiger Blick genügte - das gab's doch gar nicht, und wie es das gab, da schwebte Indigo in der Luft, nein besser, flatterte, und das mit zwei Flügeln!?! "Ist das irrreee!", kreischte der halbe Pegasus begeistert und drehte energiegeladen mehrere Runden, bis er bei der Ladung fast Lemon über den Haufen fegte und aufgeregt umarmte und schüttelte: "Ohhh wir haben es geschafft, und ich... mir war so warm auf einmal... und dann... DANN KONNTE ICH FLIEGEN, UND ICH HABE SO VIEL KRAFT, ICH BIN EINFACH GEGEN DEN KRAN GEFLOGEN UND DER IST SOFORT ABGESCHMIERT!!!"

"Ich seh's - was zum...?!"

"DAS IST SOOO ABGEFAHREN!!!", Sugarcoat tapste noch etwas unsicher zu ihren Freundinnen hin, Indigo fiel auch über sie her: "Das glaubst du mir einfach nicht, das... hey, du hast ja auch welche!"

"Und Lemon nen Horn auf dem Kopf - haben die mir irgendwas gegeben oder warum sehe ich euch so gestochen scharf?!"

"NEIN, DAS IST ECHT, WIR HABEN ECHTE FLÜGEL!!!"

"Wie in Equestria...", schlussfolgerte Lemon, "aber wie...?"

Mehere Türen flogen auf und klatschende Männer und Frauen traten heraus, den Dreien klappten die Kinnladen herunter - überall Hörner, Ziegenhörner! Und hätte das nicht schon gereicht traten nun über den abgestürzten Kram ein großer Mann mit Strubbelkopf und ein Mädchen mit violettem Bajonettschnitt hinweg, flankiert von mehreren Ghost Ridern: "Herzlichen Glückwunsch ihr drei, ihr habt bestanden!"

---

"WIE BITTE?!?!", entfuhr es den Freundinnen gleichermaßen perplex, worauf Sonea über beide Bakcne grinsend kicherte: "Och, ihr habt euch echt bewiesen, wisst ihr?"

"Sach jetzt bitte nicht, das alles..." ungläubig "... war ein Test, ja, damit wir sehen konnten, was ihr so alles draufhabt!"

"Das glaub ich jetzt nicht, das glaube ich einfach nicht!", murmelte Indigo fix und foxi mit den Nerven, "wir bringen uns fast um und das ist ein Test!"

"Na ja, so schlimm war's doch jetzt auch nicht...", bemerkte Robert sarkastisch, "ihr wart zu keiner Zeit in Lebensgefahr, wir hatten alles unter Kontrolle."

"Ach ja?!"

"Yupp!"

"Aber den Überschlag mit dem Auto wohl kaum!"

"Gerade den - den Acker haben wir vorher mit Matten ausgelegt, den Hang präpariert und außerdem dafür gesorgt, dass ihr alle drei weich landet... dafür hatten wir acht Einhörner im Einsatz, die hätten euer Auto im Worst Case auch in der Luft halten können, falls irgendwas schief gegangen wäre!"

"Und die ganzen Kerle, die auf uns geschossen haben?!"

Mellis Marlin stupste eine der vermeintlichen Leichen an - zum Vorschein kam ein Roboter: "Androiden, programmiert zu Übungszwecken, und die Munition ist selbstversändlich auch nicht scharf - alles Gummigeschosse, die tun zwar weh, tun aber nix!"

"Ich glaub das nicht... ihr macht euch solch eine Arbeit, nur um uns zu testen?!"

"Och, so viel Arbeit war das gar nicht mal - und außerdem habt ihr letzten Sommer bewiesen, dass ihr durchaus das Zeug dazu habt, uns mal hin und wieder zu helfen!"

Auf den Schreck musste Sugar sich erst einmal an Indigo abstützen, die misstrauisch fragte: "Und was ist dann mit Sugar, wenn das alles nur ein Test war?"

"Ein Müdigkeitsserum, nichts Schlimmes - sie hat geschlafen, während ihr aufgewacht seid."

"Einzig auf meine Nase bin ich sauer, aber sonst... das war schon irgendwie abgefahren!"

"Ja, entschuldige das bitte, die Androiden sind auch noch nicht ganz perfekt... ansonsten, wie ist euer Eindruck?"

"Um ehrlich gesagt zu sein... ziemlich abgefuckt, saugefährlich und eigentlich völlig hirnrissig, aber je länger ich drüber nachdenke... ja, hatte schon was, wie Indigo schon sagt."

"Und wäre das was für euch, für die Zukunft meine ich?"

"Hm... also... ich weiß nicht recht..."

"Auf jeden Fall habt ihr euren Auftrag mit Bravour erfüllt, ich bin stolz auf euch!"

"Danke Sonea... aber ich nicht auf mich."

"Wieso?"

"Wir haben fast ein paar Kinder überfahren..."

"... auch Androiden!"

"Nee, jetzt nicht ernsthaft?!"

"Hallo, wir sind die Guten, wir bringen keine unschuldigen Zivilisten in Gefahr, wenn es sich vermeiden lässt - die "Rennstrecke" war auch schon ziemlich frei, meint ihr nicht auch?"

"Und die Fahrgäste in dem Zug?"

"Auch Statisten, die Stellwerker vom Dienst und die Polizei beschäftigt - die hat Fahrzeugkontrollen durchgeführt und alles schön freigehalten!"

"Irre, einfach irre!"

Der Ziegenkönig lächelte freundlich: "Glaubt ihr mir jetzt, dass ich euch und niemanden sonst keiner Gefahr ausgesetzt habe, wenn es nicht anders geht?"

"Mhm, schon!", fand Miss-MP, "wir waren füreinander da!"

"Auch das - ihr habt bewiesen, was wahre Freundschaft bedeutet, ihr habt allen Gefahren zuwider euch gegenseitig geholfen, aufgebaut, gelacht, gezankt, versöhnt... ihr habt das getan, von dem ihr fest überzeugt wart, dass ihr es nicht schafft - wisst ihr was ich meine?"

Indigo nickte: "Ich habe meine Freundinnen beschützt!"

"Ich habe ohne Brille gesehen!"

"Ich... ich habe Magie benutzt."

"Na eben, Magie - seht euch an, ihr habt es bewiesen: Freundschaft ist Maggie - ähm, Magie!"

Die drei sahen sich an, und sie wussten, dass es stimmte: "Ja, da sind wir uns ausnahmsweise mal sicher!"

"Dann ist's ja jut - Lemon Zest, Indigo Zap, Sugarcoat, hiermit erhebe ich euch in den Rang der Untergrundeisenbahnerinnen, dem Geheimdienst der Ziegen in der Menschenwelt!"

Noch etwas Skepsis lag in den Blicken der drei Mädchen: "Ja ähm... was genau heißt das jetzt, müssen wir ab heute Missionen auf Kommando machen oder wie verändert das unser Leben?"

"Ihr seid unsere ersten drei freien Agentinnen, datt heißt im Klartext: Wir bieten euch immer ma watt an wenn es watt zu tun gibt; wenn ihr grad keine Zeit, Lust ode Ähnliches habt macht das jar nix - ihr dürft über das, was ihr tut, frei entscheiden, bekommt vorher selbstverständlich Instruktionen und ne schwierigkeitstechnische Einstufung der Mission - von Kindergarten bis Total irre - , dazu natürlich Ausrüstung, Training und alles andere, was ihr sonst noch braucht."

"Und... ähm, werden wir auch bezahlt?"

"Also Sugar, jetzt aber!"

"Nein nein Indigo, passt schon!", beschwichtigte Sonea und legte den Kopf schief, "Dad, was war nochmal deine Idee für nen angemessenes Einstiegsgehalt?"

"Öhm, Fünftausend die Mission und den Tag, je nach Schwierigkeit natürlich auch mehr, Kost, Logie und alles weitere inbegriffen... ähm, alles klar bei Sugarcoat?"

"Ich glaube schon...", stammelte Lemon jetzt erst recht baff, "ich schätze mal, die Zahl hat sie umgehauen... mannoman, das gibt's doch alles nicht!"

"Und wie's das gibt!", lachten die Equestrianer im Chor, und ausnahmsweise stimmten die neuen Untergrundeisenbahnerinnen auch überglücklich ein.

---

ENDE

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P.S.: Sugarcoat hat noch am gleichen Abend nen neuen Audi bekommen, selbstverständlich bis unter die Motorhaube vollgestopft mit modernster Technik; dazu ne neue Brille... natürlich mit integriertem Makro-Computer und dem ganzen Klimbim, den man so undercover gebrauchen kann (also zum Bleistift auch nen Dosenöffner)! Indigo hat die PPsh-41 mit nach Hause genommen und Lemon... ja, die Radbod, an der im Laufe der nächsten Wochen auch "etwas" gewerkelt wurde... aber auch nur etwas!

Und so machten sich die drei Untergrundeisenbahnerinnen schon bald auf ihr nächstes großes Abenteuer... dieses Mal... tja, gute Frage...

Anderseits: Habt ihr etwas anderes erwartet? - Wohl kaum!

---

ENDE

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