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Diese Geschichte ist Teil der offiziellen Hauptstory des PonyPasta-Wikis!

Der ihr vorausgehende Teil ist Zicklein der Nacht und der folgende Heil Celestia.


Wenn ich des Abends durch die Straßen meiner neuen Heimat schlendere, treffen mich Blicke aller Art - große, kleine, dicke, dünne, erstaunte, fragende, verblüffte, ängstliche, argwöhnische, entschlossene, böse, feindselige, kampf- und mordlustige... so lange es dabei bleibt kann ich gut damit leben, ist ja schließlich ein freies Land hier.

Freiheit... so ein einfaches Wort für etwas so unfassbar Großes, Ozeanisches, Unbeschreibliches; ein viel zu kurzes Wort für etwas, das man tatsächlich erst lernen muss und das ich nach wie vor nicht ganz in mir aufgenommen habe - heute Morgen habe ich mich wieder einmal stramm stehend neben meinem Bett gefunden, mit aller Kraft dem unwillkürlichen Drang widerstehend den rechten Huf zum Gruß zu heben und den Tag mit alt eingetrichterten "Heil Daeron!" einzuläuten... es ist zur Krankheit geworden, zum Muss, hat sich so tief in mein Unterbewusstsein gepflanzt und ist allzeit präsent im zwingenden Glauben meinem Vaterland auf ewig die Treue gebieten zu müssen... gepaart mit dem wilden Geschrei meiner alten Ausbilder und dem Wutgebrüll meiner verratenen Kameraden, dem Hass meiner gehörnten Familie und dem sirrenden Schwert des obersten Diktators gibt das die perfekte Weichspülung für Hirn und Verstand. Mir wurstegal, ich habe mich für das richtige - pardon, bestmögliche, entschieden, und lebe nun hier im schönen und friedlichen Down Under als Fremder und eventuell falscher Fuffziger unter sozialistischen Ziegen, die trotz diesen Tatsachen im Großen und Ganzen ganz Liebe sind und mich so sein lassen wie ich bin.

Wer ich bin? - Ferrell mein Name, angenehm, freier Einhornschatten.

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Erstes Kapitel: Meine alte Heimat & Vor meiner Zeit

Zuhause ist es doch am schönsten - wer das behauptet hat entweder nen Sockenschuss, ist ein naives Freundschaft-ist-Magie-und-die-Welt-liebt-mich-Pony oder eine Ziege (bei denen mach ich ne Ausnahme, es ist wirklich echt nett hier unten, trotz Schwerindustrie und Dampfloks wohlgemerkt!) ... ich kann es im Nachhinein jedenfalls nicht behaupten, denn meine Geburtsstadt ist Duhrag, die stinkendste und dreckigste Jauchegrube des ganzen Schattenreiches. Manchen grauen Tages, es braucht bloß etwas Nebel über dem Astralis und Windstille, mufft es in den Straßen so ekelhaft, als hätten die Bewohner nachtsüber jeder die Ehestute, Schwiegermutter oder sonst wen abgemurkst und die Leichenteile allesamt im Ofen verheizt. Und wenn's dann noch geschneit hat und man in der Pause aus der Schule gestürzt kommt und den schönsten Schneehengst bauen will ist dessen Fell auch sogleich durch und durch passend gefärbt... manchmal rieselt die Asche regelrecht vom Himmel, türmt sich auf den Hausdächern und wird nicht einmal mehr von den Straßen gekehrt, weil es ein sinnloses Unterfangen ist.

Wie auch immer (die Umwelt war meinen Mitschatten schon immer recht Banane), meinem Vater gehört jedenfalls die halbe Stadt. Glaubt ihr mir nicht? - Tja, ich habe auch noch untertrieben... also geschätzt besitzt meine Sippe, allen voran eben Donillus Illúvatar Savaël Khàlford-Sulvaenin VI., mein Alter, in etwa die ganze City, einschließlich sämtlicher räuchernder Hochöfen, die Luft verpestenden Schloten, maroden Eisen- und Stahlwerken, den dazugehörigen Arbeitern, ihren Wohnhäusern, dem Grund und Boden und so weiter... allein die Urkunden dazu füllen ein ganzes Archiv. Und wie es sich eben so gehörte erzog mein Großvater, Donillus Illúvatar Savaël Khàlford-Sulvaenin V. (ihr merkt schon, der Name ist Programm), ein alter Jugendfreund des Valyrulay Impradhûl Valyrau Aránan, oder auch kurz, Daeron, ihn ganz nach Manier des jungen Adelsgeschlechts der Khàlford-Sulvaenin, was übersetzt so viel wie "Schmiede und Erbauer" bedeutet.

Daeron also... ja, und ich kenne ihn sogar höchstpersönlich... ich wünsche, dem wäre anders.

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Also ja, mein Vater genoss eine hohe und gute Bildung, ein Jahr lang gar am Hofe der Schattenlords persönlich, und zuhause lehrten ihn seine Ahnen alles Wichtige für sein Leben und das seiner Untertanen, und suchten ihm so auch eine Ehestute für sein Leben aus, reich und mit gutem Namen, selbstverständlich adlig aus bestem Hause. Aber in seinem jugendlichen Eifer hatte der andere Pläne und zog heimlich mit Zitha Conprya Phadhiel durch die Lande, der Tochter eines einfachen Stahlkochers, bettelarm, aber unglaublich von wunderschöner Natur, großherzig und verständnisvoll. Natürlich war der ganze Clan Khàlford-Sulvaenin gegen diese Beziehung und wollte die junge Liebe so schnell wie nur möglich im Keim erstickt haben (dieses Flittchen hatte schließlich weder Anstand noch Manieren, verkehrte höchstwahrscheinlich laufend mit notgeilen Hengsten aller Arten und hatte obendrein noch keinen Stammbaum!), doch all ihren Anstrengungen zum Trotz waren die beiden nicht auseinander zu bekommen, verlobten sich alsbald und heirateten zu guter Letzt, ohne dass es einem von ihnen schadete. Resigniert nahmen alle es hin, waren sie doch der festen Überzeugung, dass die Tragödie damit erst so richtig begonnen hatte - dummerweise war die abgelehnte Bewerberin ausgerechnet noch auf der Vermählung aufgetaucht und hatte sie verflucht, was in Anbetracht ihrer Ahnen, eines uralten Magiergeschlechts, als recht besorgniserregend empfunden wurde.

Und leider behielten sie damit nicht ganz Unrecht...

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Zweites Kapitel: Meine Fohlenheit

Es dauerte nicht allzu lange und meine Mutter war mit mir schwanger, es gab keinerlei Komplikationen, alles schien in bester Ordnung. Ich kam genau zu prognostizierten Zeit ohne übermäßige Schmerzen oder dergleichen auf die Welt und wurde sogleich von meiner ganzen Sippe freudig empfangen. Daeron reiste persönlich aus Oblivion an, um meinem Vater die große Ehre seines erstgeborenen Sohnes zu erweisen, und die blinde Seherin Sya prophezeite der Familie in seiner Anwesenheit mein Schicksal: "Feraël Dagolis Savaël Sûlic Khàlford-Sulvaenin VII., ich sehe dich als großen Helden in einem fernen Land, an der Spitze deines Volkes stehst inmitten der Leichen tausender Feinde, siegreich und tapfer - du bist es, der Befreier der Schatten!"

Ich komme da nach wie vor nicht drauf klar, aber gut, selbst eine göttliche Wahrsagerin kann sich irren... immerhin brachte mir das gehörigen Respekt in jeder Hinsicht ein, selbst Daeron war dementsprechend nicht ganz uninteressiert an mir. Und wie er mir so treu ergeben war ich ihm, meinem großartigen Herrscher und Vorbild, diesem allmächtigen, gütigen, tugendhaften Alihorn, welches uns Schatten aus der Verdammnis Equestrias nach den tausend Jahren der Vergessenheit und Unterdrückung zurück in die fruchtbaren Länder der Ponys führen sollte!

Mein Vater erzog mich ganz nach Manier meines Großvaters, eines langjährigen besten Freundes Daerons, in fester Treue an die Lords, mehr noch, zum perfekten linientreuen Untertanen und zugleich zum Erben des gewaltigen Vermögens unserer Blutlinie, denn ich war sein liebstes und leider auch einziges Fohlen... meine Mutter starb viel zu jung, nur wenige Wochen nach meiner Geburt bei einem schrecklichen Unfall. So wuchs ich also umgeben von hunderten Verwandten, Butlern und Dienststuten bestbehütet in einer Villa, die den Titel Palast noch und nöcher verdient hätte, am Rande des des grauen Stadtkerns von Duhrag auf und lernte alles, was sich so für einen jungen magiebegabten adligen zukünftigen Kriegshelden gehörte: Das Bändigen und Nutzen des zauberhaften Elements, den Schwertkampf, Umgang mit Pfeil und Bogen, Armbrust, Muskete; jeweils für einige Monate lebte ich in Oblivion am Hofe der Lords und wurde von den besten der besten Lehrern und Veteranen des gesamten Reiches unterwiesen, ja, manchmal sogar von Ihren Majestäten persönlich! Es waren unvergessliche Stunden voller Entdeckungen und Erkenntnis; klar, Blut und Schweiß zu vergießen gehörte dazu wie Strafen für's Zuspätkommen, Nichtaufstehen oder sonstige Spirenzchen - ich mag nicht daran denken wie viele allein in der erste Woche rausgeflogen sind, und bedenkt, das war alles junge Schatten der Elite! -, und sicher drillten uns halb wahnsinnige Ausbilder rund um die Uhr, bis wir buchstäblich unsere eigene Kotze fraßen, aber genau das war ja auch Sinn des Ganzen, genau so machten sie uns zu ihren ultra linientreuen Kriegern, die so sehr an die göttliche Ordnung Diarons glaubten, dass sie niemals auch nur einen einzigen Befehl von oben hinterfragen würden.

Und damit waren wir ausgewachsen und bereit, unserer Bestimmung entgegenzutreten: Dem Großen Krieg gegen das Unbekannte im Norden.

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Viele Mythen rankten sich um dieses Land und sein Volk, doch niemand wusste etwas Genaueres oder wagte, wenn er etwas aufgeschnappt hatte, es offen auszusprechen. Die Mundpropaganda war also die einzige Möglichkeit der Weiterverbreitung, und in einem war sie sich einig: Der blühenden Fantasie mancher Schatten waren echt keine Grenzen gesetzt – manche meinten, dass uns feuerspeiende Drachen erwarten würde, ein anderer faselte etwas von an Land lebenden Oktopussen mit mehr Armen voller klebriger Saugnäpfe als Gehirnzellen, und so weiter... ihr merkt ja schon, dass niemand auch nur die leiseste Ahnung hatte.

Niemand? - Nicht ganz, die oberste Ebene wusste mehr, als sie zugeben wollte, und drum fragte ich meinen Vater eines Abends, ob er denn wisse, was sich hinter dem Nebel ohne Wiederkehr, der Nordgrenze, verberge. Er ließ mich setzen und blickte mir tief in die Augen: "Versprichst du mir, dass du keinem Schatten auch nur ein Wörtchen davon erzählst?"

"Keinem Schatten, versprochen und wird nicht gebrochen!", schwor ich unsere Parole, er lächelte zufrieden: "Also gut... das Land heißt Equestria, und dort leben bösartige Kreaturen, die uns Schatten hassen und für unseren Reichtum und Wohlstand beneiden! Sie sind wild und barbarisch und tun nichts lieber als Jagd auf jede unglücklich Seele zu machen, die sich in ihr Land verirrt, und fressen sie bei lebendigem Leib!"

Da war ich zehn, und in den folgenden Wochen träumte ich von nichts anderem – der Horror, dieses Equestria!

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Doch zum Glück war mein Leben mehr als nur harte Ausbildung: Die Zeit, die ich zuhause in dem stinkenden Drecksmoloch Duhrag weilte, war voll Lachen und Freude. Weil ich aus gegebenem Anlass darauf bestand nicht mehr Privatunterricht als ohnehin schon zu bekommen schickte mich mein Vater nach einigem Hin und Her mit dem Familienclan tatsächlich auch in die normale Schule, die ein Fohlenspiel im Vergleich zu allem Horror des Ausbildungslagers vor den Toren der Hauptstadt war. Als einer der besten Schüler absolvierte ich Jahr um Jahr, durfte gar drei Klassenstufen überspringen und fand mich schon bald in der Liga der Großen wieder, die unheimlich stolz auf das Einhorn in ihrer Mitte waren und damit gehörig auf die Kacke hauten, sei es bei zu beeindruckenden Schnitten oder Austauschschülern von Sonstwo. Das war sowieso das größte Ding, dass ich, das einzige jungsche Monoceros der ganzen Jauchegrube, mit den Bad Boys abhing, und um ehrlich gesagt zu sein, diese Jungs waren mir um einiges lieber als die fast schon hirnlosen Gestalten, die mich in den "Einrichtungen für Magischen Staatsschutz" tagtäglich frösteln ließen... das waren diejenigen Einhörner, die nicht so viel Glück gehabt hatten einen Namen von edlem Blut zu tragen und demzufolge in den Lagern gelandet waren, aus denen es bis zum Erwachsensein kein Entkommen gab. "Zur richtigen Erziehung des maximalen magischen Potenzials!", lautete die Parole von oben, und es war Eltern bei Strafe verboten, ihre Neugeboren nicht unverzüglich zu melden - und dies hatte auch seine guten Gründe, wie ich später erfuhr.

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Drittes Kapitel: Die Wilden Zehntausender

Zurück zu meiner Jugend: Es war eine verrückte Zeit, und wir jung, wild und lebensfreudig, wie Fohlen nunmal sind – unbeschwert, eigenbrödlerisch und endlos frei. Verbote hielten uns ebenso wenig auf wie Drohungen und Mahnungen von unseren Eltern, und selbst mit der königlichen Stadtgarde trieben wir unsere Albernheiten, da fragt nicht nach Sonnenschein!

Und oh ja, ich hatte ein Mädchen, und sie war die schönste Stute von ganz Duhrag! Wir lernten uns 10004, pardon, 994 nach Nightmare Moon kennen, da war ich grade mal fünfzehn, und mein Freundeskreis inklusive mir paukte intensiv für die allerletzten Abschlussprüfungen, na ja, wenn wir grade mal keine Dummheiten in den Köpfen hatten, und dazu kamen Alkohol und der ganze andere Krempel, der das Leben aufpeppte und ihm die rosarote Brille aufsetzte. In der Stadt gab es zwar nur eine Sekundarschule, dafür aber auch viele Gesellen und Lehrlinge, die schon ihren Beruf ausübten, und die waren nochmal ein ganz anderes Kaliber, was Spaß anging, und waren so großzügig uns Bad Boys so manches feucht-fröhliche Mal daran teilhaben zu lassen - und das war jedes Mal sowas von witzig-spritzig, dass schatten grundsätzlich nicht genug davon kriegen konnte, so sehr einen auch die Familie davon abzuhalten versuchte. Tjaja, wir waren eben Rebellen auf unsere ganz eigene Art und Weise... aber am absolut allergeilsten war der Kick verbotene Musik so richtig laut aufzudrehen und dazu die Sau rauszulassen... wie ihr wahrscheinlich wisst unterlag ja alles der vollen Zensur Oblivions, aber glaubt nur nicht, dass die auch wirklich alles wussten - wo und wie oft in Duhrag schonmal beide Augen und das Arschloch zugedrückt wurden war die wahre Pracht, wenn schatten es denn mit dem, der oder den Richtigen zu tun hatte. Ein daraus resultierendes Phänomen war zum Bleistift der florierende Schwarzmarkt, wo es wirklich alles zu kaufen und tauschen gab, was schatten sich nur vorstellen konnte... ja, und eben auch die indizierten Tonträger, Rekorde genannt, auf denen die abgefahrenen Lieder eingebrannt waren. Die mussten dann nur noch auf einen Abspieler gelegt werden und dann ging's auch schon rund in der "Daereny" - dem nicht so ganz offiziellen, aber viel zu geilen Jugendtreff!

Und dort eines schönen Abends...

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"Hey Ferrell, lang'ma zwei Kurze rüber, meine Süßen werden schon wieder trocken!", grölt ein betrunkener Stahlkocher herüber und umklammert seine beiden nicht minder blauen Häschen, als würden sie ihm geradewegs davon torkeln: "Jou, kommt s'fort - Ernie, haste noch ne Flasche Feuerstein?"

"Kommt geflogen!", grinst mein Freund, zaubert den hochprozentig Schwarzgebrannten aus einem verborgenen Eisschrank und feuert sie schwungvoll einmal quer über die ganze Länge des Tresens bis in meinen rechten Huf: "Erste Sahne, dange, schreibst ma bidde nen Doppelten für Tristan auf!"

"Wird erledicht!", bester Laune reiche ich die mittlerweile vollen Gläser an die hibbeligen Damen weiter, die schon vom Anblick das große Kichern kriegen, genehmige mir selbst einen Hieb auf's Haus und wende mich meinem Freund Karl Morell zu, der lässig am Zapfhahn lehnt: "Na, keinen Bock zu tanzen?"

"Och nö, mit wem denn?", brummt er leicht niedergeschlagen, hat er doch vor einer halben Stunde erst die dritte Absage in Folge kassiert, "kannste alles vergessen hier, entweder nur Schlampen mit Hängebusen oder Rasseweiber mit Mördertitten hier, und die einen willst du nich und die anderen darfst du nich angucken, heiliger Diaron noch eins! Und immer nur Eine-Nacht-Beziehungen sind auf die Dauer auch nix Halbes und nix Ganzes!"

"Was soll ich da erst sagen, ich bin mit Abstand der jüngste hier hatte noch nie auch nur irgendeine."

"Och du Armer tust mir grad richtich leid - nach dir dreht sich jede um, aber nee, du willst ja noch nich, also echt!"

"Ich darf noch nicht, das ist nen kleiner aber feiner Unterschied, und außerdem muss sie ja von gutem Hause sein, sonst darf sie meiner ollen Sippe nicht unter die Augen... wahrscheinlich schleppt mein Opa demnächst irgend so eine hässliche Adelsfotze mit fettem Stammbaum an und ich muss sie obendrein auch noch heiraten und viele Fohlen machen - scheiß auf Liebe, Hauptsache die dämliche Blutlinie bleibt bestehen und lupenrein, bäh!"

"Ja jut, da beneide ich dich wirklich nich drum, sorry Kumpel...", der Song ist zu Ende, die Tanzfläche lichtet sich etwas, ich bekomme alle Hufe voll zu tun, aber gut, mach ich sehr gerne, den Job als Barhengst - den ganzen Abend viel um die Ohren und keine Zeit für Stuten, optimal! Ist eh ein geiler Schuppen hier, ein gutes Stück außerhalb der Stadt am Ufer des Astralis, gut versteckt zwischen Bäumen und umgeben von den Ruinen einer alten Festungsanlage - nicht allzu groß, dafür gemütlich und ungestört! Und das tollste daran: Die meisten Eltern wissen davon, behalten es aber für sich, weil sie in ihrer Jugend selbst hier gefeiert haben, obwohl es damals schon verboten war! Na ja, zurück zum Geschäft; ich mixe also an einem Knallbecher - zwei Drittel Fruchtsaft, ein Drittel Schnaps - herum, als es plötzlich einen Tumult am Eingang gibt und die Aufpasser für Ordnung sorgen müssen. Durch die Meute kann ich nichts erkennen und frage deshalb meinen Freund Hanno, der zur Truppe gehört: "Du sage mal, was geht'n da ab?"

"Ob du's glaubst oder nich, aber wir haben hohen Besuch - Aranya Galdia Riisya Uludiel Kháradin lässt sich hier sehen!"

"Heiliger Diaron, das kann nichts Gutes verheißen!", erschrecke ich, "wenn sie uns verpfeift war's das, dann lande ich endgültig in Oblivion und komme gehirngewaschen wieder!"

"Keine Panik, die hält schon die Klappe, ist ja schließlich auch hier gewesen und hat davon gewusst - das dürfte ihrem Daddy auch nicht besonders gefallen..."

"Und dann schickt er sie ins Bergwerk!", witzelt Karl und leert seinen Bierkrug in einem Zug: "Na das kann ja was werden!"

Und ehe ich's recht kapiert habe steht die Holde - ein Pegasus von Mordskaliber - mitsamt ihrem Gefolge auch schon vor meinem Tresen und verlangt mit schnippiger Stimme: "Guck einer an, der Khàlford-Sulvaenin höchstpersönlich als Barhengst... wie witzig, haha, was für eine edle Aufgabe für solch einen groooßen Helden - pfff, wie unterirdisch. Das beste des Hauses, aber nen bisschen dalli!"

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Ernie ist vorsichtshalber schonmal in Deckung gegangen und im Lager verschwunden, na toll, damit bin ich der einzige Depp in Reichweite und habe mich dazu noch erdreistet ein Gespräch mit anderen Gästen zu führen statt pünktlich die Bestellung aufzunehmen; außerdem bin ich ja sowieso der Trottel, weil sie keinen dicken Adelstitel trägt und deswegen unfassbar neidisch auf meinen ist... sagen wir's mal so, unsere Familien kennen sich ziemlich gut, ihr Vater ist Kohlegrubenbesitzer und Händler seit vielen Generationen und beliefert seit jeher schon die Stahlwerke meines Alten, und sie sind ziemlich dicke Freunde - dass schatten sich da zwangsläufig über den Weg läuft ist leider nicht zu vermeiden. Und weil sie obendrein noch das einzige Fohlen des Hauses ist darf sie selbstverständlich auch die Prinzessin auf der Erbse spielen, alle ganz nach Belieben herumkommandieren und alles Gewünschte in den Arsch geschoben bekommen, ohne dafür auch nur einen einzigen Huf jemals gerührt haben zu müssen - sie heißt ja nicht umsonst Anarya die Prächtige, Schöne und Überlegene aus dem Hause der Kohlengräber und Berghengste, und auch wenn das eben kein echter hochkarätiger Stammbaum ist meint sie es sei doch einer: "WIRD'S BALD?!"

"Jaja, schon da!", entschließe ich mich zur Interaktion, schnappe mir wortlos einen Humpen aus dem Regal, schenke ihn ein, nicht zu schnell, nicht zu langsam, nicht zu... "Nein, ich will kein ranziges Bier, ich will das beste des Hauses!"

Ihre Zickerei macht mich wütend, und weil endlich mal keine Eltern dabei sind, die mich für Widerworte einer feinen Dame gegenüber lynchen könnten, lasse ich meinem Ärger freien Lauf: "Und was hätte Misses Steinkohle dann bitteschön?" "DAS BESTE DES HAUSES, ABER EIN BISSCHEN PLÖTZLICH, FLOTT FLOTT!!!"

"Das war aber nicht das richtige Wort mit den zwei T...", zische ich zurück, "pass ma auf Zuckerschnitte: Das hier ist nicht dein Laden oder deine Villa, wo du für gewöhnlich die Diva abziehst, sondern unser Schuppen! Und falls es dir noch nicht aufgefallen ist, hier sind auch nen paar Kumpels von der Hütte, die ziehen nicht gerne Samthufschuhe an nur um dich hier achtkantig vor die Tür zu setzen, also benimm dich wie einer von uns und feier mit oder verzieh dich besser gleich!"

Die ganze Belegschaft hält vor Schreck den Atem an, man kann eine Stecknadel fallen hören, so leise ist es in der Daereny - die Ruhe vor dem Sturm, und alle erwarten jeden Moment das Mordsdonnerwetter inklusive meiner Köpfung... aber nichts dergleichen geschieht, Aranyas Kopf verliert den rötlichen Schimmer und ihre Stimme ist deutlich kleinlauter: "Sorry, war nicht so gemeint... ich nehm doch das Bier."

"Dauert nen kleinen Moment...", hauche ich genüsslich und setzte die Prozedur fort, bemesse den Schaum auf den Millimeter genau und genieße das Schweigen der Lämmer in vollen Zügen, bis das Maß endlich voll ist: "Bitte sehr."

Sie greift augenverleiernd zu und will mit ihrer schwer erkämpften Beute von dannen hirschen, ich lasse nicht locker: "Wie sagt man?"

"Arschloch!"

"Nö. Zweiter Versuch..."

"Lass doch endlich mein blödes Glas los!"

"Auch falsch, der letzte...?"

"Danke!", faucht sie zitternd vor Wut und ich gebe ihren Huf frei, oh mannoman ist das ein saugutes Gefühl ihr retour eine reingewürgt zu haben, heiliger Diaron! Kaum ist sie an einem Tisch in einer Ecke verschwunden tauen die Erstarrten wieder auf und diskutieren lautstark miteinander, ich ignoriere das Fragenbombardement, lehne mich lässig zurück und poliere einen neuen Becher auf Hochglanz - schließlich geht die Arbeit vor, keine halben Sachen und keine Ablenkung gewünscht!

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So vergehen die Stunden, die Stimmung steigt mit dem Durchschnittspegel und die ersten kotzen - während die Titel immer besser und radikaler werden beobachten Karl und ich Aranya verstohlen an ihrem Tisch, den mittlerweile alle ihre Begleiterinnen verlassen haben um zu tanzen - ein bisschen leid tut sie mir schon, auch wenn sie sonst die allergrößte Schnepfe mir gegenüber ist: "Bei Diaron hat die nen Körper!", bemerkt Gustav, ein weiterer Bad Boy, und fläzt sich auf einen Barschemel, "wenn's nich so ne Zicke wäre würd' ich direkt mit ihr gehen!"

"Keine Chance Kerl!", grinst Karl kopfschüttelnd, "die gibt sich mit keinem hier ab und wird hoffentlich mit irgendeinem reichen Schnösel an der Westküste verheiratet und dann sind wir sie los!"

"Das wünsch' ich ihr nicht, ist schon echt hart sowas."

"Naw jetzt komm schon Ferrell, die hat's echt nicht besser verdient!"

"Und ich?"

"Jetzt sag mir bloß nicht, dass du auf sie stehst, nie und nimmer!"

"Hab ich auch nicht behauptet, so ein wildgewordenen Huffeger wär' nie und nimmer was für mich."

"Na denn ist's ja gut, hatte schon Sorgen um dich!" "Bloß nich, ich würde niemals...", ein hohes Ziepen klingt durch den Raum, der Rekordschnippler hat mein absolutes Lieblingslied auf die Anlage gepackt - Helden und Diebe!: "Au ja, mein Titel! Schieß los mein Freund!"

"Tanzt du etwa doch mit, du alter Poliermuffel?"

"Für die fünf Minuten tue ich alles!", werfe ich Huftuch und Schürze über den Zapfhahn und begebe mich auf's Parkett, die anderen tuscheln begeistert und versuchen den Takt zum Klopfen zu finden. Denn wenn es eins gibt, was ich so richtig richtich richtich gut kann, dann ist es zu diesem außergewöhnlichen Takten abzurocken: "Na los, ab geht die Post!"

Das Vorspiel macht fast die erste Hälfte des Stückes aus, genau richtig um warm zu werden - langsam setzen erste und zweite Gitarre ein, die Tonsprünge werden fetziger, das Schaben an den Saiten lässt es mir feurig den Rücken hinunter laufen... doch so ganz alleine ist es nur halb so gut, und ich kenne da auch schon jemanden, der bestimmt gerne mit mir den Boden glühen lassen möchte! "Aranya, darf ich dich zum Tanz bitten?"

"Lass mich in Ruhe."

"Na komm schon, das macht Spaß, und du sitzt schon den ganzen Abend hier rum und langweilst dich!", stichele ich auffordernd.

"Keine Lust, hau ab."

"Höre ich da nicht doch eine heimliche Rockerin?"

"Ich hab keinen Bock, kapier's doch endlich!"

"Schade... na denn lasst's krachen!", feuere ich den Hengst mit der Musik an, der ordentlich aufdreht, und die uns allen leider unbekannte Sängerin brüllt aus voller Kehle und Seele los: "Irgendwann in der Alten Ära...!"

"... wir war'n die jungen Schatten und unser Weg war unser Ziel!", unterstütze ich tatkräftig und springe ausgelassen herum, vollführe wilde Schwünge und Drehungen, verschmelze mit Melodie und feiernder Menge: "Wir sind Helden, wir sind Diebe, wir nehmen Equestria wie es kommt!"

Und wie ich das überzeugt von meiner Bestimmung im Reigen meiner Freunde in die Welt verkünde, steht sie vor mir und fragt: "Möchtest... möchtest du vielleicht doch mit mir tanzen?" - und wie ich das möchte!

An dem Abend hat sie übrigens bei mir übernachtet, und ja, wir haben uns das Bett geteilt, und es war unbeschreiblich schön, wild und feurig. Am nächsten Morgen war die Heirat laut unseren Familien schon beschlossene Sache. An meinem sechzehnten Geburtstag feierten wir die Verlobung. Und als ich achtzehn wurde heirateten wir auf dem höchsten Hochofen Duhags vor versammelter Stadt nebst Daeron höchstpersönlich: "Bis dass der Tod euch scheidet..."

Unser Glück hätte auf ewig währen können. Der Tod schied uns vorher.

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Viertes Kapitel: Der Tag aller Tage

So flossen also die Jahre ins Land, ich wurde nach meinem erfolgreichen Schulabschluss sofort eingezogen und sollte ganz nach Plan sechs volle Jahre meinem Vaterland dienen. Besonders umreißen tat mich das ganze nie - klar, in schneidiger Uniform machte schatten schon eine Menge her, aber welche Stute wollte bitteschön mit einem Offizier gehen, der einmal die Woche einen Abend lang Ausgang hatte? - Andererseits wartete Aranya stets treu auf mich, wenn ich denn meinen vierteljährigen einwöchigen Urlaub daheim im Kreis meiner Liebsten genießen durfte, und enttäuschen wollte ich weder sie noch meine Familie... alles in allem war diese Zeit weder besonders aufregend noch besonders öde, denn wenn Daeron eins konnte, dann waren es immer neue, mal banale, mal merkwürdige, mal komplett verrückte Befehle, die er seinen Generälen aufhalste, und die winkten sie kopfschütteld zu uns durch: Also geschah manchmal wochenlang gar nichts, alles wackelte gelangweilt seinen üblichen Trott, und dann kam's plötzlich knüppeldick: Los ging's zum Bleistift mit "Ich erwarte in fünf Minuten alle Soldaten abmarschbereit auf dem Exerzierplatz!" um vier Uhr morgens, ging über "Auf der Bahnstrecke zwischen Oblivion und Kelut müssen auf sechsundzwanzig Kilometern binnen drei Tagen neue Schwellen verlegt werden, der Zugverkehr darf nicht beeinträchtigt sein!" sowie "Dieser Berggipfel da hinten am Horizont versperrt mir die Sicht auf den Sonnenuntergang, schleift ihn ab!" und endete mit "Ich hätte heute gerne Wüstenschakal zum Mittagessen!", wobei der seit gut zweihundert Jahren als ausgestorben galt; aber hey, nachdem etwa hunderttausend Schatten zwei Tage lang durch die Affenhitze auf der Suche nach dem Vieh halb verdurstet zurück in der Kaserne angekrochen kamen, da hatte der feine Hengst doch keinen Appetit mehr und begnügte sich mit simplen Weintrauben. Mit Weintrauben! Das wohl abgefahrenste, was er sich hat einfallen lassen, war die Ausstellung eines Kriegsschiffes mitten in seinem Schlosspark. Dummerweise war es so riesig, dass es den Astralis nicht hinauf fahren konnte... ja, wir haben es tatsächlich von der Küste aus bis vor das Nordtor geschleppt, bis ihm aufgefallen ist, dass der Kahn da ja gar nicht durchpasst... also ab zurück ins Wasser damit!

Und nicht mal da zweifelten wir an ihm, so fest im Glauben, dass alles dem göttlichen Wunsch Diarons entspreche, verkündet durch seinen Vertreter auf Erden, unseren allmächtigen Lord Daeron. Es verblüfft mich immer wieder, wie er uns alle so täuschen konnte, allen Schatten über Jahrzehnte die Illusion des allen anderen überlegenden Volkes vorgegaukelt hat, und dass kaum jemand auf die Idee kam, es sei Lüge.

Und wessen Augen sich öffneten, sah das wahre Monster in ihm. Wenn es ihn da noch nicht verschlungen hatte.

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Der Tag aller Tage war ein Montag und fing an wie jeder andere Montag auch - Aufstehen, Frühsport, Fressen, Wache schieben von morgens bis abends. Mir als Einhorn oblag selbstverfreilich dieses höchste aller Privilegien, auf Daerons Palast aufzupassen, denn schließlich besaß ich Magiepotenzial und konnte mögliche Feinde durch bloßes Angucken grillen... am Arsch, den Job hätte wirklich jeder Trottel machen können und es kam eh nie jemand vorbei, der Stress wollte, aber um seine heißgeliebten Monocerosse möglichst nahe bei sich zu haben war alles andere natürlich Banane. Mein bester Freund Georg aus Georgia, Oberst der Stadtgarde, und ich chillten also wie gewohnt unsere Leben bei einem kühlen Fruchtsaft und dem obligatorischen Maumau-Spiel in Endlosschleife im Schatten unserer Wachhütte, während die Stadt um uns herum vor sich hin vegetierte, so als sei alles in allerbester Ordnung.

An diesem Tag habe ich mich doppelt getäuscht.

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Sie waren viele, und sie waren verflucht leise, gut trainiert sowieso. Wenn ich den Widerständlern eines lassen halten muss, dann ihren unbrechbaren Wille und ihre schier endlose Ausdauer, Kraft sowieso... totzukriegen sind sie nicht, da müsste Daeron schon Atomwaffen zur Hilfe nehmen oder sowas - jedenfalls mussten sie und schon den ganzen Vormittag beobachtet haben und kannten obendrein jeden unserer Hufschritte. Anders kann ich mir sonst nicht erklären, wie just in den zwei Minuten, als Georg auf dem Plumpsklo das Nötigste erledigte und ich die hölzernen Widerlager der Zugbrücke und den Schlossgraben checkte, der Sprengsatz den Weg in unser Wachhäusen fand... ich sehe meinen Freund noch heute vom Scheißhaus kommen, zu mir herüber rufen: "Na, noch alle Fische da?", lachen und die verdammte Tür aufstoßen... und dann die Explosion.

Der Feuerball war ernorm und sprang unmittelbar auf die hölzerne Konstruktion der Brücke und des Tores über, welche binnen Sekunden in hellen Flammen standen. Mich hatte die Feuerwalze weitestgehend verschont, dafür Steine und verbogene Metallteile des in die Luft gejagten Häuschens umso heftiger getroffen und zu Boden gerissen. Halb an einen Pfosten des Geländers gelehnt flimmerten hell-dunkle Schatten vor meinen Augen, ein enormer Druck lag auf meinem Bauch und raubte mir die Atemluft, meine Kehle brannte vom beißenden Rauch, in meinem Mund schmeckte ich Blut. Das Summen in meinen Ohren ließ mich würgen und ein Schwall Erbrochenes ergoss sich über mein Bauchfell, nicht mal den Gestank nahm ich mehr wahr, so kurz war ich vor der Ohnmacht. Mein Kopf rutschte nach links, ich drohte vornüber zu kippen, als gegenüber die mächtige Stahlkette zum Hochziehen der Brücke riss und mit gewaltiger Wucht durch das Holz schlug - Bohlenstücke so groß wie Hengste flogen umher, und eines nagelte mich zurück an die harte Lehne, dass mir schwarz vor Augen wurde, bevor ich den Rest meines Mageninhaltes auf die Hufe kotzte.

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Benommen kam ich wieder zu mir, hatte jegliches Zeitgefühl verloren, spürte nichts, fühlte nichts, hörte nichts. Mein Blick war unscharf, aber er klarte mehr und mehr auf, und so lag er schließlich auf dem ganzen Ausmaß der Verwüstung: Die Reste unserer Bude loderten vor sich hin, die Zugbrücke war halb aus ihren Scharnieren gerissen und hing irgendwie halb quer da, kurz davor jeden Moment abzustürzen, Trümmer lagen kunterbunt über das ganze Schlachtfeld verstreut, und mittendrin Georg auf dem Bauch, regungslos und mit stark verbranntem Fell. Ich versuchte wenigstens einen Huf zu bewegen und den Balken vor mir wegzuschieben, ein stechender Schmerz durchzuckte meinen Körper, mit verzogenem Gesicht scheiterte ich kläglich keuchend daran. "G-georg?", entschwand es meiner Kehle, doch das Knistern der Flammen verschlang seinen Namen auf der Stelle. Noch einmal strengte ich mich gegen das Hindernis an, aber keine Chance, es saß bombenfest.

Und dann sah ich sie, diese Schlampe, dieses dreckige Miststück, diese Mörderin. Hinterfotzig lachend bahnte sie sich ihren Weg durch das Chaos, ihre Armbrust schimmerte wie ein Todesengel im Feuerschein. Näher und näher schritt sie heran, begutachtete meinen Freund, wie er da wehrlos am Boden lag, alle Viere von sich gestreckt und schwach atmend, und jagte ihm einen Bolzen mitten in den Hinterkopf, ohne mit der Wimper zu zucken. Das Geräusch hallte ohrenbetäubend in meinem Schädel wider, Übelkeit überfiel mich, ich spuckte Schleim. Das entging ihr nicht, verächtlich wandte sie sich von Georgs Leiche ab und hielt nun auf mich zu, im Lauf ihre Waffe neu spannend. Adrenalin durchflutete meinen leeren Körper, mein linker Vorderhuf war nutzlos eingeklemmt, der rechte hingegen kam frei und fand seinen Weg tief nach unten... nur noch wenige Schritte trennten uns, und diabolisch kichernd hob sie den Todbringer: "Keine Bange, du wirst deinen Freund gleich wiedersehen - in der Hölle!" Und ein Schuss löste sich.

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Fühlt sich so Sterben an? Alles wird ruhig und still, die Wunden verheilen von allein, schatten schwebt schwerelos dahin, planlos, frei, befreit. Ein sanfter Wind streichelt meine Wange, ich wage nicht die Augen zu öffnen, so gut fühlt es sich an, so weich sind die Wolken, so warm ist die Luft... so warm... so wärmer... so... heiß! Erschrocken erwache ich, die Schäume verpuffen in der schwelenden Hitze des Brandes, der sich immer näher die Brücke herab frisst. Ich nehme all meine Kraft zusammen und stemme mich gegen die Fesseln, es ist aussichtslos, bevor ich verblute werde ich als Brathähnchen gegrillt... und die Schlampe, die zu feige ist, um es wie ein Hengst zuende zu bringen, kniet da auf Georgs Leiche und verhöhnt mich. Mit dem letzten bisschen Kraft, das mir noch bleibt, schwöre ich mir, sie zur Strecke zu bringen, wie sie meinen Freund hinterrücks umgebracht hat, und wie sie endlich fertig mit ihrer Triade ist, aufsieht und bemerkt, dass mein hasserfüllter Blick iihr gilt, hebt sie ihr Gewehr vom Boden auf, zielt und drückt ab.

Und wie die Welt um mich herum in sich zusammenstürzt werde ich erneut bewusstlos... dieses Mal für immer...

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Kühl war es, das Jenseits, dunkel und schwerelos. Ich sank und stieg, je nachdem es meinem Körper zu gelüsten schien, durch dieses fremde Welt, vorbei an unbekannten Dingen, die vergangen waren wie ich, nun eingekehrt in die Ewigkeit. Mein Kopf war leer, es gab nichts mehr zu bedenken, nichts mehr zu tun, nicht mehr zu sein. Unter meinen Hufen lauerte eine grundtiefe Schwärze, bereit alles zu verschlingen, was ihr zu nahe kam, und ich, der dort ruhelos umher trieb, suchte die Unendlichkeit, und fand sie sogleich: Ich hätte sie nicht erkannt, wenn sie sich nicht als das Alles zu erkennen gegeben hätte, als das warme Licht, welches jedes Lebewesen zu erhaschen versucht, wenn es sein letztes Schicksal bestimmt. Aber war das noch von Bedeutung, von Sinn? Wozu es überhaupt erreichen, wenn es doch ohnehin zu Ende war, alles und nichts. Doch war es das wirklich? Warum wollte ich es sonst erreichen?

Ich wusste es nicht, aber es ist meine Entscheidung, mein Wille, und deswegen schwebte ich näher und näher und näher und...

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... oder auch nicht. Zwei Hufe packen mich bei den Schultern und ziehen mich aus dem nassen Grab zurück ins Leben: "Major, hier lebt einer!"

Prustend spucke ich Wasser, der Springbrunnen im Thronsaal ist dagegen ein Schattendreck, meine übereifrigen Retter prügeln mir zur Unterstützung fast das Kreuz aus dem Nacken, dass ich außer Keuchhusten keinen rechten Ton von mir geben kann, schon ist die Chefetage da und macht ein Riesentrara: "Daeron sei Dank, das ist Ferrell! Holt sofort einen Arzt, das sieht echt übel aus!" Und da er damit voll ins Schwarze getroffen hat, hat[1] mein Hirn endgültig die Schnauze voll und versetzt sich selbst in Standby.

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Wie lange ich war war weiß ich nicht, im Offizierslazarett gibt es nicht mal mehr eine Uhr, und es ist mitten in der Nacht, als ich zum zweiten Mal von den Toten auferstehe... ich ja, Georg nicht. Diese Frage aller Fragen quält mich bis heute und beschert mir Schlaflosigkeit, wo sie nur kann, so auch damals, als das Trauma seinen Anfang und mir meinen Freund nahm. Warum er, warum nicht ich, warum nicht irgendjemand anderes, warum?!

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Am neuen Morgen befand mich der anwesende Doktor für vollständig genesen, ich überzeuge ihn vom Gegenteil, indem ich ihm einmal in hohem Bogen auf den Schoß kotzte (fragt mich bitte nicht, wie viele Mägen ich haben muss, um das bewerkstelligen zu können). Nach einigem unwilligen Fluchen behielt er mich dann doch da, und so statteten mir im Laufe des Tages etliche hohe Tiere von Oblivion die Krankenvisite ab, überhäuften mich mit wertlosem Job für meine Tapferkeit und so weiter und wollten jeder ganz genau wissen, wie ich im Angesicht der mörderischen Übermacht von Rebellenrotte ganz alleine das Haupttor der Festung als letzter Hengst verteidigt hatte. Darüber schwieg ich mich aus, gerade weil ich nicht mal einer Fliege etwas zuleide getan und obendrein Georgs Tod zu verantworten hatte... ich hätte ihn verteidigen müssen, es war alles meine Schuld, alles meine Schuld!

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Angeschlagen kehrte ich am nächsten Tag zurück in die Kaserne, sofort bombadierte mich die ganze Garnision mit tausend Fragen, auf die ich keine Antwort wusste oder geben konnte. Kommandant Azduzh rief mich zu sich und beglückwünschte mich zu meinem Heldenmut, hätte ich doch ganz alleine... jaja, steckte mir ein Stück Blech ans Revers und scheuchte mich wieder hinaus. Schon halb im Türrahmen hielt er mich plötzlich zurück, warf einen Kontrollblick in den schattenleeren Flur und flüsterte dann: "Daeron schäumt vor Wut wegen des feigen Anschlags, und schatten munkelt, er habe schon einen Diener einen Kopf kürzer gemacht, weil der vergessen hat, eine Vase wieder an ihren korrekten Stammplatz zu stellen - mir schwant Übles, mach dich und die anderen schonend darauf gefasst."

Das waren ja rosige Aussichten, und so humpelte ich mit einem halb kaputten Huf und nicht mal annähernd sauber verheiltem Schnitt quer über den Bauch zur Truppe, um ihnen schonend beizubringen, dass es großen Ärger gab. Wobei Ärger kein Ausdruck war, Zorn traf es eher... Mordlust vielleicht auch, aber was genau vermochte niemand so recht zu wissen. Niemand außer dem großen Lord selbst.

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Die Dämmerung brach herein, und wir atmeten auf. Das Morgen konnte uns egal sein, wenn Daeron etwas wollte, dann sofort, und nicht morgen also waren wir fein raus... zum Glück, denn das, was einem Schatten blühen konnte, wenn Ihre Lordschaft die Krise kriegte, wollte keiner miterleben müssen. Erleichtert schickte ich die Hengste in ihre Kojen und wälzte mich trotz aller Wehwehchen so zufrieden wie ich maximal sein konnte in meine Hängematte.

Denkste. Die Turmuhr der Zitadelle schlug Elf, als Gefechtsalarm gebrüllt wurde. In unter fünf Minuten waren alle hastig aufmarschiert, standen in Huf und Flügel und warteten auf Befehle - es sollte doch wohl nicht etwa nach Equestria gehen, ausgerechnet jetzt?! Eine schwarze Kutschte mit wilden Rossen donnerte durch das Meer aus Soldaten, bremste scharf und kam in einer Staubwolke zum Stehen, der Schlag flog auf und ein Bote der höchsten Instanz erhob sich höchstpersönlich vor unserem Kommandanten: "Die Befehle Ihrer Lordschaft, General Azduzh."

Mit zittrigen Hufen nahm der die Bulle an, entfaltete die Botschaft, überflog die Zeilen, las ein zweites Mal, schüttelte ungläubig den Kopf, vergewisserte sich zum dritten, starrte fassungslos auf die Worte, die da geschrieben standen: "Das... das ist... nein, nein!"

"Es sind die Befehle. Es liegt an Ihnen, sie auszuführen."

"Das... das kann ich nicht! Das kann er nicht von mir verlangen!"

"Er kann. Und wenn Sie nicht dazu in der Lage sind wird es ein anderer sein. Tun Sie's, es ist das beste für alle hier."

"J-jawohl!", salutierte der sonst so starke General schluckend und wandte sich uns zu: "SOLDATEN, UNSER GROßER LORD HAT NACH DEM HINTERHÄLTIGEN ANSCHLAG AUF DIE FESTUNG OBLIVIONS VORGESTERN MIT ALLEN VERFÜGBABEN HENGSTEN UND MITTELN NACH DEN TÄTERN FAHNDEN LASSEN, UND HEUTE IST IHNEN DER ERFOLG BESCHERT WORDEN: IN DER NORDSTADT HÄLT SICH DIESES UNGEZIEFER VERSTECKT UND ENTZIEHT SICH DURCH KOLLABORATEURE DEN ORDNUNGSHÜTERN!!! EUER AUFTRAG IST ES NUN, DIESEN WIDERSTAND ZU BRECHEN UND ALLE VERRÄTER AUF DER STELLE ZU ERSCHIEßEN!!!"

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Der Hufmarsch bis zu den ersten Ausläufern des Ghettos war einen Schattensprung, angekommen kesselten meine Mitstreiter den Bezirk großräumig ein und bildeten eine Phalanx, jede Regung in der größtenteils längst schlafenden Siedlung im Auge behaltend und auf Befehle wartend. Mir gefiel nicht, dass die Generalität uns solange warten ließ, aber immerhin konnte so kein feiger Rebell mehr entwischen... wobei mich die vielen Zivilisten beunruhigten, die uns von ihnen trennten und unter denen überall mögliche Helfer und Helfershelfer sein konnten - aber eben auch wehrlose Stuten und Fohlen. Ein bekannter Pegasus trat an mich heran und fragte: "Sag mal, weißt du irgendwas?", ich verneinte kopfschüttelnd und wollte ihn auf etwas Geduld verweisen, als ein Meldegänger angeflitzt kam und vor mir salutierte: "Rühren, Soldat... was steht an?"

"Die Befehle von Kommandant Azduzh, Hauptmann Khàlford-Sulvaenin - die Bogenschützen Ihre Abteilung sollen ihre Pfeilspitzen in Öl tauchen, anstecken und damit das Rebellennest ausräuchern, bevor die Sturmtruppen einfallen und alles Überlebende niedermetzeln!"

Mit klappte vor Entsetzen die Kinnlade runter: "Wie bitte?! - Da sind Tausende von Unschuldigen drinnen, die können wir doch nicht einfach verbrennen, nur um ein paar Widerständler zu schnappen! Das ist purer Wahnsinn!"

"Ich... ich habe den Auftrag, Euch weiterhin auszurichten, dass, falls Ihr oder sonst jemand sich weigert, er als Deserteur und Verräter hingerichtet wird... es... es geschieht alles im heiligen Namen Diarons!"

"Ich muss sofort zu Azduzh!"

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Ich galoppierte, wie ich selten galoppiert war. In voller Rüstung und bewaffnet kam ich trotz guter Kondition schnell außer Puste und erreichte keuchend das Kommandozelt meines Vorgesetzten. Ohne anzuklopfen stürmte ich hinein und knallte beide Hufe auf den Tisch, dass Azduzh erschrocken zusammenfuhr: "Das kann doch nicht Ihr Ernst sein so ein Massaker anzurichten! Da sind hunderte Stuten und Fohlen drinnen, die müssen vorher evakuiert werden!"

In Zeitlupe hob er seinen Kopf, träge, resigniert, seine Stimme zitterte: "Ich... wir haben keine andere Wahl."

"Natürlich haben wir die! Wir stürmen die Hütten und schnappen uns diese Hunde höchstpersönlich, genügend Soldaten haben Sie! Es muss nicht mehr Blut fließen, als es ohnehin schon getan hat!"

"Es ist der Wille Daerons."

Mein Hitzkopf fror ein und war plötzlich gähnend leer, ich war unfähig zu sprechen geschweige denn mich anderweitig zu bewegen, nur meine Augen suchten weit aufgerissen nach den Worten, die durch den Raum hallten wie ein Donnerschlag. Der Wille Daerons, der Wille Daerons! Das musste ein Missverständnis sein - das war gelogen, das musste gelogen sein, ja, das behauptete Mc Duff nur, um seinen eigenen Kopf aus der Schlinge zu ziehen! Niemals würde der gütige, allmächtige, weise Lord so etwas Grausames von seinen Treuesten verlangen! Die Wut über diese scheinbare Erkenntnis übersteig alles und ich explodierte, packte den Kartentisch und haute ihn dem Schwein von Kommandanten um die Ohren, dass das Holz splitterte, rang ihn anschließend zu Boden und drückte ihm die Kehle zu: "DAS WÜRDE DAERON NIEMALS ZULASSEN, SIE MIESER LÜGNER!!!"

Die Wache schritt ein und versuchte mich zu bändigen, ich bekam einen Huf zu fassen und brach ihn mit einem festen Ruck, eine Nase zersplitterte unter dem nächsten Hieb, dann bekam ich zwei saftige Schläge gegen den Kopf, taumelte und kippte ausgebrannt um. Am Boden liegend stürzte sich ein weiterer Soldat auf mich, ich bekam kaum noch etwas mit. Die alten Wunden schmerzten kräftig, mein Blick wurde neblig, die Welt verschwamm, und irgendwo, da ganz am Ende, sah ich einen Schatten auf mich zu kommen...

"Was geht hier vor?"

Die Stimme des Obersten Lords.

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Mit einem Schlag war ich hellwach, schüttelte schnell den Wächer mit einem Schockzauber von mir, und da erhob er sich auch schon, in voller Lebensgröße, in ganzer Pracht - unser aller Herrscher: "Azduzh, ich warte, und ich hasse es!"

"M-mein Lord, es tut mir schrecklich leid, Euch enttäuscht zu haben!", stammelte mein Kommandant blass und klopfte sich den Staub aus dem Fell, "aber... mein Freund Ferrell... er..."

"Etwa Feraël Dagolis Savaël Sûlic Khàlford-Sulvaenin VII., Sohn von Donillus Illúvatar Savaël Khàlford-Sulvaenin VI., der zukünftige Held im Kampf gegen Equestria?", erst jetzt erfasste sein Blick meine Gestalt und taxierte sie misstrauisch: "Da ist er ja - steh auf, wie siehst du überhaupt aus?! Was prügelst du dich mit deinem Kommandanten?!"

"Mein Lord, ich bedauere zutiefst Euch so gegenüber zu treten, aber ich musste den falschen Anschuldigungen des Kommandanten Azduzh mehr entgegensetzen als bloße Worte!"

"Falsche Anschuldigungen? Was soll das heißen?!"

"Gar nichts, mein Lord, das ist es ja! - Ich habe die Soldaten nur über Euren Befehl zum Angriff in Kenntnis setzen lassen..."

"Der absolut gelogen ist!"

"So, ist er das? Azduzh, stimmt das?!"

"Nein Eure Lordschaft, ich habe ihn nach Eurem Wortlaut verkünden lassen!"

"So würde der Große Lord niemals sprechen!"

"JETZT SPUCKEN SIE'S SCHON AUS!!!"

"J-jawohl Eure Lordschaft... d-die Soldaten sollen das Ghetto umstellen und Bogenschützen es ausräuchern, danach die Sturmtruppen alles durchkämmen und alle Überlebenden hinrichten."

"Hört es Euch an! Er lügt, ohne mit der Wimper zu zucken, und selbst Euch rüde ins Gesicht!"

"Das verbitte ich mir, aber er tut es nicht."

In diesem Moment ging etwas in mir kaputt. Es war der eine Stein, der das Glashaus der Täschung zum Bersten brachte, die Fassade der Illusion nieder riss, der eine Tropfen, der das Fass der Lügen überlaufen ließ. Diese Welt, in der ich all die Jahre glücklich gelebt hatte, dem mächtigsten aller gnädigen Herrscher unendlich dankbar für Alles, was mich umgab, ihm auf ewig treu ergeben in tiefster Dankbarkeit für seinen Segen und sein weises Wort... mit einem Schlag vernichtet: "W-wie bitte? I-ich... ich verstehe nicht..."

"Ist es denn so schwer zu verstehen? - Ich gab diesen Befehl, laut und deutlich - zweifelst du etwa daran?"

"A-aber m-mein Lord..."

"Zweifelst du daran?", ein gefährlicher Unterton lag darin, mein Stimme setzte fast komplett aus: "I-ich..."

"ZWEIFELST DU AN MIR?!"

"N-nein Eure Lordschaft!"

"DANN FÜHRE MEINEN BEFEHL AUS!!!"

"A-aber... aber da sind tausende unschuldige Zivilisten in der Stadt, die können wir doch nicht auch töten!"

"Warum nicht? - Sie gewähren diesen elenden Maden Unterschlupf und füttern sie mit dem Brot, das andere nötiger haben! Sie sind die wahren Parasiten, und Ungeziefer gehört zertreten! Dazu ist alles recht!"

"Sind Euch ihre Leben egal?"

Und dann durchbohrten mich diese eiskalten Augen voller Skrupellosigkeit, die so perfekt zu täuschen vermochten, die sich jederpony einprägen, so lange es denken, fühlen und handeln kann, und es in allem scharf beobachten, jedes Gramm seines Handelns auf die Goldwaage legen, es verfolgen, es treiben, es zwingen: "Ja, tötet alle! Es interessiert mich nicht, wer stirbt und wer nicht, solange diejenigen krepieren, die sich meinem Willen widersetzen!"

"Das... das kann und werde ich nicht!"

"Schade... Euer Vater ist ein guter Freund und treuer Verbündeter...", er packte sein Schwert, um dessen Knauf Magie glühte, ich wich einen Schritt zurück, die Magensäure stand mir bis zur Kehle, Azduzh schlotterten die Knie, "... doch du bist sein einziges Fohlen, sein ganzer Stolz... und darum gebe ich dir eine letzte Chance: Befehle den Angriff, und ich werde dein Leben und das deiner ganzen Sippe verschonen."

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Ich tat es.

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Ich hatte keine andere Wahl.

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Das Feuer wütete die ganze Nacht, und die Schreie der qualvoll Verbrennenden haben sich tief in meine Seele gebrannt. Kein Einziger meiner Kameraden warf die Waffen weg und versuchte diesem Wahnsinn ein Ende zu setzen... sie alle schossen, erschlugen, erstachen, wüteten. Das waren keine ehrenhaften Soldaten mehr, das waren herzlose Bestien.

Daeron zwang mich bei ihm zu bleiben und dem Massenmord beizuwohnen... und er lachte dabei, als die Körper der Fohlen und Greise zu Asche zerfielen, als ihre Leben ausgehaucht wurden, als er über sie richtete, als wäre es sein Recht. Es war mir, als spiegele sich seine wahre Natur in dem Inferno wider, ein ruchloses Monster, das verführt und verschlingt, was ihm in die Quere kommt. Und auch wenn ich nichts auf Schwüre setze, so würde ich doch behaupten, dass in diesen Stunden der leibhaftige Diaron neben mir genüsslich schmatzend die gebratenen Leichen fraß und sich noch mehr am grausamen Ende der armen Seelen labte.

Ich werde es niemals vergessen.

Niemals.

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Mit dem Morgengrauen brannten die letzten Grundmauern einstiger Häuser, ein verkohltes Feld des Todes blieb zurück. Die Armee wurde zurück in die Kaserne beordert, Azduzh versuchte nicht einmal, mich anzuhalten mit ihm zurückzukehren, und sagte nur: "Es tut mir so leid für dich."

Daeron kehrte heim in seine Festung, und mit ihm löste sich der Bann, der mich an seine Seite band. Wie seine schwarze Kutsche eintraf drehte er sich noch einmal zu mir um, der ich im Staub lag, zur Untätigkeit verdammt, und resümierte hämisch: "Du hast heute ein wichtige Lektion gelernt, Feraël - stelle niemals mein Wort infrage, oder du wirst es bitter bereuhen. Angst ist die größte aller Mächte, und machst du einem Schatten Angst, dann hast du die Macht über ihn!", diabolisch lachend wandte er sich ab und verließ den rauchenden Richtplatz.

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Fünftes Kapitel: Kurs Nord

Was nun?, stellte sich mir die Frage aller Fragen, zurück in den Schoß Oblivions; weiterleben, als sei nichts gewesen, nichts gesehen, nichts gehört, nichts gesagt? - Auf gar keinen Fall! Dieses Leben war eine einzige Lüge gewesen, und ich hatte es so satt, jetzt, nach alledem... aber wohin sonst? Das Schattenreich war begrenzt, und überall würde ein junger Einhornhengst auffallen. Doch was war hinter den Grenzen, was konnte mich da erwarten, etwa dieses Equestria? So viel wusste ich darüber und doch rein gar nichts, aus den vielen Erzählungen meines Vaters und anderer hoher Besucher von damals erschien mir nichts plausibel geschweige denn ausreichend genug um einfach so aufzubrechen... es mangelte schlichtweg an allem, angefangen von der genauen Lage über mögliche Beschaffenheit bis hin zu den Bewohnern. Und das allerwichtigse bereitete mir die größten Sorge: Wie waren sie Schatten gegenüber gesinnt?

Der Tag neigte sich bereits dem Ende entgegen, als ich mich entschloss aufzubrechen und kommen zu lassen was käme, ins Unbekannte zu marschieren und es zu entdecken, zu erleben, zu erfahren, was dort vor sich ginge. Weg, nur weg von hier, von den Trümmern, den Aschebergen, auf in ein neues Leben.

Und irgendwie ließ mich auch der Gedanke an Syas alte Prophezeiung nicht mehr los...

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Es mochten Tage, Wochen gewesen sein, als ich auf meiner Route gen Norden auf eine wüste Ruine stieß, in der ich Quartier bezog. Die Grasebene nahm einfach kein Ende, hunderte von Kilometern hatte ich bereits hinter mir, und erst einmal war in der Nähe ein kleines Dorf aufgetaucht, in das ich mich schlich und den Ziehbrunnen halb leer trank. Abseits der großen Handelsrouten war das Land unberüht und wild, trocken und rau, die Tage zum Abgewöhnen und die Nächte eisig, ein kräftiger Wind wehte fast immer. Die beste Zeit zur Wanderschaft war also vom Abendrot bis zum Sonnenaufgang, wenn ich nicht erfrieren wollte, und die Tage verschlief ich so gut es ging in Erdkuhlen oder unter den wenigen Bäumen, die mal hier und da etwas seeligen Schatten spendeten. Meine Freunde waren die Vögel, die so unbeschwert durch die Lüfte schwebten, mein Kamerad Georgs Revolver, den ich fest bei mir trug.

Die Stunden verstrichen wie gewöhnlich schnell und ereignislos, im Traum fragte ich ein Fohlen, ob es wisse, was dieses Gemäuer einst gewesen war und wem es gedient hatte. Es sah mich mit traurigen Augen an und meinte mit ersterbender Stimme: "Es war unser Hof... sie haben ihn abgebrannt, einfach so...", schnaubend verjagte ich das Schreckgespenst - es trieb mich in Endlosschleife noch eines Tages in den Wahnsinn, weil es sich nach diesem Satz selbst entzündete und bis zur Unkenntlich verkohlte, natürlich ohne dass ich auch nur irgendwie die Chance hatte einzugreifen... warum musste grundsätzlich alles so beschissen sein?! Gab es denn keinen einzigen verdammten Lichtblick mehr in dieser verschissenen Welt?! Was trieb mich überhaupt zu dieser Grenze, wo lag der Sinn in der nicht enden wollenden Anstrengung?! Was, wenn ich wieder enttäuscht würde, was dann?! Was, wenn ich es einfach beenden würde, hier und jetzt - niemand würde jemals meine Leiche finden, eher hätten die Aasfresser sich ihrer entledigt; ja, der Selbstmord schien so verlockend den je! Gierig nach dem Hauch eines Ausweges witternd wog ich Georgs Revolver in den geschundenen Vorderhufen, und je länger ich ihn betrachtete, desto netter und freundlicher wurde die Mündung, umso einfacher erschien diese finale Lösung... nur ein Schuss, dann war es vorbei! Unsicher, aber doch dem Ganzen ein Ende setzen hoffend, richtete ich das blanke Rohr auf meinen Schädel, umfasste den Griff mit zitternden Hufen und... "... Ferrell..."

"Wer bist du?!"

"Ich bin der Wind...", flüsterte die Stimme leise - na klar, ganz sicher, da spielte aber jemand einen ganz üblen Streich mit mir; wahrscheinlich einer von diesen verdammten Rebellen, die mir wahrscheinlich schon seit Tagen auf den Fersen und zu feige waren, ihre wahren Gesichter zu zeigen, damit ich ihre Schädel hätte höchstpersönlich einschlagen können: "Was willst du von mir?!"

"... dir helfen..." - "Und wie?! - Mir ist nicht mehr zu helfen, gib's auf, es ist vorbei!"

"... gib nicht auf..."

"Na toll, danke dafür! Ich habe nichts mehr zu verlieren, also zieh es nicht ins Lächerliche und lass es mich zuende bringen, ein für alle Mal!"

"... die Prophezeihung...", mein Atem setzte aus, die Waffe entglitt dem schweißnassen Huf - das konnte kein Sterblicher wissen... was... was wenn...? Starr vor Schwäche und Schock gleichermaßen ließ ich von meinem mörderischen Vorhaben ab, plumste verstört auf mein Hinterteil und schrie in die endlose Öde hinaus: "Was ist damit!?"

"... folge ihr... dein Schicksal... endet nicht hier..."

"Und warum nicht?!"

"... dem Ende eines jeden harten Tages... folgt eine kühle Nacht... nutze sie..."

"Ich kann nicht, ich bin zu schwach dazu!"

"... nutze sie... alles... hat ein Ende..."

"Daeron? Hat er auch ein Ende?"

"... Daeron... Schatten... alles..."

"Wann?! - Sprich mit mir, bitte - bitte!"

"... die Zeit... bald... du... junger Khálford-Sulvaenin... dein Schicksal... es wird Großes bringen... Großes... Freiheit... Gleichheit... Brüderlichkeit... alle werden frei sein... durch deinen Huf... nun geh... finde den Nebel... habe keine Angst... du... Ferrell..."

Damit verklang das Rauschen, und ehe ich mich's versah zogen graue Wolken auf verdunkelten den Himmel so schwarz wie die Schornsteine Duhrags, nur dass diese grollten und knisterten vor Ladung und Spannung... und ehe ich mich ein zweites Mal versah goss es wie aus Kübeln, feucht, nass, erquickend - herrlichst!

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Die Sterne leuchteten hell und golden, einsam stand ich vor der Ruine und vernahm in weiter Ferne das Rauschen des sanften Windes über den Gräsern der Steppe. Vom toten Knöcherbaum neben dem Fenster brach ich einen Wanderstock ab und machte mich auf die Reise durch die herrliche Sommernacht.

Was mich wohl erwarten würde, da in der Ferne? - Hohe Berge, wilde Schluchten, stille Wälder, kristallklare Quellen; neue Städchen, andere Mädchen... einerlei, an welchem Ort, Hauptsache weit weg von hier fort!

Und während ich mich so lebendig wie schon lange verloren geglaubt fühlte, leuchtete der volle Mond nur für mich und schaute mir als einziger Freund zufrieden zu.

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Ich habe nich gezählt, wie lange ich unter seiner treuen Sichel gewandert bin, als ich eines Morgens erreichte, wonach ich so lange gesucht hatte: Das war er also, der berüchtigte Nebel ohne Wiederkehr. Nach links und rechts zog er sich endlos hin, auch zum Himmel war kein Ende sichtbar. Die Nordgrenze des Schattenreiches, hier gab es kein Zurück mehr. Unsicherheit überflutete mich stoßweise, gehen oder nicht, leben oder wohlmöglich sterben, das war die Königsfrage, und die Zeit saß mir im Nacken, jeden Moment konnte die Wache vorbeikommen. Diktatur und Unterdrückung oder Freiheit und Ungewissheit? Familie und Name oder Einsamkeit und Fremde? Altes Leiden oder neue Chance? Daeron oder... ja, zum Umkehren war es wahrhaftig zu spät, mein Schicksal besiegelt. Mit diesem Entschluss fest in der Brust wandte ich mir ein letztes Mal meiner alten Heimat zu, schwor, eines Tages wieder zurückzukehren und diejenigen zu rächen, die so grausam umgekommen waren, und schritt mitten hinein in das weiße Nichts.


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Sechstes Kapitel: Equestria

Teil I - Appleloosa

Es fühlte sich an wie weiche Wolken - damit hat uns Karl regelmäßig beworfen - und klebt ein kleines bisschen wie die Zuckerwatte, die es immer auf dem Jahrmarkt in Duhag gab. Die eigentliche Krux war also das Durchkommen, und noch viel wichtiger, nicht die Orientierung zu verlieren! Nachdem ich für mehrere Minuten recht planlos durch die Gegend geirrt war und weder aus noch ein gefunden hatte, entschloss ich mich doch, den Kompass zu Hilfe zu ziehen... so führte mich ausgerechnet Daerons Kompass mitten hinein in - eine Wiese. Verwundert schaute ich mich um... es sah eigentlich aus wie auf der anderen Seite, wolkenverhangener Himmel, Gras soweit das Auge reichte, ein paar Hügel - war ich überhaupt in Equestria oder nur im Kreis gelaufen? Und genau in diesem Moment brach die Sonne durch das Dunkel und erleuchtete die unendliche Weite der Freiheit, und ich wusste, dass ich hier richtig war.

Denn es juckte wie die Sau!

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Schonmal Sonnenbrand gehabt? - Ja sicher, aber im Leben nicht so einen! Es war, als würde meine Haut in Flammen stehen und jede Haarwurzel einzeln um ihr Leben schreien, das war kein Großbrand, das war ein Inferno, welches auf und in meinem Fell tobte! Bloß schnell in den nächstbesten Schatten!, schoss es mir durch den Kopf, und ich galoppierte schneller als mein eigener Begleiter eine Anhöhe hinauf ins nächste zwielichtige (-halbdunkle-) Fleckchen. Mittlerweile glühte es so extrem, dass ich mich im Dreck wälzen musste, um dem entgegenzuwirken, mein Fell roch angesengt, ich musste mich fast übergeben vor Schmerzen - das war also die Angst vor dem Nebel, deswegen kehrte schatten nicht wieder, weil er in der equestrianischen Hölle verbrannte, heiliger Diaron! Verzweifelt suchte ich nach einem Ausweg, schaffte mich kaum mehr auf die Hufe zu stemmen, selbst die Augen juckten nun mit! Halb blind stolperte ich umher, verlor plötzlich den Halt unter den Hufen, kullerte einen kleinen Hang herab, direkt auf etwas Bläuliches zu, und - PLATSCH!

Ahhh, das tat gut!

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So rettete mir also der schlammiger Tümpel das Leben, und die nächsten Stunden verbrachte ich mit Schlammpackungen, die allmählich das Höllenfeuer aus meinem Körper kühlten. Die Sonne war Dae-, Georg sei Dank seitdem nicht wieder aufgetaucht, und mir gefiel die Vorstellung nicht besonders, als Brathähnchen von den hiesigen Bewohnern gefunden und gefressen zu werden... das interessierte und verunsicherte mich am meisten, die Unwissenheit, was für Kreaturen mich da erwarten würden.

Aber zuerst einmal würde ich die Nacht abwarten und im Schutze des Mondes meine Wanderschaft fortsetzen - denn wenn mich nicht alles täuschte hatte ich da vorhin am Horizont eine Rauchfahne entdeckt!

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Erst als sich die Dunkeheit vollkommen über das Land gelegt hatte, zog ich los, gespannt und aufmerksam. Ein runder Vollmond lachte mir prall zu, tausend Sterne grüßten freundlich zurück und leuchteten mir den Weg immer tiefer hinab, bis ich von Weitem ein Dorf entdeckte. Es meiden oder die Lage auskundschaften?, überlegte ich, bis sich mein Magen lautstark meldete und daran erinnerte, dass ihm Naturkost langsam aber sicher erheblich auf's Gemüt schlug. Also marschierte ich guter Dinge immer geradewegs auf die vielen kleinen und großen Lichter zu, bis ich auf einen Weg traf, der direkt mitten hinein ins Herz des Örtchens führte.

Doch bevor ich dort ankam kreuzte jemand meinen Weg...

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"Halt, wer da?", ich fror mitten in der Bewegung ein - d-das war Schattisch! Ich war doch nicht in Equestria, oh fuck, fuck, fuck! Doch längst zu spät, schon hatte mich der Schein einer Laterne erfasst und zwei Augen taxierten misstrauisch mein Gesicht, würden mich erkennen und es war aus... adieu du schöne Freiheit, willkommen zurück daheim! "Sagen Sie mal mein Herr, was spazieren Sie denn mitten in der Nacht draußen in der Wüste herum, sind Sie wahnsinnig? - Die Walküren haben sich hier zum Glück noch nicht blicken lassen, aber pony weiß ja nie, bei Vollmond... wie sehen Sie denn überhaupt aus, was ist passiert?"

"Ich... ich wurde überfallen...", ja, tolle Notlüge, dafür gäbe es sicher extra Peitschenhiebe, aber mein Mund wollte einfach nicht gehorchen und laberte munter weiter: "Es... es waren mehrere, und dann... ich habe mich verirrt... nichts zu essen..."

"Bei Celestias Atem, dann kommen Sie schnell mit in mein Büro, setzen sich erstmal und trinken einen heißen Tee, ich hole Doktor Apple, der wird gleich nach dem Rechten sehen! Kommen Sie, kommen Sie!", er stützte und zog mich mit sich, der ich nicht mehr die Kraft hatte, dem texanischen Eisenklammer zu entfliehen.

Und so rette mich der Sheriff von Appleloosa in meiner ersten Nacht in Equestria vor Unterkühlung, Hunger und ponyfressenden Geistern.

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Die Gastfreundschaft der Ponys - ja, Ponys, keiner fleischfressenden Bestien, so wie Daerons Erzählungen das hatten rüberkommen lassen - war unbeschreiblich, es war außerdem absolut alles da, um mich wieder zusammenzuflicken, der Doktor überhaupt nicht böse, dass er mitten in der Nacht aus dem Haus geklingelt wurde, und noch viel erstaunlicher, die Speisekammer des Sheriffs war bis zum Rand voller Essen - irre, und wie das alles schmeckte! "Heilige Celestia, Sie sind aber böse ausgehungert - langen Sie nur zu, mein Freund, ich habe genug Vorräte, um hier ein ganzes Regiment satt zu kriegen, nur zu! Haben Sie denn noch Wünsche?"

"Ein... ein Bett!", rülpste ich satt bis zur Halsoberkante vollgefuttert und gefühlt doppelt so schwer, bekam kaum mehr einen Huf gehoben und krachte mitten in der guten Stube auf den weichen Teppich, wo ich sogleich tief und fest einratzte.

Das Leben hatte mich wieder!

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Am nächsten Morgen fand ich mich dösend in einem schneeweißen kuschelweichen Bett wieder, proppevoll und ausgeruht wie seit Wochen nicht mehr. Gähnend erhob ich mich von den Toten, streckte meine ermatteten Glieder in alle Himmelsrichtungen und ließ die Wirbelsäule einmal kräftig knacken, ehe ich aufstand und zu meiner großen Freude einen gefüllten Waschzuber fand, in dem ich erstmal ein gepflegtes warmes Bad nahm... ahhh, das musste der Himmel sein hier, so gut konnte es doch auf Erden gar nicht sein! Und vor lauter Glücksseeligkeit pennte ich gleich noch einmal weg.

Eine Glocke schlug Zwölf und weckte mich sanft aus einem süßen Traum, tatsächlich dem ersten, in dem nicht eine halbe Stadt in Flammen aufgegangen war, und nachdem ich mich ausgiebig abgetrocknet hatte entdeckte ich ein Fenster, dass ich erwartungsvoll aufstieß und auf die Straße hinaus blickte. Und was ich sah, war atemberaubend schön: Überall waren Ponys in bunten Farben, nicht so langweilig einheitsschwarz wie zuhause, und sie trugen Kleider, Hüte, geflochtene Mähnen, glänzende Hufreifen und so vieles mehr... und sie sahen alle so glücklich aus, so glücklich, wie es noch nie zuvor in meinem ganzen Leben gesehen hatte.

Das war also mein erster Blick auf Equestria, das Land der Harmonie und Freundschaft.

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Ein kleines Liedchen pfeifend stieg ich die Treppen hinab und traf sogleich auf meinen Retter, der schon übers ganze Gesicht strahlte: "Ah, Sie haben ausgeschlafen, werter Freund?"

"Das habe ich, ja, danke, das Bett... es war sehr gut!"

"Das freut mich zu hören, meine Eva hat einen Huf für sowas - sie ist gerade einkaufen, aber wenn Sie noch etwas bleiben und vielleicht mit uns zu Mittag essen möchten, können Sie sich auch noch bei ihr persönlich bedanken!"

Ich überlegte nicht lange: "Diese Einladung nehme ich sehr gerne an!"

"Na das freut mich doch zu hören!", lachte der braune Hengst mit Schnauzer und großem Hut, "na, es ist zum Glück nicht viel los heute, da habe ich etwas mehr Zeit - sagen Sie mal, wo kommen sie überhaupt her, aus Applewood etwa?"

"Oh ja, da komme ich her, und da... da in der Wüste ist es dann auch passiert!"

"Diese elenden Banditos, sie geben seit Wochen keine Ruhe - das müsste dann die achte überfallene Postkutsche gewesen sein!"

"Ich bin privat verreist."

"Oh, entschuldigen Sie bitte meine Mutmaßung, ich wollte nicht..."

"Passt schon... sagen Sie mal, ähm, hat der Doktor Ihnen noch etwas wegen meines bösen Hautausschlages gesagt, es war doch recht arg?"

"Oh ja, jetzt wo Sie's erwähnen - das sah sehr schlimm aus, meinte er, und am besten wäre, Sie halten sich einen ganzen Monat nur im Schatten auf, aber das geht natürlich nicht, und weiter müssen Sie doch sicher auch noch!"

"Das... stimmt, ja, aber wenn es denn so schlimm ist... anderseits... ich möchte Ihnen nicht auf der Tasche liegen..."

"Och, das macht überhaupt nichts, dafür bin ich doch da, zum Schützen und Helfen!"

"Na ja, wenn Sie das sagen... aber... hm, haben Sie vielleicht auch so einen großen Hut für mich, der schützt doch sicher vor der Sonne?"

"Nicht ganz so einen, aber hin und wieder braucht ein Ganove seine Kleidung nicht mehr - da müsste ich sicher noch etwas Passendes für Sie finden!"

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Auf Geheiß des Sheriffs und bestens eingekleidet verließ ich kurz darauf sein Etablissement und machte mich auf einen kleinen Spaziergang durch das Dorf Appleloosa. Auf dem Kopf trug ich einen Sombrero, einen ziemlich riesigen, aber optimal Schatten spendenden, leider etwas kratzenden Hut, dazu ein Hemd, darüber eine weiße - wow, was eine tolle Farbe! -, recht knappe Lederjacke und dazu passende schwarze - na ja gut - Hosen voller silberner und goldener Schnallen. "So, jetzt sehen Sie wie ein echter Desperado aus!", hatte mein neuer Freund herzlich gelacht und mir gleich dazu halbhohe Stiefel empfolen, falls "... du mal auf eine Klapperschlange latschst, dann müssen wir deinen Huf nicht gleich absägen!"

So ausgestattet wackelte ich also nun die Hauptstraße hinunter und konnte mich kaum satt sehen am farbenfrohen Treiben und blühenden Leben - so unbeschwert und frei waren nicht mal die Adeligen in Oblivion! Ob es hier überhaupt einen Alleinherrscher gab? - Wohl kaum, sonst wäre das hier ganz sicher anders..., überlegte ich so vor mich hin, als plötzlich eine Stute in der Nähe schrie: "Die Banditos kommen!"

Eine Staubwolke am Horizont verriet mir, dass sie Recht hatte. Die anderen Bewohner stellten das ebenso erschrocken fest - "Bringt euch in Sicherheit!" und stürzten los - "Stuten und Fohlen zuerst!", "Rette sich wer kann!" -, hinein in Häuser und Geschäfte, verrammelten Fenster und Türen und kauerten sich ängstlich in den hintersten Ecken zusammen... einzig ein Depp stand noch mitten im Weg: Ich! Und ehe der sich versehen hatte standen ihm auch schon fünf grimmige Hengste Auge in Auge...

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"Hey Fremder, du hast Mut, dich mir in den Weg zu stellen...", kicherte der mittlere dreckig und spuckte mir vor die Hufe, "das macht für gewöhnlich keiner, wenn er an seinem Leben hängt!"

"Und mir hat noch nie einer vor die Hufe gespuckt!", kontere ich wütend über diese Unflätigkeit, die wundervolle Atmosphäre des Ortes gestört zu haben, "also verpisst euch besser zurück in das Loch, aus dem ihr gekrochen seid, und lasst die Ponys hier in Frieden!"

"Na hört euch den an!", brüllt mein Gegenüber vor Lachen, "du willst wohl ein Duell, was?"

"Na aber gerne doch!", fordere ich ihn heraus, "Großmaul gegen Schatten, das wird interessant!"

"Du wirst schon noch sehen, wer hier das Großmaul ist - hast du ne Steinschloss?"

"Bitte was?"

"Der weiß ja nich mal was ne Steinschloss ist!", grölen die Fünf und können sich vor Amüsement kaum noch auf den Hufen halten, "na dann Pech gehabt - hundert Schritte zurück!"

"Du auch."

"Na, so nicht, Freundchen, ich mache hier die Regeln!"

"Dann hast du dich dich wohl noch nie richtig duelliert, was?"

"Ohoh, ein ganz Schlauer - Boyle, halte bitte meinen Mantel, wir machen es lieber richtig, bevor der Herr noch kalte Hufe bekommt!"

Ich enthalte mich eines Statements und genieße nur die Ruhe vor dem Sturm.

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An der Mitte des Platzes angekommen stehen wir nun Rücken an Rücken: "Fünfzig Schritte zurück!"

"Nach vorne meinst du wohl, oder?"

"Halt die Schnauze und tu's einfach, du weißt ganz genau, was ich meine!", aha, er bekommt schon Schiss, na das wird was werden, hihi! So schreite ich gemächlich die Strecke entlang, lausche dem regelmäßigen Klang seiner Hufschritte, alles genau mitzählend und verinnerlichend. Von seiner Tür aus sieht der Sheriff entgeistert zu, ich schenke ihm ein beruhigendes Kopfnicken, keine Panik, das kriegt schatten schon hin - aha, ein unregelmäßiger Auftritt, gleich dreht der Desperado sich zu früh um, der Sauhund - ein schneller Wechsel, ich fahre herum und drücke mich leicht nach rechts weg, reiße Georgs Revolver aus dem Gürtel, ziele, visiere an und drücke ab.

Daneben. Er aber auch, hektisch nästelt er sich eine zweite Pistole - aha, jetzt aber, Steinschlosspistole, och, wie altmodisch! - aus dem Holster... ich spanne genüsslich den Hahn nach, lege auf überkreuzten Hufen an und jage ihm die Kugel mitten in den Schädel.

So sehen Sieger aus, Pony!

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Die Zuschauer stehen wie vom Donner gerührt da, die anderen Ganoven glotzen ihren mausetoten Anführer wie die Mondkälber an, ich rufe ihnen zu: "So, wer will als Nächstes?"

Das ganze Dorf hält die Luft an, in den Gesichtern der vier zuckt es gefährlich, hm, mehr Kugeln habe ich auch nicht dabei, die liegen alle noch in meiner Tasche oben im Gästezimmer! Also jeder Schuss ein Treffer, oh oh, das wird verdammt übel... ein Tumbleweed hüpft vor mir über den sandigen Boden, ich ziehe meinen Hut tiefer in die Stirn und schärfe ganz nebenbei meine Waffe für die nächste Runde - da, der Hengste in der Mitte links reißt seine Knarre aus dem Holster, ich reagiere Millisekunden schneller und puste ihm die Lichter aus, die anderen drei tun es ihm gleich und nehmen mich ins Sperrfeuer, ich muss ausweichen und feuere dreimal, zwei Treffer, ein Schuss in die Luft. Verdamm ich, alles leergeballert, was nun?! Da fällt mir die geladene Pistole des Anführers ein, die noch in seinem Huf ruht - ohne zu zögern haste ich nach vorne, Schüsse peitschen durch die Luft - wie viele Knarren haben die bitte dabei?! -, erreiche unverletzt die Leiche, bringe die Kanone an mich, richte sie auf ihn und... PENG!!!

Und das letzte, was ich spüre, ist, wie ich von der Wucht des Schusses getroffen nach hinten stürze und im Staub lande... einen ganzen Tag durfte ich die Freiheit genießen, einen ganzen Tag. Danke dafür... weinend schließe ich meine Augen.

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Übermüdet komme ich zu mir und liege schon wieder in dem schneeweißen Bett, aber dieses Mal im Himmel - es muss der Himmel sein, es ist so schön hier, und Diaron ist auch da und erwartet mich tapferen Krieger schon... aber seit wann tritt er dem gefallen Helden in Gestalt eines alten Hengstes mit weißem Arztkittel gegenüber? Da dämmert mir allmählich, dass ich noch unter den Lebenden und dazu in Equestria weile... aber wie ist das möglich? "Er ist wach, er ist wach!"

"Ist er, aber leiser bitte!", der Doktor beugt sich über mich und sieht mir strahlend in die Augen: "Hey, geht es Ihnen gut? Haben Sie Schmerzen?"

"Nur... müde... oh... was... was ist passiert?"

"Sie haben alle fünf Desperados erschossen und wurden selbst getroffen, sind aber wie durch ein Wunder unverletzt geblieben, bei Celestias Atem! Sie sind der Held ganz Appleloosas!"

"Och... war doch keine... große Sache...", ringe ich mir über die trockenen Lippen, "ein... ein Glas Wasser, bitte."

Er reicht es mir total überwältigt und kann gar nicht aufhören zu erzählen: "Wissen Sie eigentlich, wie lange uns diese Schurken schon terrorisiert haben, und dann kommen Sie und..."

... und schlafen gleich wieder ein. Dieses Mal träume ich von einem Helden, der durch das Schattenreich zieht und den schlimmsten Gängster von allen zur Strecke bringt. Und der selbstverständlich ich bin!

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Und so blieb ich nach meiner etwas ruppigen Ankunft auf Wunsch aller noch einige Zeit - so ungefähr zwei Jahre - im wunderschönen Appleloosa, wurde zum Helden und Hilfssheriff ernannt, lernte eine junge Farmersstute kennen und...

... und dann kam die Eisenbahn.

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Es war der Sommer des Jahres 1003 nach Nightmare Moon, als eine königliche Botschaft das Dorf erreichte und Großes versprach: Canterlot war endlich zur Einsicht gekommen, auch den Wilden Süden auf dem schnellsten Weg mit dem Rest des Landes zu verbinden - mit der Eisenbahn natürlich! Nun war die für mich wahrhaftig nichts Aufregendes, immerhin rollten daheim in Duhrag die Räder im ratternden Takt für Propaganda und Militär, aber hier, mitten im Nichts der Steppe eine Strecke bauen zu wollen, hielt ich für etwas Gewagtes und Einzigartiges!

Und wie es der Zufall so wollte...

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Die bunten Plakate waren überall an die Saloons und Häuser geschlagen worden, neugierig drängten sich die Bewohner Appleloosas umher: "Hey, wurde das überhaupt genehmigt?"

"Nö Kumpel...", gestand mir ein ziemlich dämlich dreinblickender Junghengst mit fetter Brille und fettiger Mähne, "geht das nich auch so?"

"Nein, das geht eben nicht einfach so, und nimm gefälligst Haltung an, wenn du mit dem Hilfssheriff redest!"

"Jou, chill."

"Du darfst auch gerne bei den Klapperschlangen übernachten, wenn du scharf drauf bist!"

"Boar, nähhh, echt nit!"

"Also?"

"Sorry."

"Na geht doch - schleich dich!", mürrisch verkrümelte sich der Bursche, ich riss einen der Fetzen von der Fassade meines Büros und las:



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ARBEITER UND KONSTRUKTEURE GESUCHT!
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~~~
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Wir suchen für den
Bau der Neuen Eisenbahnstrecke Ponyville - Appleloosa & Dodge Junktion
Kräftige Arbeiter und Schlaue Konstrukteure
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~~~
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Blablabla
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~~~
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Gezeichnet: Smith Wesson i. A. der Canterlot Railway Company
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Klang gar nicht mal übel, denn so sehr ich meinen Job als Sternträger auch mochte, er war doch recht eintönig, und das größte Ding der Woche war für gewöhnlich Apfelklau - da konnte mir eine neue Perspektive sicher nicht schaden! Und außerdem konnte ich gut berechnen und planen, was nicht besonders unvorteilhaft für einen Ingenieur ist...

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So kam es also, dass mich die CRC als Ingenieur einstellte und sogleich mit der Tür ins Haus fiel: Die Schreckliche Schlucht, ein Canyon ungeahnten Ausmaßes, sollte von einer Brücke überspannt werden - und wie bitte?!

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Da standen wir nun - drei Hengste und der Chef - und guckten in die mörderische Felsenkluft: "Und da wollen Sie ne Brücke drüberbauen?"

"Wir müssen, sonst nimmt die Linie einen viel zu großen Bogen in Kauf, und das kostet Material und Zeit!"

"Was haben wir denn überhaupt für Material?", erkundigte ich mich etwas scheinheilig, aber doch hoffend, dass es wenigstens schon Walzstahl gab - diese Illusion wurde mir binnen fünf Sekunden zunichte gemacht: "Holz, was sonst?"

"Haben wir keinen Stahl oder sowas?"

Wesson guckte mich ungläubig an: "Was meinen Sie denn mit "Stahl", Ferrell?"

An diesem Nachmittag konstruierte ich aus der Feldschmiede den ersten provisorischen Stahlkocher Equestrias.

Das änderte alles. Alles.

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Drei Monate später war die gigantischste aller jemals konstruierten Brücken auf equestrianischem Boden fertig und wurde mit einem riesigen Volksfest und dem Rest der neuen Eisenbahnstrecke eröffnet. Und nicht nur das, auch die Kosten und die Bauzeit waren so um die Hälfte ge- beziehungsweise verkürzt wurden, eine Sensation, nicht nur für Canterlot!

Davon musste sich auch ein ganz besonderer Ehrengast ein Bild machen...

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Appleloosa war so überfüllt wie noch nie - von überall her aus Equestria waren die Gäste selbstverständlich per Bahn angereist und feierten, was das Zeug hielt. Ausnahmsweise leistete ich noch einmal meinem Freund Dean Beistand und kümmerte mich um betrunkene Randalierer oder huffeste Schlägereien um hübsche Stuten, so auch am Abend der großen Willkommensparty der Eisenbahngesellschaft im Dorf.

Die Sonne schenkte uns einen blutroten Abendhimmel, all die Köstlichkeiten des großen Banketts und die vielen hundert verschiedenen Apfelsorten glänzten golden im letzten Licht des Tages, und alles schien gespannt zu warten - ja, worauf denn eigentlich? Und wie ich mich gerade fragte, warum der frisch eingeweihte Bahnhof über und über vor Ponys quoll, da erschallte eine helle Fanfare und kündigte eine Dampflok an, wie ich sie noch nie zu Gesicht bekommen hatte: "Wow... kommt hier wer Außerplanmäßiges?"

"Hast du's etwa nicht mitbekommen? - Die Prinzessin kommt höchstpersönlich nach Appleloosa, heute und jetzt!"

"Heiliger Georg!", damit hatte ich nun wirklich am allerweinigsten gerechnet, und ehe ich mich recht versah, öffnete sich der Schlag des Superzuges und eine Stute ohnesgleichen trat auf den roten Teppich. Sie war das größte, anmutigste und farbenprächtigste Alihorn, das mir bis dato über den Weg gelaufen war, und das weiblichste dazu! Ein weibliches Alihorn, Georg bewahre! Eine Erscheinung engelsgleich, erlösend und allwissend, mächtig wie gütig, weise und weitsichtig: "... und das beste dran: Sie wird dem unglaublichen Ingenieur Ferrell einen Orden für seine großen Dienste verleihen!"

"Ist nich wahr!"

"Doch, und wie! - Und wenn sich das einer verdient hat, dann ja wohl du!", und ehe ich mich versah, hatte mich mein Freund ganz vorne auf der purpurnen Stoffbahn abgeladen und selbst die Biege gemacht, sodass ich ganz alleine den Deppen vom Dienst spielen durfte - und ehe ich dagegen hätte protestieren können, stand sie auch schon vor mir, in voller Lebensgröße und mit schillernder Regenbogenmähne, und ich saß da auf meinem Hintern als letzter Knallkopf und glotzte mindestens doppelt so dumm drein: "H-hallo..."

Besonders zu stören schien sie das nicht, im Gegenteil, ein freundliches Lächeln huschte über ihre warmen Züge: "Hihi, ist die Überraschung etwa gut gelungen?"

"J-ja, sehr!"

"Na, das freut mich aber - und noch mehr freut es mich, dich, Ferrell, an diesem besonderen Abend hier im Rahmen des Festes der Eröffnung der neuen Eisenbahnstrecke von Ponyville nach Appleloosa und Dodge Junktion als hervorragenden und außergewöhnlichen Ingeneur treffen zu dürfen!"

"Die Ehre ist ganz meinerseits, Prinzessin. Aber dankt nicht nur mir, dankt auch all den anderen fleißigen Arbeitern, die an diesem Riesenprojekt beteiligt waren, und meinen Freunden, die mich so großzügig bei sich aufgenommen haben."

"Ihr seid bescheiden und edel, ganz so, wie es mir berichtet wurde - nun denn, im Namen von Canterlot und aller Ponys Equestrias..."

"Danke, das ist gütig von Euch."

"Nein, ich habe Euch zu danken, Ferrell. Eure Worte sind klug und weise, und auch wenn ich euch leider nie als meinen Schüler begrüßen durfte, so habt Ihr etwas in Euch, etwas Großes, Herzliches, nicht Selbstverständliches - Wahre Freundschaft."

"Danke Prinzessin, danke!"

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Fanfaren ertönten, als wir gemeinsam auf die Bühne traten, und die Gäste jubelten im lauten Chor auf.

"Ferrell, zum Dank Eurer bahnbrechenden Ingeneurskunst und Eurer Verdienste für Equestria zeichne ich Euch mit dem Sonnenorden aus!"

"Prinzessin, ich kann das nicht annehmen!"

"Es bedeutet mir sehr viel, Ferrell."

Zögernd gab ich ihren Huf frei, stolz steckte er mir die Brosche ans Revers, die Menge explodierte im Freundentaumel: "Helden werden nicht geboren, Ferrell... sie werden selbst zu Helden."

Und je länger ich darüber nachdenke, desto rechter hat sie: "Nun denn, genug der Worte - lasst uns feiern!"

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Es wurde ein Abend, den ich nie vergessen werde: So ausgelassen und glücklich, so unbeschwert und frei habe ich mich selten gefühlt! Der Cyder floss in Strömen, über das Festmahl fielen wir wie ein Schwarm hungriger Heuschrecken her, und als dann die Musiker und Musikerinnen auch noch zum Tanz aufriefen waren wir endgültig sternhagelvoll und tanzten mit wer-auch-immer grade in greifbarer Hufnähe war.

...

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Teil II - Baltimare


Anmerkung des Autors: Ich weiß, dass es im zweiten Kapitel "Die Maß" heißen sollte, hört sich aber im Kontext und generell doof an, also nehme ich mir die künstlerische Freiheit und schreibe es falsch!

  1. Diese Parataxe hat was!