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Kelut Harbour

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Deckung, KRIEEECH!!!

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Die folgende Ponypasta enthält Abschnitte mit kriegerischen Auseinandersetzungen, massiver Gewalt und viel Blut; lies sie dir also nur durch, wenn du dir der Inhalte bewusst bist und nicht gleich in Ohnmacht fällst, wenn du dir das Knie aufschlägst!

Ein eigenes Labor zu haben ist schon was Schönes, ein paar Chemikalien dazu und der Spaß kann beginnen... relativ schnell hat man Erfolg, relativ schnell brodelt es, qualmt es, stinkt es... relativ schnell gibt es eine Explosion und alles ist dreckig... man selbst sowieso, und dann gnade einem Arriva, dass man mit ungefährlichen Stoffen experimentiert hat... tja, hätte ich je eine Mutter gehabt, wäre ich wahrscheinlich auch nie so weit gegangen, aber mit Robert, Geld satt und Platz genug blieb es nicht beim Herstellen von Seife...

---

"Reich mir mal das Reagenzglas mit dem roten Stopfen rüber!", kam die Anweisung und ich reichte meinem besten Freund den gewünschten Behälter, "ach ja, und die Flasche mit dem Berylliumoxid, bitte..."

"Kommt sofort...", rief ich und kramte mich durch die Reihen an Apparaten, bis ich den Stoff fand und ihn an Robert weiterreichte, "du, damit musst du sau vorsichtig sein, das Zeugs ist..."

"Jaja, hochgiftig, ich weiß... und das macht ja gerade den Reiz aus...", kicherte er zurück und stöpselte die Flasche an einen Glaskolben an, der sich sofort mit dem unsichtbaren Gas füllte und von innen beschlug.

"Wenn das mal gut geht...", bemerkte ich und bekam sofort eins auf den Deckel.

"Mach dir mal nicht so nen Kopp wegen des Berylliums, das kann uns zwar um die Ohren fliegen, aber wenn das hier klappt, dann haben wir einwandfreie Beryll-Kristalle, ist das nix?"

"Hmmm... wenn´s klappt, dann schon..."

"... und es wird klappen, mach dir da mal keine Sorgen, weil ich alles im Griff ha..."

An diesen Satz werde ich mich noch in tausend Jahren erinnern und ihn meinem König auch da noch unter die Nase reiben, denn just da gab es eine mörderische Explosion direkt vor unseren Gesichtern und alles wurde schwarz um mich...

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Ich kam erst nach langer Zeit der tiefsten Ohnmacht zu mir und roch sofort, dass etwas nicht stimmen konnte.

Beißender Gestank lag in der Luft, und als sich die tanzenden Lichter vor meinen Augen endlich wieder in ganze Bilder wandelten, wurde mir mit Entsetzen klar, dass das Labor um mich herum nicht mehr existierte... zumindest nicht so, wie es vor der Explosion ausgesehen hatte. Kein einziges Reagenzglas stand mehr auf seinem Platz, die Apparaturen waren in tausend Bruchstücke zerlegt worden, von den Chemikalien mal ganz zu schweigen...

Robert!, riss es mich endgültig in die Wirklichkeit zurück, heilige Arriva, was war mit ihm?!

Mein Hirn schaltete völlig ab, ich merkte nicht einmal, dass ich in mehrere Glasscherben trat und mir an einer unbekannten Flüssigkeit etwas Fell wegätzte, bis ich meinen König fand... und vor Entsetzen fast wieder ohnmächig wurde.

Robert lag regunglos am Grund des kleinen Kühlwasserbeckens.

---

Wir schreiben das Jahr 1043 nach der großen Schlacht (also 1013 nach Nightmare Moon) und ich, der Ziegenbock, oberster General der Ziegenarmee und bester Freund meines Königs Robert habe soeben versagt.

Mein König wurde 83 Jahre alt, war unverheiratet und das beste Pony, was man sich wohl vorstellen kann... ja, er war ein Pony... und der König der Ziegen.

Meine Tränen fließen ungehindert durch mein Gesicht, meine Gefühle spielen verrückt, mein Verstand will seinen Tod nicht wahrhaben, ich will es auch nicht... aber... er... er... ist...

Er ist tot.

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Ich wusste nicht, wieviel Zeit ich da gesessen und mir die Seele aus dem Körper geheult hatte, bis ich mich irgendwann aufraffen und die Kraft aufbringen konnte, in das eiskalte Wasser zu springen und meinem König seine letzte Ehre zu erweisen... auch wenn ich sie nicht im Geringsten verdient hatte...

Ich hatte versagt...

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Das Wasser beruhigte mich. Es fühlte sich so unglaublich sanft und weich an, und auch wenn es kalt war, es gab mir ein Gefühl der Sicherheit... ich war bei Robert...

Konnte ich nicht einfach hier unten bleiben, ertrinken so wie er? - Für immer bei ihm sein? - Im Tode vereint?

Es war beschlossen... ich bewegte mich langsam zu ihm und merkte so langsam, wie mir die Luft zu schwinden begann... es war ein komisches Gefühl, fast so, als stände man kurz davor, etwas herauszulassen, was man unbedingt sagen wollte, aber nicht konnte...

Ohne viel Kraft zu vergeuden glitt ich neben meinem besten Freund, schloss die Augen und öffnete den Mund.

Wasser schoss hinein und bahnte sich den Weg in meinem Körper, ich ließ es zu, machte keine hektischen Versuche, es wieder hinauszubekommen, ich gab mich auf...

Und starb.

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Ich schwebte.

Meine Augen waren geschlossen, aber ich sah durch die Lider hindurch einen Himmel voller Sterne.

Ist das der Tod?, fragte ich mich, so schlecht ist das hier gar nicht...

Eine Sternschnuppe kreuzte meinen Weg, ein paar tote Meteroiten passierte ich auf meinem Weg... wohin es wohl ging? - Sicher zu... ja, da vor mir lag ein Planet, ein großer Planet, und ich steuerte geradewegs darauf zu.

Und je näher ich ihm kam, desto wärmer wurde mir... bis es auf einmal zu schmerzen anfing, mein Gesicht begann zu brennen, es begann zu glühen, ich...

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... wachte auf.

Nur verschwommen erkannte ich Roberts besorgtes Gesicht über mir und stellte fest, dass mein Gesicht wirklich brannte - und mein bester Freund gerade dabei war, seinen Huf zu heben, um mir noch eine zu scheuern.

"Heyyy...", entfuhr es mir, "was soll´n das?!"

"Oh, du bist wach, endlich!", vernahm ich seine erleichterte Stimme, "Ich dachte schon... so ein Glück, mensch!"

Er warf sich über mich und drückte sich an mich, noch fester als sonst üblich... und mir fiel in dem Moment echt nichts besseres ein als zu fragen:

"Sind wir tot?"

Er starrte mich an, als wäre ich die dümmste Ziege in Down Under.

"Tot?! - Nee, zum Glück nicht, aber beinahe... ich habe dich aus dem Wasser ziehen können, kurz bevor du ertrunken wärst!"

"Ich?", stöhnte ich kraftlos, "nein... ich habe dich retten wollen, aber du warst schon tot... ich wollte mit dir sterben..."

"Was redest du da für einen Blödsinn?!", brummte er verärgert, "na ja, wahrscheinlich ist das die Nachwirkung der Ohnmacht, in der du lagst... Arriva sei Dank nicht lang genug..."

"Meine Uhr sagt da was anderes...", bemerkte ich schwach und deutete auf das Zifferblatt, dann auf die zerstörte Wanduhr, deren Zeiger durch Spiltter durchlöchert waren, "die ist vor knapp drei Stunden zerstört worden... wir müssen tot sein..."

Robert starrte mich unsicher an, dann die Wanduhr, wieder mich, wieder die Uhr, wieder mich.

"Aber... das kann nicht sein... ich... ich kann nicht tot sein..."

"Und wenn wir es sind und nur nicht wissen?"

Mein König dachte kurz nach, bis ihm eine Idee kam.

"Tote können nicht bluten...", er griff sich ein herumliegende Glasscherbe, "mal schauen, ob das stimmt..."

---

Ich hätte wissen müssen, dass wir noch lebten - auch wenn ich mir nicht erklären konnte, wie wir es geschafft hatten, drei Stunden unter Wasser zu sein - bewusstlos unter Wasser zu sein...

Und selbstverständlich blutete Roberts Wunde - wie Sau sogar, weil er die Pulsader erwischt hatte... nachdem ich ihn verpflastert hatte lehnten wir beide fassungslos an der Wand und schwiegen.

Nach einer endlosen Ewigkeit inmitten der ganzen Trümmer fand Robert als Erster seine Sprache wieder:

"Du, Ziegenbock... es gibt für das Ganze eigentlich nur zwei plausible Erklärungen... erstens, im Wasser ist etwas, das uns das Atmen ermöglicht... oder..."

"Oder?"

"... wir können unter Wasser atmen..."

"Heilige Arriva..."

---

Drei Tage später

Die Nachricht, dass der Ziegenkönig und sein bester General es geschafft hatten, ein Serum herzustellen, das jeder Ziege das Atmen unter Wasser ermöglichte, stieß auf unbeschreiblichen Jubel unter der Bevölkerung... mein feierte uns als Helden, als Pioniere einer neuen Hochzeit der Wissenschaft, als Nachfolger des legendären Prof. Dr. Fisch... dabei wussten wir nicht einmal, wie genau wir das gemacht hatten.

Die führenden Köpfe der Wissenschaft unterzogen uns einem ganzen Haufen Tests, die jedoch absolut nichts von Bedeutung erbrachten, ebenso wenig Ergebnisse lieferten die Analyse des Wassers und die Untersuchung der Trümmer im Labor... es schein so, als wäre alles eine einmalige Sache gewesen, auch wenn sich die Professoren darauf nicht festlegen wollten, aber sei´s drum, mir war es egal.

Robert und ich hatten jede Sekunde unserer Freiheit zusammen in den unterirdischen Seen und Flüssen verbracht und Welten entdeckt, die noch viel besser als die an der Oberfläche waren... wir trafen Fische, gigantische Tropfsteine und Gebilde, massenweise Wasserpflanzen und anderes Getier, das man von oben nicht sehen konnte... es war einfach irre.

Und kurz darauf sollte es uns noch von viel größerem Nutzen sein...

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Es war der 14. Juni des Jahres 1013, als Robert, die drei ranghöchsten Ziegen-Generäle und ich uns im Thronsaal des Ziegenschlosses eingefunden hatten und über den Ernst der Lage debattierten.

"Also...", machte General Speers, ein uralter Ziegenbock, der schon dem Vater meines König gedient hatte, "die Lage ist mehr als angspannt, mein König... die Schatten haben in den jetzten zwei Jahren extrem aufgerüstet, und unsere Spione melden, dass Daeron jetzt den finalen Schachzug plant - den Angriff auf Equestria!"

"Das ist wahrlich beunruhigend...", bestätigte sein direkter Untergebener, Oberst Barc, "aber was sollen wir machen? Uns den Ponys zeigen und riskieren, dass wir vernichtet werden?!"

"Da stimme ich Barc zu...", nickte General Veven bedächtigt, "mein König, wir können nicht riskieren, dass es zu einer offenen Schlacht kommt, weil..."

"Ich weiß warum!", unterbrach Robert ihn sauer, "aber wenn wir untätig hier rumsitzen, verraten wir mehr als nur unsere Prinzipien! - Und zu einer Vereinigung der Völker wird es nicht mehr kommen können, weshalb ich befehle, dass wir uns um die Schatten kümmern werden!"

"Mein König, bei allem Respekt...", warf Barc an, "das könnte Ihr nicht von uns verlangen, falls Celestia..."

"Meine Fresse, was haben eigentlich alle so Angst vor Celestia?!", beschwerte sich mein Regent, "heilige Arriva, als wäre das nicht ein Pony, dessen Weltansicht soweit ok ist, wie ich selbst schon live erlebt habe!"

"Eure Ausflüge in allen Ehren, mein König...", gab Veven spitz von sich, "aber Eure Meinung über die Ponyprinzessin sind sehr... objektiv, oder wollt Ihr mir weismachen, dass Sie Euch etwa geblendet hat?"

Ich hatte schon viele von Roberts spontanen Wutanfällen miterlebt, aber dieser... übertraf alles je dagewesene...

"SAGEN SIE MAL, WAS ERLAUBEN SIE SICH HIER EIGENTLICH?!?!", expoldierte er und die Generäle wurden ganz klein, während er mit hochrotem Kopf aufsprang und auf den Tisch schlug, "SIE HABEN AUCH NOCH DIE FRECHHEIT ZU BEHAUPTEN, DASS ICH MICH WIE DER LETZTE IDIOT VON EINER PRINZESSIN VORFÜHREN LASSE?!?! ICH SOLLTE SIE FEUERN, VEVEN, UND DAS ACHTKANTIG!!!"

Als seine Wut verklang, blieb eine bedrückende Stille im Raum zurück, die erst ich wieder brach, indem ich vorschlug:

"Robert, locker bleiben... Veven, Sie für Ihren Teil halten in Zukunft besser ihre Klappe und unterstellen Ihrem König nicht Dinge, die sie selbst noch nicht geschafft haben; Barc, dieses Pony scheint wirklich in Ordnung zu sein... nur, ich weiß ja auch nicht so recht... es ist eben ein Pony..."

"Und genau das ist das Problem!", stellte Speers fest, "ein Pony, eines, das wahrscheinlich noch die Erzählungen seines Vaters kennt, der in der großen Schlacht mitgekämpft hat..."

"... was noch lange nicht bestätigt ist...", konterte Robert, "aber gut, ich habe keine Lust mehr auf dieses dämliche Gespräch, weshalb ich die unverzügliche Generalmobilmachung der Armee fordere! Und damit Ende der Diskussion!"

Die drei Generäle sahen sie an, wussten aber, dass sie verloren hatten und zogen beleidigt ab.

Kaum hatte sich das Tor geschlossen, gluckste mein bester Freund los:

"War doch gut, dass ich den Generalsrat damals abgeschafft habe, oder?"

"Joar, das war keine schlechte Idee... aber wie genau willst du jetzt angreifen?"

"Das lass mal meine Sorge sein... ich werde dir früh genug Bescheid sagen..."

Also so wie immer, dachte ich kopfschüttelnd, in letzter Sekunde...

---

Zwei Tage später

Es war der 16. Juni des Jahres 1013 und ich spähte durch mein Fernglas, die grasbewachsenen Ebenen vor mir beobachtend.

Nirgends konnte ich einen Schatten ausmachen und gab Robert das Hufzeichen dazu.

"Gut, dann komm!", bedeutete er mir und wir beide robbten hinter dem Felsen hervor, um im hüfthohen Gras zu verschwinden.

Vorsichtig pirschten wir uns an die Bahngleise heran, die die Landschaft geradewegs in Richtung Kelut durchzogen und erklommen den niedrigen Damm ohne große Schwierigkeiten.

"Siehst du was?", fragte ich meinen Freund und der gab Entwarnung, "nee, alles frei... so wie es sein sollte..."

"Gut, und jetzt?"

Er drehte sich zu mir und zog etwas aus seinem Gürtel... eine Dose mit schwarzem Zeug...

"Jetzt machen wir aus uns zwei astreine Schatten!"

Ich konnte meine Fassungslosigkeit wohl schlecht verbergen, denn Robert brach bei meinem Gesichtsausdruck sofort in schallendes Gelächter aus:

"Man, dein Gesicht müsstest du mal sehen!", lachte er, "zum Schreien...!"

"Toll, aber das liegt schlicht und einfach an der bescheuerten Idee!", grummelte ich, "so ein Schwachsinn!"

"Nix Schwachsinn, so erkennt man uns nicht!"

"Aber ich habe auch überhaupt keine Hörner..."

"... weswegen du einen Hut tragen wirst!"

"Ah, und das soll helfen?"

"Sicher wird´s das..."

"Meinst du?"

"Jop."

"Hm."

---

Der Abend brach an, als wir nach einem Gewaltmarsch in der brütenden Sonne endlich die ersten Dächer von Kelut am Horizont ausmachen konnten, und als wir ankamen, war es längst dunkel.

"Umso besser!", fand Robert, "dann können wir erstmal ne Runde pennen, bevor wir morgen anfangen, die Schatten auszuspionieren!"

Na großartig..., dachte ich resigniert, vor allem, weil wir beide nicht im Geringsten auffielen... durch unseren Schweiß hatten wir uns an manchen Stellen neu mit Farbe einschmieren müssen, dazu noch dieser dämliche Hut auf meinem Kopf, in dem für den Ernstfall zwei Pistolen steckten... mehr Waffen hatten wir nicht dabei...

Dass diese Mission daneben gehen musste, war mir von Vorneherein klar... und dass Robert jetzt auch noch auf eine Kneipe in der ziemlich heruntergekommenen Stadtmitte zustrebte, ließ alle meine Alarmglocken schrillen.

Aber was sollte ich tun?

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Wider Erwarten verhielt sich Robert normal, als wir das Lokal betraten, in dem außer einem kleinen Grüppchen Soldaten keine Gäste mehr waren.

"Abend...", grüßte er den Wirt artig, "sag mal, hast du zufällig noch was zu Trinken da?"

"Sicher doch, aber nur mit Befugnisausweis - Sie wissen ja, dieser Pöbel versucht uns noch die Haare vom Kopf zu fressen..."

Das war eine glatte Lüge, passte aber zur typischen "gehobenen" Schicht dieser Diktatur - alle, die zumindest einen Funken Macht hatten, nutzen ihn sofort aus und machten sich damit mehr Feinde als Freunde, was aber egal war, da... ein Gewehr zu haben besser war als keins zu haben.

Das des Wirtes lag unter dem Tresen, und ich spielte schon mit dem Gedanken, es mir klangheimlich zu besorgen, damit wir wenigstens eine Waffe hatten, um uns hier gleich rauszuballern, doch Robert reagierte gelassen auf meinen leichten Hufschlag und händigte dem Wirt lächelnd zwei abgewetzte Ausweise aus - wo immer er die auch her hatte...

Das Schattenpony hinter der Tage klappte sie auf, nickte und füllte zwei Gläser mit undefinierbarem Zeugs aus einem der Zapfhähne, Robert bedankte sich und steuerte ehe-was-kannste geradewegs auf den Soldatentisch zu.

"Sind hier noch zwei Plätze frei?", erkundigte er sich in aller Seelenruhe. Ich konnte es kaum glauben.

"Na ja, schon - schließlich seid Ihr doch Mitglied der Armee..."

"Nur Grenztruppen auf Urlaub!"

"Soso...", brummte einer der Schatten mit einer roten Mütze, "dann hier, bitte - die Stühle gehören Euch und Eurem Begleiter."

Als ich mich setzte, fragte ich mich auf ein Neues, warum ich eigentlich überhaupt an Robert zweifelte - irgendwie (und da fragt mich nicht wie!) schaffte er es jedes gottverdammte Mal, uns aus dem größten Schlamassel zu ziehen, und das obwohl er für die meisten anderen wie der letzte Knallkopp wirkte...

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Drei Stunden später und einen Berg voller leerer Gläser war die Stimmung so gut, dass selbst ich lachte - mit Schatten... mit verdammten Schatten!

Die Spielkarten, die anfangs noch auf dem Tisch gelegen hatten, waren mittlerweile durch die ganze Bar verstreut, der Wirt zechte fröhlich mit uns und war wie die meisten anderen auch durch Konsum von diversen guten Schnäpsen strack besoffen, lallte nur noch sinnloses Zeug und feuerte wie ich auch Robert und den Schattenkommandanten an, die sich im Hufdrücken duellierten.

Zwischen jeder Runde gab es einen Schnaps - nur der Unterschied zwischen Robert und seinem Gegenüber war, dass er sich jedes Glas vorne ins Fell hatte laufen lassen und bis auf vielleicht drei Gläschen noch völlig nüchtern war... dass er gewann brauche ich hier ja wohl kaum zu erwähnen.

Das Gegröle war groß, aber die Soldaten ehrlich, und Robert sammelte höchst vergnügt die Siegerprämie ein - von Wettgeld bis hin zu der Mütze des Kommandanten, der seinen rechten Huf um die Schulter meines Königs schloss und sabberte:

"Dasss... war... saujuuut... wasss... ne geile... Nacht..."

Der Schlaf übermannte ihn, Robert trug den Schatten behutsam zur Bank am anderen Ende des Raumes und legte ihn dort nieder, die anderen versuchten, ebenfalls dort hin zu kommen - drei von ihnen krachten prompt von ihren Stühlen und razten auf dem Boden ein, zwei kamen noch einen Tisch weiter, des Wirtes Kopf knallte mit einem lauten "Rumms!" auf die Tischplatte, dann war auch hier Silenzium.

"Lass uns gehen...", kicherte Robert leise, "bevor hier noch einer reinkommt..."

Schulterzuckend folgte ich ihm zurück auf die Straße hinaus, er schien zu wissen, wo es lang ging, bog nach rechts ab, wieder rechts, folgte einer Seitenstraße, bog links, dann wieder rechts ab, und stand plötzlich direkt vor einem hohen Zaun mit Wachhäuschen, aus dem sofort ein Posten gestürzt kam und die Erkennungspapiere verlangte.

Aber..., schoss es mir siedend heiß durch den Kopf, wir hatten keine! - Zumindest nicht für den militärischen Sicherheitsbereich hier, weil wir (oder besser, die Posten, deren Papiere wir hatten) jetzt eigentlich Dienst gehabt hätten! Heilige Arriva! Und Robert reichte sie gerade weiter...

Ich wusste nicht, was ich tun sollte, wenn der Posten gleich seine Waffe auf meinen König richten und die Verstärkung herbeibrüllen würde, ich war einfach nicht fähig zu denken - zu einem Eisblock erstarrt erwartete ich schon den Schrei, aber widererwartend passierte nichts, der Posten gab Robert mit einem Nicken die zwei Ausweise zurück und kurbelte seinen Schlagbaum hoch.

Fassungslos folgte ich meinem König hinein in den Militärbereich Keluts...

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In einer ruhigen Ecke hinter einer Kaserne zog ich Robert beiseite und machte meinem Erstaunen Dampf:

"Wo zur heiligen Arriva hast du...?!"

"Die Pässe? - Och, der Kommandant heute Nacht war so freudlich, mir seinen zu leihen... und den anderen habe ich unter dem Tisch gefunden - Reicht das als Auskunft?"

"Ja... ja...", konnte ich es immer noch nicht so wirklich fassen, "meine Güte, und ich dachte schon..."

"Was, dass ich hier einfach so reinmarschiere und keinen Plan habe?! - Nee du, ich mache mir vorher nen Kopp - das müsstest du doch wissen!"

"Ich weiß das schon, aber man kann sich bei dir nie sicher genug sein..."

"So schlimm?", grinste er zurück und erntete von mir einen schiefen Blick, "jetzt komm schon!"

"Vergiss es!", beendete ich das Gespräch und schlug ihm auf die Schulter, "dir kann man nicht trauen, auch wenn man dein Blutsbruder ist - finde dich damit ab und folge jetzt deinem verrückten Hirn..."

"Hm...", machte er und wirkte dabei irgendwie traurig, "das macht mir jetzt schon zu schaffen..."

"Ach was!", wiegelte ich ab, "ich meinte doch nur, dass man nie weiß, was du vor hast, deine Vorgehensweise aber trotzdem einfach der Knaller ist!"

"Das hört sich schon besser an!", grinste er jetzt wieder, "tjaaa... sollten wir denn...?"

"Wir sollten."

Und so machten wir uns wieder auf Roberts Weg...

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Durch zwei weitere Kontrollen gelangten wir nach der Kasernenstadt und dem Offiziersviertel schließlich zum Herzstück der Basis: Kelut Harbour, dem größten Hafen des Schattenreiches, obendrauf noch riesiger und derzeit einziger Flottenstützpunkt und Schnittstelle zwischen Krieg und Frieden.

Schon von Weitem konnten wir die wahren Ausmaße dieser Streitmacht erahnen, die, falls Daeron sich dazu entschließen sollte, einen Krieg gegen Equestria zu führen, von hier aus über die Westküste des Landes herfallen würden... Applewood wäre dann wahrscheinlich nur noch Schutt und Asche... unsere Mission war, das zu verhindern. Und solange sich der Schattenlord noch in Geduld übte, hatten wir Zeit dazu...

Es kam so plötzlich, dass ich zuerst gar nicht checkte, worum es ging. Erst als ich diese unverkennbare Stimme aus allen Lautsprechern um uns herum erkannte, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter.

"Schattenkrieger, Soldaten meines Imperiums! So lange habt ihr auf diesen Tag gewartet, den Tag, an dem ich, Daeron I., der letzte Schattenlord und König des großen Schattenreiches, euch, meinen treuesten und besten Untertanen, die freudige Botschaft überbringen kann, dass wir am heutigen Tage in den Krieg gegen unseren größten Feind, das von einer Schlampe ohnegleichen regiert wird, ja, ich spreche von EQUESTRIA, ziehen werden! - Dies ist die endgültige Entscheidung der Generalmobilmachung! - Noch heute werden wir losschlagen, wir werden den Feind in einem Blitzkrieg überrennen und seine Regierung stürzen, noch bevor sie sich uns mit ihrem lächerlichen Heer entgegenstellen können! Wir werden siegen, ihr werdet siegen, für euren Führer werdet ihr siegen! Heil Daeron! Heil Daeron! HEIL DAERON!!!"

Der letzte Satz hallte tausendfach verstärkt und aus hunderttausenden Kehlen gebrüllt über das ganze Areal wieder und weit darüber hinaus, durch ganz Kelut, durch das ganze Schattenreich.

Und Oberst Barc war nur einer von vielen entsetzten Ziegensoldaten, die tief in den MacIntosh-Hills, Badlands und anderen Grenzgebirgen eben dieses Kampfgeheul vernahmen und sicherheitshalber ihre Waffen entsicherten und sich zum Schattenreich umdrehten...

---

Ich kapierte erst so richtig, was der Aufruf da aus allen Lautsprecherboxen im Klartext bedeutete, als auf Robert und mich schon die ersten euphorische Siegesschreie und Loblieder auf ihren Führer schmetternden Schattendivisionen und Kompanien zugestürmt kamen.

Mein bester Freund reagierte schneller als ich und riss mich Sekunden vor der durchtrampelnden Meute aus der Bahn durch eine kleine Gasse hinter einen Schuppen und bis zu einem Steg, wo er sich fluchend an seinem Funksender zu schaffen machte.

"Mistding, kein Empfang!"

"Und was jetzt?!", keuchte ich entsetzt, "heilige Arriva, ich habe mit allem gerechnet, aber...!"

"Ich hätte auch nicht gedacht, dass ausgerechnet jetzt - aber egal, wir können es nicht ändern - unsere Pläne aber schon!"

"Deinen Plan..."

"Ist doch auch egal jetzt!", blockte Robert unwirsch ab, "lass mir eine Minute..."

Die Minute brauchte er nicht mal ganz, bevor er sich an den Kopf schlug und "Heureka!" brüllte.

Ein kleines bisschen erleichtert wischte ich mir den Schweiß von der Stirn und wollte Robert gerade nach seiner neuen Idee fragen, als mich etwas an meiner geklauten Schattenuniform packte und geradewegs ins Wasser beförderte.

Und während ich sank wie ein Stein, tauchte Robert mit einem eleganten Kopfsprung neben mir in die lauwarmen Wellen, schwamm mit eleganten Zügen durch den Wirbel der Luftblasen um mich und grinste sich die Zähne aus dem Gesicht, während er das salzige Wasser wie reine Luft in sich einsog und wieder ausstieß.

Und irgendwie musste ich mit ihm grinsen...

---

Das Serum, das uns das Unterwasseratmen ermöglichte, wirkte ausgezeichnet und ließ uns schnell vorwärts kommen.

Am Bug eines großen Schiffes stoppte Robert und tauchte dicht an dem Stahlkoloss auf, hustete etwas Wasser aus und instruierte mich:

"Pass auf, folgende Idee: Die Flotte darf nicht bis Equestria kommen, wir müssen sie vorher stoppen! - Dazu habe ich einen Plan: Vor dem Hafen hier sind nen Haufen Untiefen und Seeminen versteckt, damit auch ja kein gewöhnlicher Angreifer bis hierher vordringen kann - wir müssen mehrere Schiffe dazu kriegen, aufzulaufen und alles zu blockieren, sonst haben wir keine Chance..."

"Hört sich gut an... aber eine Frage hätte ich da noch...", überlegte ich laut, "gibts hier keine Haftbomben oder sowas?"

"Bestimmt... aber ich weiß nicht, wo..."

"Gut, trotzdem habe ich ne Idee - also, wir schleichen uns jetzt in ein Muni-Depot und suchen dort nach den Bomben - wenn wir die haben, müssen wir die Schiffe nicht mannövrierunfähig machen - wir können sie gleich versenken!"

"Nur... wenn wir das nicht mehr schaffen..."

"Das ist eben die Crux..."

"Nee nee, dein Plan ist gut, aber... ich hab´s! - Hör zu, du besorgst die Haftbomben, und ich kümmer mich schonmal um die ersten Schiffe, alles klar?"

Robert alleine hier unter all den Schatten zu lassen gefiel mir gar nicht, aber ich wusste, dass das unsere einzige Chance war...

"Ok, dann los!"

Ich stürzte mich auf ein Neues in die Wellen, tauchte bis zum Ufer, kletterte zurück auf den Pier und rannte zu den Depots.

---

Die Haftbomben fand ich nach einem kurzen Gespräch mit einem Kanonier in Sicherheitsbunker 23-C, stopfte soviele wie gingen in zwei Taschen, griff mir noch eine Munitionskiste voll und rannte zurück zum Wasser.

Erstaunlicherweise wartete Robert bereits auf mich - am Landungssteg eines Kreuzers. Sein Grinsen verriet mir schon von Weitem, dass er längst fertig sein musste...

"Na du? - Haste se?", winkte er mir freudig entgegen und ich nickte, "gut so, denn folge mir!"

Mein König war schneller auf dem Schiff oben als ich hätte ihn davon abhalten können... egal, es war sein Plan, er wusste (wie immer) was er tat, er würde mich nicht ohne Grund hier hoch schleppen.

Keuchend lud ich die Kisten ab, er nahm beide Taschen entgegen und pfiff begeistert durch die Zähne:

"Woar, wie viele sind das?!"

"Müssten knappe zwanzich sein...", stöhnte ich, "oh fuck, sind die schwer..."

"Brauchst du ne Pause oder gehts wieder?"

"Geht..."

"Denn folge mir unauffällig!"

Ich tat wie mir geheißen und schleppte mich hinter ihm her, ins Innere des Kreuzers hinein.

---

Unter Deck herrschte ein reges Treiben unter den Matrosen, weshalb uns auch niemand bemerkte.

Doch statt unser "Kram" zu den Kojen zu schleppen, kletterten wir bis ins tiefste Deck des Schiffes hinunter und besahen dort die gewaltigen Motoren.

"So, da wären wir...", lachte Robert, "tja denn pass auf: Wir machen alle Schotten hier unten auf, dazu alle Sicherheitstüren zu den Decks zwei drüber - dann ziehen wir uns in den Bug zurück, machen das Schott vor uns dicht, nicht ohne da vorher von außen nen Sprengsatz auf Zeit dran zu basteln, sprengen ein Loch in die Außenwand, schwimmen raus - den Rest erledigt der Zeitzünder..."

"Hört sich gut an - und dann?"

"Ich kann dir nur so viel versprechen, dass schlappe 40 Prozent dieser Flotte diesen Hafen schonmal dank meiner Vorbereitung nicht verlassen werden... soll ich dir alles verraten oder...?"

"Na schön, ich lass mich ja schon überraschen..."

Und so machten wir uns an die Arbeit.

---

"Mein Führer, die Flotte ist bereit!"

"Gut, gut so... am heutigen Tage, dem 17. Juni des Jahres 1013 nach Nightmare Moon ist es endlich so weit - wir, die Schatten, werden nach Equestria zurückkehren, gnadenlos und mit geballter Kraft werden wir die Ponys unterjochen und vernichten, werden das Land annektieren und es uns untertan machen! Und Celestia..."

Der Schattenlord machte eine theatralische Pause und schritt zu den riesigen Fenster mit Balkon seines Schlosses in Oblivion, legte seinen rechten Vorderhuf auf die Brüstung und lachte diabolisch:

"Und Celestia werde ich eigenhufig den Kopf abschlagen, so wahr ich der letzte Schattenlord bin!"

Der Bote im Hintergrund konnte sich ein Kichern nicht verkneifen.

---

"Blutdiamant, wir haben höchst beunruhigende Neuigkeiten erhalten!"

"Schießen Sie los, Soldat!"

"Daeron greift an - heute!"

"Oh nein...", hauchte sie, "nein - bitte nicht!"

"Er hat soeben die Generalmobilmachung ausgerufen, es tut mir so leid..."

"Nein... Ihnen braucht das nicht leid zu tun... mir tun all die unschuldigen Equestria-Ponys leid... denen wir nicht helfen können..."

"Was wird... euer Freund dazu sagen?"

Sie holte tief Luft. "Ich... ich kann es ihm jetzt nicht sagen, sonst verliert er wohlmöglich die Nerven... sagen Sie allen, dass es Eross verschwiegen werden soll, haben Sie mich verstanden, Soldat?!"

"Zu Befehl!", salutierte er und verschwand wieder.

Kaum war er aus dem Zelt verschwunden, stiegen ihr die Tränen in die Augen, tausend gefühle übermannten sie und ließen sie auf ihrem schäbigen Schreibtisch zusammen sinken.

Sie hatten versagt.

Sie hatte versagt.

Der Krieg hatte doch begonnen.

---

"Alles bereit?", brüllte Robert herüber.

"Alles bereit!", bestätigte ich, "hau los!"

"Okey... noch fünf... vier... drei... zwei..."

Ich hielt mir die Ohren zu.

"... eins... SPRENGUNG!!!"

KA-WUMM!!!

---

Als ich meine Augen und Ohren wieder öffnete, trieb ich unter Wasser, mich noch immer fest an die Munitionskiste klammernd.

Robert spähte aus dem gesprengten Loch und winkte hektisch herüber, dass ich ihm folgen sollte.

Schnell schwamm ich zu ihm, und gemeinsam sanken wir aus dem Leck in das tiefe Hafenbecken hinein, drückten uns wieder gegen das Wasser und tauchten nun jeder für sich an Schiff für Schiff heran, positionierten die Minen passend genau unter den Motoren oder Querschotts und gaben uns ständig Hufzeichen, dass alles ok war.

Plötzlich kam Bewegung in die ersten Schiffe und die schwerfälligen Stahlkolosse schoben sich aus ihren Werften, Robert kam wie der Blitz zurück zu mir und gab mir zu verstehen, dass wir jetzt auf eines der Schiffe mussten, wenn wir die anderen noch versenken wollten, er wüsste auch schon eins...

Und gerade als wir über eins der Taue hinauf auf den riesigen Zerstörer kletterten, gab es die erste sichtbare Explosion an diesem Tag, der noch in die Geschichte eingehen sollte...

---

Unser Auftauchen an Bord des Zerstörers bemerkte keiner, weil alle Matrosen auf der anderen Seite des Decks am Gaffen waren, wie es das Schiff, in dessen Inneren wir den ersten Sprengsatz positioniert hatten, der Länge nach zum Kippen und Sinken brachte.

Den Pier riss es mit sich in die Tiefe, und auch wenn es nicht tief im Hafenbecken war, versank es doch unter der Wasseroberfläche. Treibgut und Überlebende schwammen ringsherum und mussten von den Hafenwärtern aus dem Wasser gezogen werden, während die Militärpolizei angerauscht kam und den Übeltäter zu finden versuchte.

Ein Blick auf meine unverwüstliche Uhr genügte - die nächsten drei Minen würden in knappen drei Minuten hochgehen, danach weitere - der Erfolg unseres Plans beasierte jedoch darauf, dass die Schiffe bereits auslaufen würden - und dann noch als erste auslaufen würden... wenn nicht, kämen andere durch und...

In dem Moment ertönte eine Durchsage, die mir ein wenig von der Angst nahm:

"Matrosen, die Expolsion, die Sie da alle sehen, ist passiert, weil eine Munitionskiste nicht ordnungsgemäß verpackt wurde! So etwas darf nicht geschehen, bei unserem Führer! - Alle Matrosen auf allen Schiffen werden hiermit aufgerufen, ein zweites Mal die innerschifflichen Munitionskammern zu überprüfen! Heil Daeron!"

Es brach Hektik aus, die Robert geschickt nutzte, um sich bis zur Brücke durchzuschlagen. Dort händigte er unsere Ausweise aus und wir durften passieren.

Und es blieben noch genau zwei Minuten...

---

Der Kapitän des Schiffes und noch eine Hand voll Brückenoffiziere drehten sich erstaunt um, als Robert und ich ihr Refugium betraten.

"Major Tarkosa, welch unerwartete Freude, Euch hier begrüßen zu dürfen!"

"Die Freude ist ganz meinerseits, Admiral Winters - doch sie könnte größer sein..."

"Ja, die Explosion... wobei einer meiner Offiziere, der Hauptmann Berek, der Meinung ist, dass es sich um Vorsatz gehandelt haben soll..."

"Ihr meint doch nicht etwa... Sabotage?!"

"Es scheint so... aber von den Rebellen werden wir uns nicht aufhalten lassen, von den Ponys ebenso wenig... und die Ziegen... ha, diese Feiglinge! - Wenn die auch nur einen Funken Mumm hätten, dann... AHHHHH!!!"

Er schrie wie am Spieß, als Robert ihm sein Kampfmesser in den Rücken rammte, dann mit dem Admiral als lebenden Schild nach vorne sprang und mit seiner Luger (mir ist bis heute ein Rätsel, wie er sie so schnell ziehen kann) die ersten drei Offiziere mit einem Schuss erledigte.

Noch bevor einer der anderen hatte seine eigene Waffe ziehen können, streckte ihn meine P-08 nieder, die letzten vier erschoss Robert von unter dem Tisch her, zwei Flüchtenden verpasste ich zwei Kopfschüsse, dann war Ruhe.

"Super, das war perfekt reagiert!", bedankte sich Robert und zog sein Messer aus Winters Rücken, "so, denn lass uns den Kahn mal übernehmen, ne?"

"Sicher doch... ach ja, soll ich mal alle Schotten dicht machen?"

"Das wäre gar nicht mal so schlecht... wer weiß, wann die merken, dass hier was faul ist..."

Sie merkten es erst, als es schon fast zu spät war...

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Eine gewaltige Explosion riss unsere Aufmerksamkeit kurze Zeit später an sich, gefolgt von der nächsten, und nächsten, und nächsten... es war der Wahnsinn, wie ein Sprengsatz nach dem anderen die Unterseite eines Schiffes zerbarst und den Koloss in die Tiefe riss, wie unzählige Schatten schreiend über Bord gingen, wie Munitionsdepots in einem gewaltigen Spektakel in alle Richtungen explodierten, wie es Panzerplatten und Geschütze zerlegte, wie es den Feind zerriss... irre, einfach irre!

Wir standen da und sahen diesem Schauspiel mit größter Genugtuung zu, die Matrosen unter uns gerieten in Panik, etliche verließen das Schiff, doch die pflichtbewussten Offiziere schossen auf jeden Deserteur... herrlich, die knallten sich einfach selber ab... und selbst wer es ins Wasser geschafft hatte, machte dort freudige Begegnungen mit Schrapnell-Regen, brennendem Schiffsdiesel und Leichen, Blut und Gedärmen... lecker!

Robert grinste.

Und so ganz unglücklich war ich auch nicht...

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Es kam noch besser, denn jetzt flohen die noch intakten Schiffe - und liefen geradewegs auf die Seeminen, die Robert vorhin in die Hafeneinfahrt "umpositioniert" hatte - drei waren grade am Absaufen, auf einem war ein Feuer ausgebrochen, sechs weitere wurden gerade durch unsere Sprengsätze außer Gefecht gesetzt und gingen unter.

Jetzt flogen auch noch an Land mehrere Depots in die Luft und verursachten einen Feuersturm, der in Windeseile und dank Westwind das ganze Lager samt Kasernen und anderer Gebäude ansteckte... hinter uns brannte es, neben uns brannte es, vor uns brannte es - wir hatten es offensichtlich geschafft.

Na ja, fast...

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Aus Kelut Harbour kamen außer unserem Schiff (Robert wusste natürlich genau, wo die Seeminen waren und manövrierte den Zerstörer geschickt rings herum) noch genau vier weitere - von ursprünglich knappen hundert.

Erst jetzt wurde mir klar, was wir da gerade angerichtet hatten - und in der Haut von Daerons Treuesten wollte ich jetzt lieber nicht stecken.

Kaum waren wir dem Inferno weit genug entkommen, kam ein Funkspruch rein:

"Oblivion ruft Daereny, hören Sie mich, Winters?!"

"Hier Major Tarkosa, Winters hat´s erwischt - verdammt, was zum Henker ist hier los?!"

"Das weiß keiner! Daeron spielt verrückt, die Soldaten meutern hier!"

Robert grinste über beide Backen, bevor er rückfragte:

"Und wir, was sollen wir jetzt machen?"

"Wie viele... sind durchgekommen?"

"Genau... vier..."

"Oh Scheiße, ich bin tot..."

"Da können Sie doch nichts für, man! - Geben sie uns jetzt lieber durch, was Sie zu tun gedenken!"

"Setzen Sie... einfach den Angriff fort - ich versuche das zu Daeron durchzubringen... ich hoffe, dass wir noch einmal die Gelegenheit bekommen werden, miteinander zu sprechen..."

Dann war die Verbindung tot, und kaum hatte Robert seinerseits beendet, brach er in ein Freudengeheul aus, in das ich überglücklich einstimmte - es ging so weit, dass wir über die Leichen der Offiziere tanzten.

Jäh unterbrach uns ein neu reinkommender Funkspruch, dieses Mal vom Oberdeckoffizier:

"Admiral, was verdammt nochmal sollen wir jetzt tun?! Die Männer spielen hier verrückt!"

"Hier ist Major Takosa, und kein Grund zur Panik - befehlen Sie ihnen, dass der Angriff unverzüglich fortgesetzt wird - wer meutert, wird sofort an die Fische verfüttert, alles klar?! - Ach ja, und sammeln sie alle Handfeuerwaffen und Schwerter ein, sperren Sie sie weg und geben Sie sie erst kurz vor dem Angriff wieder raus, verstanden?!"

"Jawohl, Sir!", salutierte der Schatten am anderen Ende der Leitung und beendete das Gespräch.

Und ich? - Ich tanzte einfach weiter...

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Daeron tobte so sehr, dass selbst seine treuesten Generäle die Flucht ergriffen.

Der Schattenlord zerlegte einen Großteil der Einrichtung seines Schlosses, köpfte eigenhufig seinen Sicherheitsoffizier und ließ den Rest seiner Wut an diversen anderen Schatten, die nicht schnell genug hatten flüchten können, aus, war kurz davor, das Volk dazu zu zwingen, ihm entweder die feigen Saboteure auszuliefern oder die komletten winzigen Essensrationen komplett zu streichen... er war stinkwütend, und er wusste, wer dafür verantwortlich sein musste:

Dieser verdammte Blutdiamant und seine miesen kleinen Ratten von Rebellenfreunden!

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"Blutdiamant! - Es... es ist etwas Unglaubliches geschehen!"

"Was denn?", schniefte sie betrübt.

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Fünf Minuten später

Die Rebellen feierten, wie sie selten gefeiert hatten, und trotz der Angst, dass ein Feuer hätte ein Grenzer sehen können, steckten sie eins an, brüllten Parolen gegen Daeron durch die Berge und tanzen glücklich umher.

Daerons Flotte war vernichtet worden - von wem auch immer - es spielte keine Rolle.

Nur eines zählte: Es würde keinen Krieg mehr geben... jedenfalls nicht so schnell...

Und man feierte die unbekannten Helden, die dafür gesorgt hatten. ---


Bismarck Schiff.jpg

Die Daereny

"Alle Matrosen bereit machen zum Angriff!", tönte es aus den Lautsprechern, "noch eine Viertelstunde bis zur ersten Welle!"

Euphorisch stürzten die Schatten ans Deck der Daereny, Daerons Flaggschiff, dass der Schattenlord nach seiner Mutter benannt hatte - was Robert und ich natürlich nicht wissen konnten.

Das war mir im Moment aber auch herzlich egal - ich funkte gerade mit General Veves, der mir zu zweiten Mal bestätigte, dass seine Ziegen auf Position waren - mitsamt der K5-Eisenbahngeschütze, die ebenfalls schon ausgerichtet und geladen waren.

"Fehlt eigentlich nur noch ihr...", dröhnte sein Lachen in meine Kopfhörer, "und das wäre dann auch meine letzte Frage: Wie kommt ihr da runter?"

"Da frachst du den Falschen...", musste ich gestehen, "aber wie ich Robert kenne, hat der nen Plan - macht also einfach wie befohlen, und sag Speers, dass er zuerst die hinteren Fregatten und den Kreuzer unter Feuer nehmen soll, alles klar?"

"Verstanden und over!"

"Over."

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"Du Robert, sach ma, wie kommen wir hier eigentlich raus?"

"Habe ich bis jetzt noch nicht drüber nachgedacht..."

"Ähm... o... okey..."

"Aber lass das mal meine Sorge sein!"

"Na juuut... meinetwegen, aber ich will nicht mit diesem Kahn untergehen müssen!"

"Das wirst du auch nicht - ebenso wenig wie ich, denn...", er deutete auf eine Felsnase knappe zweihndert Meter vor uns, "das ist unsere Strecke nach Hause!"

"Dein verdammter Ernst?! - Da... dranspringen und dann...?!"

"Korrekt!"

Ich versuchte erst gar nicht zu widersprechen, sondern erkundigte mich nur knurrend nach dem Plan.

Wenige Minuten später schob sich die Daereny als erstes Schiff über die equestrianische Grenze.

Und wurde schon sehnsüchtig erwartet...

---

Nach dem dritten gescheiterten Versuch des Deckoofiziers Kontakt zur Brücke zu bekommen, nahm er sich seine besten Matrosen mit und stürmte mit ihnen die Brücke - durch die verschlossenen Schotten kamen sie allerdings nicht so schnell, und als sie dann endlich eine der dicken Panzertüren aufgeschweißt hatten, bemerkten sie zuerst die Toten am Boden - und dann einen leere Munitionskiste - der Inhalt klemmte entsichert zwischen Steuerrad und den anderen Hebeln der Kontrollpulte.

Und jamand hatte eine Nachricht an das große Fenster gepinselt:

Verehrter Daeron! Solltest du oder einer deiner Männer das hier lesen, dann sei dir gewiss - die Ziegen sind zurück, und werden definitiv dafür sorgen, dass du deinen schwarzen Hintern aus Equestria draußen hälst!

Alle Liebe und viele Grüße an Mami, dein Ziegenkönig Robert

Und als der Offizier einen hastigen Blick durch den unverschmierten Teil des Fensters warf, sah er gerade noch, wie ein Eisenbahngeschütz an der Küste vor ihm abgefeuert wurde und die Granate pfeilschnell auf ihn zugeschossen kam.

Und das letzte, was er sagte, war:

"Heil Daeron!"

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Das Gefecht sahen wir von einem Berggipfel.

Dass Robert keine Lust hatte, da mitzukämpfen, wunderte mich ziemlich, aber gut, seine Sache - mir reichte es auf jeden Fall, der Tag war... geil genug gewesen.

Nun mussten wir eigentlich nur noch nach Hause zurück wandern... und das würde dauern. Aber was sollt´s, ein kleiner Marsch nach einem anstrengenden Tag hatte noch keinem Soldaten geschadet... also machten wir uns auf den Weg zurück nach Down Under.

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Im Wald der ewigen Magie erhielten wir die erlösende Nachricht über Funk:

Die Daereny war als letztes Schiff gesunken, nachdem man ihren Rumpf nahezu durchsiebt hatte, die anderen Schiffe waren ebenfalls vernichtet, die eigenen Verluste lagen bei zwei Mann, knappe fünfzig Ziegen waren verletzt, alle schon in sicheren Hufen in der Klinik von Down Under, außer Lebensgefahr, keine bleibenden Schäden zu erwarten.

Kein Pony hatte etwas mitbekommen, nur in Applewood hätten einige seltsame Wolken und Schimmer am Horizont gesehen, hieß es... nicht schlecht, fand Robert gut gelaunt.

Die zwei Toten waren übrigens Veves und Speers - ihr Zelt war durch einen einwandfreien Volltreffer zerlegt worden - von der Daereny übrigens, und das Geschütz sei von alleine losgegangen... die Trauer um die Generäle groß, Barc sprach uns sein tiefstes Beileid aus, und Robert ernannte ihn daraufhin kurzerhuf zum General, gab ihm den Befehl die Staatstrauer auszurufen und gleichzeitig ein gewaltiges Fest vorzubereiten, das beginnen sollte, wenn er wieder in Down Uder eintreffen würde, versicherte dem neuen General noch einmal wie schwer dieser Verlust auch für ihn war und unterbrach die Verbindung.

Ich musste es einfach loswerden:

"Du... das Geschütz... das..."

"Ja, du hast recht, aber... ich weiß ja auch nicht..."

"Hm...", machte ich, "ging das nicht anders?"

"Mein Vater hätte jetzt gesagt, dass ich Veves hätte erschießen lassen sollen, nachdem er mich offen in Frage gestellt hat, aber wenn du mich fragst, war das so besser..."

"Und kein Verlust...", nickte ich knapp, "na ja, danke, dass du ehrlich warst..."

"Meinem Bruder gegenüber bin ich das, sonst aber niemandem!"

"Tjaaa... das freut mich aber... du sach mal, wäre es nicht an der Zeit, dass du dir mal ne Freundin zulegst?"

Robert verleierte die Augen. "Musst du mir damit immer auf den Keks gehen?!"

"Schätze schon - ich will doch nur nicht, dass du als Junggeselle stirbst, und wenn du mich fragst, bist du im perfekten Alter dazu!"

"Aber ich bin achzig, man!"

"Na und, das musst du ihr doch nicht sagen..."

"Vergiss es!"

"Nö!"

Und so diskutierten wir den ganzen Weg nach Hause...

---

"Ey, Robert, wir haben uns verlaufen!", bemerkte ich plötzlich mit Schrecken und blieb stehen, "mist verdammt, wir sind falsch abgebogen!"

"Aber ich weiß, wo wir sind, keine Panik schieben...", kam es zurück, "und jetzt komm, hier geht´s lang!"

"Robert, das ist der Palastgarten von Canterlot, bist du bekloppt?!", schrie ich ihm hinterher.

"Ich weiß, dass ich bekloppt bin - und um die Uhrzeit ist da eh keiner, also hab dich nicht so - außerdem ist das der schnellste Weg nach Hause, weißte doch!"

Zähneknirschend folgte ich ihm durch die dichten Hecken, vorbei an exotischen Bäumen und Sträuchern, riesigen Blumenbeeten und wunderschönen Springbrunnen, bis er auf einmal hinter einem Strauch verschwand und nicht wieder hervor kam.

"Robert?", rief ich, "Robert, wo...?"

Schon hielt ich die Klappe, weil ich jemanden bemerkt hatte, jemand Fremden... es war ein Alihorn, und ich erkannte sie sofort - Prinzessin Luna, die Prinzessin der Nacht, die erst kürzlich aus ihrer tausendjährigen Verbannung zurückgekehrt war, Robert hatte sie anscheinend auch schon entdeckt und verharrte regungslos - und irgendwie... angetan.

Ich starrte ihn an, und wollte ihn schon zurück zu mir holen, um hier schnellstmöglich zu verschwinden, als etwas passierte, womit ich nie im Leben gerechnet hätte: Robert erhob sich und schob sich ganz langsam aus dem Busch.

Die Prinzessin, die sich soeben auf eine Bank nieder gesetzt hatte, bemerkte ihn sofort und legte die Ohren an - doch als sich ihre Blicke trafen, war es mir, als würden dort Funken sprühen.

Und erst, als ich begriff, was das... bedeutete, stand Robert kurz vor ihr und sagte "Hallo!"

Und sie auch.

Und ich saß die folgenden Stunden da in der Hecke und sah zu, wie mein König sich in ein Pony verliebte...

---

ENDE

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Die PonyPasta Kelut Harbour wurde nach erfolgreicher Abstimmung der Community zur PonyPasta des Monats August 2015 ernannt! Sie ist nun in der Hall of Fame neben anderen besonderen PonyPastas gelistet.

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