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Diese Geschichte ist Teil der offiziellen Hauptstory des PonyPasta-Wikis!

Der ihr vorausgehende Teil ist Die Rückkehr des Niben und der folgende Rainbow Factory III - Die Rückkehr.


Kapitel I - Daylights End

Lunas Sarkophag stand unbewegt inmitten der riesigen unterirdischen Katakomben Canterlots. Er fiel wegen seiner dunklen Färbung nicht so stark auf und wirkte mehr wie ein Stück Dunkelheit mitten im Raum als die Grabstätte einer Prinzessin. Und erst mittags, wenn die Sonne im Zenit stand und die unterirdischen, von den Ziegen inspirierten Spiegel das geballte Licht nach unten refkletierten, erkannte man die Schönheit des Sarkophages. An den Seiten schlängelten sich feine und detailreiche Reliefs entlang, die mit Darstellungen von Nightmare Moon oder auch sich vor dem Halbmond verneigende Ponys die Geschichte von Luna erzählten. Der Deckel des Sarkophages war mit einem Gesichtsabruck von Luna verziert, der auch in der Sonne pechschwarz und düster wirkte.

Kurzum, ein künstlerisches Meisterwerk.

Doch leider gab es kaum jemanden, der es je zu Gesicht bekommen hat. Nur die engsten Vertrauten Lunas konnten den Sarkophag bei der privaten Trauerfeier eine Zeit lang bewundern, bis er dann schlussendlich in die Katakomben verfrachtet wurde, um dort bei den anderen Särgen und Toten zu sein. Der Einzige, der sonst noch den Sarkophag kannte, war das Einhorn Letalis. Er war der Wächter der Katakomben, Konservator der Leichname und Nekromant ersten Grades. Und ja, man könnte ihn auch Tötenbeschwörer nennen, aber es würde nicht passen. Denn er erweckte nicht blindlings Tote, um ihnen seinen Willen aufzuzwingen oder sie für seine Zwecke einzuspannen.

Er sorgte dafür, dass die Toten ihre physische Form in aller Schönheit beibehielten und verzauberte ihre Särge und Körper mit speziellen Zaubern, um Nager und ähnliche Plagen abzuhalten. Ein simpler Leichenpfleger war er allerdings nicht. Er hatte weitaus stärkere Fähigkeiten als die, die er anwand. Er könnte mit einer Armee der Toten Canterlot angreifen oder die Seelen der Toten bündeln, um sich selbst unglaublich mächtig zu machen.

Aber solche Intentionen waren Letalis fremd. Er lebte für seinen Beruf und die Kunstfertigkeit, die er mit seinem Handwerk verband. Die Magie war dabei nur einer seiner Stützpfeiler für das allumafassende Verständnis des Todes. Er glaubte daran, dass ihn die stetige Arbeit mit Toten irgendwann auch zur Erleuchtung über den Tod und alle seine Facetten führen würde.

Sein größtes Ziel in diesem Leben.

Aber momentan war es allein seine Aufgabe, die Verwesung Lunas zu vertreiben und ihren Körper magisch zu erhalten. Also trank er seinen morgendlichen Kaffee aus, nahm den letzten Bissen von seinem Brot und schob mit einem gekonnten Magieschub den Deckel von Lunas Sarkophag zur Seite und ließ ihn sacht auf den Boden gleiten.

Als er sich dann jedoch über den Sarg beugte, blieb ihm der Atem stehen. Denn er fand weder Luna noch irgendetwas wieder, das ihr im Entferntesten ähnlich sah. Das Einzige, was er sah, war ein tiefes in den Boden gebranntes Loch, auf dessen Rand ein dunkler bläulicher Schimmer lag. Den Boden des Abgrunds konnte er auch erkennen, sodass er nun hektisch zu seinem eigenen kleinen Bereich innerhalb der Katakomben raste und hektisch ein Bücherregal durchwühlte, bis er ein kleines Buchlein mit rotem Ledereinband in der Hand hielt.

"Knírvazhla", las er sich selbst den Titel vor und grinste, da er genau danach gesucht hatte. Hurtig blätterte er die Seiten durch und ließ seine Augen über den Seiten flugs hin und her huschen, bis er endlich die Seiten seiner Begierde entdeckt hatte.

Schnell lief er zurück zum Sarkophag und inspizierte ihn noch einmal ganz genau. Und als er hineinsah, blieb ihm erneut der Atem weg, er fiel wie gelähmt nach hinten weg und konnte sich trotz aller Anstrengung nicht mehr bewegen. Das Pony, das er kurz zuvor in der Grube erspäht hatte, schwebte nun über ihm und funkelte ihn diabolisch an. Es fühlte seine Angst.

Es zog schnell ein großes scharfes Messer, das es wohl direkt aus der Präparationswerkstatt von Letalis entwendet hatte. Du willst den Tod verstehen? sagte das Pony verzerrt. Letalis spürte jedes einzelne Wort wie einen Nagel, der in seinen Schädel gebohrt würde. Wenn du ihn erlebst, wirst du ihn verstehen.

Augenblicklich, nachdem das seltsame Pony geendet hatte, rollte es ihn auf den Rücken, schnitt binnen Sekunden seinen Rücken auf und bog seine Rippen mit einer Bewegung direkt unter seine ausgestreckten Arme. Letalis' Schreie hallten durch die ganzen Katakomben.

Aber wer außer ihm selbst würde ihn hören?

Nachdem das Pony noch Letalis' zwei Lungenflügel über dessen Rippen gelegt hatte und bemerkte, dass er durch den hohen Blutverlust und die beengte Luftzufuhr innerhalb der nächsten Minuten sterben würde, sodass es ihn noch schnell mit einer Kette so platzierte, dass er mit ausgestreckten Armen und Beinen über dem offenen Sarkophag hing.

"Ich weiß, wer du bist ...", röchelte Letalis schon halb tot.

Das Pony schwebte direkt auf ihn zu und sah ihm direkt in die Augen. "Ich weiß. Aber alles, was du weißt, wird niemandem mehr nützlich sein", sprach es verzerrt, schwebte zurück in das Loch und schloss es hinter sich.

"So endest du also. Nicht als gefeierter Magier, weiser Gelehrter oder herausragende Persönlichkeit. Sondern allein als Machtdemonstration eines Dings, das du zu vernichten geschworen hattest ...", schoss es Letalis durch den Kopf, bis er kurz darauf sein Leben aushauchte.

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Zum Verständnis:

Durch Celestias, Lunas und Twilights Tod war es an der Zeit, einen neuen Regenten aus den Beratern und engsten Vertrauten der Prinzessinnen zu ernennen. Zuerst wurden die überlebenden Freundinnen Twilights in Betracht gezogen, bis man feststellte, das weder Fluttershy noch Pinkie über die nötigen Fähigkeiten verfügten, um ein Land wie Equestria zu regieren.

Daher dezimierte sich der Kreis auf die Elite des Hofstaats in Canterlot. Magier, Geschäftsleute, Gelehrte, Offiziere, Bürgermeister und Adlige wetteiferten also um die Gunst des Inthronisierungsrates, der sich jedoch trotz aller Bestechungen neutral verhielt und schließlich einem Erdpony namens Amos, einem reichen Händler aus Manehattan, das Amt des Truchseß verlieh.

Er schwor auf das Grab der Prinzessinnen, Equestria zu schützen und nach bestem Wissen und Gewissen seine Macht auszuüben und versprach, seine große Macht unverzüglich wieder abzugeben, sobald diese Krise vorbei sei.

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Der Morgen dämmerte und Amos räkelte sich im Tiefschlaf versunken in seinem Bett herum, bis er von den lauten Rufen und Rütteleinlagen eines Gardisten aufwachte. "Was ist denn los?", krächzte er dem grünen Pegasus ins Gesicht und und segnete ihn mit einem finsteren Blick voller Zorn und Müdigkeit. Denn Amos hasste es, mit Klauenhänden seinem Schlafe entrissen zu werden. "Wehe es ist von keiner besonderen Bedeutung."

Mit einem Anflug von Ignoranz und Langeweile sah ihm der Gardist in die Augen. Er hatte eine schwarze krause Mähne, die in dünnen Strähnen über sein Gesicht fiel und dem grünen Gesicht mit blauen Augen einen dunklen Rahmen verlieh. Amos hatte ihn noch niemals zuvor gesehen, und war dementsprechend misstrauisch. Wenn das hier ein schlechter Scherz wäre, würde dieser Pegasus derbe Qualen zu erleiden haben!

Langsam öffnete der Pegasus seinen breiten Mund und spielte mit seinen fleckigen Zähnen. "In den Katakomben ist ein Mord vollstreckt worden. Letalis, der Leichenkonservator, wurde brutal zugerichtet und hängt jetzt an mehreren Ketten über Prinzessin Lunas Sarkophag. Ich habe ihn bisher als Einziger bemerkt, vor etwa fünfzehn Minuten. Falls eure Exzellenz sich das in aller Ruhe ansehen wollen, sollte sie das unverzüglich tun. Ansonsten werden definitiv noch andere Gestalten davon erfahren, die damit nicht so diskret umgehen werden wie ich.", berichtete er monoton und Amos konnte die erzwungene Höflichkeit in seinen Worten schon förmlich schmecken.

Missmutig und immer noch im Halbschlaf versunken wuchtete er sich aus dem großen Bett heraus und wies den Gardisten mit verkrusteten Augenlidern an, ihn in die Katakomben zu führen. Er hatte dem Pegasus nicht zugehört, und es war ihm eigentlich auch egal, was denn nun so Besonderes in den Katakomben geschehen sei. Wahrscheinlich war ein Kratzer an einem Sarg mit einem adligen Insassen gefunden worden, dessen Verusachung schadensfrohe Denunzianten irgendeinem Taugenichts unterschieben wollten, um sich an dessen Demütigung und Bestrafung zu ergötzen. Einige Male hatte Amos so etwas schon erlebt, und er hasste die Vorstellung, nur wegen so etwas Banalem aus seinem seligen Schlummer entrissen worden zu sein.

Fast schon apathisch schritt er hinter dem grünen Pegasus her. Die Umgebung flog nur schnell und verzerrt an seinen Augen vorbei. Einige wahrscheinlich schon seit frühen Morgenstunden patrouillierende Gardisten trabten durch die Gänge und wehten Amos ihren klebrigen Geruch von Schweiß und brennendem Schnaps in die noch schlaftrunkenen Nüstern. Ihre Augen verdrehten sich meist in verwirrten Mustern, sobald sie Amos erblickten und näher unter die Lupe nahmen. Er musste wirklich ziemlich fertig und ungepflegt aussehen. Und das auch noch als Truchseß Equestrias! Doch die abwertenden Blicke Blicke der Gardisten scherten ihn noch weniger als das Problem, zu dessen Ursprung Tender ihn nun führte, sodass er die Wächter seines Palastes ignorierte als seien es aufdringliche Bittsteller.

Nach einer gefühlten Ewigkeit der Wanderung durch verschleierte Gänge blieb Tender abrupt vor einer stämmigen schwarzen Tür stehen und deutete mit seinem Huf auf das seltsam deformierte Schloss darin. Es war teilweise zerflossen, wie von Säure zersetzt, mit blauen Spurrilen im mittlerweile glanzlosen Metall versetzt und unter ihm trocknete gerade eine blau-silberne Schleimpfütze langsam aus. Amos Augen weiteten sich und plötzlich war alle Müdigkeit jäh von ihm abgefallen. Sein Verstand hatte innerhalb von Sekundenbruchteilen die Öfen seiner kognitiven Fähigkeiten zu gewaltigen Leuchtfeuern entzündet und rätselte nun unter immenser Anstrengung darüber nach, womit er es denn hier zu tun hatte. Tender war bei der Entschlüsselung des Enigmas nicht sonderlich hilfreich.

"Exzellenz, es schmeichelt natürlich meinem Auge, wenn ihr euch so gründlich mit dem Fall befasst, aber ... der wichtige Teil ist dort hinten, in den Katakomben. Dieses Schloss ist euer kleinstes Problem!", zerschnitt der Hauptmann harsch Amos Gedanken und zerrte ihn in die zwielichtigen Katakomben hinein. Voller Zorn über die Anmaßung des Gardisten beschwor Amos schon die innere Energie für ein hassberauschtes Pamphlet gegen den Hauptmann herauf, doch schluckte sie augenblicklich wie einen kantigen Stein hinunter, nachdem er Letalis' Kadaver dort oben langsam verwesen sah.

Er hing an insgesamt drei Ketten. Jeweils zwei für die Vorderhufe, und die zwei Hinterhufe waren ineinander verschlungen und mit nur einer Kette fixiert worden. Er war mitten im Todeskampf erstarrt, und hing in der Luft wie ein dreizackiges Kreuz mit zahllosen Kerben. Sein Bauch war mittig aufgeschlitzt, seine Innereien hingen frei heraus und schienen den Ratten wie ein Gott zu sein, denn ihnen sprangen sie mit scheinbarer Euphorie und nicht endend wollender Ausdauer immer wieder entgegen. Was dabei fehlte, war sein Gesicht. Dort, wo es eigentlich sein müsste, lag nur ein klaffender roter Hohlraum, in dem an der oberen und unteren Ecke noch eine Art zweigeteilter metallischer Ring befestigt war. Amos wurde schlecht.

"Diese metallische Apparatur muss seinen Kopf zerfetzt haben. Seht ihr die Haken und die Winden an der Seite? Das muss ein sehr schneller Drehmechanismus gewesen sein. Wahrscheinlich hat er davon gar nichts mehr mitbekommen.", erläuterte Tender in seliger Ruhe und beachtete den sich auf den roten Boden übergebenden Truchseß gar nicht. "Als würde man eine zuschnappende Falle andersherum benutzen. Faszinierend!"

Mit verwirrten Augen sah Amos nun von seinem Erbrochenem auf und starrte Hauptmann Tender an. Fand er etwa Gefallen an diesem morbide hergerichteten Kadaver? Oder war er vom handwerklichen Genie des Mörders so angetan, weil er selbst ein Ingenieur war? Schnell schüttelte Amos den Kopf. Ihm ging schon wieder viel zu viel Nonsens durch den Kopf! Also richtete er sich auf, stellte sich wieder neben den Hauptmann und begann zu flüstern: "Beseitigt die Unordnung hier. Die Auswahl der Gardisten überlasse ich dabei euch. Deine Wahl muss dabei auf die Diskretesten eurer Hengste fallen, verstanden? Und kein Wort zu irgendjemand Anderem, außer ich gebe den Befehl dazu! Ach ja ... und organisiert einen Ersatz für Letalis, der sich diesen bläulichen, womöglich magischen Spuren annimmt und mir darüber Bericht erstattet. Über weitere Maßnahmen werde ich nachdenken und mit meinen Rat darüber diskutieren. Ich bin in meinen Gemächern, falls ihr mich sucht. Und Tender: Wehe ihr vergeigt das!"

"Jawohl, eure Exzellenz!", antwortete Tender künstlich und wandte sich zum Gehen. Dabei achtete er peinlichst darauf, nicht denselben Weg zurückzulaufen, den Amos gerade beschritt.

Und niemand bemerkte das kleine rote Buch, das blutüberströmt am Boden lag. Weder Amos, noch Tender mit seinem späteren Vertuschungskommando. Nur der Ersatz für Letalis, der schnell auf die Beine gestellt wurde, entdeckte es beim Wischen des Gruftbodens. Aber er hielt es für nichts Besonderes, wie etwa ein simples Logbuch, in dem die Toten und ihre Todesdaten verzeichnet waren. Und da er angewiesen worden war, jegliche Spuren zu verwischen und das Buch über und über mit Letalis Blut beschmiert war, verbrannte er es im gegenüberliegenden Krematorium und schüttete die Asche später in die Kanalisation.

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Amos hatte indessen schon einen kleinen inneren Zirkel, bestehend aus seinem Marschall, dem Erzmagier Canterlots, Hauptmann Tender und Atlanas und Robert als seine besten Krieger, aufgestellt. Augenblicklich erklärte er ihnen leicht angespannt den Sachverhalt und sackte erschöpft auf seinen Stuhl zurück. " ... und nun wisst ihr alles, was auch ich über diesen Vorfall weiß. Habt ihr Ideen und Vorschläge dazu?"

"Eure Exzellenz, bestimmt ist es ein Grabschänder, der von Letalis ertappt wurde und ihn daher umgebracht hat. Oder ein Nekrophiler oder so etwas in der Art. Ganz simpel.", raunzte Marschall Tegeneria in die Runde. Er war der Zweitälteste innerhalb des Rates und besaß eine unheimliche Autorität. Sein dünnes Fell war hellgrau und von dunklen Strähnen durchzogen. Die tiefdunklen braunen Augen wurden von seinem prächtigen Vollbart gestützt, der bei jedem Wort, das Tegeneria sprach, melodisch zu mitzuwippen schien. "Bei so noblen Leichen wie denen dort unten und deren Grabbeigaben ist es keine sonderlich große Überraschung, mordende Grabräuber innerhalb unserer Mauern vorzufinden."

Der alte Erzmagier runzelte die Stirn und verdrehte die Augen. Tegenerias stupide Simplifizierung dieser doch eindeutig mystischen Begebenheit beleidigte ihn zutiefst. Doch er wahrte sein neutrales Antlitz. "Diese Theorie würde ich vehement ablehnen. Denn demnach, was Amos diesem Rat hier über den Zustand und das Aussehen des Leichnahms berichtet hat, handelt es sich ganz klar um etwas weitaus Stärkeres als einen gewöhnlichen Grabräuber. Die Zerstörung des Türschlosses könnte mit Akralsäure bewerkstelligt worden sein, und die recht hohe Position von Letalis lässt auf einen Gegner schließen, der des Fliegens oder zumindest der Levitation fähig ist. Außerdem gehe ich davon aus, dass der Mörder fortgeschrittene Tarnzauber angewandt hat, um in diese Gruft zu gelangen. Denn normalerweise sind die Schutzzauber, die ich persönlich um das Schloss und insbesondere die Katakomben gewoben habe, nahezu undurchdringlich. Für Normalsterbliche zumindest. Und Tegeneria: Falls es sich wirklich um Grabräuber handeln sollte, warum haben sie dann keinerlei der Schätze mitgenommen, die dort in den zahllosen glänzenden Truhen vor sich hin strahlen?", erklärte er eindringlich und lächelte bei Tegenerias eingeschnapptem Gesichtausdruck, als er dessen billige Argumentation zunichtemachte.

Der Marschall ließ sich seine kleine Demütigung jedoch nicht anmerken und wandte seinen Blick nun Robert zu. "Könich Robert, Amos zufolge ist Lunas Leichnahm verschwunden. Ihr kanntet sie besser als wir alle, daher: Habt ihr eine Idee oder auch nur einen kleinen Denkanstoß, der uns zu des Rätsels Lösung führen könnte? Irgendwelche Feinde? Dunkle Geheimnisse? Längst vergessene Fehden mit noch unbekannten Mächten? Irgendetwas?"

"Nightmare Moon!", stieß der Erzmagier lauthals aus und stemmte sich gegen den runden Konferenztisch. "Es ist gut möglich, dass sie es ist, die wir suchen! Sie hätte die Macht dazu, meinen Zaubern sowie allen anderen Hindernissen zu engehen und Letalis so morbide herzurichten, wie er vor ein einigen Stunden noch dort gehangen hat! Schnell, diese Theorie muss unverzüglich überprüft werden! Eure Exzellenz, bitte entsendet so schnell wie möglich einen Kundschafter zum Reliktkäfig, der uns dann darüber berichtet, ob der alte Helm Nightmare Moons noch an Ort und Stelle ist! Er beherbergt all ihre düstere Macht und wäre in der Lage, Lunas totem Körper erneut Leben einzuhauchen und die Dunkelheit in ihr herauszulassen! Wie in den alten Tagen!"

Überrascht ergriff Atlanas das Wort. "Aber wenn Nightmare Moon erst wieder zum Leben erwachen kann, sofern sie den Helm auf dem Kopf trägt, der auf der anderen Seite des Palastes unter strenger Bewachung steht ... ist das nicht paradox? Sie kann sich den Helm schließlich nicht aufsetzen, solange sie tot ist, für mich ergibt das keinen Sinn, Tindóme.", verwarf er die Befürchtungen des Erzmagiers und erntete einen finsteren paralysierten Blick von Amos.

Dieser starrte ihn jetzt direkt mit seinen glasigen grauen Augen an. "Mein Freund, es ergibt durchaus einen Sinn. Denn falls dieser Helm nicht mehr an seinem Platz ist und dort ein ähnliches Massaker wie in den Katakomben auf uns wartet, werden wir davon ausgehen müssen, dass es jemand weitaus Mächtigeres als Nightmare Moon gibt, der sie nur als Werkzeug unseres Todes benutzen will. Und auch wird."

Augenblicklich legte sich Stille über den Raum und die Sonne verschwand unter dem Horizont.

Kapitel II - Nightmare Night

"Geh zur Garde Ruven haben sie gesagt. Es ist ehrenhaft und voller Glorie haben sie gesagt. Und was jetzt? Ich spiele den Laufburschen für Truchseß Arschficker und muss ihm einen alten Helm zu Füßen legen. Halleluja!", murrte der Gardist, den Amos soeben losgeschickt hatte, um nach Nightmare Moons Helm zu sehen.

Ruven selbst hielt diesen ganzen Aufruhr um dieses uralte Relikt für bloße Dummheit. Er glaubte zwar an Magie, jedoch nicht daran, dass von einem simplen Relikt wie dem Helm Nightmare Monns Böses ausgehen könnte. Er hielt ihn einfach nur für das Stück Altmetall, das sich Luna einst übergeworfen hatte, um ihrem Zorn maskiert freien Lauf lassen zu können. "Elende Fotzen", flüsterte er vor sich hin und rief sich wie schon so oft zuvor seine Abneigung gegenüber den Prinzessinnen ins Gedächtnis. All diese Glofizierung und Heiligmacherei war ihm zuwieder, und das nicht erst, seitdem die ganze Geschichte Nibens inklusive der Missetaten der Prinzessinnen überall bekannt war. "Diese altkluge Hündin mit ihrem kleinen aggresiven blauem Boxsack ... ein Glück, das sie tot sind!", grummelte er in sich hinein und klopfte an der Tür des "Reliktkäfigs", wie gelangweilte Gelehrte ihn getauft hatten, und erzürnte noch mehr, als ihm niemand öffnete. Auch auf laute zornige Zurufe reagierte niemand, sodass sich Ruven, durch seinen Zorn beflügelt, selbst dazu authorisierte, die beinahe vollkommen morsche Tür einzutreten.

Seine Wut verflog jedoch augenblicklich, als er die Kammer betrat. Jegliche Apparate innerhalb des Raums waren bluverschmiert. Knochensplitter und Gedärme schwammen in roten Lachen auf dem Boden umher. Und in dem Käfig, in dem eigentlich der Helm hätte sein Dasein fristen sollen, saßen vier Köpfe mit schmerzverzerrten Gesichtern, einer neben dem anderen. Einen von ihnen identifizierte er als den Magier Galen, der sich vor Wochen im Schloss niedergelassen hatte, um antike Relikte Equestrias zu untersuchen. Ruven lief augenblicklich eiskalter Schweiß durch die gepflegte glatte Mähne.

Sofort wandte er sich zur Tür und bereitete sich mental auf eine rasante Flucht vor. Er würde die Tür und all das Blut einfach hinter sich lassen und rennen. Rennen bis zum Ende aller Kräfte. Sollen doch alle in diesem von allen Göttern verlassenen Sündenpfuhl zu blutigen Lumpenhaufen werden, alles egal! Hauptsache, die Flucht gelingt rasch und unverletzt! Er würde ganz sicher irgendwo etwas Besseres finden als diesen Gardistenposten, und die ganzen Spötter, die ihn Feigling! schimpfen würden, wären dann ohnehin nicht mehr von Belang! Vollkommen in seinen sehr schnellen und instinktiven Gedankströmen raste er zur Tür und stieß gegen eine hartweiche klebrige Masse. Panisch sah er auf und erblickte das Hindernis vor seinen Augen. Jemand hatte sich ihm aus den Schatten in den Weg gestellt.

Sein Gegner lächelte ihn mit zerfetzten Lippen an. Er trug einen dunkelrot verfärbten Kittel, hatte faulig stinkende grüne Wunden in seinem Gesicht und es steckten einige Glassplitter in seinen Augenhöhlen. Er musste eine Brille getragen und etwas von der offensichtlich spärlichen Verteidigung der Gelehrten abbekommen haben. Wobei, der rechte Vorderhuf fehlte ihm gänzlich, und sein Gesicht war voller rot-blauer Blessuren. So schlecht haben die Todgeweihten des Reliktkäfigs scheinbar doch nicht um ihr Ableben gekämpft. Aber im Endeffekt hat es ihnen auch nichts mehr genützt.

Ruven war nun komplett gelähmt. Ob vor Angst oder unter Einflussnahme eines schwarzmagischen Zaubers, er wusste es nicht. Er sah nur noch die seltsam glimmenden Schlitzaugen des düsteren Ponys und spürte die Vibrationen, die dessen Schritte auslösten. Langsam näherte sich ihm das Pony und rammte ihm, ohne jegliche Vorwarnung, einen scharfen metallenen Dorn zwischen die Augen und stieß ihn nach hinten. Und noch bevor Ruvens Körper nach hinten auf den klebrigen Boden fiel, hatte seine Seele schon den Körper verlassen und ihn im Todestanz erstarrt zurückgelassen.

Und als das blutbeschmierte Pony feststellte, dass Ruven sein Leben ausgehaucht hatte, fiel es augenblicklich in sich zusammen, verlor jegliche Lebenskraft und rundete das Bild des Massakers perfekt ab.

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Amos wippte nervös auf seinem Stuhl herum und starrte stetig auf die Tür. Wilde Phantasien und Zukunftsängste zischten wie Pfeile durch seinen Kopf und ließen bei ihm den Schweiß ausbrechen. Er durfte jetzt nicht versagen. Nicht als Pony, nicht als Stratege und am wichtigsten: Nicht als Herrscher Equestria. Es stand zuviel auf dem Spiel. Sein Volk und seine Armee waren im Zornesfeuer Nibens ohnehin schon zum Großteil vernichtet worden, und er hatte keinerlei Interesse daran, auch noch den Rest seiner Macht einbüßen zu müssen. Und wie würde sich sein Versagen bloß auf seine unsterbliche Ehre auswirken?

"Wo bleibt denn dieser langsame Gardist?", fragte Marschall Tegeneria leicht angespannt und tippte dem beinahe schon paralysierten Truchsess ruppig auf die Schulter. Dessen grauen Augen waren hinter einer Wand aus milchigem Glas verborgen und entzogen sich allen äußeren Einflüssen. "Vielleicht wäre es besser, wenn wir nach ihm suchen würden, Exzellenz. Wir werden erst dann Klarheit haben, wenn wir uns der Wahrheit stellen! Und nicht dann, wenn wir hier im Kreis herumsitzen und so lange Theorien äußern, bis wir nur noch fahle Schädel und Gerippe sind!" Der glatte Bart des alten Ponys wippte erregt hin und her und verlieh Tegenerias Vorschlag unbeschreibliche Härte.

Amos blickte auf und richtete seine Stimme an den gesamten Rat. "Gut. Jeder von euch ist auf meine Anweisung hin bewaffnet erschienen, ist das richtig?", fragte er in die Runde und erntete bejahendes Zunicken und aufblitzende Schwerter von seinen Paladinen. "Perfekt. Wir werden jetzt allesamt zum Reliktkäfig gehen und uns selbst ein Bild davon machen, was den Gardisten aufhält oder aufgehalten hat. Falls sich unsere Vermutungen als wahr herausstellen sollten, werde ich euch weiter instruieren, was zu tun sein wird. Und noch etwas: Falls wir Nightmare Moon antreffen sollten, befehle ich euch, keine heroischen Manöver oder dummen Angriffe zu starten. Ich kann mir keine Verluste leisten, insbesondere nicht von jemandem aus diesem Rat!"

Atlanas, Robert, Tindóme, Tegeneria und Tender gaben ihm ihre Zustimmung und setzten sich schnell und mit ihrer Waffe im Anschlag in Bewegung. Amos führte die Gruppe langsam aus dem Saal heraus und wies seine zwei ziegischen Leibwächter, die bis eben die Tür zum Audienzzimmer bewacht hatten, an, ihm Geleitschutz zu geben und die Gruppe zum Reliktkäfig zu eskortieren. Seine Nervosität und Angst konnte man förmlich spüren, wenn man neben ihm ging.

Einige Minuten später standen sie eng zusammen vor der düsteren Tür und starrten durch den offenen Türrahmen. Ihr Blick fiel zuerst auf die ehemalige Heimstatt des Helmes, der nun mit vier schmerzensverzerrten Köpfen bestückt und seines ursprünglichen Inhaltes beraubt worden war. Niemand von ihnen sagte ein Wort, doch sie alle wussten, was geschehen war. ...

Und so begab sich die kleine Gruppe hinunter in die Katakomben des Schlosses, bis sie beim Reliktkäfig angelangt waren. Verwundert und etwas verängstigt über die bereits geöffnete Tür stapften leise hinein, bis sie die Blutorgie bemerkten und in sich zusammenzuckten.

"Bei allem Blut des Schattenkriegs..", hauchte Amos schockiert und deutete auf Ruvens Körper, in den etwas eingeritzt war. "Was steht da?"

Harlots Augen weiteten sich." N...M...E...was hat das zu bedeuten?", fragte er sich, bis auch sein Blick auf den mit Köpfen gefüllten Käfig fand und er das Fehlen des Helms bemerkte. "Nightmare Moon...Entkommen...wir müssen hier schleunigst weg!"

Wortlos stimmten ihm alle zu und rannten um ihr Leben nach oben, um so schnell wie möglich die Bewohner zu evakuieren und Nightmare Moon vorzubeugen. Doch all diese flüchtigen Pläne zerfielen zu Staub, als sie vom großen Balkon des Schlosses direkt auf Nightmare Moons Zerstörung herabsahen und ein Déjà-vu erlebten: Ponys rasten panisch durch die Straßen und warfen sich gegenseitig aus dem Weg, um so schnell wie möglich aus diesern Stadt herauszukommen. Egal ob Hengst, Stute oder Fohlen, niemand wurde bevormundet.

Doch das war nur der noch lebende Teil der Bevölkerung Canterlots. Unzählige Leichen pflasterten schon die Straßen, einzig und allein zusammengehalten von ihrem gerinnenden Blut. Und manche Toten standen wieder auf, umgeben von einer düsteren blauen Aura und mit fehlenden Augen, und begannen damit, alle Ponys zu massakrieren.

Köpfe wurden auf Zäuhne gepfählt, Blut als Bemalung getragen und Glieder zu morbiden Totems aufgebaut, die schließlich beinahe weihnachtlich mit den Innereien und Gedärmen behängt wurden. Und allem über schwebte lachend Nightmare Moon, erneut im Zenit ihrer Macht.

"Wir müssen weg und Hilfe von außen anfordern!", rief Amos, als er seine ohnehin schon durch Niben dezimierten Legionen im Gemetzel untergehen sah. "Wir müssen uns trennen, dann haben wir bessere Chancen! Robert und Atlanas, nehmt meine zwei Leibwächter mit, geht durch diesen Geheimgang, der euch nach Westen bringt, und schlagt euch nach Down Under durch. König Robert, ihr müsst dort so schnell wie möglich eure Truppen formieren und sie gefechtsbereit halten, bis ihr von mir Nachricht erhaltet! Und keine Heldentaten, das Volk von Canterlot ist eh schon vernichtet. Die Einzigen, die hier noch laufen, sind wir und diese untoten Dinger da unten. Ist das klar?"

"Jawohl, Exzellenz!", bestätigten Atlanas und Robert fast im Chor und stierten schon in Richtung Ausgang.

"Ich werde mit Harlot, Tender und Grazny nach Manehattan fliehen, um dort in der Staatsbibliothek nach Antworten zu suchen. Viel Glück!", verabschiedete er sich hastig und raste mit seinen Getreuen zum anderen Geheimgang.

Ebenso tat es Roberts Truppe und rasten durch die Höhlengänge, bis sie sich in Sicherheit fühlten. "Elender Müll. Da bringt man gerade mal eine große Bedrohung um und dann kommt schon die Nächste. Ich hasse das", grummelte Atlanas und ließ sich auf den erstaunlich warmen Boden fallen. "Es sind circa vierzig Kilometer von hier bis nach Down Under, das schaffen wir innerhalb von zwei Tagen, höchstens!"

"Da hast du Recht. Ich hoffe mal, dass Nighmare Moon sich vorerst andere Ziele sucht", sprach Robert und ließ sich ebenfalls auf den Boden sinken.

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In Canterlot brannten die letzten Feuer.

Der Boden des Thronsaal war übersät mit zerfetzten Ponyleichen. Blut tropfte von überall her und untote Ponies trotteten umher und zerfielen zu Fetzen aus Fleisch.

Und mittendrin saß Nightmare Moon, die in ihrer eigenen Pisse auf dem alten Thron Celestias saß. Sie lachte diabolisch, als sie sich die Entweihung und Schändung der Rasse der Ponies anhand von Canterlot immer und wieder vor Augen führte.

Doch dann stierte sie gierig aus dem Fenster nach Westen und schaute auf den nicht weit entfernten Berg. "Down Under", hauchte sie die Schatten hinter sich an, die augenblicklich mit der Aufrüstung und Befestigung Canterlots begannen.

Und Nightmare Moon lächelte. Denn sie war glücklich.

Kapitel III - Moonlight

Tiefe Nacht.

Robert, Atlanas und zwei weitere Ziegen hatten ihr Lager in der Höhle aufgebaut und schwiegen sich an, bis Atlanas schlussendlich mit "Also Leute, wer von euch hat einen Plan, um Nightmare Moons Schreckensherrschaft zu beenden?" das Wort ergriff.

"Wir können sie nicht schlagen. Und ich will es ehrlich gesagt auch nicht tun", antwortete Robert tonlos und starrte weiterhin unbeirrt auf den feuchten Höhlenboden. "Aber du musst deine Liebe überwinden und sie besiegen! Du weißt, dass du der Einzige bist, der das kann!", erwiderte Atlanas leicht angespannt.

"Du sagst das so leicht. Und warum sollte ich der Einzige sein? Du kannst das genauso. Aber willst es einfach nicht, weil du Angst vor dem Tod hast. Wie ihr alle", hauchte Robert in den Kreis.

"Hör zu, ich weiß, dass es für dich schwer ist, aber du musst es für unser Volk tun! Für deine Ziegen! Für Equestria!", zischte Atlanas, während seine Augen langsam weiß zu glitzern begannen. Robert stand sofort entrüstet auf und brüllte los: "Luna ist mir mehr wert als alle meine Untertanen zusammen! Ich werde sie nicht töten!"

"Reg mich jetzt nicht auf. Du wirst es bereuen!", zischte Atlanas und schaute ihn mit seinen weißglitzernden Augen an.

"Du willst mir also drohen? Mir? Demjenigen, der die Situation als Einziger richten kann!?", grölte Robert und brach in verzerrtes Gelächter aus. Atlanas fasste sich schlagartig an den Kopf. Jetzt wirst du alles verstehen hallte es durch seinen Verstand. Und er begriff, was Niben gemeint hatte. "Hör....auf"

"Ich soll aufhören? Zwing mich doch!", donnerte Robert und kicherte weiter verächtlich, bis Atlanas auch zu lächeln begann. Und als er es bemerkte, war es schon zu spät.

"Hallo Freunde", sprach Niben diabolisch und ließ seine Augen flimmern. Augenblicklich donnerte er Robert mit einem Faustschlag kopfüber aus der Höhle heraus, direkt auf einen Felsvorsprung. Innerhalb einer Sekunde stand Niben neben ihm und donnerte ihm weiter ausgelassen lachend gezielte Schläge ins Gesicht und auf die Brust, bis er bald vollständig mit Blutspritzern bedeckt war."Du elende Made hast wohl gedacht, dass du mich los wärst und alle, die du liebst, in Sicherheit wären. Aber eins sag ich dir: Ihren Tod wirst du nicht mehr betrauern können!", lachte Niben, holte zum Todesstoß aus und verharrte.

Sein Gesicht verkrampfte sich und seine Augen wechselten rasch zwischen Grün und Weiß hin und her, bis Atlanas schlussendlich von einem gequälten Schrei Nibens begleitet die Kontrolle wiedergewann und kurz darauf in sich zusammensackte.

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"Wo... wo bin ich ?"

Er schaute sich um und erkannte, dass er wieder in der Höhle war. Ein Ziegenbock beugte sich gerade über ihn und verband einige Wunden. "Du hast gerade noch mal Glück gehabt. Hätten wir mich nicht, wärst du jetzt tot!", prahlte der Ziegenbock und klebte den Verband fest.

Links von ihm wartete schon Atlanas. "Alles okay? Niben hat dich mächtig zusammengeschlagen."

Niben?, dachte Robert und erinnerte sich an nichts. Doch als er aufstehen wollte, fühlte er jeden einzelnen Knochen in seinem Leib schmerzen und erinnerte sich schlagartig wieder.

"Bleib lieber liegen, sonst gehen deine Knochen gleich wieder kaputt", ermahnte der Ziegendoktor.

"Ach was...", entgegnete Robert etwas gedrückt, "das wird schon wieder... ich bin ja nicht aus Pappe..."

"Ruh dich einfach aus, dann wird's schon besser...", riet ihm Atlanas, der inzwischen wieder eine ernste Miene aufgesetzt hatte.

Plötzlich rumpelte der Boden unter ihnen.

"Was zum...?!", keuchte Atlanas erschrocken.

Der Boden bekam Risse, die immer größer und dicker wurden, bis nur noch ein Loch übrig blieb.

Atlanas hob vom Boden ab und hielt den Ziegendoktor fest, während Robert sich selbst nur mit Mühe in der Luft halten konnte. "Alter, lange halt ich das nicht durch!", keuchte er und ging in einen Sinkflug über und setzte nach der Landung vorsichtig den Doc ab. "Wo ist Robert?", fragte er und begann sofort, die Umgebung abzusuchen und Roberts Namen zu brüllen. Jedoch keine Reaktion.

"Ähm, Leute, schaut mal nach vorne. Das sieht nicht gerade nach einer normalen Höhle aus...", hauchte der Ziegendoktor und zeigte nach vorn.

Atlanas Pupillen weiteten sich und er bemerkte Robert vor ihm in der Dunkelheit stehen.

Vor ihnen lag ein weitläufiger Hohlraum, der bei näherer Betrachtung ein nahezu symmetrisches Oktagon mit feingeschliffener hoher Kuppel ergab. "Was ist das?", fragte Atlanas erstaunt.

"Capra, die älteste Ziegenstadt der Welt! Willkommen daheim!", stieß Robert freudig aus und stürmte weiter nach vorne. Der Boden bestand aus einem von schwarzen Nuancen durchzogenem grünen Marmor, an dessen Rändern quadratische, ertwa handbreite Verzierungen angebracht waren. Die davon umgebenen hohen ebenfalls marmornen Gebäude waren meist hexagonal gebaut und mit Säulen, Erkern und pompösen Dächern verziert. Neben den schwungvollen Bronzetüren der Häuser prangten eingravierte Symbole, die Robert als antikes Koziya identifizierte.

Nach einem kurzen Fußmarsch weiter geradeaus in die Mitte des Oktagons hinein erblickte Atlanas eine riesige Staue inmitten eines großen kreisförmigen Platzes. Es war eine seltsame Darstellung, die er so noch nicht gesehen hatte. Die Figur ging aufrecht auf zwei langen Hufen und hielt die anderen zwei nach links und rechts ausgebreitet in der Luft. Im Linken hielt sie ein gewaltiges Schwert und im Rechten eine große Kugel.

Doch am meisten verwunderte Atlanas der Kopf der Figur. Er war beinahe ganz ovalförmig und mit seltsamen Proportionen ausgestattet, die jedoch größtenteils von langen fallenden Haaren bedeckt wurden. Doch die großen weißen Augen der Statue konnte Atlanas ohne Schwierigkeiten erkennen. Ich bin allgegenwärtig!, donnerte es durch seinen Schädel und er nahm augenblicklich Abstand von der Statue.

"Okay Leute, laut der Legende hat der rachsüchtige Diaron aus seinem rechten Arm eine riesige Streitaxt namens Chul-Serdin geschaffen, mit der er seinen Schatten die Macht geben wollte, Niben und sein ganzes Volk samt den Ziegen ausrotten zu können. Aber irgendwie sollen es die Ziegen unter König Caprus dem-keine-Ahnung-wie-vielten geschafft haben, diese Waffe in ihren Besitz zu bringen und in Capra unter Verschluss zu halten...", erklärte Robert hoffnungsvollund führte die Gruppe weiter in den Berg hinein, bis sie zu einem Palast kamen. "Der Margaritturrem... die Heimat des alten Königs... und auch seiner Waffen!", schwärmte Robert und schwebte nach vorn.

"Da willst du rein? Also wenn da Göttermörder drin sind, man die gute Waffenkenntnis der Ziegen in Betracht zieht und mal kurz nachdenkt, bemerkt man, dass da unter Garantie ein Haufen tödlicher Fallen drin ist. Also wäre es klüger zu... ach was, gegen Nightmare Moon verlieren wir eh, also was haben wir zu verlieren?", stellte Atlanas fest und rannte gegen die Eingangstür.

"Das bringt nichts, die ist magisch verstärkt. Da kommt man nicht mal mit nem K5-Eisenbahngeschütz durch...", erklärte Robert.

"Wie kriegen wir sie denn sonst auf?", zischte Atlanas verärgert.

"Da könnte ich euch helfen!", lachte eine Stimme und Atlanas wurde schwarz vor Augen.

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Als er aufwachte, fand er sich gefesselt an einer Wand wieder. Neben ihm hingen Robert, der Ziegendoktor und die zweite Ziege. Sie waren auch gefesselt.

"Na wenn das nicht der König der Ziegen ist!", krächzte eine Stimme.

"Wer bist du?!", brüllte Robert.

"Meinen Namen kennst du sicher nicht, aber... ich zeige mich dir mal..."

Ein kleines, buckliges Wesen kam herein. Sein Gesicht war durch zahllose Schwellungen und Narben stark entstellt, über denen schwarzes Fell wehte. Es war extrem dürr und trug eine beschmutzte grüne Robe, über der ein wuchernder Bart saß. Und auf seiner Stirn prangten zwei lange zur Seite abdriftende schwarze Hörner. "Mein Name... ist Ephial. Erzmagier der Könige von Capra und letzter Überlebender des Dunklen Zeitalters", sprach er und verbeugte sich spöttisch, "Und du bist Robert I., Herrscher der Ziegen, der Bezwinger der Schatten und König....unter dem Berge. Oh, ich vergaß, ihr habt ja gar keinen Berg mehr!"

"Natürlich haben wir einen! Kennst du nicht Down Under?!", donnerte Robert energisch.

"Natürlich tue ich das. Doch deine über alles geliebte Freundin hat es zerstört. An deiner Stelle würde ich mich hier nicht so rühmen. Landlos, lieblos...und freiheitslos!", lachte er hämisch und wandte sich Atlanas zu. "Und Kommandant Atlanas von Canterlot. Der Schöpferschlächter. Und Wirt des weißen Todes. Du willst gar nicht wissen, was gerade mit deiner ach so schönen Freundin gemacht wird..."

Er legte Atlanas seine klumpige Hand auf die Stirn und übertrug eine Vision.

Fluttershy lag dort wehrlos am Boden und wurde von den Schatten gefoltert und vergewaltigt, je nachdem wozu die Schatten gerade Lust hatten. Er kniff krampfhaft die Augen zusammen, doch Ephial hörte nicht auf, bis die Vision vorbei war.

Atlanas schreckte hoch und atmete schwer, als Ephial seine Hand von seiner Stirn nahm. "Diese... MONSTER!", brüllte er.

"Ganz ruhig, du bist nicht der, der gefoltert wird...", lachte Ephial noch lauter und krächziger als zuvor.

"Warte, ich kenne dich!", warf Robert ein, "du hast den Schatten Equestrias größte Geheimnisse verraten, sodass sie Burning Sun erwecken konnten. Das war dein Teufelswerk!"

"Ja. Aber ich kein Verräter. Denn meine Herren sind längst tot, sodass ich mich schon sehr lange meinen einzig wahren Leidenschaften widmen kann: Dem Opportunismus und der Schwarzen Magie!", lachte er weiter. "Ich bin mächtiger geworden als jeder andere Magier. Sogar mächtiger als ihr!", sprach er und schaute tief in Atlanas Augen und sprach Niben an.

Gib deinen Verstand auf! schallte durch Atlanas Kopf Ich werde das beenden!

Niben drückte erneut stark gegen die Gedankenmauer von Atlanas. Er versuchte krampfhaft, Niben fernzuhalten, doch der Zorn auf die Schatten war zu groß. Seine Augen begannen wieder weiß zu glühen und er sprengte seine Fesseln mit bloßen Hufen auf. Ephials Lachen wurde noch lauter und er verschwand in einer Wolke aus rotem Nebel. Zurück blieben nur die Schlüssel und eine kleine Notiz.

Als Atlanas wieder die Kontrolle über sich erlangt hatte, sprintete er sofort zu den Schlüsseln und las die Notiz vor, nachdem er die anderen befreit hatte. "Wir werden uns wiedersehen. Denn das hier ist erst der Anfang auf einer langen Reise, die ihr mit dem Tod beenden werdet!", las er vor und erntete ernüchterte Blicke von den Anderen.

Über die übertragene Vision bewahrte Atlanas vorerst Stillschweigen.

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Sie traten sie aus dem Berg heraus und fanden sich mitten im zerstörten Ponyville wieder.

"Das hier war Luna?! Also, das glaub' ich nicht... aber es ist ja da. Ich kann es nicht glauben. Ich kann es einfach nicht...", stotterte Atlanas.

"Ich auch nicht...", sprach Robert und schaute auf das zerstörte Ponyville.

"Bauen wir am besten hier unser Lager auf, bevor es Nacht wird!", schlug der Ziegendoktor vor und packte die Schlafsäcke aus. Atlanas stimmte ihm nickend zu und ließ sich auf den Boden sinken, "Aber was machen wir, wenn wir von Schatten angegriffen werden? Robert kann nicht kämpfen und die sind gerade hinter ihm her. Also... wer will freiwillig die erste Wache übernehmen?"

Keine Reaktion.

"Hey, das ist verdammt wichtig!"

Wieder keine Reaktion.

"Na gut, ich übernehm' die erste Wache. Aber ihr bleibt gefälligst in Alarmbereitschaft!", zischte er die beiden Ziegen an, die nickten und ihre Waffen in die Hand nahmen.

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Einige Minuten später.

"Hat zufällig einer von euch Karten mit?", gähnte Atlanas.

"Wenn du pokern kannst...", antwortete der Ziegendoktor grinsend.

"Ja, das kann ich aber... worum spielen wir denn?", fragte Atlanas und bekam ein entrüstetes "Um Geld natürlich! Oder um was denn sonst?!" vom Ziegendoktor gedrückt.

"So viel hab' ich nicht dabei, aber... wird schon reichen...", seufzte Atlanas und setzte sich zu den Ziegen. Und so vergingen Minuten und Stunden, bis das letzte Geld im Pott lag.

"The Flop", sprach der Doc und deckte die ersten drei Karten auf. Atlanas schaute entschlossen den anderen Ziegenbock an und erhöhte um zwei Münzen. Der Ziegenbock zögerte kurz, legte dann aber auch zwei Münzen auf den Boden.

"The Turn", sagte der Doc und deckte die nächste Karte auf.

Atlanas schaute skeptisch auf seine Karten, blieb aber standhaft und setzte wieder ein Pokerface auf. Der Ziegenbock schwitzte schon, aber wollte nicht schwach wirken und konzentrierte sich wieder auf sein Blatt.

"The River", sagte der Doc und deckte die letzte Karte auf.

"High Card mit Karo-König und Herz-Vier", hauchte der Ziegenbock und legte seine Karten auf den Boden.

Atlanas lachte. "Full House, mein Freund. Ich glaube, dass gehört jetzt mir", lachte er und grabschte nach dem Pott.

"Na toll, und was spielen wir jetzt?", fragte der Doc gelangweilt.

"Wie wärs mit einer Ru... Moment mal, was war das ?", fragte Atlanas angespannt und drehte sich um.

Der Doc legte den Huf auf den Mund und zückte seine MG. Atlanas und der andere Ziegenbock taten es ihm gleich und duckten sich.

Eine Truppe Schatten trabte den Weg entlang und stoppte abrupt ab. Der Anführer drehte sich zum schlafenden Robert und hob ihn auf einen schwarzen Karren. Doc hob die Hand und wies Atlanas an, die Hinteren zu erstechen. Atlanas stand auf und schlich sich an die beiden hintersten an, legte ihnen sein Schwert an die Kehle und zog es zu sich heran.

Blut spritzte auf ihn, die Schatten fielen leblos zu Boden, ein Schatten drehte sich um und brüllte: "Alarm! Hier sind Feinde!"

"Jetzt!", brüllte der Doc und eröffnete das Feuer. Der andere Ziegenbock kam von der anderen Seite und schoss auch auf die Schatten.

Plötzlich kam ein kleiner Blitz auf ihn zugeschossen und er konnte sich nicht mehr bewegen. Atlanas und der Doc wurden auch abgeschossen und fielen auf die Erde. Die Schatten hoben sie in eine aufrechte Position und lehnten sie und Robert an eine Wand. Der war inzwischen aufgewacht und versuchte sich zu befreien, aber vergebens. Was auch immer diese Blitze waren, sie erfüllten ihren Zweck.

Der Anführer stellte sich jetzt vor Robert und setzte seine Kapuze ab. Robert schaute nun in die selben kalten blauen Augen, die er nur zu gut kannte.

"Atmosphere!", schrie Robert, "Du müsstest tot sein!"

"Nein, müsste ich nicht.... ihr dummen Ziegen habt damals nur auf die Zerstörung meiner Fabrik geachtet, sodass ich problemlos entkommen konnte. Und als ich von Luna's neuer Gestalt hörte, habe ich mich ihr angeschlossen. Sie will euch gern sehen, also kommt mit. Falls es euch interessiert, diese Lähmungsblitze sind meine Erfindung. Toll, oder?", lachte Dr. Atmosphere voller Verachtung und wies die Schatten an, die Gefangenen mitzuschleifen und zu Lunas Thronsaal zu bringen.

Kapitel IV - Moonlight Shadow

Vor den Gefangenen türmte sich die fürchterliche Gestalt eines in schwarz berüsteten Alihorns auf. Auf dem Brustpanzer und dem Kettenhemd mischten sich dunkelgrünes und rotes Blut zu morbiden Farbpaletten zusammen, während die Hufe und offenen Teile ihres Körpers verfault und zerkratzt waren. Auf dem Haupt trug es einen uralt scheinenden Helm, aus dem gelb-rote Flüssigkeiten trieften. Aus den zwei Aussparungen für die Augen glomm bedrohliches hellblaues Licht und bohrte sich wie Feuer in den Geist der Gefangenen. Es atmete schwer, und bei jedem Atemzug schwängerte es die Luft mit einem Geruch, der von einsamen Grüften und zerfressen Kadavern zeugte. Luna war zu einem Monster mutiert.

"Du hast sie gefangen? Sehr schön, mein Sklave, sehr schön! Genau die Richtigen!", zischte sie fröhlich anmutend und musterte Amos' Leibwächter mit ihren durchdringenden Augen. Der Ziegendoc krümmte sich und fiel in Richtung Boden, wurde jedoch unsanft von zwei süffisant lächelnden Schatten zurück auf die Beine gestellt. "Dem Blick der Herrin widersteht niemand, du Made!", flüsterte der Schatten, der den rechten Huf des Docs noch fest umklammert hatte, und erntete ein erzürntes Aufblitzen der Iris des Ziegendocs. Darauf lächelte der Schatten nur spitzbübisch und trat ihm in die Rippen.

"Richtig, so wie ihr es befohlen habt, meine Königin!", schnitt plötzlich Atmosphere ein, und schlug einen wohlwollenden Ton an, den wahrscheinlich noch niemand zuvor aus der Kehle dieses Ponys vernommen hatte. "Ich werde sie in den Kerker bringen, wenn euch das genehm ist, meine Königin!", endete er und wies, nach einem kurzen Nicken Lunas, den Piesacker des Docs und noch vier andere Schatten an, die Gefangenen fortzubringen. Er selbst verneigte sich beinahe spöttisch tief vor Luna, bezeugte ihr sein Vorhaben, die Gefangenen "besonders zu behandeln" und ignorierte gekonnt die Pisse, die durch Lunas verfaulten und zerissenen Verdauungstrakt hinauslief.

Im Kerker selbst stank es ähnlich wie aus Lunas schwarzem Rachen, bloß das man sich hier nicht die Ursachen vorstellen musste. An den Wänden hingen Ponys, teilweise über Kopf, denen die Gedärme aus den aufgeschlitzten Leibern quollen und den steinernen Boden mit Innereien schmückten. Und als der Ziegendoc auf einer frischen Niere ausrutschte, hart auf den Boden knallte und seine zwei Bewacher mit nach unten riss, erzürnte der Schatten, der ihn vorher schon malträtiert hatte, und schlug ihm mehrfach in den Magen, bis auch das Frühstück des Docs seinen Platz am Boden fand. "Ich bin Hauptmann Hazhtan, und du ein Nichts. Wenn ich es noch einmal sehe, dass du meine Soldaten in irgendeiner Form schädigst, endest du wie dieses Stück Zhrack dort hinten!", zischte er und deutete auf ein Pony, von dem wohl die Niere stammte, auf der der Doc ausgerutscht war. Und obwohl er nichts als Verachtung für Hazhtan übrig hatte, sagte der Doc nichts weiter, sondern badete einfach in seinen Schmerzen und verlor die Konzentration.

Und innerhalb der nächsten drei Minuten hingen sie alle nebeneinander an der Wand und schmeichelten scheinbar Hazhtan Auge, denn er lachte lauthals los, nachdem er sie sich in ihrer Gesamtheit angesehen hatte. Und auch, nachdem er und seine Soldaten den Raum verlassen hatten, hörte man noch weiter Hazhtans schallendes Gelächter. Und erst jetzt, nachdem sie körperlich und geistig am Ende waren und keinerlei Plan oder Vorgehensweise mehr auf Vorrat hatten, fiel ihnen auf, dass Robert nicht bei ihnen war.

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"Warum Luna?", keuchte Robert, der sich immer noch nicht rühren konnte und ausgestreckt auf dem dreckigen Boden lag. Er rang jede Sekunde mit dem Atem und fühlte sich elend. Es schien ihm, als wären seine Lungen von tausenden Schwertern durchstoßen und seine Knochen unter tausenden Tonnen Geröll zertrümmert worden. Ächzend starrte er voll Verzweiflung in Lunas glänzendes Augenlicht und kämpfte krampfhaft mit der stetig aufkommenden Ohnmacht.

"Warum? Weil du ein unglaublicher Schwächling und machtloser Herrscher bist! Du bist ein Nichts!", brüllte Nightmare Moon und trat ihn in die klaffenden Schnittwunden seiner linken Flanke. Robert aber ließ sich trotz seiner immensen Qual nichts anmerken. "Du weißt nicht", führ sie fort und sah Robert direkt in die Augen. "wie es ist, solch eine immense Macht zu besitzen! Und selbst wenn, wüsstest du unmündiges Stück nicht, wie du sie zu nutzen hättest!"

Unter Zuhilfenahme seiner letzten Willensfetzen hob er sein Kinn und erwiderte ihren kalten Blick. "Das Nichts bist allein du. Nightmare Moon ist namenlos, gestaltlos, geistlos und schwächer als jedes noch so kleine Insekt. Du bist nicht eigenständig. Luna ist tot und wird immer in meinem Herzen weiterleben. Deswegen werde ich deinem Tod mit Freude entgegensehen!"

"Du wagst es, mir zu widersprechen?!", schrie Nightmare Moon und trat ihm mit einem mehr steinernen als lebendigen Huf gegen seinen Hals, "Ich werde dich zefetzen und ausweiden, verbennen und löschen, quälen bis alle Welt im Dunkel liegt!" Geschwind huschte sie zu einem an der Seite ihres makaberen Thronsaals gelegen Tisch und kehrte ebenso schnell mit einem blutverkrusteten schwarzem Messer wieder zu Robert zurück. Und auch, wenn es uralt und stumpf wirkte, war die Klinge schärfer als alle Schwerter, die jemals in den Schmieden der Ponys gehärtet wurden. Das erkannte Robert daran, dass er sich in den ersten Schattenschlachten schon mit dunklen Generälen duelliert hatte, die Schwerter aus dem selben Material trugen und ihm schon durch kleine Streifer tief klaffende Wunden zugefügt hatten, die ihn oftmals fast das Leben gekostet hatten.

Doch seine bruckstückhaft durch seinen Geist fliegenden Erinnerungsfetzen verschwanden, als Nightmare Moon über ihm stand. "Bereite dich auf Höllenqualen vor!", flüsterte sie voller Hass und grinste verschlagen.

Mit allerletzter Kraft hob Robert nun zum letzten Mal den Kopf: "Du bist so dumm, und ich dachte, du kennst mich. Seit wann lasse ich mich von einer Truppe Schatten gefangen nehmen, ohne ein Ziel zu verfolgen? Warum glaubst du, habe ich das getan? Um hier rein zu kommen, in das Herz deiner kleinen Machtdemonstration. Um zu sehen, wie das Nichts vergeht!"

Nightmare Moon lächelte und zeigte ihre vergilbten und abgestoßenen Zahnblöcke. "Und nun, du Held? Du bist halbtot. Und allein. Kampfunfähiger als ... jedes noch so kleine Insekt. Und das heißt, das du langsam aber sicher sterben wirst." Sie hob das Messer.

In dem Moment explodierte das riesige Glasfenster und Nightmare Moon drehte sich erschrocken um und fauchte, während Scherben auf sie und Robert herunterprasselten. Von Zorn erfüllt blickte sie durch das zerstörte Fenster nach draußen und stieß ein wütend gutturales Schreien aus, als sie drei K5-Eisenbahngeschütze und ganze Horden von Ziegen erblickte, die sich ihren Weg zum Schloss bahnten.

Hassberauscht wandte sie sich wieder Robert zu, der müde lächelte und trotz seiner Blessuren und Kampfunfähigkeit Würde bewahrt hatte. "Sie wissen immer, wo ihr Könich ist!", lachte er und starrte spöttisch Nightmare Moon an. Sie machte ihm keine Angst. Sie belustigte ihn nur.

"Du elender Hund", keifte Luna voller Wut, packte Robert und stach ihm die Schattenklinge tief in die Brust. Und das Letzte, was sie noch Robert bekam, war ein zufriedenes Lächeln und ein spöttischer Schimmer in seinen Augen. Dann war er tot.

Nightmare Moon drehte sich wieder zum Fenster um und spannte ihre Flügel auf. "Der Kampf beginnt!", freute sie sich, "und ICH werde siegen!". Und so stieß sie, wie von Gewitter begleitet, in den Nachthimmel hinauf und lachte schon lauthals, als sie von Osten ihre Schattenarmee aufmarschieren sah.

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Atlanas erwachte unter stechendem Schmerz in seinen Gliedern und fühlte rauhen Stein seinen Rücken zerschaben. Er versuchte durchzuatmen und tief Luft zu holen, doch die dicke stinkende Luft des Verlieses verwehrte es ihm. Nur kleine und an Erstickung erinnernde Luftzüge wurden ihm gewährt und er war schon kurz davor, wieder einzuschlafen, bis sich plötzlich Niben aus den Gefilde seines Geistes meldete. Öffne deine Augen, elender Wurm!

Wie von Geisterhand gesteuert schoben sich seine Lider nach oben und gaben den Anblick auf eine schwarze Metalltür und die sie umschließende Wand aus behauenen Bruchsteinen mit angebrachten Ketten frei. Augenblicklich erinnerte er sich wieder an alle Geschehnisse und riss an seinen Fesseln, die leider keinen Milimeter nachgaben. Nachdem Atlanas bemerkt hatte, das er damit nur Energie verschwendete, sah er sich zu seiner Rechten um und sah die zwei Ziegenböcke, die mit ihm gefangengenommen worden waren, der Doc und Marlin. Sie beide hatten wesentlich mehr Wunden als er. Wahrscheinlich waren sie zur Zeit von Atlanas Schlaf von Hazhtan und seinen Soldaten zum Zeitvertreib ein bisschen gefoltert.

Doch bevor er Zeit hatte, sich darüber Gedanken zu machen, wieso er nicht auch schon gefoltert worden war, stürmte schnellen Schrittes Dr. Atmosphere mit einem ungefähr aus sechs Schatten bestehenden Gefolge in den Kerker hinein. Inmitten des Trupps lag ein gefesseltes Pony, das Atlanas nur zu gut kannte. "Fluttershy!", stieß er ängstlich aus.

"Richtig!", lachte Atmosphere, packte ihn am am Kinn und sah ihm sadistisch in die Augen."Sie ist sehr schön, oder? Sie gefällt mir. Und ich denke, du glaubst mir, wenn ich dir sage, das ich ein großer Pragmatiker bin. Ich brauche Spectra, ich hole es mir. Ich werde dabei behindert, ich suche mir andere Wege. Und weißt du, ich dachte mir, dass ich gleichzeitig vor dem Untergang noch Spaß haben und dir schaden könnte."

Schnell und wie auf Kommando teilten sich die Schatten nach links und rechts auf und ließen die gefesselte Fluttershy auf den Boden fallen. Atmosphere grinste und ließ seine tiefblauen Augen aufblitzen, bis er Atlanas seinen erigierten Penis ins Gesicht hielt. "Ich bin mir sicher, du weißt was jetzt kommt"

Und bevor Atlanas immer noch halb im Schlaf liegender Verstand die Lage durchblickt hatte, war Atmosphere schon voll und ganz dabei, Fluttershy zu vergewaltigen und dabei in kurzen Zügen schadenfroh zu lachen. Atlanas stemmte sich nun noch stärker gegen seine Ketten und verfluchte Atmosphere aufs Derbste, doch alles half nichts.

Atlanas verzweifelte innerlich immer weiter und war fast gewillt, Niben die Kontrolle zu überlassen, bis er von draußen rollende Motoren vernahm. Atmosphere hörte es unter dem schallenden Gelächter seiner Leute nicht, doch es wurde immer lauter und Atlanas erkannte das Geräusch. Er lächelte.

Plötzlich gab es einen lauten Knall und die Steine des Kerkers brachen wie Wellen von den Wänden herab und begruben drei der Schatten unter sich. Atmosphere entkam ungesehen und ließ die geschändete Fluttershy auf dem Boden zurück, der mittlerweile mit verwesenden Körperteilen und Innereien der im Kerker hängenden Ponys geteert war.

Atlanas rappelte sich schnell und voller Adrenalin auf, warf seine ohnehin schon zerstörten Fesseln davon und schaute sich um. Durch das in die Wand geschossene Loch stürmte ein nicht endender Strom von blutbespritzten Ziegen, die sich durch die in der Festung verbliebenen Schatten metzelten. Der Ziegendoc und Marlin waren auch schon wieder auf den Beinen und überblickten die Lage.

Doch Atlanas Gedanken waren nur auf eine Sache fokussiert. "Fluttershy, ist alles in Ordnung bei dir?!", keuchte er und suchte ihren Körper nach Wunden ab, aber außer ein paar kleineren Schnittwunden war nichts zu finden. Sie war ohnmächtig geworden und sah ziemlich mitgenommen aus. Schnell lud er sie sich auf die Schultern, flog mit voller Geschwindigkeit über das Schlachtfeld und hielt die Augen nach einem Lazarett-Zug offen.

Mit Freuden bemerkte er, dass die Ziegen Nightmare Moons kleine Schattenarmee ohne Probleme vernichteten und fast nur deren Leichen auf dem Schlachtfeld zu sehen waren. Nightmare Moon sah er zwar nirgendwo, aber er war sich sicher, dass sie nur noch auf eine passende Gelegenheit zum Angriff wartete. Doch um all diese Dinge kreisten seine Gedanken nur noch nebenbei. Denn er wollte Fluttershy vor allen anderen retten.

Nach einer gefühlten Ewigkeit fand er endlich einen Lazarettzug, weit hinter dem umkämpften Bereich, und legte Fluttershy unter größter Vorsicht in einem Bett ab, erklärte einem Sanitäter kurz die Lage und donnerte sofort wieder zurück in den Himmel und zurück zum Schlachtfeld.

Denn Robert war noch dort.

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Eines der Geschütze feuerte wieder los und Atlanas wich der Granate aus, die das Schlachtfeld unter ihm um einen Krater und einen Haufen Schattenponyleichen mehr bereicherte. Geradlinig flog er weiter über die blutgetränkten Staßen und donnerte wie ein Blitz durch ein weites Loch in den Thronsaal hinein. Direkt vor ihm stand nun Nightmare Moon und grinste ihn mit schimmernden Augen an. "Du kommst zu spät. Ich habe mich deines elenden Freundes bereits angenommen.", lachte sie und deutete auf den beschmierten Kadaver Roberts.

Atlanas blieb bei dem Anblick der Atem stehen. War das nun wirklich passiert? War der hohe Könich der Ziegen tatsächlich ohne Erben von seiner eigenen verdorbenen Frau ermordet worden? War sein bester Freund nun wirklich tot? Er konnte es alles nicht fassen und griff, erblindet vor Trauer und Zorn, ohne weiteres Nachdenken Nightmare Moon mit der verkrusteten Schattenklinge an, die noch neben Roberts Leiche gelegen hatte.

Er ließ das Schwert immer wieder stark und schnell auf Nightmare Moon herabzischen und nutzte seine ganze Kraft für jeden Hieb, doch sie lächelte nur und parierte mühelos alle Hiebe mit ihrem eigenen Schwert. Immer weiter drängte sie ihn durch bloße Paraden in eine Ecke des Thronsaals, bis sie schließlich des Parierens müde würde und Atlanas mit einem einzigen gezielten Schlag entwaffnete. Ein steinharter Triit folgte auf dem Fuße und warf Atlanas zu Boden und er fühlte sich, als hätte Luna jegliche Kraft aus seinem Körper getrieben.

Ruckartig schloss Nightmare Moon eine bläulich schimmernde Magieschlinge um Atlanas' Hals, drückte ihm noch die letzten Fetzen Sauerstoff aus der Kehle und hob ihn empor, sodass sie nun Angesicht zu Angesicht standen. Er war nun viel zu schwach, um ihr noch irgendetwas entgegenzusetzen und fand sich, fast schon zum zweiten Mal, mit dem Tod ab. Doch Nightmare Moon hatte mit ihm noch andere Pläne.

"Du bist erbärmlich, noch erbärmlicher als die königliche Ratte zu deinen Füßen! Und sowas nennt sich Kommandant der Pegasusgarde und Schöpferschlächter! Du wirst länger leiden als es Robert unter meinen Messern je erlitten hätte!", zischte sie und verbrannte beinahe Atlanas Netzhaut mit ihrem sengenden Augenlicht. Lautes Gelächter schallte aus ihrer verrotteten Kehle und füllte den Saal mit einer bösen Euphorie, die schon seit Äonen nicht mehr in Equestria gespürt worden war.

Doch es verflog augenblicklich, als sie Atlanas Augen nun in vollkommenem Weiß aufblitzen sah. Innerhalb einer einzigen Sekunde löste er den Nightmare Moons Klammergriff und drückte sie einige Meter von sich weg.

"Hîrm túlarz f'inyarakh, vilyo lakalnezu!"; lachte Niben voller Freude und donnerte wie ein Wirbelsturm auf Nightmare Moon zu und schlug sie mit einem einzigen Schlag quer durch den Thronsaal. Sie krachte auf die rissigen scharfkantigen Fliesen vor ihrem Thron und schaffte es danach nicht mehr, aufzustehen. Denn bei ihrem Flug und Schlittern auf dem harten Boden hatten sich zwei ihrer verfaulten Beine abgelöst, sodass sie nur noch keifend auf dem Boden lag und dickflüssigen Schleim durch die klaffenden Risse an ihren Flanken austreten ließ.

"Oh Myalva, du bist schwach geworden! Und nun fallen schon deine Beine ab, während du dich selbst und ales andere verfluchst. Richte ihm aus, dass es nicht so einfach sein wird, mich erneut unter Kontrolle zu bringen!", zischte Niben Nightmare Moon an und packte sie am Helm. Mit einem Ruck riss er ihn ihr vom Kopf und zerquetschte ihn zwischen seinen Händen als wäre es ein Nichts. "Du wirst mir nicht mehr so schnell auf die Nerven gehen, elende Vilyo!", lachte er und warf das zusammengedrückte Metall, aus dem nun jegliche Magie geflossen war, auf den Boden zurück.

Roberts und Lunas Leichnahme legte er sorgsam nebeneinander und fügte sie binnen Sekunden wieder zusammen. "Ich werde diese Hunde nach meinem Plan töten, wenn es Zeit ist. Und das lasse ich mir nicht von den elenden Dienern meines Bruders nehmen!", zischte er wütend und hauchte den beiden erneut Leben ein. Vorerst aber verblieben sie ohnmächtig.

Niben ging daraufhin (in Atlanas' Gestalt) auf den Balkon des Schlosses und hielt den Ziegen den zermalmten Helm entgegen und brüllte (mit Atlanas' Stimme): "Der Sieg ist unser, Söhne Zenins! Der Todeschatten ist nun endich von uns gewichen und die Gefahr gebannt! Nightmare Moon ist tot und unsere Königin Luna erneut zurück! Unser König hat ihren dunklen Schatten glorreich verletzt, verstümmelt und vernichtet! Und nun ist es an uns, seinen geschwächten Heldenkörper hinauszuholen und ins Licht des Sieges und der Bewunderung heraufzuheben! Lang lebe die unsterbliche Hoffnung, lang lebe Könich Robert!"

Unter großem Jubel und Siegesgeheul der Ziegen ging Niben nun zurück in den Thronsaal und grinste diabolisch. Sein Plan war erneut behindert worden, doch auch diesmal hatte er seine Feinde überlistet und seinen Sieg gesichtert. Und gerade, als er sich wieder in Atlanas Geist zurückgezogen hatte und dieser daraufhin ohnmächtig zu Boden fiel, stürmten euphorisch die von Schattenblut befleckten Ziegen herein und trugen ihre großen "Helden" unter lautem Gebrüll hinaus.

Kapitel V - Sunrise

Atlanas erwachte mit starken Kopfschmerzen in einem weichen Bett und schaffte es nur langsam, seine Augen zu öffnen. Er lag, wie er durch seine geblendeten Augen erkannte, in einem kleinen weiß bestrichenen Zimmer. An der Wand zu seiner rechten prangte ein kleines Fenster, das gelblichen Mittagssonnenschein in den Raum fallen, während an der linken Seite eine Tür angebracht war. Und vor seinem weichen Lager stand ein kleiner Tisch, auf dem sich eine kleine Vase mit einem Veilchenstrauß und ein großer Haufen loser beschriebener Zettel befanden.

"Bin ich doch nicht tot?", fragte er sich leise selbst und gewann mit jedem Atemzug mehr Energie, "Aber Nightmare Moon hat uns doch alle umgebracht. Robert war schon tot, und mich hat sie erwürgt! Ich verstehe das alles nicht.."

Das plötzliche Aufschwingen der Tür schnitt jäh durch seine Gedanken und gab den Blick auf einen ihm wohl bekannten Ziegenbock frei. "Morgen Atlanas!", grüßte der Ziegendoc und schob seine Brille zurück "Ich bin mir sicher, dass du viele Fragen hast. Stell sie einfach und ich werde versuchen, sie nach meinem Wissen zu beantworten. Aber den vollkommenen Durchblick habe ich auch nicht." Er nahm sich einen von den kleinen Stühlen, schob ihn neben das Kopfende des Bettes und ließ sich darauf nieder.

"Was ist alles passiert? Was ist mit Robert? Ist Nightmare Moon tot? Und wer hat sie getötet? Wie ist das alles überhaupt passiert? Oder träume ich schlichtweg einfach und verfaule schon längst irgendwo zwischen toten Ziegen?", bombardierte er den Ziegendoc und starrte ihn mit tief verwirrten Augen an.

"Also: Ich werde dir alles erzählen, was ich weiß, in der Reihenfolge, die ich für richtig halte", erklärte der Ziegenbock und ordnete sichtlich seine Gedanken. "Nachdem die Kerkermauern gesprengt wurden, bist du sofort mit Fluttershy im Arm davongerast und hast sie zu einem Lazarettzug gebracht. Währenddessen haben wir, also ich und Marlin, unsere Wunden von den Ziegen versorgen lassen und haben uns dann mit ihnen ins Schlachtgetümmel gestürzt. Die Schatten zu besiegen, war nicht sonderlich schwer. Es waren nicht mehr sonderlich viele, die Geschütze hatten schon den Großteil der Arbeit gemacht, und sie waren ohne Anführer. Atmosphere ist geflohen, genauso wie Nightmare Moons Hauptmann Hazhtan. Wahrscheinlich erstattet er gerade seinem dunklen Herrn Bericht, wie ihn einer der Schatten nannte, die wir verhört haben. Er sagte, dieser Herrscher wäre ein Halbgott und mächtiger als jedes Pony Equestrias, auserwählt vom dunkelsten Gott dieser Welt, und würde bald kommen, um uns alle zu vernichten! Aber egal, das ist nicht so wichtig. Nightmare Moon jedenfalls sahen wir nur noch einmal, gerade nachdem wir ein Loch in ihren Thronsaal gesprengt hatten und sie daraus hinausgedonnert ist. Und nur einige Minuten später ist sie wieder hineingeflogen und hat wild gelacht. Und dann, gerade als wir die Schlacht gewonnen hatten, bist du auf den Balkon getreten und hast mit lauter Stimme zu uns gesprochen. Das Nightmare Moon tot und Luna wieder zurück sei und Robert sie erlöst hätte. Voller Freude sind wir dann zu dir hochgelaufen und tatsächlich! Luna und Robert lagen unverwundet nebeneinander auf dem Boden, und du direkt davor. Nightmare Moons Helm war nur noch ein Stück magieloses Altmetall und alle Spuren von ihr waren hinfort! Und na ja, dann haben wir euch in das nächstbeste Krankenhaus gebracht und wieder aufgepäppelt"

"Aber wer hat denn die Ziegen zu Hilfe gerufen? Die marschieren doch nicht so einfach los, oder? Und ich habe das alles getan? Ich erinnere mich an nichts", sagte Atlanas und spürte seinen Kopf noch stärker brummen. "Nightmare Moon hat mir fast den Kehlkopf zertrümmert, ich hätte nie im Leben eine Rede halten können.."

"Aber du hast es!", grinste der Ziegendoc und zückte eine Packung Tabletten, "Nein, so spontan sind wir Ziegen nun doch nicht, auch wenn ich das zuerst auch gedacht habe. Amos und seine Leute hat sie gerufen und beordert. Und ja, ich weiß, dass er euch etwas anderes gesagt hat. Aber er hatte irgendeine Vorahnung, dass wir es nicht so schnell nach Down Under schaffen würden. Die Vorraussicht der equestrianischen Herrscher ist unergründlich."

Atlanas konnte das alles nicht glauben. Hatte wirklich Robert, den er zuletzt als blutige Leiche am Boden des Thronsaals gesehen hatte, Nightmare Moon getötet und Luna zurück ins Leben geholt? Und hatte er, Atlanas, nach den harten und kräftezehrenden Attacken Nightmare Moons etwas verpasst und danach wie ein Herold mit wehender Fahne den großen Sieg verkündet? Alles war ihm schleierhaft, aber er fügte sich geistig einfach. Es erschien ihm einfacher, als seinen Kopf nach Antworten zu durchsuchen, die nicht dort, sondern in den Worten des Docs vorhanden waren. "Und wo sind sie alle? Robert, Luna, Amos, Marlin, Fluttershy? Sind sie auch hier?"

"Ja! Aber sie brauchen alle noch etwas Ruhe. Genauso wie du. Aber keine Angst, es geht ihnen allen gut. Und deinem Kopf wird es auch bald besser gehen, wenn du zweimal täglich eine von denen hier nimmst!", lächelte der Doc, drückte Atlanas die Tabletten in die Hand und ging aus dem Zimmer heraus. "Ich würde ja gerne weiter mit dir plaudern, aber ich muss noch einen Haufen verwundeter Ziegen versorgen!", hörte Atlanas schwach von den Wänden des Flurs widerhallen.

Seine Kopfschmerzen verflogen rasch, nachdem er eine von den weißen Tabletten des Ziegendocs genommen hatte, und unter der Last der seltsamen neuen Wahrheiten beschlich ihn langsam der Schlaf und führte ihn hinab in das Reich der Träume.

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Eine ganze lange Woche später trafen sich alle in dem, so gut es ging, wiederhergerichteten Thronsaal. Das Loch in der Wand war provisorisch mit einigen Zaubern geschlossen worden, um die Kälte und den weiteren Verfall des Schlosses zu vertreiben. Der mittlerweile wieder weiße Boden musste insgesamt viermal gründlichst geputzt werden, um das schattische Blut und Nightmare Moons Exkremente zu vertreiben und den ursprünglichen Rosenduft der Hallen Celestias wiederherzustellen.

In der Mitte des Saals, wo vorher Roberts Leichnahm gelegen hatte, stand nun ein großer runder Tisch, an dem die Helden, also Robert, Atlanas, Luna und Amos, und unterhielten sich angeregt über die Geschehnisse. Keiner von ihnen (außer Amos natürlich) erinnerte sich an etwas und war noch immer vollkommen erstaunt darüber, was ihnen nachgesagt wurde. Stunde und Stunde rätselten sie darüber, wie sie es wohl angestellt hatten und warum sie sich nicht daran erinnern konnten, bis schließlich Atlanas das Wort an Amos richtete. "Woher wusstest du, dass wir es nicht rechtzeititg nach Down Under schaffen würden?"

Amos graue Augen strahlten nun vollkommene Ahnungslosigkeit aus. "Ich weiß es nicht. Es kam einfach, wie ein Geistesblitz, und ließ mich nicht mehr los. Ich hatte ein unglaubliches Verlangen danach und wusste es einfach. Aber woher weiß ich nicht. Göttliche Fügung, wer weiß?"

Atlanas meinte kurz, ein leises diabolisches Gelächter gehört zu haben, doch vergaß es kurz darauf schon wieder und widmete sich wieder allein seinem kalten Bier.

ENDE

Flatinka (Diskussion)