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Schienenstoßblues

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Prolog Bearbeiten

Leipzig-Connewitz, 24. Januar 2014, Ehemaliges Straßenbahndepot Connewitz II, Hinterhof

Dietmar Bärtz war ungemein kalt in seiner viel zu neuen und laut seiner Frau "todschicken" Winterjacke, aber was erwartete man schon von solchem unnützen Designerfummel, der zwar beim bloßen Anblick schon augenkrebsähnliche Zustände beim Betrachter auslöste (mal abgesehen von den hippen Jungspunden von heute!) und außerdem recht hoch zur Kasse schlug (auch wenn es nicht das war, um Geld brauchte er sich nun wirklich keine Sorgen zu machen), aber hey, wenn's dem Hausdrachen so sehr gefiel konnte er sich da schlecht rausreden - das bisschen Frost, da musste er einfach durch! "Du schaust aus wie ne Eiskönigin, so blass umme Nase!", grinste Anna Schwarzenacker, seine junge Kollegin, schelmisch, "jekauft haste dir das Hemdchen wohl nich selbst?"

"Nee, und ich bin froh, wenn ich den Fummel endlich wieder zuhause an den Haken hängen kann, aber von wegen, da muss ja ausgerechnet heute Nacht einer umgebracht werden!"

"Dass ich das ausgerechnet von dir höre, der doch sonst immer so versessen aufs Ermitteln ist... Ein Kriminalkommissar hat immer mit seiner ganzen Tatkraft im Dienst zu sein, wenn es die Situation verlangt! ... ich denke, dass du mir das während der Ausbildung mehr als einmal am Tag eingetrichtert hast!"

"Stimmebimmt, aber nu is ausgerechnet so nen Mal, wo ich mich echt schwer getan habe überhaupt aus'm Bett zu kommen - ach scheiße, der Schlafmangel in letzter Zeit bringt mich noch um, da wunderts mich echt wieso du so frisch und fidel bleiben kannst bei deinem Doppeljob... Jessica kann doch gar nicht ständig so artig sein!"

"Jessica ist ein Segen, und den Tag über passen die Krippenmuttis auf sie auf, das ist mein Ass im Ärmel!"

"Ich störe Ihren kleinen Plausch ja nur äußerst ungern...", Prof. Dr. Jürgens, ihr beider guter Freund und oberster Gerichtsmediziner der Stadt, trat neben sie, wie immer war er in den weißen Kittel gehüllt, wie er es ohne Mütze nur mit dem winzigen Fetzen von Haarnetz auf dem Kopf und den sowieso schnon lichten schneeweißen Haaren aushalten konnte war selbst Bärtz ein Rätsel, "aber ich bin durch."

"Und, wie ist er gestorben?"

"Schmerzhaft!", giggelte es unterdrückt, der Leichenfledderer war überregional für seinen morbiden Humor bekannt, "Spaß beiseite, vierunddreißig Stiche in Brust und Hals, davon waren mindestens die Hälfte unmittelbar tödlich, dazu Würgemale am Kehlkopf, Hämatome an den Extremitäten - wahrscheinlich durch Fesseln - und abgeschnippelte Genitalien - ich würde mal grob sagen, dass der Arme die Hölle auf Erden durchgemacht hat, bevor er erlöst wurde."

"Da leck doch einer die Sau am Arsche du!", rutschte es aus dem Kommissar heraus, wie üblich, wenn er die Diagnose hörte, seine beiden Kollegen konnten sich ein Glucksen nicht verkneifen: "Hey, das ist überhaupt nicht komisch, das Opfer wurde brutal gefoltert - wahrscheinlich Sadomaso oder sowas, also echt!"

"Na, wer weiß... könnte auch ne wildgewordene Ehefrau gewesen sein, oder nen Killerclown oder sowas, wer weiß das schon?"

"Und du schimpfst dich Ermittlerin, ja nee, is klar!"

"Wie ein in die Jahre gekommenes Pärchen, wuhu!"

"Echt witzig Udo, guck wie ich lache... und sonst, noch was Interessantes endeckt oder nur das Übliche?"

"Nur das Übliche, zwei Reifenspuren und nen paar Fußabdrücke im Schnee, mehr habe ich nicht mitgekriegt, wenn doch sacht euch die Spusi Bescheid, no?"

"Ist gut, danke, dann bis morgen in alter Frische!"

"Bis denne, tschau tschau!", kaum dass Jürgens weg war zog es Anna magisch zu der Leiche hin, die auf dem Rücken lag, die Augen weit geöffnet, den Mund zum allerletzten Schrei weit aufgerissen. Was wolltest du uns sagen?, grübelte sie vor sich hin, den nackten Körper nach Spuren abscannend, was durch all das herausgequollene Blut nicht einfach war... doch halt, da war doch was, da lugte die Ecke eines Stück Papiers hervor, durch das dichte Weiß der flockigen Pracht kaum auszumachen! Vorsichtig zog sie den Zettel hervor und erhob sich, Bärtz bemerkte das Fundstück: "Wie konnte der übersehen werden?"

"Lag Schnee drauf, war kaum zu erkennen...", murmelte Schwarzenacker und faltete das DIN A4-Blatt vollständig auf, "Himmel, kyrillisch!"

"Lass mich ma sehen!", brummte ihr Kollege und las die fremden Lettern ohne Mühe, insgeheim war er echt froh an der Schule damals zu DDR-Zeiten Russischunterricht gehabt zu haben und obendrein als Jahrgangsbester abzuschneiden! Das hatte ihm auch besondere Aufmerksamkeit der Genossen zukommen lassen, bei der NVA war er sogleich ein höherer Unteroffizier geworden und hatte, trotz dass er nicht einer Meinung mit dem SED-Regime war, seine Karriere gestartet, war der Partei begetreten und nach dem Militär sogleich zur Polizei gewechselt, als frischgebackener Jungkommissar für Morddelikte - daran hatten weder die Wende noch alle Reformen etwas ändern können, und selbst wenn er heute "vom alten Schlag" war, so zollten ihm die Alten Respekt, und bei den Jungen verschaffte er ihn sich, wenn diese das anders sahen! "Also, hier steht sowas wie: Dieser Molch hat sich an einer Frau zu viel vergriffen, ermittelt nicht, es führt euch nur in eine Sackgasse, die Familie will keinen Ärger, es ist besser so."

"Also die Russen mal wieder!"

"Du sagst es, und wie immer gebe ich es dir schriftlich, dass dabei nischt Gescheites rauskommt, egal wie wir auch ackern, die hatten schon immer einen Freifahrtsschein und werden auch immer einen haben, verdammte Hacke!"

"Sieh es nicht so schwarz, warten wir's ab, was zehnmal nicht klappt hat beim elfen Mal Erfolg!"

"Deinen Enthusiasmus möchte ich gerne haben."

"Dann hol ihn dir doch, komm mal am Wochenende mit deiner Frau mit, ich bin am Kulkwitzer See mit Freunden verabredet, da könnt ihr gerne mitkommen!"

"Als Oma und Opa oder was?"

"Warum nicht, Jessica würd's sicher gefallen!"

"Hmpf, also schön, ich denk drüber nach...", er gähnte laut, "außerdem bin ich müde und würde mir gerne noch ne Mütze Schlaf holen, also bis morgen dann, hier passiert doch eh nischt mehr!"

"Bis morgen, träum was Schönes!"

"Danke, du auch."

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Auf dem Weg zu seinem Haus in Auenhain rekapitulierte Bärtz die letzte Stunde und war sauer auf sich selbst, dass er so miesepetrig drauf gewesen war, wohingegen seine junge Kollegin ein Tempo an der Arbeitsplatz legte, dass sie sogar den alles entscheidenden Hinweis fand, war das zu glauben?!

Insgeheim ärgerte er sich aber über etwas, das ihm schon seit der Wiedervereinigung gehörig gegen den Strich ging - diese Russen, egal was die taten, sie waren kaum zu fassen, und wenn, dann waren es nur kleine Fische, und die waren schneller auf Kaution wieder draußen als ein Richter hätte ein Machtwort sprechen können! Auch wenn es unter Honni nicht besser gewesen war, aber damals ging das die Polizei auch nichts an, was die Rotarmisten im Bruderland taten, und sie verhielten sich auch meistens echt korrekt, da gab's nix dran auszusetzen, aber heute, das war ein ganz anderes Kaliber! Das heute war organisiertes Verbrechen, da würden nur dicke Dinger gedreht - Waffen- und Drogenhandel, Prostitution, Auftragsmorde, Schießereien am hellichten Tag auf offener Straße, da musste doch wer eingreifen!

Nur wer?!

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Kripo Leipzig I: Die *geschwärzt* Bearbeiten

Drei Jahr später, 17. März 2017, Polizeipräsidium Leipzig

Bärtz war aufgeregt, Schwarzenacker nicht minder. In der Nacht war es einem SEK gelungen eine verdächtige Person zu verhaften, nachdem diese sich über fast vier Stunden lang in einem Stellwerk der Privatbahn EqR verschanzt und den dortigen Bahnmitarbeiter als Geisel festgehalten hatte. Doch nicht nur das, er war mit einer Maschinenpistole Typ MP5 von Heckler & Koch bewaffnet gewesen, hatte nicht einen einzigen Schuss beim Zugriff abgegeben und stellte sich dümmer, als dass die Polizei es erlaubte! Dazu kam, dass sein Diebesgut, ein Koffer mit höchst brisantem Inhalt, nach wie vor spurlos verschwunden war und die Anordung von allerhöchster Stelle kam, diesen umgehend, am besten sofort, sicherzustellen, koste es was es wolle!

Die Fahrstuhlmusik war das übliche öde Gedudel, Anna stieß ihren Mentor an: "Dietmar, was meinst du, mit wem werden wir es zu tun kriegen?"

"Gute Frage, nächste Frage, mir ist er noch nie zuvor unter die Augen gekommen, in meinen einundvierzig Jahren im Dienst nicht!"

"Ein Fremder also, na wollen doch mal sehen wie schnell er redet!"

Wie schwerwiegend der Gefasste war wurde ihnen beim Eintritt ins Verhörzimmer erst so richtig klar, draußen vor der Tür wachten noch immer Angehörige der Spezialeinheit, sogar zwei BND-Leute waren darunter! Der Mann saß am Tisch, regungslos, seine kurzen roten Haare leuchteten merwürdig im kalten Neonlicht der Deckenstrahler, er starrte ins Leere und bewegte unablässig seine Daumen, die Kommissare nahmen ihre Plätze ein: "Sie wissen, warum Sie hier sind?"

"Sicher."

"Wie ist Ihr Name."

"Günther Jauch."

"Oh, ein ganz Schlauer, keine Sorge, den kriegen wir schon raus, Herr Jauch - setzen sie auch gerne Ihren Gewinn aufs Spiel?"

"Wer nicht hoch pokert geht kein Risiko ein, darauf kommt's aber an, wenn man nen Job wie ich macht."

"Was für einen Job?"

"Das würden Sie weder verstehen noch mir glauben, also beenden Sie bitte jetzt dieses Gespräch und verlegen mich in die Justizvollzugsanstalt in U-Haft, es wäre zwecklos hier noch weiter rumzusitzen und Däumchen zu drehen."

"Da haben Sie ja schon Erfahrung mit, aber so leicht werden Sie uns nicht los - also, wo...?"

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Drei Stunden später

Unverrichteter Dinge zogen Bärtz und Schwarzenacker wieder ab, zurück in ihre Büros. Auf dem Weg empörte sich Anna ungemein: "Dieser Kerl ist ja unglaublich, der schweigt wie ein Toter, ich... boar, wie der mich ständig angeguckt hat, so überheblich und selbstsicher, ich könnte kotzen!"

"Der wird schon noch reden, vertrau mir, spätestens nach ein zwei Wochen Isolationshaft reden sie alle."

"Na hoffentlich!"

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