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Sour Apples

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Howdy, mein Name ist Applejack!

Applejack II.png

Ich bin heute 22 Jahre alt und stolze Besitzerin der Apfelfarm Sweet Apple Acres nahe Ponyville, habe einen bekloppten General, den Ziegenbock, als Freund, eine Adoptivtochter namens Aurora, dazu noch zwei Geschwister und die beste... Oma ganz Equestrias - kurz gesagt, ich liebe mein Leben!

Doch das war bis gestern leider nicht so... egal, jetzt liege ich hier in meine Hängematte und habe etwas Zeit über das Erlebte nachzudenken... nein besser, ich erzähle euch davon!

Also... am besten beginne ich ganz am Anfang - damals vor fünf Jahren...

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Es war ein schöner Tag im August und auf meiner Farm war eine Menge los, denn die ersten Äpfel waren reif und dutzende Erntehelfer waren damit beschäftigt, sie zu pflücken und anschließend in Kisten zu verpacken, um diese dann auf Eisenbahnwaggons der Equestria Rail zu laden, die die Fracht nach Ponyville bringen sollten.

Mein Bruder Big Macintosh und ich überwachten die Arbeiten und halfen den Trägern bei ihrer beschwerlichen Arbeit, die diese Saison zum letzten Mal zu bewältigen war, denn wir hatten bei den Ziegen eine Feldbahn, eine Art Mini-Eisenbahn in Auftrag gegeben, die aber noch nicht ganz fertig war.

Schienenstapel lagen schon herum und warteten nur darauf, verlegt zu werden, aber ohne Loks und Wagen brachten sie noch nicht viel und waren mehr eine Stolperfalle für die Träger als von Nutzen.

Ich schleppte gerade eine große Kiste mit großen roten Äpfeln in Richtung der Verladerampe, als es plötzlich krachte und ich erschrocken herum fuhr: Einer der großen Apfelbäume auf der Südseite war auf eine Gruppe Träger gestürzt und hatte sie unter sich begraben. Entsetzt rannten wir zu der Unglücksstelle und zogen die Verletzten unter den tonnenschweren Ästen hervor. Tot war zum Glück niemand, aber es war nicht leicht, die anderen aufgeregten Arbeiter zu beruhigen und zum Weiterarbeiten zu animieren.

Erst nach einer halben Ewigkeit hatte sich die Stimmung wieder etwas beruhigt und wir machten weiter.

Aber ein ungutes Gefühl hing wie eine Glocke über Sweet Apple Acres.

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Es wurde Abend und alle Arbeiter atmeten auf, als die Glocke der Kirchturmuhr in Ponyville achtzehn mal schlug - Ende des Arbeitstages.

Müde packten sie ihre Siebensachen zusammen und verließen mit dem letzten Zug unsere Farm, während Macintosh und ich zurück zum Wohnhaus trotteten, wo meine Oma und Applebloom schon mit dem Abendessen auf uns warteten.

"Na, ihr zwei?", begrüßte sie uns, "habt ihr Hunger? - na sicher, ihr habt doch den ganzen Tag geackert... setzt euch, ich bringe euch das Essen...!"

"Ich mach das schon, Omi!", rief Applebloom und flitze ins Wohnhaus, während sich Big Mac auf einen Stuhl fallen ließ.

"Ich bin echt froh, dass ich euch habe, Applejack und Big Macintosh...", schmunzelte meine Oma, "ohne euch wäre ich unfähig, die Farm weiter zu leiten... ich bin einfach zu alt!"

"Na und?", lachte ich, "du magst vielleicht nicht mehr so können wie vor dreißig Jahren, aber du BIST noch so! Und du machst die besten Apfelkuchen der Welt!"

"Danke, Applejack... ich glaube, du hast Recht... wenn nur deine Mutter hier wäre... dann..."

In diesem Moment verschloss ich mich total, so wie immer, wenn es um meine Eltern ging. Seit sie damals... nein... ICH WILL VERDAMMT NICHT DARÜBER NACHDENKEN, ICH WILL NICHT!!!

Big Mac sah meine Oma warnend an, mein Atem beruhigte sich wieder etwas... Applebloom kam mit einem Suppentopf aus dem Haus und stellte ihn auf den Tisch vor uns, öffnete den Deckel und mir lief das Wasser im Mund zusammen - Oma hatte Rübensuppe gekocht, eine ihrer Spezialitäten (von denen mit Äpfeln mal abgesehen).

"Oh Oma... Rübensuppe... danke!", freute sich auch Big Mac und Oma füllte unsere Teller bis zum Rand mit der dampfenden Brühe: "Lasst es euch schmecken meine Kinder!"

Ich tauchte meinen Löffel in das herrlich duftende Wasser und ließ mir den ersten Schluck Suppe langsam im Mund zergehen... so köstlich wie immer!

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Ich aß drei volle und einen halben Teller leer, so hungrig war ich nach diesem anstrengenden Tag!

Als letzte legte ich meinen Löffel zurück auf den Teller und meine Oma begann mit meiner kleinen Schwester abzuräumen, und obwohl wir ihr helfen wollten, meinte sie nur ablehnend: "Danke, ihr zwei, aber ihr habt heute schon so viel gemacht... ruht euch lieber etwas aus, morgen ist auch noch ein Tag, vergesst das nicht!"

"Gut Oma, dann gehe ich zu Big Mac hoch... wenn noch was ist, sag Bescheid!", rief ich schon halb in der Tür.

"Mache ich...", kam es von draußen zurück, als ich die Treppe hinaufstürmte und an die Zimmertür meines Bruders klopfte.

"Herein!", rief er und ich trat ein, "ach AJ, du bist's..."

"Ja, ich - Big Mac, ich weiß nicht, was vorhin passiert ist, aber das hätte verdammt leicht ins Auge gehen können... überleg dir mal, die Wurzel wäre mit rausgerissen... und hätte die Erde ringsrum MIT umgegraben!"

Er dachte einen Moment nach, bis er abwinkte: "Ach Schwesterchen, du brauchst keine Angst zu haben... hinter unser Geheimnis kommt niemand!"

"Wenn du dir da so sicher bist..."

"Das bin ich... niemand wird je dahinter kommen, warum unsere Äpfel so gut schmecken!"

"Ich bin immer noch etwas unsicher..."

"Das brauchst du nicht zu sein! Denn wie oft fällt schon einer unserer Apfelbäume um?! - Extrem selten, das passiert nur, wenn er echt alt ist... und das sind die wenigsten! Also brauchen wir uns auch keine Gedanken zu machen!"

"Hmmm... gut, aber wir sollten das Loch schließen... wer weiß..."

"Ok, aber erst morgen... ich kann einfach nicht mehr!"

"Ich auch nicht... aber sollten wir nicht lieber...?"

"Appejack, jetzt hör mir genau zu: NICHTS wird passieren, kein Pony wird es herausfinden, wie denn auch?! - Du musst dich einfach entspannen und locker bleiben, ok?!"

"Na gut... ok, Big Mac...", seufzte ich, "dann werde ich mich auch mal hinlegen und versuchen zu schlafen!"

"Du WIRST schlafen, und morgen werden wir das Loch verfüllen!"

"Danke... dann gute Nacht, großer Bruder!"

"Gute Nacht, Applejack! Träum schön!"

Schön Träumen! - Von wegen...

Ich schüttelte den Kopf, erwiderte jedoch nichts und schlurfte in mein Zimmer, öffnete das Fenster und legte mich in mein Bett.

Doch schlafen konnte ich nicht, und nachdem ich mich über eine Stunde lang nur herumgewälzt hatte, stand ich wieder auf, stellte mich an das offene Fenster und blickte in die Dunkelheit meiner Farm hinaus.

Die Schatten der Apfelbäume wiegten sich im Wind und zusammen mit den funkelnden Sternen und dem Mond, beruhigte mich das etwas.

Aber das mulmige Gefühl blieb, als ich mich zurück ins Bett legte und versuchte, endlich einzuschlafen.

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Fünf Jahre später

Mein Leben hatte sich so verändert, wie ich es mir nie zu träumen gewagt hatte!

Ich hatte inzwischen nicht nur einen Freund im Haus, ja, einen waschechten Ziegenbock, nein, auch die Sache mit den Spezialzutaten für die Apfelbäume war nicht mehr... die Farm florierte auch so, und wir hatten so viel zu tun wie noch nie!

Auch ein Fohlen hatten wir adoptiert... gezwungenermaßen, aber Aurora war die Tochter, die ich mir immer gewünscht hatte... sie hatte in ihrer Vergangenheit so viel Schlimmes erlebt und ich war froh, dass das sowohl bei ihr als auch bei mir vorbei war.

Doch die Vergangenheit holt einen immer ein... schneller als es einem lieb ist...

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Es war ein wunderschöner Sommermorgen, als mich die ersten warmen Sonnenstrahlen des Tages aus meinen Träumen kitzelten.

Ein verschlafener Blick rechts neben mich - und ich hatte Gewissheit, dass mein Freund schon längst wach war... typisch, aber die Ziege schienen eh kaum Schlaf zu brauchen.

Müde hob ich mich aus dem Bett und schlurfte aus dem Zimmer und die Treppe hinunter in unsere Küche... schon von weitem roch ich den frischen Tee auf dem Herd, den er für mich gekocht hatte... hach, er war so ein klasse Kerl, mein Kerl!

Auf dem Tisch fand ich eine Nachricht von ihm:

Liebste Applejack, ich musste schon los, heute ist irgendwatt Wichtiges in D.U., ich hoffe, dass ich heute Nachtmittach wieder da bin.

Dein ZB

Wie süß!, freute ich mich wie ein kleines Schulfohlen, das seinen ersten Liebesbrief erhält, und nahm einen großen Schluck Tee... er schmeckte so köstlich wie schon lange nicht mehr, und binnen fünf Minuten war ich vollständig wach.

Dann also ran an die Arbeit!

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Heute stand Weichenschmieren auf dem Plan... ja, eigentlich lässt man das immer gerne von Gastarbeitern machen, aber heute war mir das schnurzegal, so gut gelaunt war ich.

Fröhlich pfeifend machte ich mit Ölkanne und Schmierstange bewaffnet auf und begann, das triefende Fett auf die Backen zu schmieren, schön einen nach dem anderen... und die nächste Weiche, und die nächste, und so weiter...

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Geschlagene vierzig Minuten später war ich durch - verschwitzt aber nicht minder zufrieden mit dem Tag - es war aber auch einfach geil heute, und ich konnte nach wie vor Bäume ausreißen!

Natürlich keine Apfelbäume!, musste ich mir grinsend eingestehen, nein nein, aber dafür Unkraut!

Also schnappte ich mir eine Sense und ließ die messerscharfe Schneide sprechen - und machte dem Gemüse in den Entwässungsgräben den Gar aus.

Der Stahl ging wie durch Butter, befreite Meter um Meter, musste die Sichel nur einmal absetzen und begutachten, aber die Schneide war kein bisschen stupf... irre, dieser Ziegenstahl, immer wieder beeindruckte er einen!

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Applejack - Carrier of Honesty.png


Die Domglocken aus Ponyville verkündeten Viertel nach Elf, als die letzten Kräuter vor meinen Hufen fielen... und ließen mich für einen Moment innehalten.

Es war so einfach gewesen, diese Pflanzen zu sensen, ihre Lebensadern zu zerschneiden, ihre Leben zu beenden... so wie ich es einst mit BigMac zu tun gepflegt hatte...

HALT!, unterbrach ich mich selbst, Schluss damit! - Die Bad Apples gibt es nicht mehr, und sie wird es auch nie wieder geben, begreife das! ... es war einfach die beste Methode, um mich aus dieser verdammten Melancholie zu kriegen, die mich doch desöfteren mal einholte... aber wie gesagt, es war vorbei, und das war auch gut so!

Heilige Luna... ich musste weg von diesen Gedanken, und mein Blick blieb an der herumliegenden Ölkanne hängen... Momentchen mal, jetzt wusste ich, was ich noch tun konnte - die Signale schmieren!

Aber so ganz ohne Sicherung oder Flügel? - Egal, da passiert schon nix!, dachte ich naiv, also los, schwing deinen Hintern hoch und rauf da!

Und keine Minute später hing ich oben am ersten Mast und schmierte je eine gut dosierte Menge an jede bewegliche Schraube, dabei fröhlich den Ziegenmarsch pfeifend.

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Applebloom hatte ihren Freund Jack, den Neffen meines Ziegenbocks, an diesem Tag bei sich schlafen gehabt und war mittlerweile aufgestanden, hatte sich frisch gemacht und ihr Frühstück hinter sich... Jack schlief noch, Aurora ebenso, und so war sie vor lauter Langerweile aus dem Haus spaziert und hatte sich in Richtung der westlichen Apfelhaine aufgemacht, um nachzusehen, wie weit die Erntearbeiten schon vorangeschritten waren.

Dabei kam sie zufällig an den frisch gemähten Gräben vorbei und wunderte sich schon, als sie auf einmal eines der Signale bemerkte, an dessen oberen Flügel eine Ölkanne hing und vor sich hin tropfte... direkt auf einen alten Hut...

Und meine kleine Schwester schrie aus vollem Hals.

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"Applejack? APPLEJACK?!"

Ich vernahm die Stimme, doch zuordnen konnte ich sie nicht... und sehen tat ich nur verschwommen... warum brüllte da jemand meinen Namen so laut?

"Lasst die Sanitäter durch!", mischte sich jetzt eine andere Stimme dazwischen, "sie ist immer noch nicht bei Bewusstsein, heilige Celestia!"

"Hmmmmmhhh...", war das einzige, was ich über die Lippen zu bringen schaffte, "aua..."

"SIE IST WACH, SIE IST WACH!!!", krakelte eine andere Stimme aufgebracht und wurde ungehalten zurechtgewiesen: "Hey, nicht so laut verdammt!"

"Applejack? Applejack, wie fühlst du dich?!"

Endlich hatte ich die Stimme zugeordnet bekommen - es war der Ziegenbock, den ich jetzt auch wieder erkennen konnte... sein Gesicht war noch leicht verschwommen, aber es zeigte vor allem eins: Angst.

Angst?

Und während ich das nicht verstand, wurde ich auch schon auf eine Trage geladen und davongetragen...

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"Sache mal, was hat dich eigentlich dazu getrieben, die Signale zu schmieren? - Und dann noch ohne Sicherung?!"

"Ich... mir... ich weiß es nicht...", stöhnte ich müde über dieses Fragenbombardement meines Freundes und der anderen, die Arriva sei Dank inzwischen wieder abgezogen beziehungsweise im Bett waren, "ich... es war so ein schöner Tag, und ich... die Arbeit hat so Spaß gemacht..."

"Du fantasierst echt rum! - Auf jeden Fall hast du mehr als eine Angel auf deiner Seite gehabt... nur eine Gehirnerschütterung... die Ärzte sind vielleicht gut!"

"Ziegenbock... bitte, hör auf... und... küss mich... bitte..."

Er sah mich für einen Moment verwirrt an, hatte dann aber geschnallt, dass ich keine Fragen mehr beantworten konnte und beugte sich zu mir runter.

"Applejack, ich hatte echt Angst um dich."

"Ja... es... tut mir so... leid... Entschuldigung..."

"Dank Hellje, dass nicht mehr passiert ist... danke!"

Dann küsste er mich, und ich genoss es.

Nach diesem Tag war sein Kuss eine Erlösung.

Aber sie erlöste mich nicht...

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Der nächste Morgen kam schleichend und schwer.

Nebel hing in den Apfelbäumen und drohte die Farm vollendens zu verschlingen, man konnte kaum mehr die Scheue oder den Bahnhof sehen... mein Kopf schmerzte jetzt schon brutal, dazu hatte sich Schwindel in mir breit gemacht.

Nur langsam gelang mir das Aufstehen, mühsam schob ich mich bin ins Wohnzimmer, kippte gleich auf das Sofa und schlief sofort wieder ein.

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Um halb zwölf weckte mich die Standuhr aus der Küche.

Meine Glieder waren nach wie vor schwer wie Blei, dafür waren die Übelkeit und die Kopfschmerzen weg... immerhin, dann konnte ich ja was schaffen... wenigstens was Kleines...

Der Dachboden fiel mir spontan ein - da oben herrschte grundsätzlich Chaos und man fand nie das was man suchte... also los!

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Die alte Leiter knarzte unter meinen Hufen, die Scharniere der Luke schrien nach Öl, da musste ich wohl mal... NEIN, DU BLÖDE KUH ÖLST HEUTE NIX MEHR!!! ... ja gut. Oben erwartete mich die versprochene megamäß ge Unordnung von Kartons, Kisten, dem ein oder anderen alten Möbelstück, Einrichtungszeugs und literweise Staub... ein recht nettes Ensemble, aber auch nur recht - jetzt war Saubermachen angesagt!

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Unter einer Gasmaske ist es ätzend heiß, dafür bekommt man keine Staublunge... es war aber auch schlimm hier oben, der Staubsaugerbeutel war schon zum zweiten Mal randvoll! ... heilige Luna, hatte hier überhaupt mal jemand sauber gemacht?! Vermutlich nicht, und so riss ich den Jahrzehnte alten Dreck aus den Dielen, Meter für Meter arbeitete ich mich voran, verschob Kisten und stapelte sie neu... was da alles für Krams drin sein musste... na ja, warum nicht nachgucken und einen Moment Pause machen?

Gute Idee!

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Fotoalben... uralt, und voller Familienfotos... die meisten waren schon so alt, dass ihre Oberflächen zu reißen begonnen hatten... und diese Gesichter, ich erkannte keinen meiner Vorfahren... die Datierungen reichten sehr weit zurück.

Auch Rechnungsbücher und dergleichen fand ich in der Kiste, bis ich den Boden erreichte... hier lag noch ein Fotoalbum, welches auf die Jahre 900 bis 1000 nach Nightmare Moon umfasste... Momentchen mal, das interessierte mich jetzt doch!

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Die ersten paar Seiten hielten den gewohnten Anblick aus den Vorgängerbänden aufrecht, schwarz-weiße mir unbekannte Apples... nein halt, dieses Fohlen da... das... das war meine Oma!

Fröhlich strahlte ihr jüngeres Ich mich aus dem Foto an, und ich hätte schwören können, dass sie mich ansah... sie war wunderschön gewesen, trug ein Kleid mit Schleifchen und hatte einen wunderschön geflochtenen Zopf... irre.

Die Seiten hatten mich in ihren Bann gezogen, ich blätterte um, und mein Blick blieb an einer Aufnahme aus dem Jahr 930 hängen... ein großes Familienfoto, auf dem ich Granny Smith gleich wieder entdeckte - Seite an Seite eines Hengstes...

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Meine Oma hatte nie ein Wort über meinen Opa verloren und stets auf alle Fragen ausweichend geantwortet... war er das etwa? - Und wenn ja, was war geschehen, dass es so gekommen war?!

Ich wollte die Antwort, und ich war mir sehr sicher, dass dieses Foto mir dabei helfen würde... also schnappte ich mir das Buch, kletterte nach unten und begab mich in unsere Küche, wo ich mir eine Lupe schnappte und das Bild von allen Seiten begutachtete... und tatsächlich, ich entdeckte eine kleine Anomalie... es war der Kopf des Hengstes... seine Form, die trotz des Hutes, den er trug, nicht ganz kaschiert wurde... komischer Hut übrigens, so etwas trug sonst keiner auf dem Bild... nicht einmal die älteren Hengste... was verdeckte der?!

Die Erkenntnis traf mich so hart, als hätte ich an einen Transformator einer E-Lok gefasst, und ließ Sternchen vor meinen Augen tanzen - das konnte doch unmöglich sein, das wäre... unfassbar!

Ich musste bloß noch Sicherheit gewinnen...

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Auf der Terrasse fand ich meine Oma nicht, also schleppte ich mich zur Scheue, aber auch hier war sie nicht... komisch, im Wohnzimmer auch nicht... und sonst... im Keller vielleicht?

Die Türe war nur angelehnt, und es brannte Licht... leise stieg ich die Stufen hinab und betrat den Waschkeller, aber auch er war verwaist und dunkel... dafür schimmerte ein heller Strahl unter der Tür zum Vorratskeller hervor.

Mit einem Ruck zog ich die Klinke herunter und riss den Schlag auf - und erschrak, wie ich noch nie erschrocken war.

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Im Raum vor mir stand ein seltsames Becken, gefüllt mit einer rotbraunen Flüssigkeit, und darin dümpelte eine Stute und hatte die Augen geschlossen.

Ich trat näher - und gleich ein zweites Mal noch heftiger zu erschrecken.

Denn dieses Gesicht war just dasselbe wie das, was mich heute so lebendig aus dem Fotoalbum angelächelt hatte.

Dieses Gesicht gehörte meiner Oma.

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Vorsichtig trat ich zitternd näher und betrachtete sie in dem fahlen Licht, was die gedimmten Neonröhren von der Decke warfen... mir fiel ein Stein vom Herzen, als ich gleichmäßigen Atem erkannte... aber das... das konnte doch nicht sein, was war hier geschehen?!

Mir wurde schwindelig, ich musste mich an der Wand abstützen... diese Dämpfe... Übelkeit stieg in mir hoch, es flimmerte vor meinen Augen... nur noch schemenhaft nahm ich Bewegungen wahr... und plötzlich stand sie direkt vor mir.

Und ich werde nie ihre Augen vergessen.

Nie.

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Die nächsten drei Stunden sind eine große Erinnerungslücke... Fakt ist, dass ich gerannt sein muss, gerannt, bis ich nicht mehr rennen konnte, bis meine Hufe unter mir weggeknickten... ich muss gestürzt und ohnmächtig geworden sein... ganz alleine... draußen in der Wildnis...

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Das erste, was meine Sinne wieder wahrnahmen, waren schwache Schatten und helles Sonnenlicht... sie bildeten eine homogene Mischung, fast so als seien sie eins... dazu schmeckte ich Blut in meiner ausgetrockneten Kehle, fühlte sanften Wind über meinen Kopf streichen, Gras in meinem Rücken kitzeln... wo... wo war ich? Ich konnte mich nicht erheben, dazu war mein Körper noch nicht in der Lage... zu schwer, zu träge... langsam sammelte er Kraft, und es gelang mir einen Huf vor mein Gesicht zu heben... komm schon AJ, du bist eine Kriegerin, jetzt stell dich nicht so an!

Nur mit größter Mühe schaffte ich es - um gleich wieder umzukippen.

Bleib noch einen Moment liegen... dann schaffst du es...

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Aus dem Moment wurde eine Ewigkeit, aber schließlich gelangen mir die ersten wackeligen Schritte auf fast tauben Hufen... erst jetzt dämmerte mir so langsam, dass ich mitten im Nichts war und hierher galoppiert sein musste... heilige Luna, das war schrecklich!

Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren, was meine Unruhe noch verstärkte - wenn es bald dunkel wurde und ich nicht schnell in eine sichere Stadt fand, war ich hier draußen ohne Waffen geliefert!

Durch diesen Instinkt verstärkt machte ich mich, wenn auch schwerfällig, auf den Weg... und hoffte, dass es der richtige war...

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Es dürfte eine Viertelstunde später gewesen sein, als ich etwas Schimmerndes zwischen all dem Grün des Grases ausmachte - ein kleiner Teich!

Eine Abkühlung kam mir gerade recht, und so stieg ich hinein in das kühle Wasser, schwamm etwas herum und fühlte mich wie neugeboren... die Probleme und Sorgen der letzten Tage fielen von mir ab, verschwanden irgendwo in der Tiefe... Wahnsinn...

Klonk! - Nanu, was war denn das? Etwas unter Wasser... so tauchte ich und musterte das Objekt - und tauchte nach Luft ringend wieder auf.

Ich musste mich wohl verguckt haben, also vergewisserte ich mich ein zweites Mal - und die letzten Zweifel waren wie weggeblasen... das... das war eine Glocke...

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Ich schwamm zum Ufer und verließ das Wasser, mein Atem ging schwer, mein Kopf schmerzte... heilige Luna, was stimmte nicht mit mir?!

Ein frischer Wind kam auf und fegte meine Mähne mit sich... mist, ich würde mich sicher erkälten und...

Ich stoppte, weil ich etwas entdeckt hatte... und es war ganz sicher kein Stein... es war ein verkohlter Holzbalken.

Und in der Nähe lagen mehr...

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Fassungslos stand ich mitten in diesem Trümmerfeld und versuchte zu verstehen, was das hier einmal gewesen war... ein Dorf vielleicht? Das klang realistisch, aber warum hatte man es verlassen? Und warum wusste ich dann nichts davon? - Nein, das musste etwas anderes sein...

Mit einem klammen Gefühl im Magen schob ich mich durch die Grasbüschel, vorbei an immer mehr Gebäuderesten, verbrannter Erde, Gräben, eingestürzten Mauern... man sah nicht mehr viel davon, das Gras war darüber gewachsen... Gras war über die Sache gewachsen... was war hier passiert?!

Unter meinen Hufen waren jetzt Pflastersteine - eine richtige Straße! ... sie führte auf einen Hügel hinauf, ich folgte ihr.

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Oben angekommen erwartete mich ein beeindruckendes Panorama - und der Blick auf ein Denkmal, das mir vertraut war - das Denkmal der Vereinigten Völker Equestrias... dieses Monument steht am Grenzübergang in den MacIntosh-Hills und symbolisiert den Frieden der Republik, den Robert, Celestia und Safira geschaffen haben. Das Denkmal besteht aus drei zirka zwanzig Meter hohen Figuren, einer Ziege, einem Pony und einem Schatten, die sich den rechten Huf vereint zu einer Dreieckspyramide reichen... ihr Blicke sind freundlich, sie lächeln, ihre Cutiemarks sind die Wappen ihrer Völker...

Ein schönes Ding, und nun wusste ich auch wo ich war... doch diese Wüstung hinter mir... sie ließ mich nicht los.

Wenn der Wind doch nur sprechen könnte..., dachte ich, als plötzlich eine kräftige Böe meine Mähne schüttelte und den Knoten öffnete... wild flogen meine Haare herum, und als ich sie packen wollte und dabei einen Schritt nach links trat, blieben meine Augen an einem kleinen schillernden Stück Glas hängen... zuerst dachte ich an eine Scherbe, doch die Ränder waren zu glatt...

Vorsichtig grub ich sie aus - und hielt ein altes verblichenes Bild in den Resten seines Rahmens in den Hufen.

Und erkannte es sofort wieder.

Es war das Bild, was auf dem Kaminsims in Sweet Apple Acres stand und welches ich immer ansah, wenn mir etwas fehlte.

Das Bild meiner Eltern.

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Wie... wie...

Ich starrte ihre glücklichen Gesichter an... mein Vater saß auf einem Pflug, meine Mutter stand mit einem vollen Korb Äpfel daneben und lächelte zufrieden in die Kamera... sie waren mir so nahe, und doch so weit weg...

"Applejack?"

Meine Ohren spitzten sich - das war Big Macs Stimme! ... er stand hinter mir, und mit ihm meine Oma... ich drehte mich nicht zu ihnen um... ich konnte sie nicht ansehen... die Erkenntnis war so bitter wie wahr... ich wollte einfach bloß noch weg hier...

"Applejack, alles in Ordnung bei dir? Geht es dir gut mein Schatz?"

Ich antwortete nicht, ich wollte sie nicht sehen.

Sie wussten es.

"Applejack... es... es tut mir so leid..."

"... und was nützt mir das?"

"AJ, kleine Schwester...", versuchte es mein Bruder, setzte sich neben mich und streichelte mir über den Rücken, "du weißt, ich bin nicht gerade der Typ von Hengst, der sich viel aus Worten macht, aber... ich muss da etwas klar stellen..."

"Und warum ging das nicht früher?!"

"Applejack..."

Ich sah meine Oma lange an... oder die Stute mit dem langen Zopf, die sich Granny Smith nannte... ich fand keine Worte für sie... so fremd schien sie mir...

Diese Blicke trafen sie hart und die Tränen rannen ihre Wangen herab... ich hinderte sie nicht daran, schlimmer noch, es ließ mich eiskalt - in diesem Moment wurde mir bewusst, dass sich die Seiten soeben um 180 Grad gedreht hatten und ICH nun Unrecht tat!

---

"Also schön, dann... tut was ihr nicht lassen könnt...", brummte ich und verschränkte die Hufe vor der Brust, "aber sauer bin ich trotzdem, enttäuscht nicht minder... ich dachte doch, ich könnte euch vertrauen..."

"Oh AJ, es... ich habe immer versucht dir etwas zu sagen, aber ich... ich konnte einfach nicht..."

"Bic Mac, das juckt mich nicht, Fakten oder ihr seid mich los!"

Meine "Oma" schob sich rechts neben mich - toll, Familienkuscheln...

"Applejack, deine Eltern... sie haben uns nicht freiwillig verlassen, weißt du?"

"Mhm."

"... sie..."

"... waren hier?"

"AJ, wo wir hier sitzen war einst... eine Farm."

"Eine Farm?!"

"Ja, allerdings... sie... sie heiß Sour Apple Acres, und sie war mehr als nur eine Farm...", berichtete mein Bruder.

"Aber... aber wieso wird sie nirgendswo erwähnt?! Eine ganze Farm, dazu muss es doch Unterlagen geben, oder jemand muss sich daran erinnern und...!"

"Sie gibt es nicht mehr, weil es sie nicht mehr geben darf..."

"WIE BITTE?!?!"

"Applejack, es gibt leider Dinge, die eine Regierung gerne... nicht weiter behandelt, weil sie ihr nicht passen..."

Das saß, und das raubte mir den Atem - was in aller Welt war hier gespielt worden?!

"Hier stand sie also, die Farm... Sour Apple Acres, doch sie war mehr als nur eine Farm..."

"Was war sie?"

"... eine Verteidigungsanlage gegen die Schatten..."

"WIE BITTE?!?!?!?!"

"... und daran... daran ist sie gescheitert..."

---

Meine Oma weinte, während ich Big Mac mit beiden Hufen umklammerte und schrie: "SAG MIR, DASS DAS NICHT WAHR IST, SAG MIR DAS!!!!!!"

"Es tut mir so leid."

Mein Weinen wurde ein Flehen, ich konnte diese Wahrheit nicht akzeptieren - wie oft hatte man mir erzählt, dass meine Eltern zu einer langen Reise aufgebrochen waren und eines Tages zurückkommen würden?!

"Warum... warum habt ihr mich angelogen?! WARUM?!?!"

"Applejack..."

"NEIN, NICHTS APPLEJACK!!!", schrie ich rasend vor ohnmächtiger Wut, "IHR HABT MIR DIESE WAHRHEIT EINFACH VORENTHALTEN, UND WENN ICH NICHT ZUFÄLLIG HIER GELANDET WÄRE, HÄTTE ICH SIE SICHERLICH NIE ERFAHREN!!!"

"Schwesterchen... wie habe ich dir das sagen können oder sollen?", seufzte Big Mac schwer, "ich weiß... es war nicht fair, dass du es nicht wusstest, aber glaub mir... es ist besser so."

"NICHTS IST BESSER SO!!!", brüllte ich ihn an und verlor schlagartig die Kraft, weil mir bewusst wurde, dass ich gerade auf einem Friedhof war... Big Mac und meine Oma fingen mich ab und legten mich sanft ins grüne Gras, wo ich zu nichts weiter instande war als Weinen... ich konnte nicht mehr.

"Bitte... bitte...", heulte ich schwach, "bitte verschweigt... mir nichts... mehr... bitte..."

"Also gut...", nickte Granny Smith unsicher, "ich werde dir alles erzählen... es ist das Beste."

---

"Du musst wissen, dass Celestia vom Schattenreich wusste, die ganze Zeit lang. Sie muss einen höllischen Respekt vor den Schattenlords gehabt haben..."

"Sie... sie wusste von Daeron?!"

"Ja sicher, sie ist ein Alihorn, die scheinen sowas riechen zu können... wie auch immer, sie muss ebenso etwas von den Kriegsvorbereitungen geahnt haben - du kennst die Geschichte der Schattenrebellion und Kelut Harbour?"

"Hallo, mein Freund ist Verfechter dieser Sabortagen?!"

"Stimmt auch wieder... na ja, es gab schon vorher einen Versuch des Angriffs auf Equestria, doch diesem hatte sie vorgebeugt - diese Farm hier oben war eine strategisch verdammt gute Position, besaß neben den üblichen Anlage ein mehrere Kilometer langes Wegenetz und mehrere Abwehrmauern... alles in allem eine großartige Konstruktion, aber... gegen Feuerwaffen völlig veraltet."

"Ich verstehe... aber warum haben meine Eltern das getan?"

"Nun, Celestia hat sie regelrecht mit Geld überschüttet... und sie waren schließlich nicht zum Kämpfen da, sondern um die Farm zu koordinieren und zu verwalten... Äpfel mussten geerntet werden und so weiter... ja, das haben sie hier getan, ich habe sie oft besucht."

"Aber sie kannten das Risiko, auf das sie sich einließen?"

"Das kannten sie - ebenso wie du es kennst, du bist durchweg ihre Tochter... du bist so wie dein Vater...", lächelte die junge Stute und war wieder ganz meine Oma, "tja, und dann... und dann das..."

Sie kämpfte mit den Tränen, aber das konnte ich verstehen... für sie musste das noch schlimmer sein... die Wahrheit musste sich tief in sie gefressen haben... "Was ist bei dem Angriff passiert?"

"Es... es war schon spät, und... sie waren auf einmal da... viel weiß ich auch nicht, aber die Leute aus Apple Loosa haben später erzählt, dass sie das Klirren von Schwertern gehört haben, dazu soll es Blitze geregnet haben... Sprengkörper vermute ich... irgendwann hat die ganze Farm dann in Flammen gestanden... und... und..."

Mein Bruder stützte sie, wenngleich auch er weinte... und so bitter es für mich war, ich war froh es erfahren zu haben... und meiner Oma unendlich dankbar dafür.

Meine Eltern hatten Equestria beschützt... mich beschützt... ich war so stolz auf sie... stolzer als nie zuvor...

---

Die Zeit verstrich an diesem Tag nicht, und als wir spät am Abend in Apple Loosa eintrafen, ging es mir gut - meine junge Oma schlief friedlich auf Big Macs Rücken, der ein Liedchen vor sich hin pfiff... er war wahrlich mein großer starker Bruder, der die Dinge so nahm wie sie kamen... und trotzdem nie den Mut verlor.

Das hätte ich auch gerne gekonnt...

"Lieber Big Mac... du hast sie länger gekannt als ich... waren sie so, wie ich sie mir vorstelle?"

"Ich denke mal schon...", meinte er, "eyup, so ungefähr... aber bitte, ich bin müde, morgen können wir gerne darüber reden, ok?"

"Ok... wobei... eine Frage hätte ich noch..."

"Ja?"

"Wer ist mein Opa?"

"Hmmm... das weiß nicht einmal ich... da musst du deine Oma fragen... aber erst morgen, sie hat heute viel durchgemacht."

"Ich weiß... du..."

"Ja?"

"... hat... hat eigentlich überhaupt ein Eqeustriapony diesen Angriff überlebt?"

Er seufzte tief: "Du kannst es nicht lassen mit dem Nachhaken, oder?"

"Nein, das kann ich nicht, noch nicht."

"Also schön... ja... hier in Apple Loosa lebt er, der alte Paddy - aber er hat damals etwas abbekommen und ist verrückt geworden, also halte dich besser von ihm fern!"

"Ist gut, das mache ich."

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Mein Bruder kaufte die Fahrkarten für den Zug, während ich auf dem Bahnsteig hockte und in den Sternenhimmel blickte... und es war mir, als sähe ich dort meine Eltern... glücklich auf ihrer Farm... es war so schön...

---

"AJ, kommst du?", rief Big Mac, der schon im Zug saß, "es geht gleich los!"

"Jaja, sofort!"

Viel zu langsam trottete ich  zu dem Waggon hin - bis mir klar wurde, dass ich nicht ruhen noch rasten würde, bis ich mit diesem Paddy gesprochen hatte... also wendete ich und galoppierte los.

Der Zug ruckte an, und mein Bruder konnte nur tatenlos zusehen, wie ich in der Dunkelheit des Dorfes verschwand... hin zu Old Paddys Hut.

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Die Hütte lag im Halbdunkel des Mondes... etwas unsicher klopfte ich an die Tür, bis sie mit einem Schwung aufgerissen wurde und mir ein alter Hengst mit wirrer Mähne und einem merkwürdigen Gesichtsausdruck gegenüber trat.

"Entschuldigen Sie die später Störung, aber sind Sie Old Paddy?"

"Hihi, so werde ich genannt!", kicherte er unerwartet, "und du Kleines, was möchtest du von mir?"

"Etwas... erfahren, aber das ist nicht so einfach..."

"Dann komm schnell rein, setz dich hin und sei ganz mein!", lachte der Hengst und machte mir ein klein wenig Angst, aber ich bin eine Apple... schneller als mir seine Augen folgen konnten huschte ich in seine Hütte und erblickte eine höchst merkwürdige Einrichtung... kaputte Möbel, abgewetzte Teppiche... wie konnte jemand so leben?! ... dennoch sah der Tisch ganz passabel aus, und einer der Stühle hatte tatsächlich noch alle vier Beine... also nahm ich den und wartete auf meinen Gastgeber.

Der kam nach mehreren Minuten ein Lied singend mit drei großen Schnapsflaschen aus der Küche, verschwand gleich wieder und besorgte noch einen Arm voller Bierflaschen - sag mal ging's noch?!

"Dann greif zu, junge Dame, das wird sicher eine lange Nacht, aber schlafen konnte ich noch nie, aber musste ich auch nicht, weil..."

Ich begann zu verstehen, warum er den Spitznamen "Crazy" trug... na ja, ich nahm das Gerede nur mit einem Ohr wahr und widmete mich einem Bier.

---

Drei Stunden später war ich genauso klug wie zuvor.

Ich kannte zwar jetzt Paddys ganze Lebensgeschichte, aber kein einziges Detail mehr über den Schattenangriff... oder verschwieg er mir das absichtlich?

Es lag wohl an mir zu fragen...

---

"Paddy, was ist damals auf Sour Apple Acres passiert?"

Sein Gefuchtel brach ab, seine Brust hob und senkte sich langsamer, seine Hufe zitterten stark: "W-was?"

"Ich habe gefragt, was bei dem Schattenangriff im Jahr 1005 da oben auf den MacIntosh-Hills passiert ist!"

"D-da war nichts, gar nichts - alles nur Einbildung!", spuckte er alles von sich, "alles nie passiert..."

"Komm schon, ich muss das wissen!"

"Nichts ist da passiert, überhaupt nichts! Nichts hat der alte Paddy gesehen, er war nie da... nie da..."

"Paddy, bitte!"

"Nichts gesehen... nichts gehört... nichts gesagt..."

"Dann hast du mich lange genug aufgehalten, schade, ich habe echt gehofft, dass du mir etwas über meine Eltern sagen kannst, aber so...!"

Wütend stand ich auf, dass die Schnapsflaschen auf dem Tisch wackelten, und war schon fast aus der Hütte draußen, als mich die Worte zurückhielten: "Ich war da, und ich habe alles gesehen... sie... sie kamen in einer warmen Sommernacht, es war der erste September 1005... sie waren so viele... viel zu viele..."

"Erzähl weiter, ich bliebe!", nickte ich ihm aufmunternd zu und umklammerte einen .65-Pflaume.

"Sie waren eine ganze Armee, und sie hatten Gewehre und Feldgeschütze, jetzt im Nachhinein schätze ich sie auf mindestens 10cm... sie haben alles beschossen, die Farm, die Bäume, die Gräben. Mehrere Minuten war es völlih still, nur die Schreie der Verletzten... und dann kamen die Nahkämpfer."

"Wo waren meine Eltern?"

"Dein Vater... er hat mitgekämpft, deine Mutter war bei den Verletzten im Lazarett - es war grauenvoll, und trotzdem haben sie die Kontrolle und ihre kühlen Köpfe behalten... bis zum Ende."

Paddy schwieg eine Weile, ehe er fortfuhr: "Die Infanterie war noch grausamer als das Geschützfeuer - sie metzelten alles nieder, was ihnen vor Schwerter und Bajonette kam, und sie schreckten vor nichts zurück. Deinen Vater... ich sah ihn zuletzt, als er ein halbes Dutzend von denen mit seiner Mitgabel platt machte... und dann wurde ich getroffen."

"Und der Brand?"

"Der brach kurz darauf aus... ich rollte einen Hang herab und stürzte in den Löschwasserteich, den es auch heute noch gibt..."

... der nicht nur ein Leben gerettet hat...

"... und blieb dort angeschossen liegen. Dieses Feuer muss ausgebrochen sein, als die Scheue getroffen oder angesteckt wurde... da hat der Schnaps drin gelagert, und das war meine Rettung."

"Also...?"

"... konzentrierter Alkohol, ja - er hat alles angezündet, um mich herum gab es ein Wahnsinnsinferno, das vor allem die Schatten getroffen hat... wir waren vielleicht zweihundert, sie locker das Zehnfache... und der Wind stand auf unserer Seite, oh ja!"

Seine alten Augen funkelten, und ich erkannte unzählige Narben in seinem Gesicht... er hatte gekämpft, und sie hatten gesiegt... doch für einem hohen Preis.

"Deine Eltern... ich habe nach ihnen gesucht, ebenso nach den anderen, aber außer mir... hat es nur Paul Jackson und seine Abteilung geschafft, aber nur, weil dieser Feigling vor dem Kampf davongelaufen ist und uns im Stich gelassen hat!"

"Paul Jackson?"

"Absolut, Major Paul Jackson aus Applewood, dieses miese Schwein - laut dem, was ich so gehört habe, lebt er heute in einer großen Villa und macht sich ein geiles Leben, während die Leute mich für bescheuert halten... das Leben ist manchmal schon nicht fair."

"Paddy, ich danke dir vielmals!", hauchte ich dankbar, endlich Gewissheit zu haben, und umarmte ihn fest, "und diesen Major knöpfe ich mir vor, dafür dass er meine Eltern im Stich gelassen hat!"

"Du willst...?!"

"Ja, ich will! - Und dir rate ich sofort nach Down Under aufzubrechen und dich dort beim Ziegenbock, oberstem General der Ziegenarmee, mit einem schönen Gruß von Applejack zu melden und auszurichten, dass es ihr gut geht; außerdem soll er mal gucken, ob man in der Ziegenarmee einen Equestria-Verteranen gebrauchen könnte, alles klar?"

"Verstanden!", grinste er und salutierte vor mir, "dann viel Glück dir und - möge Celestia mit dir sein!"

"Luna ist mir lieber...", lachte ich, griff mir noch eine der Schnapsflaschen und machte mich auf den langen Weg.

---

Vielleicht war der Hufmarsch nach Applewood doch eine miese Idee... ziemlich fertig kam ich am nächsten Vormittag in der Metropole an. Nach einer Stärkung und einer kurzen Pause machte ich mich auf die Suche nach Paul Jackson, doch ein rascher Erfolg blieb aus... nach Los Pegasus kam ich nicht, also musste ich ankommende Pegasi befragen.

Rasch leitete man mich zum Strand weiter, wo es anscheinend Leute gab, die täglich alle Badegäste unter die Lupe nahmen, aber auch hier fand ich keine Spur des ehemaligen Majors... wo konnte er nur stecken?

Ein Obdachloser gab mir schließlich den entscheidenden Tipp, doch einfach mal das Reichenviertel am Rande der San Palomino-Wüste aufzusuchen, dort gäbe es einige vielversprechende Häuser... gar keine schlechte Idee!

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Unterdessen war der Abend über der Stadt hereingebrochen und seine Dunkelheit legte sich allmählich in die Straßen... einen Grund mehr für mich schnell die Suche zu beenden und noch den letzten Zug nach Ponyville zu erwischen, bevor sich noch jemand zu große Sorgen machte!

Eine ponyleere Straße trabte ich einen kleinen Hügel hinauf, als es plötzlich laut knallte und alle Straßenlaternen schlagartig ausgeblasen waren... erschrocken suchte ich nach der Quelle des Unheils und erkannte einen brennenden Schaltkasten, als wie aus dem Nichts eine große Gestalt hinter mir auftauchte und mir auf den Kopf schlug... einmal, zweimal, dreimal, viermal... ich hatte keine Kraft zum Kämpfen mehr, und in Kombination mit meiner sowieso schon angeschlagenen Ausdauer wurde ich bald bewusstlos...

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Schonmal mit einem Schwall eiskalten Wassers geweckt worden? Nein? Schade... es ist brutal und eigentlich nur vergleichbar mit einem Eimer Säure, der einem über das Fell geschüttet wurde. Und jetzt stellt euch vor, euer Kopf wird in eine Regentonne voll davon getaucht (Wasser natürlich, Entschuldigung!) und ihr seid ohnmächtig - vergleichbar ist das mit Ertrinken.

Und genau das widerfuhr mir - zwei starke Hufe drückten mich unter die Oberfläche, sodass ich nur so schluckte. Für einen kurzen Moment rissen sie mich heraus, dann wieder hinein... jedes Mal ein bisschen länger. Vollendens wach versuchte ich zu schreien, aber dafür fehlte mir die Luft, und meine Peiniger tauchten mich nur umso fester hinab in diese schreckliche Tonne.

"Das reicht.", beendete eine schnarrende Stimme die Folter, "sie ist wach - bringt sie rüber!"

Die zwei Hengste hinter mir packten mich an den Schultern und stießen mich vorwärts... Wasser und Blut tropften mir aus der Nase und ließen mich husten - was hatte man mit mir vor?! Und warum?!?!

Meine Hinterhufe versagten kläglich, die Vorderhufe hatten sie mir auf den Rücken gefesselt... ohne Stütze krachte ich der Länge nach auf den staubigen Boden, von dem ich unsanft gepackt und mitgeschleift wurde... die Schmerzen aus meinen verdrehten Armen trumpften stärker als die Atemnot auf.

Eine Treppe zogen sie mich hinauf, und ich spürte jede einzelne verfluchte Stufe in meinem Bauch - dafür würde ich sie leiden lassen, wenn ich mich befreien konnte, dafür...

Ein Türrahmen streifte schmerzhaft meinen Kopf und zu meinem Erstaunen fand ich mich in einem großen und prächtigen Saal wieder... wo war ich hier gelandet?!

Erlesener Teppich, glänzende alte Möbel... woar, ich...

Sie rissen mich hoch und ketteten meine vier Hufe an einen dafür präparierten Stuhl, einen Hufschlag in die Seite bekam ich noch, ehe sie verschwanden und das Licht erlosch.

Und während ich da zitternd in der Dunkelheit auf mein Schicksal wartete, stellte ich mit Entsetzen fest, dass ich meinen Hut verloren hatte... den Hut meines Vaters!

---

Endlose Momente der absoluten Stille verrannen... das trieb mich beinahe in den Wahnsinn!

Meine Hufe brannten wie Feuer, mein Mund war trocken und fühlte sich rau an, dazu diese nicht enden wollenden Kopfschmerzen und diese Stimme, die mir in Endlosschleife zuflüsterte: Lass ihn frei, den Bad Apple in dir, und du wirst sehen, keiner kann dich jemals mehr aufhalten! Räche den Tod deiner Eltern, räche deine Qualen, befreie deinen Geist...

NEIN!!!, schrie mein Gewissen, ICH WERDE NIEMALS...

Das große Tor öffnete sich knarzend und das grelle Licht des eingeschalteten Kronenleuchters blendete mich... nur schemenhaft erkannte ich etliche Ponys, von denen sich fünf an den Tisch setzten und...

"Na Applejack, so überrascht mich zu sehen oder warum glotzt du so, Schlampe?!"

Noch bevor ich sie vollendens sehen konnte erkannte ich diese Stimme... das letzte Mal, als ich Rarity gesehen hatte, war in ihrem Haus gewesen - kurz bevor der Gasherd es in die Luft gesprengt hatte.

Und ich ahnte schon, dass das hier kein Zufall war...

---

"Was ist?!", wollte meine "Gastgeberin" wissen, "ich habe nicht den ganzen Abend Zeit, und tu nicht so, als wärst du zu schwach dazu - du bist Applejack, die niemals aufgebende Bauerntussi, die die Herrschaft des Schattenprinzen verhindert hat - MISTSTÜCK!!!"

Zwei Hengste aus der Wachmannschaft traten wortlos neben mich und schlugen mir ihre Gewehrkolben in den Bauch... trotz Fesseln krümmte ich mich stark zusammen... diese feigen Hurensöhne!

"Ja, ich erinnere mich...", knurrte ich wutentbrannt, "und ich erinnere mich auch, dass man dich für deine Spitzelei in den tiefsten Kerker Canterlots gesperrt hat!"

"Hat man, und dank dieser kleinen Dreckshure von Silver Scar habe ich nun einen steifen Huf - egal, sie steht als Nächste auf meiner Liste, und glaub mir, sie wird länger leiden müssen als du es wert bist!"

"Verständlich...", konnte ich mir nicht verkneifen, "ich habe mir sagen lassen, dass sie dir sogar einen Computer über den Kopf gezogen haben soll... schade eigentlich, dass nur eine Röhre dabei ausgegangen ist..."

Es knallte viermal sehr heftig und mir blieb die Luft weg.

"Applejack, deine große Klappe ist legendär...", tadelte mich Rarity, beugte sich leicht vor und fasste mich am Kinn, "aber die wird dir bald vergehen..."

Mit voller Wucht schlug sie meinen Kopf auf den Tisch und meine Nase knackte zu stark - ich schrie laut auf und erntete schallendes Gelächter von allen Seiten, das Lauteste von meiner ehemaligen Freundin... den Spieß würde ich umdrehen, das schwor ich ihr!

"Und?", kam die höhnische Frage, "hast du immer noch Luft zum Beleidigen? An deiner Stelle würde ich lieber um mein Leben betteln und um Gnade flehen, aber da ich weiß, dass du dir erstens viel zu stolz dazu bist und zweitens ich sie dir nicht gewähren werden, genieße die letzten schmerzfreien Minuten deines Lebens doch lieber schweigend..."

"Wenn du schon keine Ohren für die Wahrheit hast, warum erzählst du mir dann nicht, was du über Paul Jackson weißt? Deswegen bin ich nach Applewood gekommen und nicht wegen..."

"Ich bin Paul Jackson."

Mir versagte die Stimme, denn die Worte waren von dem Hengst neben Rarity gekommen... er wirkte nicht gerade wie ein Major, aber da konnte man sich offenbar täuschen...

"SIE sind Major Paul Jackson?!"

"Der war ich, der war ich... und dazu bin ich noch der Onkel dieser wunderhübschen kleinen Dame hier...", mir wurde übel, "und ich habe entschieden etwas gegen ihren lahmen Huf, für den du verantwortlich bist."

Die Kälte in seinen Augen und Worten erfasste mich wie ein böser Geist und umschlang mich... das... das war...

"Können wir dann eigentlich mal anfangen?!", brummte plötzlich eine tiefe Stimme ungehalten aus der Dunkelheit, "ich habe lange genug auf diesen Tag gewartet, und ich will meine Rache - jetzt sofort!"

"Sie bekommen ihre Rache schon noch, keine Sorge...", mahnte ihn die Stute links von Rarity, die eigentlich nur ihre Mutter sein konnte... ich hatte sie zwar nie kennengelernt, aber die beiden sahen sie sowas von ähnlich..., "und bedenken Sie, dass wir es waren, die Sie aus dem Stein geholt haben, also reißen Sie sich am Riemen, Discord!"

"DISCORD IST FREI?!?!", kreischte ich entsetzt, "WIE KONNTET IHR DAS TUN?!?!"

"Ganz einfach...", lachte die Stute böse, "weil er ein ganz Lieber sein kann, wenn er will - er bekommt ja sogar seine Rache, bringt dich und die anderen deiner Freundinnen um und lässt meine Rarity am Leben, dafür haben wir ihn ja befreit."

"Schade, dass er nicht die Klappe halten konnte...", beschwerte sich Rarity beleidigt, "aber ja, Drachen halt - ja, er wurde befreit, und anschließend hat er mich aus Canterlot gebracht... ich glaube dabei ist ein Großteil des Schlosses zerstört worden... schade."

"Ich habe getan, was ich konnte, und das war verdammt nochmal nicht leicht!", murrte mein schlimmster Feind, den wir damals mit den Elementen der Harmonie besiegt und zurück in Stein verwandelt hatten, "und dazu haben die mich echt erwischt, diese kleinen nervigen Spackos mit ihren Gewehren!"

Bilder rasten vor meinen Augen entlang - Bilder vom brennenden Schloss Terras, Toten, Verletzten, Rettungskräften... und mittendrin waren meine Freunde!

"IHR MIESEN SCHWEINE!!!", brüllte ich unter hemmungslosen Tränen, "DAFÜR WERDET IHR BEZAHLEN, DARAUF GEBE ICH EUCH MEIN WORT, BEI MEINEN ELTERN!!!"

"Oh, deine Eltern...", erinnerte sich da der Major a.D., "tja, ich habe sie gekannt... gekämpft haben sie bis zum letzten Hengst..."

"UND SIE SIND FEIGE DAVONGELAUFEN ANSTATT IHNEN BEIZUSTEHEN!!!"

"Das bin ich wohl... na ja, wen interessiert es... ich wurde für diese Zeit sehr reich belohnt, und wie jeder weiß: Für Geld bezahlt man jeden Preis."

"SIE SIND SO EIN ERBÄRMLICHES STÜCK DRECK, NICHT BESSER ALS DAERON UND DER SCHATTENPRINZ ZUSAMMEN!!!"

"Aber aber, diese Widerworte... tja...", mit einem Wink Magie schob er meinen Hut auf den Tisch und einer Kerze gefährlich nahe, "und weißt du noch etwas? Ich habe von Daeron gewusst, und all die Jahren hat meine Familie auf seiner Seite gestanden... reich entlohnt sind wir dafür worden, viel reicher als es deine erbärmliche Familie mit ihrer mickrigen Farm jemals sein kann!"

"MEINE FAMILIE WAR DIE BESTE FAMILIE EQUESTRIAS, UND SIE HABEN SIE ZERSTÖRT!!! SIE HABEN MEINE ELTERN GETÖTET!!!"

"Nicht nur das, ich habe sie auch verraten... ich wusste von dem Angriff..."

Die Krempe des Hutes berührte die Kerzenflamme... und gleichzeitig war mein linker Huf frei, mit dem ich den diesseitigen Bewacher in die Seite schlug, sein Sturmgewehr packte und wild in die Menge feuerte.

Ein Ruck, rechts war ebenso frei, zwei Schläge an die Stuhlbeine, auch diese Fesseln waren offen, ich frei, der Hut meines Vaters auf meinem Kopf und... out of ammo.

Na großartig...

---

"SCHNAPPT SIE EUCH!!!"

Aus allen Seiteneingängen des Saales stürzten die Wachen auf mich zu - einzige Deckung war die Bar hinter mir, deren Theke auf Stein ganz massiv aussah... den Stuhl benutzte ich als Absprungrampe und landete genau mittig - und auf dem Kopf eines versteckten Postens, der noch überraschter als ich war... das in seiner Brusttasche steckende Messer nahm ich ihm ab und stieß es um 90 Grad verdreht wieder zurück, was er nicht überlebte.

Über mir schlugen nun wahre Wolken aus Kugeln ein und zersplitterten sämtliche Flaschen in den Regalen... mir blieb nur die Defensive, und außerdem hatte der gerade erstochene Kerl nur eine dämliche Glock 17 - gegen mindestens zehn M16er!

Eine Idee hatte ich aber noch... eine Granate aus dem Gürtel des Toten schnappte ich mir, zog den Stift ab und schleuderte sie mit aller Kraft steil nach oben (Mathe war zwar nie meine Spezialität beschrieben, aber wenn man immer Äpfel in ein kleine Körbchen wirft, hat man irgendwann den Dreh raus) in den Kronenleuchter.

Schützend warf ich mich in einen der Barschränke und drückte mir die Ohren zu - BUMM!!!

Ekelhafte Schreie und Pfeifen von pfeilschnellem Glas, dann herrschte gespenstische Stille.

Ein Blick in eine Glasscherbe genügte, kein Hengst stand mehr, alle waren von den Splittern durchlöchert worden... ich griff mir die Pistole, gab einem Schwerverletzten den Gnadenschuss und rüstete mich mit einer Kalaschnikow aus - kommen konnte was wolle!

Der letzte Bad Apple war zurück.

Und nichts würde ihn mehr aufhalten!

---

Von den fünf Ponys, die eben noch am Tisch gesessen hatten, war eines tot... ich kannte sie nicht, und es war mir nur recht - diese Familie hatte meine Familie auf dem Gewissen, und dafür kannte ich keine Gnade.

Zwei verirrte Kämpfer traten um die Ecke, und meine AK zerriss sie nur so... wo steckte der Rest von diesen kleinen Ratten?!

Finden würde ich sie schon...

---

Der Flur lag lang und dunkel vor mir, das Licht reagierte nicht auf den Schalter... Kurzschluss, stellte ich fest, na denn eben im Dunklen!

Meine Augen hatten sich sehr schnell an den Raum gewöhnt, meine Sinne lagen nun direkt unter meiner Haut... es war so wie damals, als ich des Nachts die Leichen unserer Opfer verscharrte... genau so... genau...

Schüsse von rechts, ich ging an die linke Wand erwiderte das Feuer - ein Magazin, zwei, drei - nichts regte sich mehr.

Fast zwanzig Leichen zählte ich... gar nicht mal schlecht für den Anfang, doch wo...?

Die Kugel nahmen meine Ohren früh genug wahr, eine Drehung mit Rolle brachte mich aus ihrer Bahn, gleichzeitig eine M4 in meinen Besitz und einen Patrone in den Lauf - sie riss den Commander von den Hufen, der rückwärts eine Treppe hinunter stürzte... wo die wohl hin führte?

---

Rarity, ihre Mutter, Paul Jackson und dessen Sekretär rannten in Richtung Ausgang der Villa, als sich ihnen unvermittelt Dicord in den Weg stellte.

"Habt ihr gedacht, dass ich mich einfach so verarschen und alleine zurück lasse?!"

"DU HAST DAS BEKOMMEN, WAS DU WOLLTEST!!!", schrie der ehemalige Major ihn an und hob seine Desert Eagle, "GEH UNS AUS DEM WEG!!!"

"Aber die kleine Schlampe hat sich losgerissen und ist mir eine Spur zu wild... zumindest heute, aber auf meine Rache werde ich nicht verzichten!"

"DAS STEHT AUßER FRAGE!!!", keifte Rarity zurück, "MEINE SCHULD WURDE BEGLICHEN, ICH WAR NICHT FÜR DEN AUSBRUCH VERANTWORTLICH!!!"

"Mich haben zu viele Kugeln getroffen...", grollte der Drache wütend, "und außerdem hat mich ohne jede Vorwarnung auf dem Rückflug eine Ziege mit einer Bazooka abgeschossen - ich kann froh sein, dass ich noch lebe! Ihr solltet die Eisenbahnstrecke unschädlich machen, nicht einmal das hat funktioniert! Und dafür hole ich mir jetzt SIE!!!"

Mit wildem Kampfgeheul stürzte er auf Rarity los, deren Onkel sein ganzes Magazin auf Discord abschoss... der Drache wankte, kam dem Hengst jedoch zu nahe und zerschnitt ihn mit einem einzigen Krallenhieb.

Ein irrer Schrei, drei Magieblitze und er fiel endgültig - Rarity griff ihren .357 Magnum Colt Python und gab ihm einen astreinen Kopfschuss: "Missgeburt, das hätte ich schon vor sechs Jahren machen sollen!"

"Und ich das!"

Zwei Schüsse aus einer M4, zwei Treffer ins Schwarze - der Sekretär kippte sofort um, ihre Mutter hielt sich noch einen Moment, ehe auch sie zu Boden krachte - ich stand oben auf dem Balkon im ersten Stock, meinen Karabiner fest in den Hufen.

Meine ehemalige Freundin bewegte sich kein bisschen, ihr Blick war voller Verachtung: "Du bist so ein mieses Stück kommunistischer Dreck - DICH WERDE ICH... AHHH!!!"

Ein Schuss in den rechten Hinterlauf brachte sie zu Fall und zum Jammern... jaaa, das erinnerte mich an unsere letzte Begegnung, doch das hier war viel besser!

"Weißt du...", lächelte ich scheinheilig langsam die Treppe hinuter steigend über ihre Wehklagen hinweg, "ich habe was gegen falsche Freudinnen, die einem jahrelang etwas vorspielen und erste viel zu spät ihr wahres Gesicht zeigen... na ja, aber sie sagen es ja selbst: Für Rache ist es nie zu spät... mit einer kleinen Ergänzung: Verbrechen verjähren nicht."

"Du... miese... kleine... Schlampe... sie... wir... kriegen... dich... und... dann..."

"Jaja, ich weiß doch... die böse Applejack kommt bald... ach ja, endlich nach Hause!"

Ein lockerer Satz über sie hinweg, ein letzter Blick nach hinten, eine Tür, und ich war draußen aus dem Anwesen... schade eigentlich...

---

Den Weg hinunter beleuchtete das helle Mondlicht - und zu meiner Überraschung entdeckte ich meinen Ziegenbock, der da in voller Montur aus dem Schatten des großen Eingangstors trat.

Dennoch... auf halber Strecke blieb ich stehen und drehte mich zum Haus hin... mein Freund guckte erst mich, dann den halben Palast an... hach, gleich musste es doch so weit sein!

Von Drinnen hörte ich noch Gejammer: "Applejack! Du... Tochter einer H..."

KA-WUMM!!!

Es war wahrlich ein gigantischer Feuerball, der sich da ausgelöst durch den großen Gastank und all die Waffen im Keller (ich hatte da wohl versehentlich ein Ventil aufgedreht...) über Applewood und Umgebung erhob, aber noch größer war die Erleichterung, dass meine Vergangenheit nun ein für alle mal mit ihm in die Luft geflogen und vom Winde verweht war... nun zählte nur noch die Zukunft, das Hier und Jetzt!

Und ehe mein Freund sich von seinem unbändigen Stauen erholt hatte, war ich bei ihm und küsste ihn.

Lang und ausgiebig.

Um uns brannten die Trümmer, es spielte keine Rolle mehr... wir hatten uns wieder.

Und würden uns nie wieder loslassen.

Nie wieder.

---

Nach einer Weile lösten wir uns überglücklich voneinander, lächelten uns wie zwei kleine Schulfohlen an und schwiegen, bis ich die Stille und das Knistern des Feuers brach: "Komm, lass uns abhauen von hier!"

"Nichts tue ich lieber als das... mir dir!"

Und so machten wir uns auf den Heimweg... Huf in Huf spazierten wir weg von dem, was nun vergeben und vergessen war... endlich war ich wieder die Applejack, die ich sein wollte, die sich mit ihrem bekloppten Freund Seite an Seite durch alle Widrigkeiten schlug, die eine Adoptivtochter mit Metallflügeln hatte, deren Oma nun jünger als sie selbst war, die... einfach glücklich war.

---

ENDE

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Epilog

"Du Ziegenbock...", kam ich dann doch nicht drum herum, "weißt du eigentlich, wer mein Opa ist?"

"Ja, seit heute schon... ich habe deine Oma besucht und kann nur sagen: Jugendlich... na ja, jedenfalls war auch Prof. Dr. Fisch da... und mir alles klar."

"Das heißt er ist mein Großvater?!"

"Ist er, das haben beide bestätigt... eine lange Geschichte..."

"Hau raus, wir haben ja noch ein bisschen Weg vor uns!"

"Klar, für dich immer doch..."

---

(und nochmal) ENDE

Creepybloom.png
2nd screamer in luna game x by voltaradragoness-d6xgbhl.png
Die PonyPasta Sour Apples wurde nach erfolgreicher Abstimmung der Community zur PonyPasta des Monats Februar 2016 ernannt! Sie ist nun in der Hall of Fame neben anderen besonderen PonyPastas gelistet.

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