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WWZ: Kapitel 5 - Metz und die Maginot-Linie (Metz and la Ligne Maginot)

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Deckung, KRIEEECH!!!

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Die folgende Ponypasta enthält Abschnitte mit kriegerischen Auseinandersetzungen, massiver Gewalt und viel Blut; lies sie dir also nur durch, wenn du dir der Inhalte bewusst bist und nicht gleich in Ohnmacht fällst, wenn du dir das Knie aufschlägst!

WWZ: Kapitel 5 - Metz und die Maginot-Linie (Metz and la Ligne Maginot) ist mehrteilig! Der vorherige Teil der Reihe ist WWZ: Kapitel 4 - Die Résistance und Paris (La Résistance and Paris), und der nächste Teil der Reihe ist WWZ: Kapitel 6 - Dillingen und der Westwall (Dillingen and the Westwall).

Anmerkung des Autors: Mir ist schon bewusst, dass Wikia meine Benutzerdaten bei der ersten Bearbeitung nicht gespeichert hat (warum auch immer...), jedenfalls ist dieser Teil (welch Wunder!) natürlich auch von mir... also nix mit Copy and Pasta Paste! :P

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Metz.

Allein schon der Klang des Namens dieser Stadt flößt mir noch heute höchsten Respekt ein, denn sie war die erste auf unserem Weg, die Widerstand über Widerstand leistete und aufs härteste verteidigt wurde. Wir bezogen in der Nähe Stellung, unsere Geschütze und Bomber leisteten die nächsten Wochen ganze Arbeit... aber kein Durchbruch, die Stadt blieb uneinnehmbar. Dabei bestand das Hauptproblem vor allem aus einer Gewalt, die wir nicht hindern konnten - der Mosel. Intakte Brücken gab es nicht mehr, und die Deutschen hatten mehrere Festungen rund um Metz, die unseren Überquerungsversuchen mit schwerster Artillerie zusetzten... egal wie wir es drehten und wendeten, wie vorsichtig wir waren, wie viele Panzer wir übergesetzt bekamen, wir schafften es nicht.

Und dann kam Operation Market Garden.

Die Goat-Brigade sollte eigentlich zum Angriff auf den Niederrhein hinzugezogen werden, aber Patton hielt uns zurück - eine Truppe wie uns bekam man schließlich nicht alle Tage ausgeliehen, und da sich die Nazis nach wie vor hielten brauchte es womöglich eine ausgeklügelte Strategie, um über die Mosel zu setzen. So kam es, dass wir nahe Thionville aus dem Zug gesetzt wurden und uns bis zum großen Lager der 90. US-Infanterie-Division durchschlugen, wo man uns freundlich aufnahm und eine knappe Woche relativ wenig passierte.

Bis der Befehl zum Angriff kam.

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Es war der zwölfte September, als zwei Shermans als Schilde vor uns auf die Stadt zurollten und ihre Granaten in die deutschen Stellungen links und rechts der Straße spien - nahe genug an den Häusern wagten wir den Sturm und verteilten uns, die Jungs der 90. eroberten Haus um Haus. "Weiter, weiter, zur Brücke!", trieb Allen Holst, ihr Captain, sie an, "die Krauts dürfen das Ding auf keinen Fall sprengen, falls doch sitzen wir in der Scheiße!"

"Oder eher in der Mosel!", witzelte Robert und schickte zwei aus einem Gebäude stürzende Angreifer zur Hölle, Phil und ein Kamerad mähten mit MG den Rest nieder, der Rest der Truppe schloss auf.

"Nur nicht schlapp machen, weiter!", ein deutscher Panzer rollte aus einer Straße, "PANZER!!!", alle spurteten in Deckung... alle bis auf einen, der einen Schuss brauchte, um das Ungetüm zu stoppen. "Keine Müdigkeit vortäuschen!", war alles, was er dazu zu sagen hatte... und ich kapierte, dass ich damit nur klar kommen würde, wenn ich es ihm gleich tat. Also griff ich zu zwei deutschen MPs, deren Besitzer schon das Zeitliche gesegnet hatten, zog meinen Helm tief in die Stirn und lachte ihn an: "Na komm schon Kerl, oder willst du hier Wurzeln schlagen?! - Die Krauts warten nur auf dich und mich!"

"Wenn du mich schon so fragst - ATTACKE!!!"

"JAAA!!!"

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Und wir rannten.

Ich spürte ein befreiendes Gefühl... es war so herrlich, wie als wenn man sich betrinkt, eine einmalige Ekstase, ja, ein Rausch.

Ein Blutrausch!

Die warnenden Schreie meiner Kameraden blendete ich vollkommen aus - nur noch die Krauts, ich wollte nur noch die Krauts! "VERPISST EUCH IHR DEUTSCHEN SCHWEINE, SCHAUT HER, EURE WAFFEN SIND DIE NÄCHSTEN, DIE MIR GEHÖREN WERDEN!!!", brüllte Robert über den Schlachtlärm hinweg, verballerte Magazin um Magazin, Kugel um Kugel... und wirklich, die Deutschen flohen, hetzten wie die Hunde die Straße hinunter, bloß weg von diesem bekloppten Amerikaner, der in wildem Zickzack allem Gegenfeuer auswich und dabei lachte... lachte wie der Teufel höchstpersönlich.

"HINTERHER, LOS, AUFSCHLIEßEN!!!", befahl der Staff-Sergant der Truppe und unsere Brüder schlossen auf, über einen von Trümmern und brennenden Fahrzeugen übersäten Platz hinweg, auf die Brücke zu - wir mussten sie erobern, wir mussten!

Robert war kurz davor, die Krauts drauf - "KÖNNT IHR SCHWIMMEN?! WENN NICHT HABT IHR EIN PROBLEM, GLEICH WIRD'S FEUCHT FÜR EU..."

KA-WUMM!!!, zerrissen drei Explosionen das Gebrüll, Stahlträger und Steine hoben sich mit einem Feuersturm in den Himmel, entluden ihre unbändige Kraft zu allen Seiten und stürzten in den Fluss... und das letzte, was ich sah, war meinen König links an mir vorbeifliegen... mich traf etwas, noch in der Bewegung ging kraftlos ich zu Boden.

Mir wurde schwarz vor Augen.

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...

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Schwache Schatten tanzten vor meinen Augen... uhhh, mein Kopf dröhnte wie der Motor eines Jagdbombers... was... was war bloß passiert? "Doc, der Patient Jox hat erste Zuckungen im Gesicht!", ... huh?

"Dann wird er bald aufwachen, das wurde aber auch Zeit - benachrichtigen Sie sofort die Jungs von der Goat Brigade!", was zum... "Jox? JOX?!"

"Jeff, nicht so laut, der Arme hat bestimmt schon Kopfschmerzen wie Sau nach dem Knockout!"

"J... jungs?", fanden endlich die Worte ihren Weg über meine Lippen, "was... was... ist... los?"

"Oh Jox, du bist wach! ER IST WACH LEUTE, ER IST WACH!!!"

"Pscht, nicht so laut!"

Das war doch Phil... "Hey... hey Phil... was... was ist...?"

"Jox!", mein Waffenbruder ergriff meine Hand und drückte sie fest, ein Gefühl hatte ich für sie trotzdem nicht, "du hast ein Schwein gehabt - und einen riesigen Steinbrocken an die Birne gekriegt!"

"W... was?"

"Wir sind alle so unendlich froh, dass du noch lebst, echt - Kerl, das war haarscharf! Hättest du ihn nur Zentimeter weiter rechts abbekommen, von deinem Kopf wäre nur noch Matsch übrig gewesen!"

"Heiliger... Edwart... ich..."

"Sie brauchen noch etwas Ruhe, Sarge, bleiben Sie liegen und versuchen Sie keine ruckartigen Bewegungen!", mahnte der Arzt und gab mir eine Spritze, "wenn Sie Hunger haben melden Sie sich - ich muss noch nach meinen anderen Patienten sehen - und die Besuchszeit ist dann auch mal rum!"

Durch eine mit edlem Holz umrahmte Tür verschwand er in seinem weißen Kittel... "Wo... wo bin ich hier?"

"Im Rathaus, hier haben wir für's erste das Lazarett aufgeschlagen, Seb ist auch hier und kommt dich gleich besuchen, versprochen! Ich komme heute Abend nochmal vorbei, ok?"

"Ja... ja danke Paul...", rang ich mir ein Lächeln ab und warf einen Abschiedsblick in die Runde... halt, da fehlte doch einer!

"Wo... wo ist Robert?"

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Drei Tage lag ich hilflos da, von Schuldgefühlen und Trauer zerfressen, konnte mich nicht rühren, nur weinen und nach ihm sehen... er lag neben mir, die Augen geschlossen, und regte sich nicht. Eine Krankenschwester spendete mir Trost sooft sie konnte, Clara war ihr Name... sie machte mir Mut, Robert sei zwar nicht ansprechbar, aber er lebte - wahrscheinlich schwer traumatisiert und in einem tiefen Koma.

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Der September verstrich, der Oktober folgte ihm nass und grau, der November brachte täglichen Nebel... und den nächsten Versuch, mithilfe des Hochwassers die Mosel zu überqueren. Ich wollte nicht weg, aber ich musste, nein, meine Brüder brauchten ihren Sarge... und die Festung Königsmacher setzte uns mit aller Stärke ihrer Kanonen zu. Wir waren beim 358. US-Infanterie-Regiment, mit welchem wir bis zum Abend des 9. November den Westteil der Anlage erobert hatten, aber die Deutschen wollten nicht aufgeben, hielten mit allem dagegen, und das schlimmste, wir bekamen ihre Geschütze nicht kaputt, mit denen sie unseren Nachschub beschossen!

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Es war eine kalte und feuchte Nacht vom Zehnten auf den Elften, unser Unterstand war undicht und Wasser tropfte ständig auf meinen Helm... Jeff lehnte schlaff an meiner Schulter, er hatte sich den Fuß verstaucht, wenn nicht gebrochen... wir waren allein, eine Handvoll ausgelaugter Männer, die keine Kraft mehr hatten und sich nur noch wünschten, nach Hause zurückkehren zu dürfen, unversehrt und lebendig. Als hätte unseren stummen Hilferuf jemand gehört, erhob sich ein Freund von seinem Lager, griff seine Waffe, rückte sich den Helm zurecht und machte sich auf, die Mosel zu durchqueren.

Alleine und ohne Boot, mitten im tiefsten Winter.

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Explosionen weckten mich ruckartig - ich hatte doch geschlafen? "ALLE MANN RUNTER!!!", brüllte der Captain der 358., "BLEIBT UNTEN UND RAUS HIER, DIE KRAUTS WOLLEN ES WOHL WISSEN!!!"

"Scheiße, scheiße, scheiße!", fluchte Paul und schüttelte Jeff, "MANN WACH AUF, DU DARFST JETZT NICHT SCHLAPP MACHEN!!!"

"Lasst... lasst mich zurück...", jammerte unser Kamerad schwach, "ich... das ist das Ende..."

"JEFF, ICH LASS DICH HIER NICHT ZURÜCK!!!"

"Ich auch nicht!", nickte ich entschieden und packte ihn unter der Schulter, "na - HOPP!!!", wir schleiften ihn hinter eine Deckung, zwei Jungs mit Tommys gaben uns Feuerschutz, Seb landete neben uns: "Fuck, ich glaube wir sind dran!"

"Wenn wir nicht bald Verstärkung kriegen, dann ja!", entgegnete ich und ballerte eine Salve nach den Krauts, erwischte einen mit Karabiner und rutschte zurück hinter den Trümmerhaufen, "aber die sollten sich beeilen, wenn nicht..."

KA-BUMM!!!, ein Mordskracher zerbröselte eine halbe Bastion, neben uns rollte ein Stahlhelm vorbei... die Unterstützung war da! "SIE SIND DA, PATTONS DRITTE IST DA!!!"

Doch das war nicht Pattons Dritte... ich sah einen Fallschirmjäger oben über die Festung kommen, ein Sturmgewehr 44 in den Händen, und trotz des unüberwindbaren Hindernisses vor sich ein Grinsen wie kein anderes auf dem Gesicht... bei Edwart, er war zurück, leibhaftig und lebendig!

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Die Deutschen ergaben sich wenig später, hatten rund 300 Mann verloren und waren nur noch ein Häufchen Elend... Jeff schickten wir zu Clara, mit einem Gruß von Robert, der die Arme halb zu Tode erschreckt haben musste! Hach, waren wir alle froh, ihn zurück bei uns zu haben!

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Drei große Portionen Fleisch später (das hatte er sich redlich verdient, nachdem er die letzten drei Monate nur Suppe hatte trinken können und wir stattdessen seine Rationen außer einer Dose wöchentlich aufgehoben hatten) war mein König satt und mehr als nur zufrieden - und die Mosel hatte er auch noch durchschwommen, was zur Hölle?! "Na jetzt erzähl doch mal, wie bist du aufgewacht heute?!", fragten alle durcheinander, "wie waren das Koma? Wie...?!"

"Schon gut, eins nach dem anderen!", lachte der von den Toten Auferstandene, "wie das war... öhm, keinen Plan, schwarz vermute ich!"

"Schwarz?"

"Na, dunkel, grau... ach watt weiß ich - ich bin heute aufgewacht, habe mein 44er genommen und bin los... und da die Moselbrücke beschädigt war musste ich eben nen Stück schwimmen, mehr gibt's da nicht zu sagen!"

Aber wie es das gab!

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"Goat Brigade?", ertönte es da plötzlich und wir sieben Mann schnellten hoch, Seb trat in Begleitung eines Colonels an uns heran, "Sie müssen sich unverzüglich auf den Weg nach Elsingen (heute Elzange) machen - die Deutschen haben da irgendwo eine verdammt große Kanone und setzen unseren Jungs schwer zu - ich habe mir sagen lassen, dass Ihre Einheit für solche Aufträge geschaffen wurde, habe ich nicht recht?!"

"JAWOHL SIR!!!"

"Gut - ein LKW erwartet Sie in fünf Minuten!"

Was für ein Tag würde das noch werden?!

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Elzange war nichts, falscher Alarm.

Mitten in Feindesland genossen wir drei freie Tage, bis die Deutschen doch feuerten...

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Wir kamen am 15. bis Breisdorf, wo uns ein ganzer Schwung der 90. Infanterie-Division empfing, deren Captain weder aus noch ein wusste: "Hinter... die Krauts haben einen Maginot-Linien-Bunker in ihrer Hand und da einen ganzen Block Geschütze - gegen die kommen wir nicht an, wir haben bereits ein Viertel unserer Leute verloren und können hier nur ausharren! In einem nahe gelegenen Waldstück gingen Granaten runter, und wir sahen das Ausmaß der Verwüstung... aber zu siebt gegen die Ouvrage du Hackenberg, die einen ganzen Berg durchzog? NIE!!!

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"Captain, wenn Sie noch heute Verstärkung kriegen...", überlegte Seb, "können wir dann welche von Ihren Männern nehmen und die Krauts von Süden aus angreifen, von Veckring (heute Vrecking)?"

"Hm...", eine kurze Pause, die klammen Finger verschoben sich auf der Landkarte, "das wäre allerdings eine Möglichkeit - nur... schaffen Sie das, so ganz alleine?"

"Wir sind die Goat Brigade, wie schaffen das!"

"Dann nehmen Sie die Männer, Ihr Wort in Gottes Ohr, Seb!"

"Danke Captain Jackson, Sie werden den Hackenberg schon bald haben!"

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Und wir hatten Schwein - unterwegs trafen wir auf zwei Shermans eines Erkundungstrupps, die uns doch tatsächlich begleiteten! Besser konnte es wahrlich nicht kommen, und keine Krauts würden uns im Weg sein!

Das dachten wir.

Ein fataler Irrtum.

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Gegen Nachmittag bogen wir auf die Straße nach Veckring ab, ein verlassenes Dorf mitten in Lothringen... und es begann zu schneien! "Schnee, auch das noch!", witzelte Robert, "na wenn das so weitergeht kommen wir weiß auf dem Hackenberg an, dann sehen uns die Krauts nicht mehr, wenn ihnen nicht schon vorher die Periskope zugeschneit sind!"

"Freu dich mal nicht zu früh...", brummte ich, "wie ich die kenne sind die mit allen Wassern gewaschen und sehen uns wahrscheinlich jetzt schon aus ihrem Berg raus!"

"Och komm schon...", stieß mich Seb scherzend an, "wenn die uns schon gesehen hätten, wären deren Wummen längst anderswo und..."

KA-WUMM!!!

Wir fuhren erschrocken herum - und sahen einen der Panzer in einem Feuerball verglühen. "OH NEIN - KRAUTANGRIFF!!!" Der andere Sherman setzte nach vorne und stob nach links in einen Acker, zwei Granaten gingen daneben... die dritte traf voll ins Schwarze, der Turm segelte nur knapp an uns vorbei und grub sich in die frisch verschneite Wiese... fuck, wir waren am Arsch!

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Schreie gellten über das Feld, ich machte drei Verwundete aus, einer von ihnen hatte keinen linken Fuß mehr... Seb spähte durch sein Fernglas und observierte die ersten Dorfhäuser einen knappen Kilometer vor uns: "Scheiße, das sieht nicht gut aus - Krauts überall, mindestens drei MGs, und zwei mächtige Kanonen neben der Kirche - das... könnte schwierig werden!"

"Was machen wir jetzt?!"

"Wir haben keine Wahl - ATTACKE!!!"

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Über das freie Feld preschten wir los - zwei blieben mit der einzige Browing zurück, die wir noch hatten, und regelte das Fernfeuer; dennoch, die Deutschen setzten uns schwer zu. Deckung gab es recht wenig, und sie hatten mehrere verdammt gute Schützen... neben mir ging ein Veteran nieder, ich warf mich hinter eine niedrige Steinmauer in Deckung, Seite an Seite mit Seb und Paul: "Na ihr zwei Irren, geht's auch nur noch zurück?!"

"Ich habe die Krauts echt unterschätzt, zumal die gar nicht hätten hier sein sollen!", fluchte unser Major und feuerte eine Salve aus seiner Grease über unsere Deckung, während ich nachlud, "bloß gut, dass die großen Geschütze uns hier nicht mehr erwischen können..."

"PANZER!!!"

Bitte nicht auch das noch!

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Und doch - ein Tiger, ja, ein gottverdammter Tiger rollte aus der Hauptstraße und versenkte seine Granate genau in einem kleinen Schuppen - alle dahinter gewesenen Amerikaner waren auf einen Schlag tot. "TIGER, RÜCKZUG, RÜCKZUG!!!", gellten die Rufe kreuz und quer, "ZURÜCK, ZURÜCK!!!"

Paul überlegte nicht lange und sprintete los, er kam zwanzig Meter, dann traf ihn eine Kugel in den Unterschenkel, schreiend ging mein Freund zu Boden... nein, nicht auch noch er! "SEB, DU NIMMST PAUL, ICH VERSCHAFF UNS DECKUNG BIS ZUM NÄCHSTEN GEBÜSCH!!!"

"VERSTANDEN, PACKEN WIR'S AN!!!"

Zu zweit ging es durch den tödlichen Regen aus Schrapnell und deutschen Grüßen, Seb griff den Verletzten an den Schultern und half ihm auf, stützte sein Bein und hinkte los, ich ballerte Magazin um Magazin - und dann stand ich Angesicht in Angesicht mit dem Tiger.

Eine Schönheit in diesem Krieg, solch ein Panzer - für die Deutschen.

Und er feuerte.

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Erde klebte in meinem Gesicht, tonlose Klänge hallten gespenstisch in meinem Kopf... etwas zog mich hoch, riss mich hinfort... es war Seb... er war zurückgekommen, um mir zu helfen... ich sah den Tiger hinter uns, schemenhaft wie den Tod... unseren Tod. "Gleich bist du in Sicherheit - Phil, fang! Ich..."

KA-BUMM!!!

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Mein Kopf rutschte in den Schnee des Schützenloches... meine Sinne erwachten zu neuem Leben, mühsam rappelte ich mich auf und fand mich hoffnungslos, alleine und umgeben von Verwüstung, Schmerzen und dem Ende wieder. Seb lag neben mir, eine große Wunde zierte seinen Kopf... nein, NEIN, NICHT ER, NICHT SEB!!! "IHR DEUTSCHEN SCHWEINE!!!", schrie ich rasend vor Zorn, packte die umgestürzte MG und lud durch, "FRESST DAS IHR..."

Die Worte blieben mir im Hals stecken, meine Kehle war wie zugeschnürt.

Der Tiger hatte mich im Visier, sein Rohr zeigte genau auf mich.

Eine letzte Träne weinend schloss ich die Augen.

KA-WUMM!!!

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...

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Nichts.

Nichts.

Leere.

Fühlte sich so Sterben an? Es war... befreiend, unendlich erleichternd... und... was war das für ein nerviger Schatten vor meinen Augen? "JOX!!!"

Ein Knall links-rechts-links, ich war zurück unter den Lebenden, die Browing nach wie vor fest in der Hand: "AUA!!!"

"NICHT PENNEN, LOS, FEUER FREI, ODER LASS MICH RAN!!!"

"Aber... der Tiger...", dann sah ich ihn - ohne Turm, aus dem Rumpf schlugen Flammen, "heiliger Edwart!"

Phil hatte seinen Helm nicht mehr auf und starrte jetzt nicht minder erstaunt auf das Wrack: "Ja aber wie...?!"

Da rumpelte ein weiterer Tiger, verstärkter Bauart, aus einer Seitenstraße, bremste, drehte sich, und erledigte eine deutsche Stellung samt komplettem Haus - das gab's doch nicht!

Anscheinend ja doch...

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"NA LOS, KOMMT SCHON!!!", rief ein Lieutenant der 90., "DA WILL UNS JEMAND HELFEN - WIR MÜSSEN UNVERZÜGLICH ANGREIFEN UND DAS DORF EROBERN!!!"

Das ließ sich keine von uns zweimal sagen, Phil verblieb am MG, ich bewältigte den Acker ein zweites Mal und schaffte es bis ganz dicht an unseren Retter heran, der soeben eine deutschte Stellung platt walzte und mit seinem Rohr eine Hauswand einriss - da konnte doch nur einer drin sein!

"ROBERT?!"

Er war es.

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Zwei Boys und ich verschafften uns etwas Deckung und kletterten auf den Panzer, die Luke war nicht mal verriegelt - und da saß er, lenkte das deutsche Monstrum im Alleingang und grinste über sein ganzes Gesicht... oh man! "Robert, menscht du!"

"Tja, den konnte ich doch nicht stehen lassen - nur Fahren und Feuern geht leider nicht gleichzeitig, könnt ihr das machen?"

"Klar!", strahlten meine beiden Begleiter und übernahmen das Hauptgeschütz, "Sir, Ihre Befehle!"

"Wir kümmern uns um die beiden Kanonen neben der Kirche, so wie es der Angriffsplan vorsieht - uns erwarten links und rechts eine Panzerkanone, die schalten Sie zuerst aus - noch Fragen?"

"Nein Sir!"

"Gut, dann los!"

Und ich trat das Gaspedal durch.

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Robert kletterte raus und machte seine Bazooka scharf, ich näherte mich der rechten Vierziger, die die Straße bewachte und uns offenbar noch nicht bemerkt hatte... "FEUER!!!"

BÄNG!!! und KA-BAMM!!!, neue Granate ins Rohr, zu den Verschluss... BANG!!! Die Krauts rannten wie die Hasen, Robert erwischte mindestens zwanzig, unsere Bug-MG erledigte weitere... der Wahnsinn, so ein Tiger, und dann noch selbst drinnen zu sitzen und zu fahren! "Fertig... FEUER!!!"

Eine letzte Granate schickten wir den Flüchtigen nach, leicht daneben zermöbelte sie ein Schuppen, Bretter regneten auf die Krauts und umliegenden Häuser herab... wir hatten es geschafft!

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Die Freude unserer Gefährten war unbeschreiblich, dass wir sowohl die Kanonen als auch einen Tiger hatten... Robert den Tiger im Alleingang geklaut hatte! Der hatte doch tatsächlich die Besatzung nochmal in ihr Quartier rennen sehen und war spontan zugestiegen, hatte den Kommandanten mit seiner Luger erledigt und die Führung übernommen... unfassbar, dass die Kanone schussbereit war, sonst wären Phil und ich... Phil und Seb!

Ich hetzte zurück zu dem Loch... und meine letzte Hoffnung schwand, als ich Männer versammelt um die Grube stehen sah, die Helme abgenommen, die Köpfe gesenkt. Ein Platz war noch frei... ich trat hindurch und kniete mich neben meinen Freund, der die Hand meines Majors hielt... nein, bitte nicht! "Jox... Jox... du... du und Robert... führt die Goat Brigade... bringt sich sicher nach Berlin... und... erschießt Hitler für mich mit... ich... ich..."

Sein Atem erschlaffte, seine Muskeln entspannten sich, sein Blick war leer.

Seb Reiter war tot.

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"Ist hier ein Offizier?"

Ich drehte mich um, Tränen liefen mein Gesicht herunter... ein fremder Marine stand vor drei unserer Kameraden, seine Uniform war sauber und ordentlich: "Ich melde - der Hackenberg ist soeben gefallen, Verstärkung auf dem Weg... ah, da kommt sie schon!"

Mehrere Shermans rollten heran, Amerikaner über Amerikaner, die misstrauisch den Tiger mit US-Flagge beäugten, sich dann aber doch näherten und den Sieg gemeinsam feierten... mir war dazu nicht zumute. Zwei Sanitäter kamen und trugen unseren Freund davon... "Mach's gut, Seb."

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Niedergeschlagen folgte ich den anderen zum Dorfplatz, wo Mechaniker gerade die deutschen Kanonen auseinander nahmen, Robert schwatzte munter vom Angriff, als wäre er ohne Verluste geschehen... ein Colonel trat an ihn heran: "Sind Sie Lieutenant Robert?"

"Der bin ich, Oberst..."

"Barc, französischer Colonel und Ortskundiger - haben Sie diesen Panzer hinter sich allen Ernstes alleine erobert?"

"Habe ich, das war gar nicht mal so schwer!"

"Ich habe eine schlechte und eine gute Nachricht für Sie, welche soll es zuerst sein?"

"Die schlechte?"

"Ihr Major Seb Reiter ist gefallen."

Meinem König klappte die Kinnlade runter, seine Augen spiegelten blankes Unverständnis wieder: "W-was?!"

"Tut mir aufrichtig leid, doch er hat verfügt, dass Sie sein Nachfolger werden - Leutnant Robert, ich ernenne Sie zum Captain und neuen Anführer der Goat Brigade - machen Sie mich, ihn und Patton so stolz, wie Sie können!"

"J-ja, danke, danke!"

"Gut - Sie werden Morgen früh mit Ihren verbliebenen Männern aufbrechen und sich bis Bouzonville (deutsch Busendorf) durchschlagen... und nun machen Sie erstmal Pause und ruhen sich etwas aus, wir erledigen das hier!"

"Jawohl Sir... und... noch eine Bitte!"

"Ja?"

"Könnten Sie... den Tiger hier stehen lassen?"

"Aber sicher, es ist Ihrer, Sie haben ihn erbeutet - wenn Sie möchten, lasse ich drei meiner Leute mit etwas Farbe ran, dann erkennt jeder, dass sie einer von uns sind, einverstanden!"

"D'accord, merci très bien, Monsieur!"

"Ah, vous parlez francais aussi?"

"Bien sûr, j'aime la longue et mon frère et moi ont aidé la Résistance librerer Paris!"

"C'est incroyable!"

"Est-ce que je vous ranconte l'historie?"

"Avec plasir, Monsieur!"

"Ben... alors..."

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Spät am Abend hatten wir es uns im Gasthaus des Ortes bequem gemacht. Die Dorfbewohner waren zurück aus ihren Verstecken und feierte uns als Helden... und endlich, nachdem Robert mich zu seinem ersten Leutnant gemacht hatte, huschte ein erstes Lächeln über den errungenen Sieg über mein Gesicht... und ich stieg ein in das fröhliche Reigen, in die Unbeschwertheit, die wir für diese eine Nacht hatten.

Und die uns vergessen ließ, was wir erlebt und welchen Preis wir dafür bezahlt hatten.

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ENDE

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